Göttersterne
In der Zeit als ich noch in Aschersleben wohnte, besuchte ich oft die Stadtbibliothek. Zu meinen Interessen zu den Gedichten lieh ich mir auch einige Bücher über die Hintergrundinformationen verschiedener Gedichte aus, die vom Star-Kritiker Marcel Reich-Ranicki geschrieben worden sind. Einem Buch tauchten zu einer Hintergrundinformation verschiedene Wörter auf, die man nicht im alltäglichen Leben gebraucht. Es waren Wörter wie "Garanten" oder "meta-physikalsich". Damals wusste ich noch nicht, was diese Wörter bedeuten konnten. Ich ließ meine Phantasie mitspielen und durch diese Wörter entstand ein sehr langes Gedicht, was meine Erwartungen nun erfüllte...
Normalerweise verfasste ja ein Mensch seine Gedicht in seiner Wohnstube vor dem Computer, auf einer Schreibmaschine oder provisorisch auf ein Stück Papier auf. Ich saß jedoch nicht in der Stube, sondern in meinen Zimmer, und habe fleißig geschrieben. Das Gedicht "Göttersterne" habe ich mitten im Unterricht meines Jahres, als ich den erweiterten Realschulabschluß machen wollte, auf den provisorischen Schreibmittel Bleistift & Zettel verfasst.
Das Gedicht wurde nun 80 Verse lang und im Sinne des Wortes eine wahre Konkurrenz für Goethe...
Das Gedicht erzählt von der Zeit, als die Menschen noch an Götter glaubten. Sie stellten sich bei den Sternen darunter mächtige Götter vor, die über die Menschheit wachen und die einzelnen Schicksale jedes Menschen entscheiden. Sie galten entweder als Schutzbringer für die Liebe der Menschen untereinander oder aber auch als Unheilsbringer für Kriege und Hungersnoten. Für die Götter wurden viele Tempel erreichtet und Opfergaben der Götzenstaue des Göttes angeboten. Es versucht auch der Mensch in diesem Gedicht so nahe an die Göttlichkeit der Götter heranzukommen wie es ähnlich mit dem Bau des Turm zu Babel geschah. Doch sie haben es in diesen Verhältnissen nie annähernd geschafft.
Man merkt aber an diesem Absatz schon wie abgespeckt diese kleine Inhaltsangabe ist. Zu einem ist wirklich schwierig von einem sehr langem Gedicht einen kurzen Inhalt und das wesentliche wiederzugeben. Doch zum anderen ist eine Inhaltsangabe auch oft gar nicht notwendig. Warum eigentlich immer um den heißen Brei herum reden, wenn der Leser das Gedicht selbst lesen und dann weiß, wovon das Gedicht handelt bzw. einen Schimmer davon hat?
In diesem Gedicht sind auch einige Stellen drin, die ich etwas genauer erklären möchte. Das beginnt schon in den Versen 3 und 4. Dort ist die Rhythmik der beiden Verse an das Gedicht "Tyger, Tyger" von William Blake angelehnt. Eine genauere Beschreibung findet Ihr in der Hintergrundinformation des Gedichts "Gitarrenmusik unterm Sternhimmel".
In Vers 12 taucht "in der tiefen Leer' " auf. Das ist eine Umschreibung für den Weltraum, den er wirkt auf den ersten Blick wegen seiner Größe recht leer.
Goethe hat in eines seiner bekannten Gedicht auch Anfangsreime verwendet. Normalerweise reimen sich immer die letzten Worte von zwei Versen, doch es gibt auch die Möglichkeit, dass sich die Wörter am Anfang der Verse reimen können wie es nun bei Goethe geschah:

"Krieg war das Anfangswort.
Sieg - und so klang es immer fort."

Diese Möglichkeit des Reimens habe ich in den Versen 21 und 22 ebenfalls einmal versucht:

"Hell leuchtet Ihr gar mächtig,
grell strahlt Ihr gar prächtig."

In den Versen 33 bis 36 habe ich die Thematik der Gegensätze wieder angesprochen. Des "Spiegels Schein" ist nicht anderes, als das es heißt, dass zu jeder Sache einen Gegensatz (oder anderes ausgedrückt: ein Spiegelbild) gibt. Dann folgen ein paar Belege für die Tatsache:

"der Gegensatz von Groß und klein,
von kurz und lang, bös' und lieb;"

Nur der letzte Vers des Gedichtes ist etwas aus den Fugen geraten. Besonders beim letzten Wort "Gezeitenheit" läßt sich die Bedeutung sind genau erkennen. Dieses Wort ist eigentlich eine Wortneuschöpfung von mir und hat nichts mit den "Gezeiten" wie Ebbe oder Flut zu tun. Es geht vielmehr auf das Wort "Zeit" zurück, denn dieser Vers sollte eigentlich aussagen, dass die Zeit an Bedeutung verliert und dass die Zeit nicht drängt. Doch leider musste ich das Wort "Gezeitenheit" nehmen, denn es gäbe sonst "reimende" Probleme mit dem vorher gehenden Vers. Natürlich gibt es Möglichkeiten, diesen Vers durch einen neuen Vers zu ersetzen, der das Problem aus der Welt (in diesem Fall aber aus der Gedicht) schafft. Momentan habe ich aber keinen passenden Vers gefunden, der gut auf das Gedicht einwirkt. Habt Ihr vielleicht Vorschläge? Dann laßt es mich wissen!


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