Weiße Weihnacht

 

Nach einer ruhigen Nacht, wache ich in meinem Bett auf und schaue auf die Uhr. Es ist halb acht am Morgen des 24. Dezembers, Heiligabend. Ich öffne das letzte Türchen des Adventskalenders. Das Stück Schokolade zeigt das Christkind, wie es in der Krippe liegt und von Maria und Josef angelächelt wird. Nach dem ich das Süße Etwas genüsslich verzehrt habe, gehe ich zum Fenster. Ich ziehe die Gardinen zur Seite und schaue auf die große Wiese vor unserem Haus. Es liegt kein Schnee, sondern es ist immer noch so grün wie seit zwei Wochen. Das Thermometer zeigt fünf Grad plus und zusätzlich weht draußen ein milder Wind. Die Sehnsucht nach der Weißen Weihnacht wird immer größer, aber die Hoffnung immer kleiner.

Ich ziehe mich um und verlasse mein Zimmer in Richtung Küche, wo mir Mutti ein schön warmes und weiches Ei gekocht hat. Vati hat schon gefrühstückt, denn er ist auf dem Weg, den Weihnachtsbaum zu holen, den ich heute noch unbedingt schmücken muss. Meine Mutter fragte mich, als ich frühstückte, ob ich denn auf heute Abend aufgeregt bin. Ich sagte ihr ganz ehrlich, dass ich schon ein kleines Kribbeln im Bauch fühle, aber ich würde mich freuen, wenn heute Abend Schnee liegen und die Weiße Pracht den Heiligen Abend noch zusätzlich versüßen würde. Im Radio läuft gerade das schönste Winter- und Weihnachtslied, „White Christmas“. Schon den ersten Satz könnte ich ständig singen. „I´m dreaming of a White Christmas“; „Ich träume von einer Weißen Weihnacht” heißt dieser Satz übersetzt.

Hoffentlich schneit es heute Nacht.

Kaum bin ich mit Essen fertig, kommt mein Vater in die Wohnung. In seiner Hand hält er den Karton, in dem unser künstlicher Weihnachtsbaum steckt. Sogleich packe ich ihn aus und weite seine Äste aus, damit er wie ein richtiger Tannenbaum aussieht. Mutti holt gerade aus dem Keller den Weihnachtsbaumschmuck. Vier Pakete holt sie hoch. Dann mache ich mich an die Arbeit. An den Weihnachtsbaum hänge ich so viele Kugeln, Engel, Sterne und Eiszapfen ran, dass er am Ende richtig schön bunt geschmückt ist. Dann kommt noch goldenes und weißes Lametta drüber und auch die bunte Lichterkette wird angebracht. Nach einer Stunde ist der Baum fertig.

Während Papa die Pyramide aufbaut, backen Mama und ich Plätzchen. Am liebsten steche ich die Plätzchen aus. Sterne, Engel,  Weihnachtsbäume und Weihnachtsmänner mache ich besonders gerne. Über hundert Stück haben wir gebacken. Anschließend haben wir sie noch mit Schokoladensoße und kleinen Mandeln verziert.

Nach ein paar Stunden gehen wir noch eine Verwandte besuchen. Bei ihr trinken wir Kakao und Kaffee und es gibt leckeren Weihnachtskuchen. Es dauert nicht lange und die Zeit ist schon wieder vorüber, so dass wir uns von ihr mit einem Dank verabschieden müssen. Nun geht es wieder nach Hause und die Spannung steigt, denn es sind bis zur Bescherung nur noch zwei Stunden. Draußen ist es zwar ein wenig kühler geworden, aber Schnee ist noch immer nicht in Sicht. Zuerst gibt es Abendessen. Auf dem Tisch stehen Kartoffeln, Kraut und natürlich nach Brauch, Bratwürste. Nach dem Essen wird es immer schöner. Während es draußen windig ist, sitzen wir in der warmen Stube, bei Kerzenschein und duftenden Räucherkerzen. Dazu erzählen wir uns Weihnachtsgeschichten und Erlebnisse aus früherer Zeit. Anschließend sprechen wir noch ein Gebet für die Menschen, denen es im Moment nicht so gut geht auf dieser Welt. Dann räumen wir noch schnell den Tisch ab und ich werde, wie jedes Jahr, in mein Zimmer verbannt. Nach zehn Minuten werde ich gerufen. Es ist soweit, jetzt kommt die Bescherung.

In einem wunderschönen Glanz leuchten die Lichter des Weihnachtsbaumes und die Kerzen der Pyramide, die sanft ihre Kreisen zieht. Doch bevor wir zur eigentlichen Sache des Abends kommen, singen wir noch vergnügt „Stille Nacht“.

Und dann geht es los.

Langsam und gelassen packe ich meine vielen Geschenke aus.

Jedes Päckchen ist mit Liebe verpackt und mit einem Spruch dekoriert worden. Auch meine Eltern schenken sich gegenseitig etwas und auch ich habe für die beiden noch eine Überraschung parat. Nach einer halben Stunde heißt es, anziehen, wir gehen in die Christnacht.

Genauso wie zu Hause, ist auch die Kirche zu Weihnachten hell erleuchtet und es duftet zart nach Weihrauch, der eine besinnliche Stimmung aufbringen lässt. Die Orgel und der Chor laden einem zu den schönsten kirchlichen Weihnachtsliedern ein. Mit einem „O du fröhliche“ endet die Weihnachtsmesse um halb zwölf. Wir kommen aus der Kirche und was sehe ich da ? Es hat geschneit, wenn auch nur ganz wenig, sodass die Wiesen leicht gezuckert sind. Ich schaue in den Himmel, der momentan sternenklar ist. In diesem Augenblick sehe ich eine Sternschnuppe am Himmel ziehen. Ich wusste schon was ich mir wünsche, nämlich Schnee, der über Nacht fallen soll, damit wir morgen eine Weiße Weihnacht erleben können.

Auf dem Weg nach Hause bin ich so müde geworden, dass ich schnell in meinem Bett einschlief.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war es kurz nach sieben Uhr.

Ich lag noch ein paar Minuten im Bett und dachte nach. Nun ist Heiligabend vorbei und ich muss 365 Tage wieder auf diesen schönen Tag warten. Doch dann fiel mir wieder die Sternschnuppe ein. Schnell ging ich zu meinem Fenster und sah, was ich nicht glauben wollte. Es liegt tatsächlich eine geschlossene Schneedecke. Ich öffnete mein Fenster und lehnte mich raus. Der Schnee unberührt, keine Spur, alles wie glatt gestrichen. Dazu eine Ruhe, wie man sie sich sonst nie vorstellen könnte. Noch immer rieselt leise der Schnee zu Boden. Das Gefühl, so einen schönen Moment der Stille und inneren Ruhe zu erleben, war immer mein größter Weihnachtswunsch.

Ich war überglücklich, diese Minuten verbracht zu haben.

Anschließend deckte ich noch den Frühstückstisch, während meine Eltern noch schliefen und am Nachmittag fuhren wir alle gemeinsam zu meinen Großeltern und feierten dort Weihnachten in Familie.

Weihnachten wurde doch noch zu einem schönen Fest.

 

 

„Weiße Weihnacht“ von Christian Frohs, verfasst am Sonntag, 21. Dezember 2003                                 Wörter: 980

 

zurück zum Lyriken-Inhalt                          zurück zur Startseite

Counter 1