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studiolo Steinbearbeitung von Quadermauerwerk:
Friederich, Stufe VI
Inhalt

Friederich Abb. 65Stufe VI:

Die seit dem Ende des 12. und vor allem dann im 13. Jahrhundert verwendete Zahnfläche findet auch nach der Mitte des 14. Jahrhunderts bei Weichgesteinen Anwendung. Gegenüber der Zahnflächung des 13. Jahrhunderts (Stufe V nach Friederich) tritt eine Verfeinerung der Oberflächengestaltung auf, außerdem wird der Randschlag nun sehr schmal. In der Stufe VI wird eine im Durchschnitt schmälere und leichtere Zahnfläche verwendet, als dies in Stufe V der Fall war. Für die Textur der Oberfläche ist jedoch die Art der Werkzeugführung von Bedeutung: leichte, senkrecht auf den Quaderspiegel geführte Hiebe. Die grobe Bearbeitung im "Stich" spielt demnach bei Sichtflächen als Endzustand keine auschlaggebende Rolle mehr.

Das Punktmuster erinnert einerseits an "gepickte" Oberflächen, wie sie mit dem Spitzeisen oder der Spitzfläche erzeugt werden, andererseits kann die regelmäßige Anordnung der Punktreihen mit den Werkzeugspuren des wesentlich jüngeren Stockhammers verwechselt werden. Lezterer war ursprünglich ein Werkzeug für Hartgesteine, wurde aber im 19. und leider auch noch im 20. Jahrhundert zur raschen Überarbeitung von Kalk- und sogar Sandsteinquader bei Restaurierungen verwendet, wo es eine unschöne, nicht materialgerechte und außerdem konsevatorisch bedenkliche Oberfläche mit "Waffelmuster" erzeugt. Die Unterscheidung ist bei nicht zu stark angewitterten und versinterten Flächen relativ einfach: "gepickte" Oberflächen weisen keine durchlaufende Punktreihen, "gestockte" Oberflächen ein quadratisches "Waffelmuster" auf, das von der Hammerbahn stammt. Die "Zahnpille" - wie Friederich die leichte Variante der Zahnfläche bezeichnet - erzeugt eine "gepillte" Oberfläche, bei der sich die Zahnspuren jeweils zu einer einzeiligen Punktreihe in Breite der Zahnpille unterscheiden lassen. Das Zahneisen - das analog zum beidhändig geführten Hiebwerkzeug Zahnfläche entsprechende, mit dem Klüpfel getriebene Schlagwerkzeug - wird in der Regel schräg über die Oberfläche geführt, hinterläßt also keine Punktreihen, sondern kurze, geriefelte Meißelspuren.

Die Pillung, also die senkrecht auf die Werkstückoberfläche ausgerichtete Führung eines leichten Hiebwerkzeuges, hat beim ungezahnten Hiebwerkzeug der Glattfläche in der Stufe VII ihre Entsprechung. Diese von Friederich eingeführte Stufung darf jedoch nicht mit einer chronologischen Reihung verwechselt werden, da die oberflächenglättende Anwendung der leichteren Form der Glattfläche als allmählicher Übergang von Stufe IV zu Stufe VII aufzufassen ist, die parallel zu Stufe V und Stufe VI mit gezahnten Werkzeugen verläuft. Der Unterschied liegt in der diametralen Auffassung der Oberflächengestaltung: individuelle Textur versus glatte Oberfläche.


E-Mail 28.09.98 10:48
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