Kamma und seine Wirkung


Das Wort Kamma bedeute Handlung. "Kamma" ist ein Wort aus Palisprache und hat die gleiche Bedeutung wie das Sanskrit-Wort "Karma".

"Die Absicht ist Handlung", so hat es der Buddha bei vielen Gelegenheiten gesagt.

Es gibt heilsame und unheilsame Handlungen. Unheisame Handlungen sind durch Gier, Haß und Verblendung bedingt. In der Lehre des Buddha werden Gier Haß und Verblendung auch als die Wurzeln des Bösen bezeichnet. Sie können unsere Handlungen in grober oder in feiner Form bestimmen. Eine sehr grobe Form des Hasses ist z.B., wenn man aus Rache tötet oder schlägt. Eine subtilere Form des Hasses ist es, wenn man alle Türen und Fenster schließt, weil man niemanden sehen will.

Jede Handlung hat ein Ergebnis, eine Wirkung, eine Frucht, die auf Pali Vipaka genannt wird.

Wer Gutes sät, wird Gutes ernten.
Wer Böses sät, wird Böses ernten.

Dies ist das Gesetz von Kamma und Vipaka, von Handlung und Wirkung. Er ist ein Naturgesetz des Geistes, daß heilsame Handlungen ein angenehmes Ergebnis und unheilsame Handlungen ein unangenehmes Ergebnis haben. Es gibt niemanden, der urteilt und straft, sondern die Wirkung haben. Es gibt niemanden, der urteilt und straft, sondern die Wirkung kommt automatisch bzw. zwangsläufig. Wer anderen hilft, dem wird geholfen. wer die Wesen selbstlos liebt, wird Freude und Glück erfahren. wer egoistisch um jeden Brocken zankt, wird Not und Verzweiflung erleben. Wir sind die Erben unseres Kammas, und wir sind an unser Kamma gebunden.

Alle Dinge sind vielfach bedingt, und folglich ist das Ergebnis einer Handlung nicht einzig und allein von der Absicht abhängig.

Wenn jemand Freigiebigkeit oder Wohltätigkeit übt, so hängt das Ergebnis nicht nur von seiner Absicht ab, sondern auch von der Person, der er gegeben hat. Selbst eine geringe Gabe an eine Person, die frei von Begehren ist und somit würdig, die Gabe entgegenzunehmen, bringt reiche Frucht.

Gaben an eine unwürdigkeit Person mit starkem Begehren haben nur ein geringes Ergebnis. Gaben, die in Selbsteinbildung wurzeln, z.B. wenn jemand nur gibt, um seine Freigiebigkeit zur Schau zu stellen, haben ein gemischtes Ergebnis, entsprechend dem gemischten Kamma. Wenn wir wirklich jemandem helfen wollen, dann muß unser eigenes "Ego” ganz klein sein.

Die Absicht ist die Handlung.

In der Regel sind unsere Entscheidungen nicht nur durch eine Absicht und ein Motiv betsimmt, sondern durch eine ganz Reihe von Absichten und Motiven.

Die Gegenwart ist in der Vergangenheit durch unser Kanna geschaffen worden, und die Zukunft schafft sich jeder hier und jetzt in der Gegenwart. Heilsame Handlungen, die in Nicht-Gier, Nicht-Haß und Nicht-Verblendung wurzeln, bringen angenehme Ergebnisse, Freude, Glück un Heiterkeit, Zufriedenheit.

Wenn die Mögliichkeit gegeben ist, dann reift das Kamma. Die Kamma-Bedingung ist eine unter anderen. Das schlechte Kamma eines Wesens, das in einer himmlischen Welt lebt, kann dort keine Frucht tragen, weil es dort keinen Schmerz gibt, Sein schlechtes Kamma hat deshalb erst später nach dem Tode und der Widergeburt in einer niedrigeren Welt, in der es Schmerz gibt, eine Wirkung.

Gewohnheitsmäßiges Kamma ist sehr starkes Kamma und bestimmt das gegenwärtige und zukünftige Leben. Taten, die kurz vor dem Tod ausgeführt werden, sind ebenfalls Kamma mit einer sehr starken Wirkung, das die Wiedergeburt entscheidend beeinflußt.

Durch die Übung von Freigiebigkeit und Moralität bereiten sich die buddhistischen Laien und Haushälter auf eine gute Wiedergeburt vor. Wir bestimmen die Zukunft und die Dinge, die auf uns zukommen, durch unsere Handlungen in der Gegenwart.

Der Buddha sagt einem Mann voraus, daß er am Abend sterben müsse. An diesem Tag überquert der Mann auf seinem Weg einen Bach und rettete einem Käfer, der ins Wasser gefallen war, das Leben. Durch diese Handlung wurde auch sein Leben verlängert und sein Tod verschoben.

Es gibt Handlungen, aber keinen Handelnden. Es gibt einen Pfad, aber niemand geht auf dem Pfad. Es gibt einen Strom von Bewußtseinsmomenten und durch unsere Handlungen bestimmen wir Charakter und Richtung dieses Stroms von Bewußtseinsmomenten.

Das Kamma bildet die Verbindung zwischen zwei Leben. Die Karmische Energie, die im letzten Leben noch nicht reifen konnte, manifestiert sich in einem neuen Wesen. Die Handlungen gegen das Ende eines Lebens bedingen das Wiedergeburtsbewußtsein und damit die Welt, in der das nächste Leben gelebt wird.

Dann ist da die Frage des kollektiven Kamma: Kann eine Gruppe von Personen oder eine ganze Nation Kamma wirken und folglich auch das kollektive Ergebnis erhalten?

Selbst in einer Gruppe wirkt jeder verschiedenes Kamma. Derjenige, der die Gruppe anführt, wirkt anderes Kamma als der, der folgt. Jeder, der zu einer Gruppe gehört, hat sich einmal dazu entschlossen, sich ihr anzuschließen, und er entscheidet ständig, bei ihr zu bleiben. Die Motive verschiedener Gruppenmitglieder für diese Entscheidung können ähnlich oder auch ganz verschieden sein. Jemand, der sich einer religiösen Sekte anschließt, um Geistesfrieden zu finden, erhält das Ergebnis für seine Entscheidung. Wenn es sich herausstellen sollte, daß die Sekte nur darauf aus ist, materiellen Gewinn zu erzielen, und sich nicht um die Befreiung der Lebewesen vom Leiden bemüht, daß er getäuscht worden ist, dann ist sein Kamma und das Kamma der anderen Sektenmitglieder verschieden.

Die Zugehörigkeit zu einer Familie und zu einer Nation ist durch das Kamma eines vorherigen Lebens bestimmt. Wesen mit ähnlichen Kamma werden in der gleichen Welt mit ähnlichen Körpern geboren. Wenn eine Nation im Kriegszustand ist und viele unter den Entbehrungen an Nahrung, Medizin, Kleidung und Unterkunft zu leiden haben, dann geschieht dies nicht aufgrund des französischen, englischen oder deutschen Kamma sonder auf dem ähnlich unheilsamen Kamma vieler einzelner.

"Holte Dich von den Narren fern und geselle Dich zu den Weisen", so hat der Buddha gelehrt. Bei der Wahl unserer Freunde und der Gemeinschaften, denen wir uns anschließen, sollten wir sehr umsichtig und vorsichtig sein, denn wir werden von ihnen beeinflußt.

Außenstehende können nicht unterscheiden, wer in einer Gruppe was gemacht hat, so daß wir kurzfristig doch für etwas verantwortlich gemacht werden können, was wir nicht getan haben.

Wie passen nun die Lehren über das Kamma und das Anatta zusammen ?

Wenn es kein Selbst gibt, wer erhält dann das Ergebnis des Kamma ? Alle bedingten Dinge ändern sich dauernd. Ist die Person, die das Kamma erhält, noch die gleiche wie die, die das Kamma gewirkt hat ? Die Lehre vom Kamma ist für die Menschen, die sich auf eine gute Wiedergeburt vorbereiten möchten. Die Lehre von Anatta ist für die Mönche und Nonnen, die dem Kreislauf aus Tod und Geburt ein Ende bereiten wollen. Der Geist erschafft die Welt. Beide Lehren sind wahr.

Insbesondere bei schwerem unheilsamen Kamma kann die Einsicht, daß die Handlung schlecht war, die Kammawirkung beeinflussen. Reue und schlechtes Gewissen sind schmerzliche Gefühle, durch die sich das schlechte Kamma auswirkt und bereits abgetragen wird.

Das Wissen um Gut und Böse, Heilsam und Unheilsam, gutes Kamma und schlechtes Kamma ist ein großer Fortschritt. In einem Gespräch fragt der König Milinda den Weisen Nagasena, wer die schlechtere Wirkung für seine Handlung bekommt, der, der wissentlich unheilsam handlet, oder der, der es unwissentlich tut. Der Weise Nagasena antwortet darauf, daß der, der unwissentlich unheilsam handelt, schlimmere schlechte Wirkung (Vipaka) zu erwarten hat. Um eine Erklärung gebeten stellt er die Gegenfrage:

"Wer wird sich schlimmer verletzen, der, der wissentlich wie glühendes Eisen anfaßt, oder der, der es unwissentlich tut ?”

Wer weiß, daß das, was er tut, unheilsam ist, er trifft Vorkehrungen, daß ihn die schlechten Auswirkung nicht voll erreichen.

Die Lehre vom Kamma und Vipaka vermeidet sowohl die Vernichtungsansicht als auch die Ewigkeitsansicht. Das Wesen, das aufgrund des Kamma wiedergeboren wird, ist nicht dasselbe Wesen, doch im letzten Leben wurden die Grundbedingungen für dieses Leben geschaffen. Die Lehre von Kamma und Vipaka gehört zur konventionellen Wahrheit, im Unterschied zur ultimativen Wahrheit, doch steht sie nicht zur ultimativen Wahrheit im Widerspruch.

Ende des Kamma-Abschnitts

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