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Anarchismus
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Andreas
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Kommunismus
Meinhof,
Ulrike
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Pop-Art
Punkrock
Rote-Armee-Fraktion (RAF)
Ramones, The
Sex
Pistols
Terrorismus
Toten Hosen,
Die
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Pop-Art, Bewegung
in der bildenden Kunst der fünfziger und sechziger Jahre, vor
allem in den USA und Großbritannien, deren Ästhetik bald auch
auf andere Bereiche der Gesellschaft übergriff. Die Pop-Art
(verkürzt für popular art, auf Deutsch etwa
„volkstümliche Kunst”) entstand in zwei voneinander unabhängigen
Richtungen in London und den USA.


Die Bilder der Pop-Art wurden den Produkten der
Massenindustrie entlehnt. Geprägt wurde der Begriff von dem
englischen Kritiker A. Alloway. In den Gemälden, Collagen,
Skulpturen, Photomontagen und Happenings der Pop-Art-Künstler
tauchen Bierflaschen, Suppendosen, Comicstrips, Straßenschilder
und ähnliche Objekte auf. Andere verwendeten die Objekte selbst,
manchmal in überraschend verfremdeter Form. Neue Materialien wie
Plastik, Kunstharzschaum und Acrylfarbe wurden bevorzugt. Als
eine der wichtigsten Kunstbewegungen der zweiten Hälfte des
20. Jahrhunderts beeinflusste die Pop-Art nicht nur das Werk
nachfolgender Künstler, sondern wirkte auch auf Werbung,
Unterhaltungsmusik, Graphik-Design und Mode.
Zu den Vorläufern der Pop-Art zählt das Werk der
Dadaisten – z. B. des französischen Künstlers Marcel Duchamp –
ebenso wie amerikanische und europäische Traditionen des 19. und
20. Jahrhunderts: die Trompe-l’œil-Malerei und andere
Darstellungen alltäglicher Gegenstände. Nicht wenige
Pop-Art-Künstler verdienten ihren Lebensunterhalt in
kommerziellen, verwandten Branchen.
Pop-Art entstand als Reaktion auf den Abstrakten
Expressionismus der vierziger und fünfziger Jahre, den die
Pop-Art-Künstler als zu intellektuell, subjektiv und losgelöst
von der Wirklichkeit empfanden. Indem sie sich das Motto des
amerikanischen Komponisten John Cage zu Eigen machten, die Kluft
zwischen Leben und Kunst zu schließen, ließen sich die
Pop-Art-Künstler auf die Wirklichkeit des Alltags ein. Sie
verwendeten Bilder, die die Vulgarität der Massenkultur spiegeln
sollten, um eine unmittelbare Wahrnehmung der Realität zu
erreichen, wie sie in der realistischen Malerei der
Vergangenheit nie gelingen konnte. Ziel war eine unpersönliche
Kunst, die dem Betrachter einen direkten Kontakt zum Kunstwerk
ermöglichen und weniger auf Absicht und Persönlichkeit des
Künstlers verweisen sollte. Aber auch satirische und kritische
Momente sind in der Pop-Art festzustellen.
In den Vereinigten Staaten gaben Robert Rauschenberg
und Jasper Johns den entscheidenden Anstoß. Rauschenberg
fertigte Collagen aus Einrichtungsgegenständen wie Decken und
Kissen, Johns malte Bilderfolgen, die die amerikanische
Nationalflagge und Zielscheiben darstellen. Das erste
ausgereifte Werk der Pop-Art sehen wir in Just What Is It
That Makes Today’s Home So Different, So Appealing? (Was ist
es nur, was heute das Zuhause so anders, so anziehend macht?)
des englischen Künstlers Richard Hamilton (1956,
Privatsammlung). In dieser Collage zweier grotesker Figuren in
einem Wohnzimmer werden die Kennzeichen der Pop-Art deutlich
sichtbar: Ausgelassenheit, Widersinn, Ungeschminktheit und
Ironie.
In den sechziger Jahren nahm die Pop-Art eine rasante
Entwicklung. 1960 schuf der britische Künstler David Hockney
Typhoo Tea (Kasmin Gallery, London), eines der ersten
Gemälde, das ein Warenzeichen für ein kommerzielles Produkt
darstellte. Im gleichen Jahr wurde Johns bemalte Bronzeplastik
von Ballantine-Bierbüchsen gegossen, und 1961 entwarf der
Amerikaner Claes Oldenburg seine grellen Plastiken von
Hamburgern. Roy Lichtenstein bereicherte die Pop-Art mit
seinen Ölgemälden, die Comicstrips in grellen Farben und
überformatigen Szenen imitierten. Manche Künstler wie der
Koreaner Nam June Paik und der Amerikaner Al Hansen inszenierten
Happenings, theatralische Aktionen vor Publikum.
Zur Verwendung von Gegenständen aus der Massenkultur
kam die Übernahme von Techniken der Massenproduktion. Robert
Rauschenberg und Jasper Johns gaben das Einzelgemälde zugunsten
von großen Bildfolgen auf, in denen jedes Bild den gleichen
Gegenstand zeigte. In den frühen sechziger Jahren ging der
Amerikaner Andy Warhol einen Schritt weiter, indem er das aus
der Massenproduktion bekannte Siebdruckverfahren nutzte, um
Hunderte identischer Drucke von Coca-Cola-Flaschen, Campbells
Suppendosen und anderen Gegenständen herzustellen.
Weitere wichtige Werke der amerikanischen Pop-Art
sind George Segals weiße Gipsabgüsse von Personen in
nachgestellter alltäglicher Umgebung (Küche, Haltestelle,
Parkbank), Wayne Thiebauds Darstellung von Tortengebäck in
dicker Farbe, die wie Zuckerguss wirkt, imitierte Reklametafeln
von James Rosenquist sowie die satirische Folge von
amerikanischen Nackten, die Tom Wesselmann schuf. Jim Dine
kombinierte Gegenstände mit Malerei, Robert Indiana arbeitete
typographisch und entwarf Nummern, Buchstaben und Symbole. In
England malte Peter Blake pseudo-ernste, werbewirksame Bilder
von populären Berühmtheiten, und R. B. Kitaj malte Bilder, die
oft „Ideen-Collagen” genannt wurden und auf streng figurativer
Basis seltsame und unverständliche Bezüge zur Literatur
herstellten. In den anderen europäischen Ländern schlossen sich
Pop-Art-Künstler zur Gruppe des Nouveau Rèalisme zusammen: u. a.
der Franzose César, der Autoteile einschmolz oder
zusammenpresste, sein Landsmann Yves Klein, der das Azurblau als
seine persönliche Farbe patentieren ließ, die Schweizer Daniel
Spoerri – der Essensreste in Acrylglas einschmolz (Eat-Art) –
und Jean Tinguely, der Skulpturen aus Schrott herstellte, sowie
der deutsche Maler Gerhard Richter mit seinen Farbtafeln und
seiner monochromen Malerei in Grau.
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