Stufe X:
Ab der Neuzeit und in vermehrtem Maße noch im 17.
Jahrhundert ist außer der Verwendung des sehr breiten
Scharriereisens (Friederich, Stufe
IX) die Gestaltung des Werksteins mit
unterschiedlichen Bearbeitungsmöglichkeiten Gegenstand
der Steinmetzukunst. Neben den schon im Mittelalter
bekannten Techniken der gepickten (weniger der
abgespitzen) Oberfläche, der Anwendung des Zahneisens
und des Scharriereisens stehen an ein und dem selben
Werkstück geschliffene oder gehobelte Partien ohne
ausgeprägte Textur. Praktisch seit dem 12. Jahrhundert
aufgegebene Abspitzungen und Musterungen der Stufe I treten unter anderem im
Bereich der Sockel, der Rustika oder bei
Grottenarchitekturen auf. Vorbild dürfte jedoch hier
weniger das Mittelalter sein, sondern eher der direkte
Rückgriff auf die Antike.
Die bewußte Gestaltung der Werksteinoberfläche durch
Werkzeugspuren endet schließlich in den polierten und
geschliffenen Oberflächen des Klassizismus, der auf ein
vermeintliches Ideal antiker Marmorarchitektur
zurückgreift. Erst dem 19. Jahrhundert blieb es
vorbehalten, im Zuge des Historismus und des erwachenden
Verständnis der Denkmalpflege für mittelalterliche
Handwerkstechniken blieb es vorbehalten, teilweise die
nachantiken bauhandwerklichen Traditionen wieder zu
beleben, wenn auch manchmal aus dem Blickwinkel einer
romantischen Sehweise.
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