Obdachlos
Ich sitze hier auf einer Parkbank,
doch ich bin weder Tourist, noch Einheimischer,
denn ich bin Obdachlos; Penner sagen manche Leute dazu.
Doch sie wissen nicht, wie es ist,
nachts auf einer harten Bank zu schlafen,
und um Geld zu betteln,
damit man überlebt.
Schon zwei Jahre lang, bin ich auf Hilfe angewiesen.
Was war ich vorher ?
Ein Geschäftsmann auf dem Weg zur Karriere,
doch man schmiss mich raus.
Was blieb mir übrig ?
Nichts,
nur meine jetzige Kleidung, und mein Leben.
Vor allem die Winter sind sehr hart.
Ein anderer Obdachloser, ein guter Freund von mir,
erfror in der letzten großen Kälte.
Mein Geld reicht gerade mal für ein Stück Brot
und ein Glas Wasser pro Tag; mehr nicht.
Doch helfen kann mir niemand mehr.
Wer obdachlos ist, wie ich,
wartet meistens nur noch auf den Tod.
Dabei kann uns keiner ein Grab finanzieren.
Familie ?
Habe ich seit zehn Jahren nicht mehr.
Meine Frau trennte sich von mir, Kinder hatten wir keine.
Zukunft ?
Ungewiss. Auf alle Fälle Leben oder Tod.
Ich bin schlank und dürre geworden, habe abgenommen.
Meine Kleidung ist nur noch ein Haufen Dreck.
Aber was soll’s. Ich muss mich durch mein Leben kämpfen,
denn was ich bin, ist nicht jeder
und wünsche ich auch niemanden,
nämlich obdachlos zu sein.
„Obdachlos“ von Christian Frohs, verfasst am Samstag, 25. September 2004 in Weißwasser.
Wörter: 217