Die vier edlen Wahrheiten


Alle buddhistischen Lehren können unter die vier edlen Wahrheiten zusammengefaßt werden, nämlich

Dhamma in Allgemein

Die Lehren des Buddha werden auch Dhamma genannt, was Gesetzt oder Wahrheit bedeutet. Der Buddha lehrte nur solche Dinge, die für Überwindung des Leidens wichtig sind. Fragen nach dem Ursprung der Welt, nach dem Sinn der Existenz u.ä. hat er nicht beantwortet, weil die Beschäftigung mit diesen Fragen vom Anhaften an den Phänomen und vom Durst nach Dasein geleitet ist und nicht zur Befreiung führt. In der Brahmajala Sutta heißt es dazu

Wenn ein Priester oder Asket sich mit den Fragen nach den ersten Anfängen oder nach dem letzten Sinn beschäftigt, wenn er darüber spekuliert oder Aussagen darüber macht, so geschieht dies immer, aufgrund eines Kontaktes mit den sechs Sinnesgrundlagen und aufgrund dieses Sinneskontaktes fühlt er. Bedingt durch Gefühl entsteht Begehren. Bedingt durch Begehren entsteht Anhaften. Bedingt durch Anhaften entsteht Dasein. Bedingt durch Dasein entsteht Geburt. Bedingt durch Geburt entsteht Alter, Tod, Schmerz, Kummer, Verzweiflung und Leid.

Doch, ihr Mönche, der Mönch, der das Entstehen, das Sein und die Auflösung der sechs Grundlagen des Sinneskontaktes der Wahrheit gemäß versteht, der versteht, was alle Dinge überschreitet.

Die Worte sind wie ein Finger, der auf die Wahrheit zeigt, doch sie sind nicht die Wahrheit selbst. Worte sind bedingte konventionen, die der Veränderung unterliegen, während die Wahrheit sich nicht verändert. Das Dhamma ist das, was jenseits der Worte ist. Es ist das, dem man sich durch Verstehen, Einsicht und Durchdringung nähert, wenn alles Begriffliche sich auflöst. Deshalb ist auch die praktische Anwendung der Buddha-Lehren so wichtig. Wer aufmerksam praktiziert, was der Buddha gelehrt hat, versteht und sieht selber. Das bloße Erlernen von Worten ist ein erster Schritt, aber es ist nicht ausreichend, da die Bedeutung der Worte des Buddha sehr teifgründig ist.

Die erste edle Wahrheit "das Leiden"


"Leiden als edle Wahrheit kann diagnostiziert werden” so heißt es in der ersten Lehrrede, die der Buddha nach seiner Erleuchtung gehalten hat.

Alle fühlende Wesen sind Alter, Krankheit und Tod unterworfen. Sie können dem nicht ausweichen, ob sie arm sind oder reich, ob sie gebildet sind oder nicht, ob sie zur Ober- oder Unterschicht der Gesellschaft gehören.

Alles, was mein ist, was mir lieb ist, und was mich erfreut, all das wird sich verändern und schwinden. Was immer wir als lieb, mein und erfreulich betrachten, ob dies materielle Dinge sind, wie Häuser, Autos, Möbel oder Schmuck, oder ob dies andere Menschen sind, wie Freunde, Kinder, Ehemann, und selbst Dinge wie Ideen und Ideologien, alle sind sie vergänglich.

Viele Dinge, an denen wir hängen, geben uns für den Augenblick Befriedigung und Freude. Doch ihr Ende, ihr Schwinden, ist schon jetzt sicher, und dann, wenn wir uns von jenen Dingen trennen müssen, die wir lieben, dann werden wir Schmerz empfinden, wir werden leiden.

Das Zusammensein mit Dingen, die einem unangenehm sind, ist Leiden.

Die fünf Gruppen des Anhaftens sind Leiden. Und welche sind die fünf Gruppen des Anhaftens. Sie sind

Form

Die Körper ist Form. Es gibt grobmaterielle Form und feinmaterielle Form. Die grobmaterielle Form kann durch die fünf Sinne wahrgenommen werden, durch Auge, Ohr, Nase, Zunge, und Körper (mit seinem Tastsinn). Die feinmaterielle Form ist der Energiekörper um die Lebewesen. In einigen Himmelswelten haben die Lebewesen nur fein materielle Körper und keinen grobemateriellen Körper. Form ist als vergänglich, als leidhaft und als nicht-ich, nicht-selbst und als nicht mein zu betrachten.

Gefühle

Die zweite Gruppe des Anhalftens sind die Gefühle. Wir unterscheiden zwischen drei Arten von Gefühlen:

angenehme Gefühle
unangenehme Gefühle
weder angenehme noch unangenehme Gefühle

Gefühle entstehen als Reaktion auf einen Sinneskontakt mit einem der sechs Sinne : Auge, Ohr Nase, Zunge, Körper und Geist.

Auf diese Weise kann man 18 Arten von Gefühlen unterscheiden:

- angenehme Gefühle bedingt durch einen Seheindruck
- angenehme Gefühle bedingt durch einen Höreindruck
...
- weder angenehme noch unangenehme Gefühle bedingt durch einen Geisteseindruck

Wahrnehmnung

Wahrnehmung bilden die dritte Gruppe des Anhaftens. Man kann entsprechend den sechs Sinnes sechs Arten der Wahrnehmung unterscheiden. Wir nehmen wahr, wenn es zu einem Kontakt zwischen Sinnesorgan und Sinnesobjekt kommt, also wenn das Licht auf das Auge trifft, das Geräusch an das Ohr gelangt, der Geruch an die Nase, der Geschmack an die Zunge, das Berührungsobjekt an den Körper und das Geistobjekt an den Geist, und wenn dieser Kontakt weitergeleitet wird. Wahrnehmungen sind als nicht-ich, nicht-selbst und als nicht mein zu betrachten.

Willensentschuß

Das Pali-Wort für die vierte Gruppe des Anhaftens ist Sankhara. Die allgemeine Bedeutung des Wortes Sankhara ist "Gebilde", Dinge, die entstanden sind. Die andere speziellere Bedeutung ist Kamma-Gebilde, Geistesgebilde oder Willensentschluß, also das, was man als Absicht bezeichnen könnte.

Auch Willensentschlüsse sind als vergänglich und leidhaft zu betrachten, als nicht-ich, nicht-selbst und als nicht mein.

Bewußtsein

Das Bewußtsein bildet die fünfte Anhaftungsgruppe. Entsprechend den sechs Sinnesgrundlagen kann man sechs Arten von Bewußtsein unterscheiden. Die Sinnesorgane werden oft mit Türen zum Bewußtsein verglichen. Es gibt das Seh-Bewußtsein, das Hör-Bewußtsein, das Geruchsbewußtsein, das Geschmacksbewußtsein, das Tast-Bewußtsein und das Geistbewußtsein. Bewußtsein entsteht zusammen mit Wahrnehmung und Gefühl, und ist durch die ersten vier Gruppen des Anhaftens bedingt.

Bewußtsein ist als vergänglich zu betrachten, als leidhaft, als nicht-ich als nicht-selbst, als nicht mein.

Zusammengefaßt

Die ganze Welt eines Individuums besteht aus diesen fünf Anhaftungsgruppen. Der Körper, Gefühl, Wahrnehmung, Willensentschluß und Bewußtsein, all dies ist leidhaft, weil es vergänglich ist. Wenn man an etwas hängt, was vergänglich ist, so hat man zu leiden.

Alter, Krankheit und Tod kann man nicht vermeiden. Das Vermögen, das man heute noch in Händen hält, kann morgen schon entschwunden sein. Freunde werden zu Feinden, und Feinde zu Freunden. Ehepartner, Kinder, Eltern, alle sind sie Krankheit, Alter und Tod unterworfen.

Alles, was entstanden ist, wird sich ändern und schwinden. Wenn wir das Entstandene nicht mögen, es ablehnen, so ist es leidhaft. Wenn wir es wahrnehmen, empfinden wir ein unangenehmes Gefühl. Wenn wir das Entstandene mögen, so ist es leidhaft, weil es vergänglich ist. Wir empfinden ein unangenehmes Gefühl, wenn wir uns davon trennen müssen.

All dies Dinge, ob angenehm oder unangenehm, sind nicht-ich, nicht-selbst und nicht mein.

Die zweite edle Wahrheit "die Ursache des Leidens”


"Die Ursache des Leidens als edle Wahrheit kann überwunden werden", wie der Buddha in der ersten Lehrrede nach seiner Erleuchtung versicherte.

Die Ursache oder der Ursprung des Leidens ist das Begehren, das in Unwissenheit wurzelt und das mit Vergnügen und Lust verbunden ist.

Das Begehren

Es gibt drei Arten von Begehren,

Begehren ist durch Gefühle bedingt. Es entsteht als Reaktion auf Gefühle, auf angenehme, unangenehme und weder - angenehme -noch- unangenehme Gefühle.

Die Reaktion auf ein angenehmes Gefühl ist oft, daß wir mehr davon wollen, wir suchen das angenehme Gefühl zu verlängern und halten an der Sache fest, die es ausgelöst hat. Daraus entstehen zwei Gefahren.

Zum einen geschieht es leicht, daß man zu unvernünftigen Handlungsweisen verleitet wird, wie zum Beispiel ein Mann, der sein Vermögen für eine Frau vergeudet, die er begehrt, Oder wie sind so sehr damit beschäftigt, Luxus, Reichtum oder Macht zu erlangen, daß wir vergessen, die Lehren des Buddha zu praktizieren. Zum anderen führt Begehren zu Frustration, d.h. wir fühlen uns traurig, unglücklich und verzweifelt, weil wir nicht so viel von der angenehmen Sache bekommen, wie wir gern möchten.

Die Wahrnehmung auf Begehren

Das Begehren an sich ist noch nicht leidhaft, wenn daraus kein Anhaften entsteht, das bedeutet, wenn wir die Sache, die wir begehren, rechtzeitig loslassen können. Wir sollten unsere Willenskraft so einsetzen, als wäre sie ein scharfes Messer, mit dem wir ein auf dem Wasser schwimmendes Lotusblatt in zwei Stück schneiden, ohne daß es untertaucht. Die Bewegung muß blitzschnell und sicher sein, und sie muß genau den Punkt treffen, die Mitte des Blattes. Danach ist die Aktion beendet.

Die normale Reaktion auf ein unangenehmes Gefühl ist der Versuch, es los zu werden. Wir wollen uns von der Sache entfernen, die das unangenehme Gefühl auslöst. Dies kann zum Beispiel ein ungeliebter Besucher mit einem unangenehmen Geruch sein, oder ein Kleidungsstück, das auf der Haut krazzt oder juckt, oder der Autolärm. Manchmal zeigen unangenehme, körperliche Gefühle eine wirkliche Gefahr für den Körper und die Gesundheit an. Wenn wir eine Suppe essen, die zu heiß ist, dann warnt uns der Schmerz vor Verbrennungen. Wenn wir im kalten Wetter frieren, warnt uns der Schmerz vor Erkältungen. Dann ist es vernünftig, den Gefühlen zu folgen.

Als Folge unserer Symathien und Antipathien entstehen unangenehme, geistige Gefühle, die auf einer vernünftigen Diskriminierung basieren können oder nicht. Wenn das Begehren, von dem unangenehmen Gefühl wegzukommen, sehr stark ist, dann entsteht Anhaften (an die Idee der Trennung von dem Ungeliebten), und Anhaften ist leidhaft, wie oben bereits erläutert wurde. So vergrößert sich das Leid durch eine falsche Anstrengung, es zu vermeiden. Wenn wir ein unangenehmes, körperliches Gefühl erleben, ist das damit verbundene geistige, unangenehme Gefühl, also der Schmerz, der durch das Begehren und fortgesetzte Anhaften entsteht, oft viel größer als das ursprüngliche, körperliche Gefühl. Dies kann man leicht durch ein Experiment nachvollziehen.

Das nächste Mal, wenn wir uns irgendwo stoßen, dann konzentrieren wir uns auf die Stelle, die getroffen wurde, wo der Schmerz ist, anstatt uns zu ärgern.

Dann können wir beobachten, daß der eigentliche körperliche Schmerz gar nicht so schlimm ist. Wenn wir uns nicht konzentrieren und uns mit dem physischen Schmerz identifizieren, dann entsteht Begehren als Reaktion auf den Schmerz, die innere Ablehnung, Weigerung. Dieser psychische oder geistige Schmerz ist oft viel stärker als der eigentliche, körperliche Schmerz. Durch achtsame Beobachtung des unangenehmen, physischen Gefühls ohne Identifikation kann man die gewohnte Reaktion des Begehrens und Anhaftens vermeiden. Dafür müssen Achtsamkeit und Konzentration sehr stark sein. Im weltlichen Leben mit all seiner Geschäftigkeit ist dies sehr schwierig, und es gelingt nur selten.

Das Begehren nach Sinnesvergnügen

Das Begehren, das in Unwissenheit wurzelt. erschafft die Welt. Unser Begehren nach sichtbaren Objekten, Geräuschen, Gerüchen, Geschmäcken, Tastobjekten und geistigen Objekten hat unsere Geburt in der Welt der menschlichen Wesen verursacht. Das Begehren kettet uns an die Existenz. Dem anfänglichen, ersten Begehren folgt das fortgesetzte Anhaften. Und die fünf Gruppen des Anhaftens sind leidhaft, wie wir oben gesehen haben. Folglich ist das Begehren die Ursache für das Leiden.

Das Begehren nach Existenz

Das Begehren nach Existenz basiert auf der Ewigkeitsansicht. Dieses Begehren ist gegeben, wenn jemand dauernd oder ewig existieren möchte, weil er z.B. an die Existenz einer ewigen Seele glaubt.

Das Begehren nach Nicht-Existenz

Das Begehren nach Nicht-Existenz basiert auf der Vernichtungsansicht. Es liegt vor, wenn jemand sich auslöschen möchte und glaubt, mit dem Tod sei alles aus und vorbei. Beide Ansichten sind falsch. So wie Energie nicht verloren geht und lediglich in einen anderen Zustand übergeht, wenn wir sie benutzen, so sind auch die Lebewesen weder ewig noch verschwinden sie völlig mit dem Tod. Da beide Ansichten falsch sind, ist es unmöglich das Begehrte, nämlich Ewigkeit oder Vernichtung, zu erlangen.

Das unwissende Begehren

Der endlose Kreis von Geburt und Tod und Wiedergeburt wird durch das unwissende Begehren, verursacht, welches ein karmisches Gebilde ist, eine Willenshandlung. Die Entscheidung über die Fortsetzung des Kreislaufs liegt also in unserer Hand. Weitere detailierte Erklärungen zum Thema Kamma folgen in einem gesonderten Kapitel.

Es gibt zahlreiche Ursachen für jede Sache, und jede Sache ist wieder Bedingung für anderes.

Es ist nicht notwendig an Wiedergeburt zu glauben, um die vier edlen Wahrheiten zu verstehen. Sie sind wahr in Bezug auf dieses Leben, ob man an ein Leben nach dem Tod glaubt oder nicht. In den Lehren von der bedingten Entstehung werden die 12 Stufen der Bedingtheit erläutert. Auch ihnen ist ein eigenes Kapitel gewidmet.

Das Leiden hängt also von vielen Bedingungen ab, und der Punkt, wo die Entscheidung bei uns liegt, das ist der Punkt des Begehrens. Wenn wir in der Lage loszulassen sind, so saß kein Anhaften entsteht, dann entsteht auch kein geistiges Leid, und später nach dem Tod gibt es keine Wiedergeburt, und dann versiegt auch das physische Leid, das durch Alter, Krankheit und Tod entsteht,

Zusammengefaßt

In Samyutta-Nikaya lautet so ein Gespräch zwischen einem Gott und dem Buddha :

Wodurch wird die Welt geleitet ?
Wodurch wird sie verunreinigt?
Und welches ist das ein Ding,
das alle beherrscht und dem alle folgen?
Die Welt wird vom Begehren geleitet.
Durch Begehren wird sie verunreinigt.
Begehren ist das eine Ding,
das alle beherrscht und dem alle folgen.

(Es gibt eine andere Version dieses Verses, in dem das Wort "Begehren” durch das Wort "Unwissenheit” ersetzt ist.)

Begehren und Anhaften sind Kamma-Gebilde, Handlungen des Geistes, Aktivitäten der Willenskraft, Absicht. Und es kann nicht oft genug wiederholt werden, daß die Ursache des Leidens folglich eine Frage unserer Entscheidung ist. Es liegt bei uns. Der ungeschulte Geist nimmt ein Gefühlt wahr, und dann reagiert er "Ja, ich will.” oder "Nein, ich will nicht.” Dieses Begehren kann durch Reaktionen, die auf Weisheit basieren, überwunden werden.

Die dritte edle Wahrheit "das Ende des Leidens”


"Das Ende des Leidens kann verwirklicht werden,” so lautet die frohe Botschaft des Buddha.

Wenn das Begehren, das mit Lust und Wollen verbunden ist, vollkommen ausgelöscht ist, dann kommt das Leiden zu einem Ende. Es wird keine Wiedergeburt mehr geben und somit keine Krankheit, kein Alter und keinen Tod.

Existenz in einer himmlischen Welt ist nicht der Ausweg. Auch die Lebensdauer himmlischer Wesen ist begrenzt, und selbst wenn ihr Leben nichts als Seligkeit ist, so müssen sie doch sterben und werden möglicher Weise in einer niedrigeren Welt wiedergeboren.

Alle Arten des Begehrens müssen vollkommen aufgegeben werden. Dafür ist es notwendig, daß wir lernen, uns nicht mehr mit den fünf Anhaftungsgruppen zu identifizieren, und uns von ihnen zu entfremden. Der Zustand, in dem jemand vollkommen frei von jeglichem Begehren ist, wird Heiligkeit oder Erleuchtung genannt.

Vier Stadien

Der Buddha-Lehre nach können vier Stadien der Erleuchtung oder Heiligkeit unterschieden werden:

1. Der Stromeingetretene : Er hat die Fesseln des Persönlichkeitsglaubens, des skeptischen Zweifels und des Glaubens an Regeln und Rituale überwunden.

2. Der Einmal-Wiederkehrer : Er ist außerdem fast frei von Sinnes-begehren und Haß.

3. Der Nicht-Wiederkehrer : Er ist außerdem vollkommen frei von Sinnes-begehren und Haß.

4. Der vollkommen Heilige oder Arahant : Er ist außerdem frei von den fünf höheren Fesseln, nämlich dem Begehren nach fein - materieller Existenz, dem Begehren nach immaterieller Existenz, Einbildung (der Minder- oder Höherwertigkeit), Aufgeregtheit und Unwissenheit.

Die sieben Erleuchtungsfaktoren

Dies zehn Fesseln werden auch als "Fesseln an die Existenz” bezeichnet, und um vollkommen erleuchtet zu werden, müssen sie alle durchschnitten, bzw. aufgegeben werden. Um dies zu erreichen, werden die sieben Erleuchtungsfaktoren kultiviert und entfaltet. Sie sind:

Achtsamkeit
Untersuchung der Wahrheit
Energie
Freude
Gestilltkeit
Konzentration
Gleichmut

Achtsamkeit

Achtsamkeit ist die geistige Fähigkeit sich jener Dinge, die in der Gegenwart hier und jetzt geschehen, klar bewußt zu sein. Die Achtsamkeit auf den Körper, die Gefühle, den Geist und die Geistobjekte ist sehr wichtig, um die Dinge so zu sehen, wie sie in Wahrheit sind.

Untersuchung der Wahrheit

Untersuchung der Wahrheit bezieht sich im engeren Sinne Beobachtung und Kontemplation der Eigenschaften der Dinge, nämlich ihre Vergänglichkeit, ihre Leidhaftigkeit und ihre Substanzlosigkeit. Untersuchung des Dhamma im weiteren Sinne ist die Beschäftigung, Durchdringung und Vertiefung der vier edlen Wahrheiten. Wenn wir diese Darstellung schreiben oder lesen, so entfalten wir den zweiten Erleuchtungsfaktor "Untersuchung des Dhamma”

Energie

Ein Geist, in dem der Erleuchtungsfaktor Energie gegenwärtig ist, ist voller Kraft, Stärke und Aktivität. Er schläft nicht ein, er ist nicht schlaff und passiv. Man kann ihn mit einem in einer spanischen Arena kämpfenden Stier vergleichen, oder mit einer emsigen Biene.

Freude

Freude ist ein angenehmes geistiges Gefühl. Wenn sie im Geist gegenwärtig ist, dann sättigt sie den Geist. Sie ist wie ein Bergquell, der fließt und fließt, und so den ganzen Berg erfüllt. Freunde kann nur in einem Geist entstehen, der frei von unheilsamen Gedanken ist.

Gestilltheit

Der Erleuchtungsfaktor Gestilltheit ist in einem Geist gegenwärtig, der nicht auf der Suche nach diesem und jenem hierhin und dorthin eilt, wenn der Geist zufrieden ist mit dem, was er hier und jetzt findet, wenn er gestillt ist.

Konzentration

Konzentration ist die Einspitzigkeit des Geistes, die Fähigkeit ihn für eine längere Zeitspanne auf ein Objekt zu richten. Durch Konzentration, die mit Energie zusammengeht, kann der Geist sehr mächtig werden. Konzentration ohne Energie, wirkt einschläfernd.

Gleichmut

Gleichmut kann mit einem riesigen Fels in der Brandung verglichen werden. Einen Geist, in dem Gleichmut herrscht, können die weltlichen Bedingungen des Gewinns und des Verlustes, des Ruhms und der Schande nicht erschüttern.

Gleichmut wurzelt in Weisheit, in dem Verständnis der Vergänglichkeit, der Leidhaftigkeit und Substanzlosigkeit aller Phänomene. Dadurch unterscheidet sich Gleichmut von Gleichgültigkeit, die in Unwissenheit wurzelt.

Der Zustand der Erleuchtung

Der Zustand der Erleuchtung, zu dessen Erreichung die sieben Erleuchtungsfaktoren kultiviert werden, wird vom Buddha wie folgt beschreiben:

"Es gibt, ihr Mönche, einen Zustand, in dem es weder Festes noch Flüssiges, weder Hitze noch Bewegung, weder diese Welt noch ein Jenseits, weder Sonne noch Mond gibt.

Das ist, oh Mönche, was ich als ein weder kommen, noch gehen, noch stillstehen, noch geboren werden, noch sterben, bezeichne.

Es ist ohne Grundlage, ohne Entwicklung, ohne Bedingung: Genau dies ist das Ende des Leidens.”

Nibbana (Pali) oder Nirvana (Sanskrit) sind die Ausdrücke, die oft zur Bezeichnung dieses Zustand benuzt werden.

Übersetzt bedeuten sie "Auslöschung”. Nun kann man zwei Stadien der Auslöschung unterscheiden:

Diese Nibbana, das Unbedingte und Überweltliche, kann hier und jetzt verwirklicht werden.

Die vierte edle Wahrheit "der Pfad zum Ende des Leidens”


"Der Pfad zum Ende des Leidens kann entwickelt werden,” so erklärt es der Buddha in seiner ersten Rede.

Der Pfad zum Ende des Leidens, wie er von Gotama Buddha dargelegt wurde, besteht aus drei Abteilungen mit zusammen acht Faktoren. Es wird auch als der Edle Achtfache Pfad bezeichnet.

Die drei Abteilungen sind Weisheit, Tugend und Konzentration.

Die acht Faktoren sind

Der mittlere Weg

Dies ist ein mittlerer Weg, der die Extreme des Sinnenvergnügens einerseits und der Selbstgeiselung andererseits vermeidet. Man sollte vermeiden, sich an den Sinnesfreuden zu vergnügen und in den fünf Sinnen Befriedigung zu suchen, weil das Leid, das später den oberflächlichen Freuden folgt, größer ist. Ebenso sollte man Selbstgeiselung vermeiden, wie sie von einigen Asketen praktiziert wird, die den Schmerz suchen, übertrieben fasten, kratzende Säcke als Kleidung benutzen, sich selber schlagen u.ä. Dies führt nicht zur Befreiung.

Befreiung von der Unwissenheit, was wahre Emanzipation ist, ist ein Prozeß, der Zeit braucht. Mit dem Fortschritt auf dem Edlen Achtfachen Pfad verringern sich die phsychichen Leiden und die Lost der Unwissenheit Schritt für Schritt. Schon bald kann man die ersten Ergebnisse der heilsamen Richtung, die man eingeschlagen hat, wahrnehmen und erfahren. Das Dhamma, die wahre Lehre, ist wunderbar am Anfang, wunderbar in der Mitte und wunderbar am Ende.

Der edle achtfache Pfad beginnt mit Weisheit und endet mit Weisheit auf einem höheren Niveau. Er beginnt mit Weisheit, weil ein gewisser Grad an Einsicht notwendig ist, um sich diesm Weg überhaupt zuzuwenden und ihn einzuschlagen, Und er führt zu und endet mit Weishet, weil vollkommene Weisheit die Befreiung ist.

Die acht Faktoren dieses Pfades sind genau erklärt. Der Buddha wußte, was rechte und was falsche Ansichten sind, was rechte und was falsche Einstellung ist und so weiter. Dies kann im Hinblick auf das Ziel der Auslöschung des Begehrens und der Erleuchtung unterschieden werden. Dieses und jenes sollte man tun, um dem Leiden ein Ende zu machen. Das Ziel ist das Kriterium für die Unterscheidung zwischen richtig und falsch.

Nun wollen wir uns mit den acht Pfadfaktoren im Einzelnen befassen.

1. Recthe Ansicht

Rechte Ansichten im weiten Sinne sind Dhamma oder die vier Edlen Wahrheiten. Im engeren Sinne ist rechte Ansicht, daß Kamma eine Wirkung hat und daß alle Ding diese Merkmale aufweisen:

Anicca (Vergänglichkeit)
Dhukka (Leidhaftigkeit)
Anatta (Nicht-Ich)

Dies entspricht dem 2. Erleuchtungsfaktor "Untersuchung des Dhamma”

2. Rechte Einstellung

Dieser Faktor wird auch als "rechte Gesinnung" bezeichnet. Er beschreibt die Haltung, mit der man sich selbst und andere betrachten und behandeln sollte. Einstellung des Verzichts, der Gewaltlosigkeit, des Mitleids und der liebenden Güte bilden rechte Einstellung.

3. Rechte Rede

Recthte Rede bedeutet nicht zu lügen, keine groben Worte zu benutzen, und nicht zu tratschen oder übel Nachrede zu äußern,

4. Rechtes Handeln

Rechtes Handeln bedeute nicht zu töten, nicht zu stehlen und nicht ehezubrechen.

5. Rechter Lebensunterhalt

Rechter Lebensunterhalt bedeute, keine Berufe auszuüben, die schädlich für einen selbst oder andere sind. z.B. die Berufe des Metzgers und des Fischers, sie sind als unrecht anzusehen.

6. Rechte Anstrengung

"Alles schlechte aufzugeben, Das Gute zu entfalten, Seinen Geist zu reinigen, das ist die Lehre des Buddha.”

Es gibt vier Arten der rechten Anstrengung:

7. Rechte Achtsamkeit

Achtsamkeit ist bereits im vorragende Kapitel als Erleuchtungsfaktor behandelt worden. Hier wollen wir sie noch einamal detailierter behandeln, denn sie ist, wie es in der Lehrrede von den Grundlagen der Achtsamkeit heißt, der einzige Weg zur Befreiung vom Leiden.

Die vier Grundlage der Achtsamkeit sind, wie bereits erwähnt, der Körper, die Gefühle, der Geist und die Geistobjekte. Man ist achtsam auf den Körper, wenn man sich jeden Augenblick der Körperhaltung klar bewußt ist, die man gerade einnimmt. Wenn wir achtsam auf den Körper sind, dann wissen wir, daß der Körper sitzt, wenn er sitzt. Wir wissen, daß er liegt, wenn er liegt. Wir wissen, daß der Körper steht, wenn er steht.

Eine andere Art der Achtsamkeit auf den Körper besteht in der Betrachtung seiner Widerlichkeit und seiner Vergänglichkeit. Man macht sich bewußt, aus welchen Teilen er besteht. Die Kontemplation der Mönche über die Widerlichkeit des Körpers umfaßt 31 Bestandteile:

Körperhaar, Kopfhaar, Finger- und Fußnagel, Zähne, Haut, Fleisch, Sehnen, Knochen, Mark, Nieren, Herz, Leber, Zwerchfell, Milz, Lungen, Dickdarm, Dünndarm, Kehle, Fakalien, Galle, Lungenschleim, Eiter, Blut, Schweiß, Fett, Tränen, Speck, Speichel, Nasenschleim, Gelenkschmiere, Urin.

Man kann sich auch die materiellen Grundelemente, aus denen der Körper besteht, vergegenwärtigen. Die vier Grundelemente sind:

Die Vergegenwärtigung des Körpers nach dem Tode bildet eine andere Achtsamkeitsübung. Man stellt sich die verschiedenen Stadien der Leiche vor, bis sie zu Staub verfallen ist.

Oder wir richten die Achtsamkeit auf die Ein- und Ausatmung. Das mag zuerst sehr einfach erscheinen, aber schon bald ist festzustellen, daß ein ungeübter Geist wild ist, daß er hierhin und dorthin geht und nicht bei dem Meditationsobjekt bleibt. Je achtsamer wir dann sind, um so schneller können wir den Geist wieder einfangen und ihm zum Gegenstand der Meditation wieder zurückführen.

Wenn wir die Gefühle zur Grundlage unserer Achtsamkeit machen, so betrachten wir die angenehmen, die ungenehmen und die weder-angenehmen-noch-unangenehmen Gefühle und sind uns ihrer klar bewußt. Dann sehen wir, wie die Gefühle entstehen, sich verändern und vergehen. Das Verständnis der Vergänglichkeit der Gefühle nimmt den Gefühlen viel von der Macht über uns.

Wenn der Geist Grundlage der Achtsamkeit ist, dann versuchen wir uns, ganz klar bewußt zu sein, in welchem Zustand er ist. Wir wissen ganz klar, ob er jetzt in diesem Augenblick konzentriert oder zerstreut ist, ob in dem Geist hier und jetzt Lust, Haß oder Ignoranz vorhanden ist oder nicht, ob der Geist entwickelt (d.h. in einem Zustand höherer Konzentration) ist oder ob er unentwickelt (d.h. im Zustand der normalen weltlichen Wahrnehmung) ist, usw.

Achtsamkeit auf die Geistobjekte übt man, indem man sich der sieben Erleuchtungsfaktoren bewußt ist, oder der Vergänglichkeit der fünf Anhaftungsgruppen, oder man kontempliert über die vier edlen Wahrheiten und macht sie zum Geistobjekt.

8. Rechte Konzentration

Die Kontration auf eines der 42 Konzentrationsobjekte, die vom Buddha empfohlen und erklärt wurden, und die Erreichung einer der vier Vertiefungen, das ist rechte Konzentration.

Die Zustand höhere Konzentration werden Vertiefung genannt. Das Pali-Wort lautet "Jhana”

Die 1.Vertiefung ist von gerichteten Gedanken, Glücksgefühl und Freude begleitet.
Die 2.Vertiefung ist von Freude und Glücksgefühl begleitet.
Die 3.Vertiefung ist von Freude begleitet.
Die 4.Vertiefung ist von Gleichmut begleitet.
Die 5.Vertiefung ist das Gebiet des unbegrenzten Raums.
Die 6.Vertiefung ist das Gebiet des unbegrenzten Bewußtseins.
Die 7.Vertiefung ist das Gebiet der Nichtsheit.
Die 8.Vertiefung ist das Gebiet der Weder-Wahrnehmnung-noch-Nichtwahrnehmung

Die Pfadfaktoren wird nicht als aufeinanderfolgende Stufen oder Stadien zu betrachten, wie es in einigen älteren westlichen Darstellung fälschlicher Weise geschildert ist. Die Pfadfaktoren werden parallel entwickelt. Manchmal treten mehrere Faktoren zusammen auf, und manchmal ist ein Faktor Bedingung für einen anderen Faktor. Die drei Konzentrationsfaktoren treten oft zusammen auf, und rechte Ansicht ist eine Bedingung für rechte Rede.

So wie Begehren die Ursache für das Leiden ist, so ist die Entfaltung des edlen achtfachen Pfades die Ursache für das Ende des Leidens.

Ende des Edlen-Wahreheit-Abschnitts

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