Rainer Maria Rilke
Gedichte
Die Hoffnung
Stille Stunden
gibt's, da ranken
leicht sich um
des Lebens Baum
Wünsche,
Hoffnung, Gedanken,
Bild um Bild und
Traum um Traum.
Stunden gibt's,
wo Stürme wüten
um den Stamm gar
wild entfacht,
dass der Hoffnung
junge Blüten
sterben müssen
über Nacht.
Aber bald, schon
morgen ranken
um den kahlen
Lebensbaum
Wünsche,
Hoffnung, Gedanken,
bild um Bild
sich, Traum um Traum.
Der Panter
Sein Blick ist
vom Vorübergehen der Stäbe
so müd geworden,
dass er nichts mehr hält.
Ihm tat, als ob
es tausend Stäbe gäbe
und hinter
tausend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang
geschmeidig starker Schritte,
der sich im
allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz
von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt
ein großer Wille steht.
Nur manchmal
schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf.
Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der
Glieder angespannte Stille,
und hört im
Herzen auf zu sein.