Die Silvesternacht
Es ist Mittag am Silvestertag und das Jahr hatte somit nur noch zwölf Stunden, als ich mich an den Fernseher setzte und sah, wie fast alle Programme Jahresrückblicke zeigten. In meinem Kopf schwirrten die Gedanken und ich sagte zu mir: Eigentlich ist jedes Jahr doch immer das Gleiche. Es gibt Katastrophen, Hochzeiten, Unglücke, Freuden, Wunder, Erstaunen, Trauer, Wut und Verzweiflung. Das Wetter ist auch immer dasselbe. Mal Regen, Schnee, windig, trübe und richtig schön sonnig, mal warm, mal kalt und den Jahreszeiten demnach entsprechend. Und die Musik bietet jedes Jahr aus jeder Musikrichtung ihre jeweiligen Hits. Dennoch ist auch in meinen Augen jeder Jahresrückblick anders. Schließlich hat man auch in seinem privaten Leben jährlich Höhen und Tiefen zu überwinden, die aber jedes Mal ganz anders sind. Doch wenn man alles zusammenfasst, dann weiß man, wie das kommende Jahr wieder werden wird, nämlich nicht langweilig, sondern abwechslungsreich. Zurück aus den Gedanken kehrte ich wieder in die Realität ein. Am Nachmittag ließ ich im Fernsehen die Musik laufen, während ich die Zimmer und Räume unserer Wohnung ein wenig mit Partyschlangen und anderen hängenden Lianen schmückte, damit der bevorstehende Abend nicht so trostlos aussah. Draußen wurde es schon langsam dunkel und ich aß mich noch mal richtig mit leckerem Fisch und Kartoffelbrei satt, ehe ich mich wieder in mein Zimmer verzog und an das Fenster setzte. Ich schaute hinaus in die Stadt, die noch immer schneebedeckt war und die Eiskristalle im Licht der Straßenlampen glitzerten. Und es dauerte auch nicht lange, da sah ich schon die erste Rakete in weiter Ferne hochsteigen, wie sie in einem leuchtend rot-grünen Farbenglanz erstrahlte. Ich freute mich schon auf die bevorstehende Nacht, wenn die ganze Stadt tausende Raketen in den Himmel schießen wird. Nach weiteren fünf Geschossen sah ich etwa sechs Menschen auf der Straße spazieren, die einen Knaller nach dem anderen hinter sich ließen. Und somit verschwand die Zeit wie im Fluge. Es war halb zwölf Uhr nachts, da zündete ich eine Kerze an und ließ meinen persönlichen Jahresrückblick noch einmal Revue passieren. Ich betete und bedankte mich noch einmal für das fast vergangene Jahr und ging anschließend zu meiner Familie, um den Jahreswechsel einzuleiten. Dann war es soweit. Wir zählten die letzten zehn Sekunden abwärts, bis alle Uhren Mitternacht schlugen. Und mit einem lauten „Prost Neujahr“ stießen wir mit Sekt das neue Jahr an. Jeder umarmte jeden gegenseitig und wünschte jeweils das Beste für den anderen. Dann trank ich noch ein Schluck vom lieblichen Sekt, ehe wir uns schnell ins Freie bewegten. Der Anblick um die Häuser herum und auf die Stadt war umwerfend schön, sodass man vor Überfreude den Tränen nahe war. Aus der dunklen Nacht wurde ein Lichtspektakel aller möglichen Farben. Und auch ich trug ein wenig dazu bei, indem ich ein paar kleine Knaller in Gang setzte, während mein Vater die bunten Raketen in den Himmel hochjagte. Der Duft von Silvesterfeuerwerk stieg einem gut riechend in die Nase. Obwohl es draußen mit minus zehn Grad recht kalt war, froren wir bei dem herrlichen Anblick aber nicht. Alle Menschen freuten sich in dieser Silvesternacht. Doch leider vergeht die Zeit immer so rasend schnell. Wir gingen wieder in unsere warme Stube zurück und ließen noch die letzten Tischknaller los, die immer so verrückte Sachen enthielten. Und mit der Zeit ging auch langsam die schöne Silvesterparty zu Ende. Ich ließ wieder eine Kerze brennen und hoffte nun auf ein erfolgreiches und gesundes neues Jahr. Auch wenn manchmal noch von draußen ein Knall zu hören war, legte ich mich müde ins Bett, denn es war schon halb drei Uhr nachts. Am nächsten Morgen wachte ich auf und schaute aus dem Fenster, wo ich die Welt das erste Mal taghell in dem neuen Jahr sehen konnte. Keine Menschenseele war weit und breit zu sehen und draußen war es ruhig und still. Nur die restlichen Abfälle des nächtlichen Feuerwerks hinterließen ihre Spuren im Schnee und erinnerten somit noch an die vergangene Silvesternacht.
„Die Silvesternacht“, verfasst von Christian Frohs, am Samstag, 01. Januar 2005 in Weißwasser.
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