Gitarrenmusik unterm Sternenhimmel

Die Idee zur Verfassung dieser Gedicht ging auf ein Vortrag aus dem Planetarium in Aschersleben zurück. Es handelt sich aber nicht um ein typischen Vortrag, den man sonst kennt, sondern es ist eher um eine musikalische Einführung in den nächtlichen Sternhimmel mit einer Gitarre. Der Mann, der diesen musikalischen Vortrag veranstaltet, heißt Wolfgang Hornbogen (einen netten Gruß an Wolfgang) und er spielt wunderbar Gitarre.
Ich habe zwar nie konkret bei einen dieser "Gitarrenmusik unterm Sternhimmel" mit zugeschaut, doch ich kann mir denken, wie es stattfinden könnte.
Damals war ich noch sehr jung und habe an einem - ich glaube es war das dritte - Sternguckerfest mitgemacht. Früher gab es immer um Mitternacht ein herrliches Lagerfeuer. Das Lagerfeuer war immer der Höhepunkt eines Sternfestes und wenn es immer ein Lagerfeuer gab, dann wusste ich, dass dieses Sternguckerfest ein absoluter Erfolg war. (Seit den letzten drei Jahren gab es aber kein Lagerfeuer mehr. Kurioserweise war auch die Besucherzahl der jeweiligen Jahres eines Sternguckerfestes u. a. wegen schlechtem Wetter gering. Doch dieses Jahr wird sich alles wieder ändern - hoffe ich - denn da wird es wieder seit langem ein Lagerfeuer geben.).
Irgendwie gibt es eine Erinnerung in mir von diesem - wahrscheinlich dem dritten - Sternguckerfest nun, dass einige Sternfreunde in der Nähe des Lagerfeuers sahen. Wolfgang, der aus anwesend war, hatte seine Gitarre bei sich (er spielt übrigens in einer Band). Während er nun für uns sang, spielte er auf seiner Gitarre. Ich glaube, er sang auch den bekannten Song "Row Your Boat". Das erinnert man wieder an den Anfang des 4. Star Trek - Films "Zurück in die Gegenwart". In einer Nacht in freier Wildnis saßen Captain Kirk, McCoy und Mr. Spock am Lagerfeuer und alle - außer Mr. Spock - sangen ebenfalls "Row, row, row your boat. Gently down the stream. Merrily, merrily, merrily, merrily. Life is but a dream." Zu unserer Geselligkeit an das Lagerfeuer fehlten nur noch Speck und Bohnen. Der vollständige Text dieses Songs heißt übrigens:

"Row, row, row your boat
Gently down the stream
Merrily, merrily, merrily, merrily
Life is but a dream
Dance, dance, dance your dolly
Gently down the stream
Merrily, merrily, merrily, merrily
Life is but a dream
Gallop, gallop, gallop your horse
Down beside the stream
Merrily, merrily, merrily, merrily
Life is but a dream
Roll, roll, roll your hoop
Wobbly by the stream
Merrily, merrily, merrily, merrily
Life is but a dream
Bounce, bounce, bounce your ball
Down beside the stream
Merrily, merrily, merrily, merrily
Life is but a dream"

Aber nun zurück zur Hintergrundinformation des Gedichts. Der Ursprung und der Titels dieses Gedichts lag nun beim Vortrag von Wolfgang Hornbogen. Die Geschichte des Gedichts beginnt, wie die Nacht herbeigeführt wird.

"Längst hatte die Sonne Heimkehr gezogen
Und Sternlein hier, Sternlein da am Himmel wogen
Wie sie mit strahlenden Gesichtern oben prangen,
versucht der Mond ans blaue Sternenmeer zu gelangen"

Der Schauplatz spielt "in einem dichten, dunklen Wald" und die Hauptdarsteller sind "ein'ge Burschen" ["ein’ge" heißt "einige"] die "vom Städtchen" kommen und "hier rasteten und campieren". Diese Burschen nun suchten sich nun zuerst viele runde Steine und setzten sie in einem Kreis zusammen. Danach suchte man viele Äste, Stöcker und anderes Holzzeug aus dem Wald und stellte sie zu einer pyramidenähnlichen Haufen auf, um daraus ein Lagerfeuer anzuzünden. Nebenbei schnappten sie sich ein paar dicke Baustämme, um einen idealen Sitzplatz am warmen Lagerfeuer zu haben.
Dann folgten diese Zeilen:

"Zündel, Zündel - ein Feuer war entfacht
in den Wäldern tiefer Nacht
. Mit einem Zündholz aus Menschens Hand
hat das Holz in ein Lagerfeuer gebrannt."

Diese rhythmische Aussprache der Zeilen basieren auf das alte und in der englischen Literatur bekannte Gedicht "The Tyger" (geschrieben 1794) von William Blake (1757-1827).

Tyger Tyger burning bright
In the forests of the night
What immortal hand or eye
Could frame thy fearful symmetry?

In what distant deeps or skies,
Burnt the fire of thine eyes?
On what wings dare he aspire?
What the hand dare sieze the fire?

And what shoulder, & what art
Could twist sinews of thy heart?
And when thy heart began to beat,
What dread hand? & what dread feet?

What the hammer? and what the chain
In what furnace was thy brain?
What the anvil ? what dread grasp,
Dare its deadly terrors clasp!

When the stars threw down their spears
And water'd heaven with their tears:
Did he smile his work to see?
Did he who made the Lamb make thee?

Tyger Tyger burning bright,
In the forests of the night,
What immortal hand or eye,
Dare frame thy fearful symmetry?

Aber auf dieses Gedicht von William Blake bin ich eine andere Version genommen. Zu meinen Hobby zählt das "Comic sammeln". Eines meiner Favoriten aus meiner Sammlung von rund 700 Comics ist das dicke Band MARVEL EXKLUSIV 2: "Spider-Man - Kravens letzte Jagd" von Marvel Deutschland. Sie haben das Gedicht in einer neuen Form verfasst - von einer ursprünglich älteren Form, die durch Condor Inpterpart zustande kam und es dort um irgendwelche "symmetrischen Spinnen" ging - und es auf der Rückseite des Album gedruckt. Diese neue Version, die nur aus vier Versen besteht, heißt wie folgt:

Spinne! Spinne! Brand entfacht
In den Wäldern tiefer Nacht.
Welch unsterblich Aug' und Hand
Hat dich in dein Maß gebannt?

Auf dieser neuen Version basieren die vier Verse meines Gedichts letztendlich nun, worum um das Entfachen des Lagerfeuer ging. Hier ist noch einmal ein Vergleich:

Zündel, Zündel - ein Feuer war entfacht
in den Wäldern tiefer Nacht.
Mit einem Zündholz aus Menschens Hand
hat das Holz in ein Lagerfeuer gebrannt.

Weiter geht es nun...
Nun war also das Lagerfeuer errichtet und alle Beteiligten saßen am Lagerfeuer herum. In Zeile 22 wird erwähnt, dass das Lagerfeuer "mit Mühe und Not" errichtet worden war. Die Wortfolge "mit Mühe und Not" ist eine Anspielung auf das Gedicht "Erlkönig" von Wolfgang v. Goethe (1749-1832). Im vorletzten Vers heißt es: "erreicht den Hof mit Mühe und Not". Genau diese Worte habe ich hier nun mit übernommen. Warum ich das nun tat? Nun ja, Goethe war schon immer ein Vorbild für meine Kunst beim Dichten gewesen und ich habe in seinen Gedichten mich dadurch inspirieren lassen. Obwohl er nun schon lange verstorben ist, gab er mir den Anlass unermüdlich weite rzudichten.
Doch in diesem Gedicht geht es - nach dem Gedichtstil her - um eine Gitarre bzw. ihrer Musik. Zu einer Gitarre muss es natürlich auch eine Musiker geben, der auf dieser Gitarre spielt. Diesen Gitarrenspieler habe ich Majestro getauft und er wird namentlich in Zeile 25 erwähnt.
Bevor er noch auf der Gitarre spielen wird, scheint zu diesem Zeitpunkt direkt über dem Zenit "der Stern von Azulamich". Wer sich noch gut erinnern kann, weiß, dass der Name dieses Stern auch schon in meinen allerersten Gedicht "Der Stern am Himmel" auftauchte. Ich habe ihn als Anspielung hier wieder mit erwähnt.
Der Vers 38 heißt wie folgt: "und an den Bergen hing alsbald die Nacht." Vielleicht kommt dem einem diese Wortfolge irgendwie bekannt vor!? Das sollte es auch! Den ich habe diese Wortfolge leicht verändert aus einem Gedicht von Geoethe wieder entnommen. Es heisst "Willkommen und Abschied" [neue Fassung 1789] (der entnommene Vers wurde gelb markiert):

Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde!
Es war getan fast eh gedacht.
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht;
Schon stand im Nebelkleid die Eiche,
Ein aufgetürmter Riese, da,
Wo Finsternis aus dem Gesträuche
Mit hundert schwarzen Augen sah.

Der Mond von einem Wolkenhügel
Sah kläglich aus dem Duft hervor,
Die Winde schwangen leise Flügel,
Umsausten schauerlich mein Ohr;
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer,
Doch frisch und fröhlich war mein Mut:
In meinen Adern welches Feuer!
In meinem Herzen welche Glut!

Dich sah ich, und die milde Freude
Floß von dem süßen Blick auf mich;
Ganz war mein Herz an deiner Seite
Und jeder Atemzug für dich.
Ein rosenfarbnes Frühlingswetter
Umgab das liebliche Gesicht,
Und Zärtlichkeit für mich - ihr Götter!
Ich hofft es, ich verdient es nicht!

Doch ach, schon mit der Morgensonne
Verengt der Abschied mir das Herz:
In deinen Küssen welche Wonne!
In deinem Auge welcher Schmerz!
Ich ging, du standst und sahst zur Erden
Und sahst mir nach mit nassem Blick:
Und doch, welch Glück, geliebt zu werden!
Und lieben, Götter, welch ein Glück!

Zu diesem Gedicht von Goethe gab es zwei weitere und ältere Versionen. Die eine wird als "Sessenheimer Handschrift" bezeichnet und gibt von "Willkommen und Abschied" nur den Anfang wieder. Offenbar waren es die ersten Entwürfe von Goethe gewesen. Die andere ältere Form ist die ursprüngliche Fassung von 1770. Die heutige Version, die wir alle kennen, war nun die endgültige Fassung, die er 1789 (übrigens das Jahr, als die Französische Revolution begann) fertig stellte.


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