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Waldrand

Ich trete über den Rand des Waldes. Ich trete in den Wald hinein, und ich trete aus ihm hervor. Ich überschreite seinen Rand, um gleich darauf wieder kehrtzumachen, so als wäre nichts geschehen. Ich verletze den Wald, indem ich seinen Rand perforiere, und es ist wichtig, dass ich es tue. Mit meinem Schritt nähe ich den Wald gegen den Nichtwald, den ich verlasse, um doch wieder zurückzukehren.
Wenn der Wind, der über den Feldern geht, noch in meine Jacke fährt, streicht schon ein taufeuchter Birkenzweig mir übers Gesicht, und knacken unter meinen Füßen Eicheln, so sehe ich, hoch, zwischen zerfaserten Wolken, die Lerche. Doch dann umgibt mich bereits wieder das Dunkel des Waldes, und ich muss zurück.
So wende ich meinen Schritt und durchdringe die Ränder. Ich halte den Wald und den Nichtwald zusammen, denn sie gehören zueinander. Ohne den Wald bliebe vom Nichtwald nur das Nichts, und kaum wäre es anders, striche man vom Wald etwas fort. Wer sollte die zwei denn unterscheiden, ja überhaupt erkennen, wären sie nicht durch einen Rand voneinander getrennt?
Am Waldrand greifen Zweige nach dem Wind, und zwischen den Wurzeln der Bäume wuchert der Schachtelhalm. Hier atme ich den Gesang der Lerche und den Duft des Harzes.

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