Frühlingsgefühle
Es ist Samstag, der 15. Mai. Nach einer scheinbar endloslangen Nacht mit einem Dutzend schöner Träume, werde ich um kurz nach sechs Uhr von meinem Wecker geweckt. Heute habe ich mir fest vorgenommen, den Sonnenaufgang in Ruhe zu beobachten. Ich zog mich an und lief auf ein freies Feld und setzte mich dort auf eine grüne Wiese.
Nach etwa zehn Minuten war es soweit. Langsam erhebt sich die feuerrote Kugel vom Horizont in Richtung Himmel. Es ist total still geworden. Es schien, als wenn selbst die Natur den Sonnenaufgang genießt. Kein Blatt bewegt sich, kein Vogel gibt einen Laut von sich. Während die Sonne als großer Ball gen Himmel steigt, empfindet man, wie Wärme und Licht, Stück für Stück die Natur berühren. Die Schatten werden kürzer und das Dunkel der Nacht verschwindet Richtung Westen Schwarz und grau werden durch ein warmes rot und orange abgelöst. Als die Sonne vollkommen aufgegangen ist, geschieht es sonderbares. Vögel fliegen durch die Luft und singen ihre Lieder. Sanft berührt der Wind die Blätter der Bäume. Es ist, als wenn die Natur applaudieren würde. Wie eine Feier oder eine Vorstellung muss der Sonnenaufgang für Tiere und Pflanzen sein, so dass sie danach wie aus dem Häuschen sind. Auch mein Herz war zutiefst berührt von der überwältigen Schönheit der Sonne. Schließlich erlebt man den Sonnenaufgang nur ein Mal am Tag. Nach mehr als einer halben Stunde ist es bereits richtig warm geworden. Ich ziehe mein Oberteil aus und lasse mich von der Sonne ein wenig bräunen. Ich schließe meine Augen, um die Natur in der Umgebung akustisch besser wahrnehmen zu können. Da höre ich schon die ersten Hummeln und Bienen durch die Luft summen. Wenige Meter neben mir zwitschert eine Amsel ihr Frühlingslied. Mit voller Stolz kommt noch eine Nachtigall hinzu und es ergibt sich ein richtiges Vogelgesangskonzert. Mit viel Liebe singen sie jeden Ton, den sie aus ihren kleinen Körper herausbekommen. An einem Baum in nicht allzu weiter Ferne klopft ein Specht gerade sein Nestloch. Ansonsten ist es rundum still. Kein Lärm von Fahrzeugen und Flugzeugen oder Eisenbahnen zu hören, keine Menschenseele weit und breit. Ich öffne wieder meine Augen und nun sehe ich das, was ich nicht hören konnte. Vor mir fliegt ein kleiner Zitronenfalter in der Luft herum. Dahinter ein weiterer. Scheinbar hat sich ein Paar zusammen gefunden und will jetzt für den Nachwuchs sorgen. Weit oben am Himmel kreist ein Falke seine Bahnen und sucht nach beweglichem Futter auf dem Boden. Am Waldrand befinden sich drei Rehe, die gerade mit dem Abgrasen der Wiese beschäftigt sind. Die Wiesen haben ein richtig saftiges grün und auch die Bäume sind voller Blätter. Überall wachsen Blumen und die Blütenpracht ist so vielseitig, dass der Zartriechende Duft mir in die Nase steigt. Es ist schon beeindruckend, wie die Natur im Frühling erwacht.
Ich erhebe mich von der Wiese und spaziere weiter zu einem Bach.
Dort setze ich mich auf eine Bank und sehe dabei in den Bach hinein. Es ist schon schwer zu beschreiben, wie klar und rein dieses Wasser ist. Er ist so voller Reinheit und die Sonne glänzt in seinem ruhigen Wasserlauf. Ich nehme eine Handvoll Wasser und wasch mir damit das Gesicht; was für ein herrliches Gefühl. Die kühle Frische berührt meine Haut und scheint alle Blutbahnen meines Körpers zu durchdringen. Selbst meine Seele entspannt sich. Auch wenn es nur ein paar Sekunden dauerte, so habe ich sie dennoch genossen.
Es ist mittlerweile Mittagszeit und die Sonne steht hoch am Himmel. Ihre Kraft ist jetzt groß und die Luft so warm, dass man einen Schatten braucht, um nicht allzu sehr zu schwitzen. Ich geh zu einem See und setze mich dort unter einem Baum, der mir den Schatten spendet.
Ich schließe wieder meine Augen und nehme eine Handvoll warmen Sand. Nur langsam lasse ich den feinen Sand von meinen Fingern rieseln. Es fühlt sich an, wie eine sanfte Massage, in die sich die Haut wohl fühlt. Doch nach einer kurzen Weile nickte ich ein wenig ein. Als ich wieder aufwachte, ist die Sonne bereits wieder ein Stückchen gewandert und es ist richtig heiß geworden. Ich beschließe, in dem See ein wenig zu Baden. Diese herrliche Frische rettet einen vor der sengenden Hitze, die den Körper vorher ordentlich eingeheizt hatte. Die gesamte Haut wird von dem klaren und lauen Wasser berührt. Selbst das Herz und der Kreislauf sind froh über die Abkühlung. Ich steig aus dem Wasser und merke, dass die Luft immer schwüler wird.
Langsam steigt die Gewitterneigung. Wolken schießen in die Höhe und bauen sich zu gewaltigen Türmen auf. Der Druck der schwülen Luft ist so groß, dass man es in der Wärme kaum aushält. Sogar die Tiere werden langsam unruhig. Die Vögel fliegen schon tiefer, um beim Fliegen mehr und mehr in die Schatten der Wälder eintauchen zu können. Ich selber spüre auf der Haut, wie die Wärme sich regelrecht an meinen Körper presst. Und obwohl ich mich im Wasser schön frisch gemacht habe, läuft bei mir schon wieder der Schweiß herunter.
Doch plötzlich, ein lautes Donnergrollen. Ein Gewitter zieht auf. Der Wind hat deutlich zugenommen und die Tiere suchen Schutz in Erdlöchern, in Nestern und unter Bäumen. Es dauerte auch nicht lange, da fallen auch schon die ersten Regentropfen. Leise berühren sie den staubigen und trockenen Boden und spenden der Erde, das so erhoffte Wasser. Die Blitze lassen nach, der Wind schwächt sich wieder ab, doch es regnet weiter. Da jetzt kaum noch ein Lüftchen weht, fällt der Regen buchstäblich senkrecht zu Boden. Ich stellte mich richtig hinein und genieße den warmen Regen, der sanft auf meiner Haut niederprasselt. Sie laufen wohltuend auf meinem Körper hinunter und hinterlassen ein angenehmes Gefühl, welches den Druck der Schwüle langsam verschwinden lässt. Und auch die Wärme wird von einer leichteren Temperatur abgelöst. Warmer Regen nach einem heißen Tag kann so herrlich sein.
Ich lass mich vom Regen noch eine Viertelstunde „zerlaufen“, als mir dann wieder der erste Sonnenstrahl ins Gesicht fällt.
Sonne und Regen lassen wohl eines der schönsten Gebilde am Himmel formen, einen Regenbogen. Seine Farben leuchten sehr stark und mit guten Augen, kann ich sogar einen zweiten Regenbogen sehen. Die Natur hat sich wieder beruhigt, und es ist windstill. Die Regenbögen lassen der Umgebung ein friedliches Aussehen erscheinen. Sie hinterlassen sowohl eine warme, als auch kalte Wirkung in meinen Gefühlen zurück.
Die Flora und Fauna hat sich von den Strapazen der Hitze wieder erholt und macht sich nun auf den Weg, schlafen zu gehen.
Die Sonne geht nun wieder unter und überlässt ihr Licht der anderen Erdseite. Langsam kriecht das Dunkel der Nacht von Osten heran. Vögel stellen mehr und mehr ihre Gesänge ein und die Blätter der Bäume bleiben starr. Der farbenprächtige Ball aus rot und orange verschwindet nun langsam am Horizont. Es ist, als würde sie die Wärme mitziehen, denn es wird schon kühler.
Nun ist auch die Sonne untergegangen. Sie übergibt den Tag an die Nacht, mit ihren vielen Sternen und dem Mond.
Ich mache mich auf den Heimweg und denke an den Tag zurück. Wie sonderbar er doch war. Ein Tag voller gemischter Gefühle; Frühlingsgefühle.
[In dieser Geschichte werden die Frühlingsgefühle in Bezug auf die Natur beschrieben.]
[So etwas muss man einfach mal erlebt haben.]
[Übrigens kommt in den nächsten Jahren (2005 oder 2006) eine weitere Fassung über die „Frühlingsgefühle“ heraus. Dann soll die Liebe im Vordergrund stehen !]
„Frühlingsgefühle“ von Christian Frohs, verfasst im Mai 2004 in Geisenheim und Juni 2004 in Olhos de Aqua (Algarve, Portugal) Wörter: 1179