Manchmal stelle ich mir vor, ich sitze irgendwo auf einer weiten Wiese und sie ist fernab jeder Zivilisation gelegen. Ich sehe, wie die orange Sonne im westlichen Horizont untergeht und der Tag sich zur Nacht verwandelt. Langsam taucht auch eine schmale Mondsichel auf und die ersten Sterne lassen sich sehen. Es ist aber nicht kalt. Nein, es ist eher schwül-warm. Denn es ist Sommer und ich sitze auf einer duftenden Wiese
unterm sommerlichen Sternhimmel...
Dies war die Ausgangsidee meines Gedicht. Es entstand auf einer sehr ungewöhnlichen Weise und hatte zur Folge, dass es das längste Gedicht wurde, was ich in meinen Leben bisher schrieb. Es war auch eines der ersten Ergebnisse seit ich von der "geistigen Energie" erfaßt worden bin.
Wie entstand dieses Gedicht nun? Wir Menschen, die uns mit der Astronomie und deren verwandten Wissenschaften wie Astrologie oder Astrophysik astromäßig beschäftigen, besitzen und gebrauchen einige lexikographische Werke. Das sind vor allem die Nachschlagewerke, die uns in Fakten und Zahlen unter anderem zeigen, welches kosmische Objekt wann und wo zu sehen ist. Ein sehr gutes Buch, das jährlich erscheint, ist das
Kosmos Himmelsjahr. Es wird von Hans-Ulrich Keller im
KOSMOS-Verlag heraus gegeben. Diese Bücher sammle ich nun für jedes Jahr. Natürlich lese ich mir auch die Seiten durch, denn warum so ich dann dieses Buch kaufen, wenn ich nicht nur Zahlenmaterial haben will. Im Laufe der Zeit hatte ich DIE Schnapsidee: Man könnte diverse Textausschnitte aus meinen Jahrbüchern zu einem gemischten neuen Text zusammensetzen und dann in einer reimende Form aufs Blatt schreiben. Als Richtung des Themas wählte ich, was man am nächtlichen Sternhimmel im Sommer sieht. Der Titel des Gedichts stammt übrigens aus einem der vielen Vorträge des Planetariums von Aschersleben, die in der Kuppel stattfinden.
Als Vorlage zum Verfassen meines Gedichts verwendete ich das
Kosmos Himmelsjahr aus den Jahrgängen 1997-1999. Es dauerte nicht lange (eine Woche ungefähr) und eine "Rohform" des Gedichts war fertig. Ich brauchte nur die mit Bleistift geschriebenen Kritzeleien zu einem Gesamtgedicht zusammenfassen und "mit Feile und Schleifpapier es noch fein glätten". Dann war das Gedicht fertig - bestehend aus 946 Wörtern, 148 Zeilen und insgesamt aus 5006 Buchstaben.
Das lange Gedicht ist an vielen Stellen sehr bemerkenswert und interessant. Und überhaupt habe ich in diesem Gedicht eine neue sprachliche Form versucht und sie mit eingebracht. Leider kann ich nicht mit vielen Worten diesen sprachlichen Stil beschreiben. Er klingt ein bißchen abgehakt, manche Wörter (z. B. Verben) wurden durch andere Wörter gleichen Stammes oder Klanglautes ersetzt (z. B.
"Senkt" durch
"Gesenkt") und an einigen Stellen im Vers sind die Wörter miteinander vertauscht. Ich habe einige Verse aus meinem langen Gedicht hier nun aufgezählt, damit Ihr erkennen könnt, wie der sprachliche Stil sich handhabt:
Vers 4: |
"ihre Köpfe gerichtet in den tiefen Weltenräumen" |
Vers 5: |
"Gesenkt sich die Sonne langsam unterm Horizont" |
Vers 20: |
"das Sommerszenario der Sterne ihrer Pracht." |
Vers 26: |
"die nördliche Spitz' den Deneb markier'," |
Vers 39: |
"denn Regulus, sein Hauptstern, bereits unterm Horizont entdriften;" |
Vers 56: |
"Arktur den Helligkeitsschwerpunkt im West gebildet." |
Vers 67: |
"sein lateinischer Name ist "Draco" zu sagen," |
Vers 119: |
"wenn sich die klein' Wolken entzieh'n, oh eine Herzensbitte," |
Vers 127: |
"Je größer wird er immer heller," |
Vers 131: |
"in den des Winters abendlich," |
Beim Lesen des Gedichts wird man bemerken, dass es in drei inhaltliche Teile gegliedert ist, obwohl der fortlaufende Aufbau gleichbleibt und sich nicht durch Leerzeilen oder Abschnitte trennt. Der erste inhaltliche Teil ist wie eine Einführung in die Nacht: Die Leute kehren aus dem alltäglichen Leben zur Ruhe und es wird langsam Nacht. Die Sonne verschwindet unterm Horizont, die ersten Sterne erscheinen und der Mond geht langsam auf. Das sind die typischen Erscheinungen und Abläufe eines Beginns einer Nacht.
Im zweiten Teil ist die Nacht schon da und man sieht die sommerlichen Sternbilder und die einzelnen Sterne. Vers für Vers wird in meinen Gedicht der Verlauf einer Sommernacht und zähle einige Formationen der Sternbilder auf. In diesen Versen lasse ich einige Sternbilder, die Tiere verkörpern, regend und lebendig erscheinen. Zum Beispiel muss sich im 110. Vers der Schlangenträger mit einer Schlange auf dem Rücken abbuckeln ("
der Schlangenträger, der die Schlange trägt") oder in Vers 66 oder 68, wenn sich der Drache am Sternhimmel etwas Platz verschaffen muss ("
sich der lange Drache schlängelt," / "und sich durch die Sterne drängelt.").
Mit dem dritten Teil endet die Nacht wieder. Die Sterne verblassen und die Morgendämmerung setzt ein. Dann zwitschern auf schon die ersten Vögel, wenn die ersten hellen Strahlen durch den neuem Aufgang der Morgensonne im Osten erscheinen.
Apropos
"Vogelgezwischter": Habt Ihr eigentlich schon einmal einen morgendlichen Gesang der Spatzen und Amseln in aller Frühe angehört? Wenn nicht, dann solltet Ihr es einmal machen. (Meckert ja nicht herum, dass Ihr dann früh aufstehen müsst!!!) Der Vogelchor aus Amsel, Drossel, Fink und Star klingt wirklich sehr gut.
Wo wir gleich bei der Natur ist und bleiben werden: Hatte ich erwähnt, dass mein Gedicht realistisch und natürlich zugleich wirkt bzw. wirken soll?! In meinen lange Gedicht habe ich einige Gedichtszeilen eingesetzt, die Euch etwas über die wirkende Umwelt und der umgebenden Landschaft einstimmen:
- Zum Beispiel säuselt im 52 Vers in leiser Wind durch die Äste eines Baums ("zwischen dem Schwingen des Baumgeäst.").
- In Vers 77 weiß man, dass man sich in der Nähe einer Kirche (und somit eines Dorfes) befindet und von dort aus den Nachthimmel beobachtet ("Sie steht kurz über dem spitzen Dach des Kirchenhaus").
- Im 119. Vers kriegt man sogar etwas über das nächtliche Wetter mit ("wenn sich die klein' Wolken entzieh'n, oh eine Herzensbitte,").
- Oft ärgert sich so mancher Sternfreund, dass man er am Horizont nahe Sternbilder oder Planeten schlecht erkennt. Da gibt es viele Ursachen wie Refraktion oder atmosphärische Dunstschichten. In meinen Gedicht plagt auch dieses natürliche Phänomen in Vers 47 ("wird durch horizontnahe Dunstschichten geschwächt").
- Nicht nur Sternbilder und Planeten kommen im Gedicht vor, sondern auch ein Wildhase in Vers 19 ("und selbst der Has' im Hinterwald").
- Wenn Ihr wissen wollt, wie ein kleiner Sonnenuntergang in Kurzform abläuft, dann lest die ersten beiden Verse des Gedichts ("Gedämmert blauer Himmel gen oben," / "Vogelgezwitscher zwischen schattierten Bäumen.")