Stufe VI:
Die seit dem Ende des 12. und vor allem dann im 13.
Jahrhundert verwendete Zahnfläche findet auch nach der
Mitte des 14. Jahrhunderts bei Weichgesteinen Anwendung.
Gegenüber der Zahnflächung des 13. Jahrhunderts (Stufe V nach Friederich) tritt eine
Verfeinerung der Oberflächengestaltung auf, außerdem
wird der Randschlag nun sehr schmal. In der Stufe VI wird
eine im Durchschnitt schmälere und leichtere Zahnfläche
verwendet, als dies in Stufe V der Fall war. Für die
Textur der Oberfläche ist jedoch die Art der
Werkzeugführung von Bedeutung: leichte, senkrecht auf
den Quaderspiegel geführte Hiebe. Die grobe Bearbeitung
im "Stich" spielt demnach bei Sichtflächen als
Endzustand keine auschlaggebende Rolle mehr.
Das Punktmuster erinnert einerseits an
"gepickte" Oberflächen, wie sie mit dem
Spitzeisen oder der Spitzfläche erzeugt werden,
andererseits kann die regelmäßige Anordnung der
Punktreihen mit den Werkzeugspuren des wesentlich
jüngeren Stockhammers verwechselt werden. Lezterer war
ursprünglich ein Werkzeug für Hartgesteine, wurde aber
im 19. und leider auch noch im 20. Jahrhundert zur
raschen Überarbeitung von Kalk- und sogar
Sandsteinquader bei Restaurierungen verwendet, wo es eine
unschöne, nicht materialgerechte und außerdem
konsevatorisch bedenkliche Oberfläche mit
"Waffelmuster" erzeugt. Die Unterscheidung ist
bei nicht zu stark angewitterten und versinterten
Flächen relativ einfach: "gepickte"
Oberflächen weisen keine durchlaufende Punktreihen,
"gestockte" Oberflächen ein quadratisches
"Waffelmuster" auf, das von der Hammerbahn
stammt. Die "Zahnpille" - wie Friederich die
leichte Variante der Zahnfläche bezeichnet - erzeugt
eine "gepillte" Oberfläche, bei der sich die
Zahnspuren jeweils zu einer einzeiligen Punktreihe in
Breite der Zahnpille unterscheiden lassen. Das Zahneisen
- das analog zum beidhändig geführten Hiebwerkzeug
Zahnfläche entsprechende, mit dem Klüpfel getriebene
Schlagwerkzeug - wird in der Regel schräg über die
Oberfläche geführt, hinterläßt also keine
Punktreihen, sondern kurze, geriefelte Meißelspuren.
Die Pillung, also die senkrecht auf die
Werkstückoberfläche ausgerichtete Führung eines
leichten Hiebwerkzeuges, hat beim ungezahnten
Hiebwerkzeug der Glattfläche in der Stufe VII ihre Entsprechung.
Diese von Friederich eingeführte Stufung darf jedoch
nicht mit einer chronologischen Reihung verwechselt
werden, da die oberflächenglättende Anwendung der
leichteren Form der Glattfläche als allmählicher
Übergang von Stufe IV zu Stufe VII aufzufassen ist, die
parallel zu Stufe V und Stufe VI
mit gezahnten Werkzeugen verläuft. Der Unterschied liegt
in der diametralen Auffassung der Oberflächengestaltung:
individuelle Textur versus glatte Oberfläche.
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