Heinz Rühmann |
Rühmann,
Heinz, eigentlich Heinrich Wilhelm Rühmann, (1902-1994), deutscher
Schauspieler, eine der profiliertesten Persönlichkeiten des deutschen Filmes. Rühmann
wurde am 7. März 1902 in Essen geboren und wurde bereits 1920 als
Theaterschauspieler tätig, u. a. an den Münchner Kammerspielen. 1926 übersiedelte
Rühmann nach Berlin, wo er an Max Reinhardts Deutschem Theater spielte und
schließlich auch ins Filmfach wechselte. Der große Durchbruch gelang ihm zu
Beginn der Tonfilmzeit an der Seite von Willy Fritsch und Lilian Harvey mit der
Musikkomödie Die Drei von der Tankstelle (1930), einem der größten
finanziellen Erfolge der Ufa zu dieser Zeit. Der Film erzählt die Geschichte
eines lebensfrohen Trios, das den überwältigenden wirtschaftlichen Problemen
der Zeit mit Optimismus und Leichtigkeit begegnet, und markiert mit seinem
operettenhaften Stil einen Meilenstein in der Geschichte des deutschen Musicals.
Es folgten u. a. Der Mann, der seinen Mörder sucht (1931), Es wird schon wieder
besser (1932), Lachende Erben (1933) und Wer zuletzt küsst (1936).
Im
Gegensatz zu vielen anderen Persönlichkeiten des deutschen Filmes blieb Rühmann,
der sich als unpolitisch verstand, nach der Machtübernahme durch die
Nationalsozialisten in Deutschland und wurde neben Hans Albers und anderen zu
einer der populärsten Gestalten des deutschen Films der dreißiger Jahre. Rühmann
verkörperte meist einfache Männer, die die Probleme des Lebens mit Humor und
Gewitztheit überwinden. Die Komödie blieb seine Domäne, und es entstanden
noch heute beliebte Filme wie Der Mustergatte (1937) und Quax, der Bruchpilot
(1941). Eine seiner bekanntesten Rollen hatte Rühmann in Die Feuerzangenbowle
(1944) als Schriftsteller Dr. Johannes Pfeiffer, der nach einer Wette auf die
Schulbank zurückkehrt und seine Mitschüler zu Streichen anstiftet. Der Film
verbirgt hinter der Fassade der Aufmüpfigkeit sein grundlegendes Einverständnis
mit der Obrigkeit. In Lauter Lügen (1938) mit seiner zweiten Frau Herta Feiler
führte Rühmann erstmals selber Regie. Von 1938 bis 1943 war er Mitglied des
Ensembles des Preußischen Staatstheaters in Berlin, 1940 wurde er zum
Staatsschauspieler ernannt.
Nach
dem 2. Weltkrieg durfte er auf Weisung der Alliierten zunächst die Filmarbeit
nicht wieder aufnehmen, und er beschränkte sich auf Bühnenauftritte. Ab Ende
der vierziger Jahre setzte er seine Laufbahn beim Film erfolgreich fort. Er
spielte in anspruchslosen Unterhaltungfilmen wie Auf der Reeperbahn nachts um
halb eins (1954), Wenn der Vater mit dem Sohne (1955), Charleys Tante (1955) und
Der Pauker (1958), übernahm aber auch zunehmend Charakterrollen. Herausragend
war seine darstellerische Leistung in der Zuckmayer-Verfilmung Der Hauptmann von
Köpenick (1956), Der brave Soldat Schwejk (1960, nach dem Roman von Jaroslav Hašek),
Das schwarze Schaf (1960) und Der Tod des Handlungsreisenden (1968). Rühmann
war in späteren Jahren auch häufig in Fernsehrollen zu sehen und ein begehrter
Rezitator literarischer Texte. Seinen letzten Filmauftritt hatte er im Alter von
90 Jahren in Wim Wenders’ In weiter Ferne, so nah! (1993) an der Seite von
Bruno Ganz, Horst Buchholz, Peter Falk und Nastassja Kinski. Rühmann starb am
4. Oktober 1994 in Berg am Starnberger See.