Zeitungsbericht aus dem Stuttgarter Wochenblatt vom 08.07.2004
Krokodile lernen deutsch
Kinderhaus St. Maria feiert sein 50-jähriges Bestehen - Rückblick auf eine
bewegte Geschichte
S-SÜD - Da
war was los im Hof des Kinderhauses St. Maria in der Fangelsbachstraße.
Gefeiert wurde das 50-jährige Jubiläum des Kinderhauses.
1954 wurde in der Fangelsbachstraße 22 A eine Kindertagesstätte mit vier
Kindergartengruppe eingeweiht: Die „Krokodile", die „Rasselbande",
die „Sonnenkinder" und der „Ameisenhügel" leben familiär immer
noch an der Fangelsbachstraße und fühlen sich dort pudelwohl. „Es ist so schön
familiär", schwärmt Erzieherin Alexandra Janota vom Familienleben im
Kinderhaus St. Maria.
87 Kinder verteilen sich auf die vier Gruppen, sie sind zwischen drei und zwölf
Jahren alt. Das Team des Kinderhauses umfasst Irmgard Sees, die Leiterin, zwei
Erzieherinnen pro Gruppe, eine Frühdienstkraft, eine Vorpraktikantin, zwei Köchinnen
und zwei Reinigungskräfte. Wichtig ist den Erzieherinnen vor allem die
ganzheitliche Förderung der Kinder in einem familiären Umfeld.
Durch die Anbindung an die katholische Kirchengemeinde St. Maria ist die religiöse
Erziehung der Kinder auf der Grundlage des Evangeliums Bestandteil in der
Gruppenarbeit. Die Kinder sollen zu Eigen- und Mitverantwortung, Toleranz dem
Andersdenkenden Gegenüber und zur Achtung und Erhalt der Schöpfung hingeführt
werden.
Im Stadtteil selbst sind über 60 Prozent der Einwohner Ausländer.
Dementsprechend hoch ist auch der Ausländerkinderanteil im Kinderhaus. Aber für
die Erzieherinnen ist das kein Problem.
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Fortsetzung von Seite 1:
Krokodile lernen deutsch
„Wir haben
ja die anderen Kinder, die uns dann übersetzen, wenn ein Kind kein Deutsch
spricht. Und wenn die Zeit im Kinderhaus vorbei ist, können fast alle Kinder
die deutsche Sprache", so Alexandra Janota. Das Motto des Jubiläumsfestes
„Brücken der Freundschaft" liegt auch in dem hohen Ausländeranteil begründet.
„Wir wollen eine Brücke zwischen den Kindern und deren Eltern aus den
verschiedensten Ländern schaffen", erläutert Alexandra Janota. Kontakte
zu den Eltern werden in regelmäßigen Elterngesprächen geknüpft und alle
Informationen aus dem Kinderhaus werden in der zwei mal im Jahr erscheinenden
Kinderhauszeitung veröffentlicht.
Vor 50 Jahren betreute Schwester Vitalis von den Franziskanerinnen aus dem
Kloster Sießen zusammen mit weltlichen Kindergärtnerinnen die Kinder in der
neuen Kindertagesstätte. Auch damals gab es schon einen Kinderhort, der in
einer Baracke zwischen dem Pfarrhaus und dem neuen Kindergarten untergebracht
war. Insgesamt wurden zur Anfangszeit 180 angemeldete Kinder in der Tagesstätte
betreut. 1964 brach man die Holzbaracke ab und brachte die Kinder provisorisch
im Kindergarten unter. Im Herbst des Jahres wurde dann das Gemeindehaus mit zwei
Hortgruppen im Untergeschoss und einer Tagheimgruppe im Erdgeschoss eingeweiht.
Die Erzieherinnen Schwester Ida, Anette und Ingunde sowie Renate Winterle
mussten damals schon tatkräftig mit anpacken, bis der Umbau fertig war.
1988 wurden dann die Kindergartengruppe auf zwei Gruppen reduziert. Dazu kam
dann eine dritte Hortgruppe mit 25 Erstklässlern. Die zwei anderen Hortgruppen
waren damals noch nach Mädchen und Jungen getrennt.
Im Jahr 1992 wurde dann das Konzept des Familienlebens im Kinderhaus eingeführt.
Bis heute hat sich dieses bewährt. Das nächste große anstehende Projekt ist
die Hofrenovierung im nächsten Jahr. Doch dafür fehlt noch ein bisschen Geld,
denn insgesamt soll die Renovierung 34 000 Euro kosten. Die müssen selbst
aufgebracht werden. Die Einnahmen vom Jubiläumsfest werden dazu verwendet, was
aber nur ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein ist. Es werden also noch
viele Sponsoren gesucht, die mithelfen, den Kindern einen neuen Spielplatz im
Hof zu bauen. Dass das Team vom Kinderhaus und die Eltern tatkräftig mithelfen
werden, ist selbstverständlich. Beim Jubiläumsfest zum 50-jährigen Bestehen
wurden die neuen Pläne schon einmal der Öffentlichkeit präsentiert.
Neben vielen internationalen Leckereien, war natürlich so allerlei für die
Kinder geboten. „Eine Reise um die Welt" konnten die Kinder unternehmen.
Auf ihrem Weg durch Asien, Afrika, Australien, Amerika und Europa gab es tolle
Spiele zu erleben, die auf einem „Reisepass" abgestempelt wurde. Eine
fleißige Tanzgruppe hatte unter der Leitung von Alexandra Janota einen Tanz
einstudiert, der von den Eltern und Gästen mit stürmischem Applaus gefiert
wurde. Den ganzen Tag wurde im und ums Kinderhaus gefeiert und alle freuen sich
schon auf die nächsten fünfzig Jahre.
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