Bedingte Entstehung (Paticca samuppada)


Wie der Buddha lehrte, gelangt man durch das vollkommene Verständnis der bedingte Entstehung bis zur vollkommen Erleuchtung. Die bedingte Entstehung entspricht der zweiten edlen Wahreheit von der Ursache des Leidens. Die 12 Schritte der bedingten Enstehung sind die folgenden:

1. Unwissenheit (avijja) bedingt Willensgebilde (sankhara)

Obwohl an dieser Stelle in den verbindlichen Texten der allgemeine Begriff sankara verwendet wird, der nur Gebilde bedeutet, wird allgemein davon ausgegangen, daß in diesem Zusammhang Kamma-Gebilde gemeint sind.

2. Willensgebilde (sankhara) bedingen Bewußtsein (vinnana)

In diesem Zusammenhang ist es das Widergeburtsbewußtsein. Im Moment des Todes manifestiert sich die karmische Energie, die noch nicht reifen konnte, in einem neuen Wesen, das dann die Früchte erhält.

Wer gewohnheitsmäßig viel aus Gier heraus gehandelt hat und auch noch kurz vor dem Tod so gehandelt hat, der wird das Widergeburtsbewußtsein aus dem Reich der hungrigen Geister bekommen. ( Die hungrigen Geister haben einen langen, dünnen Hals und einen riesigen Bauch. Durch den dünnen Hals kann nie genügend Nahrung in den Bauch gelangen, so saß sie immer hungrig sind. )

Wer ein tugendhaftes und verzichtreiches Leben führt und freigiebig ist, und zum Zeitpunkt des Todes seine Gedanken auf den Himmel richtet, der wird das Wiedergeburtsbewußtsein eines himmlischen Wesens erhalten, wenn dem kein annderes Kamma oder anderes entgegensteht.

3. Das Widergeburtsbewußtsein (vinnana) bedingt Geist und Körper (namarupa)

Geist und Körper bilden eine Einheit. Wenn wir sie bis auf den Grund analysieren, dann besehten sie aus Eneregie. Auch die westlichen Wissenschaften sind zu dem Ergebnis gelangt, daß Materie leere Raum ist, in dem sich verschwinden kleine Parikel mit rasender Geschwindigkeit bewegen, Geist und Körper sind das Ergebnis unserer Handlungen in der Vergangenheit.

4. Geist und Körper (namarupa) bedingen die sechs Sinnesgrundlagen (salayatanam)

Die sechs Sinnesgrundlagen sind Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper (mit seinem Tastsinn) und der Geist, Blindheit, Taubheit u.ä. sind auf schlechtes Kamma in der Vergangenheit zurückzuführen.

5. Die sechs Sinnesgrundlagen bedingen Sinneseindruck (phassa)

Der Sinneseindruck findet statt, wenn das Sinnesorgan mit dem Sinnesobjekt in Kontakt kommt, wenn der Lichtstrahl auf das Auge trifft, wenn die Tonschwingung das Ohr erreicht, wenn die Geschmackssäfte die Zunge berühen, u.s.w.

6. Der Sinneseindruck (phassa) bedingen Gefühle (vedana)

Das Gefühl kann, wie oben bereits erwähnt, physisch oder geistig sein. Die physischen Gefühle sind durch den Tastsinn des Körpers bedingt. Die geistigen Gefühle sind die Folge eines Sinneseindrucks auf den Geist. Ein Anblick z.B. wird dadurch schmerzlich, daß wir ihn mit einer Idee verbinden, und diese Idee, wenn sie auf unseren Geist trifft, ablehmen. Der Anblick an sich ist nicht angenehm oder schmerzlich.

7. Gefühle (vedana) bedingt Begehren (tanha)

Die übliche Reaktion auf ein angenehmes Gefühle ist, daß wir es erhalten und verlängern wollen. Die übliche Reaktion auf ungenehmes Gefühl ist, daß wir uns davon befreien wollen. Solches Wollen nennen wir Begehren.

8. Das Begehren (tanha) bedingt Anhaften (upadanam)

Wenn man nicht sofort das, was man begehrt, bekommt und auf dem Objekt des Begehrens besteht und Kraft einsetzt, um es zu erlangen bzw. sein Schwinden zu verhindern, dann ist dies Anfhaften. Die fünf Anhaftungsgruppen, die wir unter der ersten edlen Wahrheit behandelt haben, bilden unsere ganze Welt (samsara)

9. Anhaften (upadanam) bedingt das Dasein (bhavo)

Hier sind wir nun beim Zukunftsaspekt angelangt. Das Anhaften der Gegenwart ist Ursache für die Existenz in der Zukunft.

10. Das Dasein (bhavo) bedingt Geburt (jati)

Es gibt kein Leben ohne Geburt. Geburt ist schmerzhaft und leidhaft.

11. Geburt bedingt Alter, Tod, Trauer, Kummer, Schmerz, Klage und Verzweiflung (jara-maranam-soka-parideva-dukkha-domanass-upayasa)

Für das menschliche Dasein ist diese Konsequenz offensichtlich. Und selbst die Götter müssen wie alle Lebewesen sterben, und ihr Tod ist schrecklich, wenn sie sich von all dem Glück und der Freude trennen müssen, an die sie gewohnt sind.

Wenn es auch nicht den geringsten Rest an Unwissenheit mehr gibt, dann gibt es auch keine Kammagebilde mehr. Wenn die Bedingung vergeht, dann vergeht auch die Sache, die bedingt war. Wenn es keine Kammagebilde mehr gibt, dann gibt es auch kein Wiedergeburtsbewußtsein mehr. Wenn es kein Wiedergeburtsbewußtsein mehr gibt, dann gibt es auch nicht mehr Geist und Körper. Wenn es keine Geist und Körper mehr gibt, dann gibt es auch keine sechs Sinnesgrundlagen mehr. Wenn es keine sechs Sinnesgrundlagen mehr gibt, dann gibt es auch keinen Sinneseindruck mehr, Wenn es keinen Sinneseindruck merh gibt, dann gibts es auch kein Gefühl mehr. Wenn es kein Gefühl mehr gibt, dann gibt es auch kein Begehren mehr, Wenn es kein Begehren mehr gibt, kann ginbt es auch kein Anhaften mehr, Wenn es kein Anhaften mehr gibt, dann gibt es auch kein Dasein mehr, Wenn es kein Dasein mehr gibt, dann gibt es auch keine Geburt mehr . Wenn es kein Geburt mehr gibt, dann gibt es kein Alter, keinen Tod, keine Trauer, keinen Kummer, keinen Schmerz , keine Klage, keine Verzweiflung mehr.

Unwissenheit befleckt den Geist. Unwissenheit ist die erste Bedingung für den Kreislauf aus Geburt, Leben und Tod und für seine endlose Wiederholung. Deshalb streben wir nach Weisheit, deshalb steht die Weisheit im Mittelpunkt all unserer Bemühungen und Übungen.

Der Buddha hat die Kontemplation über die bedingte Entstehung immer wieder empfohlen. Die Einsicht in die Bedingtheit aller Gebilde läßt uns klar sehen, daß es nichts gibts, woran man festhalten könnte.

Dieses Leben ist nichts als eine Luftspiegelung und ein Traum, geschaffen durch in Unwissenheit wurzelndes Begehren. Die Welt, die wir wahrnehmen, das Dasein, ist geprägt, bedingt, verursacht durch in Unwissenheit wurzelnde Willensformationen. Wenn man die Entstehung der Dinge versteht, dann weiß man auch, wie sie aufgehoben werden.

Zum Abschluß dieses Kapitels noch ein Überblick über die bedingte Entstehung:

Ende des Paticcas-Abschnitts

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