Die John Watson Story

Die John Watson Story

Zwei Welten: John Watson im Brabham BT 45 B und als TV-Kommentator

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Die zwei Karrieren des John Watson

John Watson 1976 (noch mit Bart!) und der unvergessene Ronnie Peterson

I. "Watties" stuermische Formel 1 Zeit

Die meisten, die diese Zeilen lesen, werden John Watson (geb. 4.5.1946 in Belfast) eher als superben Eurosport TV-Kommentator kennengelernt haben und nicht so viel ueber seine Zeit als aktiver Rennfahrer wissen. Wer nach Statistiken ueber John Watsons F1-Karriere sucht, findet dabei 152 Starts, 5 Siege, 2 Poles und 5 schnellste Runden. Statistiken sind langweilig und oft wenig aussagekraeftig. In welcher Statisktik steht, dass die Formel-Karriere des Nordiren nach schweren Unfaellen schon fast zuende war, bevor sie begann? Wo wird das in den 70er Jahren schon fast sprichwoertliche Pech von Watson erwaehnt? So schreibt Ulrich Schwab in seinem Buch "Grand Prix 1977": "Nach so viel Pech in den vorausgegangenen Rennen nun noch Opfer einer Fehlkalkulation. John Watson verliert den sicheren Sieg in Frankreich in der letzten Runde an Andretti aufgrund Spritmangels. Riesenpech auch beim Grand Prix von England in Silverstone: Watson fuhr ein ueberlegenes Rennen bis zum bitteren Ende: Seine haertester Gegner im Kampf um die Spitze, James Hunt, holte sich bei ihm eine Abfuhr nach der anderen. Wie so mancher seiner Kollegen lernte er den irischen Dickschaedel als Gegner jetzt erst richtig kennen. Hunt dazu: "I would never have been able to pass him." Doch bei all seinem Koennen, bei aller Routine - Glueck hatte Watson auch diesmal keins. In der 50. Runde winkte "Wattie" Hunt mit stotterndem Motor vorbei. In der 60. Runde rollt Watson aus. Dampfblasenbildung. Der Weltmeister von 1976 James Hunt in seinem Buch "Allem zum Trotz" ueber den Nordiren: "John ist ein Gegner nach meinem Geschmack. Schnell, hart, immer von Kampfgeist erfuellt, kurz ein Fahrer, der es einem nicht leicht macht. Sein grosses Problem ist, nicht ueber das bestaendige Material zu verfuegen, ohne das es in der Formel 1 nun einmal nicht geht."

Aber auch das war Watson: "Der Mann, der eine halbe Saison lang Schlagzeilen machte und mathematisch schon so gut wie Weltmeister war, hat seit Monaten nichts mehr zu bestellen", schrieb Schwab 1977. Er konnte bei einem Rennen weltmeisterlich fahren und war beim naechsten ploetzlich nirgendwo.

John Watson und Niki Lauda 1982 Und da war Niki Lauda, dessen Name wie ein Schatten ueber Watsons Karriere lag, obwohl er mit ihm stehts gut auskam. 1976 hielt Watson noch den schwer verbrannten Niki Lauda am Nuerburgring im Arm. 1978 bei Brabham und 1982 bei McLaren wurde ihm jeweils der Oesterreicher vor die Nase gesetzt. Trotzdem kam 1982 seine grosse Stunde. All sein Pech in den vorangegangenen Jahren schien sich in Glueck zu verwandeln. Heinz Prueller schreibt in seiner Grand Prix Story 1982: "Watson kann anpacken was er will: ihm gelingt alles (...) Seine Bockspruenge nach vorn sind sensationell." In Detroit faehrt Watson alles in Grund und Boden. Vom 17. Startplaz hat noch keiner einen Grand Prix Sieg geschafft, nicht einmal Jackie Stewart, damals in Kyalami. Der gleiche Stewart, der ueber Watson stets geschmunzelt hat: "Eigentlich ist Watson ein viel zu lieber Kerl um zu gewinnen !" Jahrelang hat ihn trotz seiner unbezahlbaren Erfahrung niemand so recht ernstgenommen. Was ist anders am Watson 82? "Ich fahr nicht viel besser als frueher, sondern so wie ich immer gefahren bin. Nur habe ich frueher meine Faehigkeiten nicht richtig erfasst. Jetzt bin ich ehrgeiziger, aber ich fahre weder besser noch agressiver. Hoechstens mit mehr Selbstvertrauen." 1982 haelt Ron Dennis Watson nicht unbedingt fuer schlechter als Lauda. "Wo liegt dann der Unterschied?" fragt Heinz Prueller. "In der Bezahlung", grinst Lauda. Dann eine Ohrfeige fuer ihn: Beim entscheidenen Rennen 1982 in Las Vegas tragen alle Teammitglieder "we want Watson to win" Buttons. Zwei Fahrer koennen noch Weltmeister werden: Rosberg und Watson. Prueller: "Watson wiederholt seine Aufholjagden von Zolder und Detroit (...) er gibt sein Maximum und geht mit fliegenden Fahnen unter". Alboreto gewinnt, Watson wird zweiter, Rosberg fuenfter und damit Weltmeister.

John Watson bei der Siegesfeier Watson schockiert fuer die naechste Saison das McLaren-Team mit einer Gehaltsforderung von 1.3 Millionen Dollar. Worauf ihm Ron Dennis nur noch einen Vertrag von Rennen zu Rennen gibt. Auch Long Beach 1983 aendert nichts daran: Watson gewinnt vom 22. Startplatz aus, aehnlich wie in Detroit, in einem grandiosen Rennen. Bis heute Weltrekord! Ende 1983 raet Niki Lauda "Unterschreib endlich!" Doch Watson pokert mit Ron Dennis ueber eine fast laecherliche Summe. Niki: "Den Betrag, der fehlt, geb ich Dir: nun unterschreib!" Watsons Pokerpartie waere wahrscheinlich aufgegangen und er haette 1984 Lauda den Titel streitig machen koennen, wenn da nicht ein gewisser Alain Prost zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen waere (zumindest aus Watsons Sicht). Was wenige wissen: Der Renault Pilot hatte damals ein Verhaeltnis mit der Frau des Renault Entwicklungsleiters. Es flog auf und Prost wurde gefeuert. Ploetzlich war er fuer McLaren zu haben. Dennis griff sofort zu und Watson sass auf der Strasse. Doch Wattie wollte in der Formel 1 bleiben - aber nicht um jeden Preis. Im Fruehjahr 1984 titelte die schweizer Motorsport Aktuell noch in riesigen Lettern: "John Watson bei Ligier". Im Nachhinein ein Glueck fuer Watson, dass dieser Deal mit dem bestenfalls zweitklassigen Team niemals zustande kam. Um sich fit zu halten, fuhr der mittlerweile 38 jaehrige Sportwagenrennen fuer Porsche und gewann zusammen mit dem unvergessenen Stefan Bellof 1984 in Fuji. Bis auf ein kurzes F1-Comeback 1985 fuer McLaren in Brands Hatch sollte Watsons Formel 1 Karriere aber beendet sein. Nun hoerte die breite Oeffentlichkeit erst wieder Ende der achtziger Jahre etwas von Wattie - er wechselte in Kommentatorenlager...



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