Freitag, der 13. Dezember

 

Mein liebes Tagebuch

 

Heute ist mal wieder Freitag; Freitag, der 13. Dezember. Für mich ein Glückstag. Heute morgen bin ich endlich wieder mit einem lächelnden Gesicht wach geworden, nach fünf Morgen mit verzweifelten Gesichtern. Es gab dafür auch ein Grund: „Wegen hoher Schneemassen fallen heute überall die Schulen aus“, sagte der Sprecher im Radio. Einen schöneren Morgen wie heute, kann man kaum noch haben, zumal ich heute eine Mathearbeit geschrieben hätte. Pythonsätze oder so ähnlich heißen die Dinger mit Rechtecken und irgendwelchen Quadratbuchstaben. Meine Eltern schliefen noch, als ich in das Badezimmer ging. Zuerst ging ich auf die Toilette, da ich ein großes Geschäft erledigen musste. Als ich fertig war, nahm ich mir das Toilettenpapier vor. Am Ende blieben fünf Blätter übrig. Ich dachte mir, ich schmeiß die paar auch noch mit ins Klo, dann hast ´de wieder ´ne Pappe zum Basteln für den Kunstunterricht. Nachdem ich mein Geschäft beendet hatte, fing mir meine Nase an zu laufen. Ich rannte also noch mal aus dem Bad heraus und ging zur Taschentuchschublade. Oops ! Nur noch ein Taschentuch. Naja, ich brauch jetzt eins und das nimm´ ich jetzt auch. Dann ging es ab unter die Dusche. Nach einer Weile merkte ich, dass das Wasser auf einmal kalt wurde. Oops ! sagte ich, ich Dusche schon 45 Minuten und da das Warmwasser sehr teuer ist, haben wir uns vor zwei Jahren einen Warmwasserkessel angeschafft, der sich exakt um Mitternacht mit warmen Wasser füllt. Immerhin 1000 Liter ! Und die sind jetzt durch mein langes Duschen verbraucht. Naja, sagte ich, in 16 Stunden ist er wieder voll. Und da ich alles erledigt habe, wozu ich am Tage Warmwasser brauche, störte es mich nicht. Meine Eltern bestanden darauf, nach jedem Duschen die Duschecke mit Desinfektionslösung zu säubern und anschließend abzuspülen. Ich griff nach der Flasche, aber sie war genauso, wie das Duschbad und die Seife, leer. Also ging ich wieder aus dem Bad und schnappte mir die nächste Flasche, die ich erblicken konnte. Da sah ich schon das richtige Mittel: „Öl zum Braten und Frittieren“ stand oben. Als ich das Badezimmer wieder abschloss, hörte ich von oben schon ein gepolter. Meine Eltern sind wach geworden. Und kaum hat sich das Öl auf der Duschbodenfläche breit gemacht, klopfte mein Dad aufgeregt an der Badtür und sagte verzweifelt: „Hey Ted, komm endlich raus, ich glaube, ich habe Durchfall.“ Schnell versteckte ich die Öl-Flasche unter meinen Pullover und rannte aus dem Bad, während mein Dad hineinstürmte. Die Öl-Flasche stellte ich wieder an den alten Platz. Dann kam meine Mum die Treppe hinunter und erschrak auf einmal. Ich fragte: „Was hast du denn ?“ Sie antwortete: „Meine Wäsche, meine schöne Wäsche.“ Ihr Blick schweifte zum Fenster und mein Blick hinterher. Die Wäsche, alles Waschlappen und Handtücher hingen noch draußen zum Trocknen, aber sie war bei Minus 15 Grad hartgefroren und eingeschneit. Plötzlich rief mein Dad aus dem Badezimmer: „Mary, ich hab´ kein Toilettenpapier mehr.“ „Ich bring Dir ein paar Taschentücher“, sagte sie und griff in die Taschentücherschublade. Sie sagte: „Henry, Taschentücher sind auch alle.“ Er sagte wiederum: „Oh Shit. Bring mir ein Waschlappen oder so was.“ Ich fing an zu kichern, weil ich wusste, dass meine Mum es jetzt beichten musste: „Tut mir Leid, aber die sind noch gefroren. Musste eben an Warmwasser und Seife ran, eine andere Lösung habe ich erstmal nicht.“ Anschließend hörte man einen lauten Rums. Wir fragten nach, was mit ihm los sei. Er antwortete uns: „Ich bin in der Duschecke ausgerutscht, auf irgendeinem öligen Zeug.“ Meine Mum fragte: „Hast Du Dich schon gewaschen ?“ Mein Dad antwortete: „Wir haben kein warmes Wasser mehr und die Seife und das Duschbad sind auch alle.“ Ich schaute zu meiner Mutter, die mich wiederum böse anschaute und dabei fragte: „Warst Du das etwa ?“ Ich antwortete wahrheitsgemäß: „Ich hatte heute morgen auch Dünnschiss. Und da das Toilettenpapier nicht ausreichte, holte ich mir das letzte Taschentuch. Und da auch das Taschentuch nicht mehr reichte, ging ich unter die Dusche. Aber eh ich sauber war, war das Warmwasser und das Duschbad und die Seife schon wieder alle. Und dann wollte ich die braunen Restmikroorganismen mit der Desinfektionslösung abtöten, aber die war schon alle. Also nahm ich das Öl, damit sie drin schwimmen und nicht in die Luft entweichen können. Außerdem hast Du gestern Deine Wäsche draußen vergessen, sie zum Trocknen Reinzunehmen. Schließlich sagte der Wetterbericht Schnee und Eis voraus.“ „Die habe ich ja extra rausgestellt“, lügte meine Mutter vor, „damit sie gleich entfaltet werden.“ Durch meine Gedanken schoss ein Ha-Ha. Zur Bestrafung schickte mich meine Mutter zum Einkaufen. Ich wusste, was ich einkaufen sollte: Toilettenpapier, Taschentücher, Desinfektionsmittel, Seife und Duschbad. Anschließend machte ich mich auf den Weg. Doch kaum war ich ein Haus weiter, da sah ich auf der anderen Straßenseite Santa Claus spazieren. Plötzlich rutschte er aus und sein Sack flog zu mir rüber. Ich schnappte mir den Sack und ging heim. Santa Claus wollte mich verfolgen, doch er rutschte nur so hin und her und flog andauernd auf die Nase. Meine Mutter fragte erstaunt, als sie mich mit dem Sack sah: „Warst Du schon alles einkaufen ?“ Ich antwortete: „Nö, bisher nur für mich. Ich gehe aber jetzt.“ Unterwegs zur Kaufhalle traf ich wieder Santa Claus, der bereits vom Krankenwagen abgeholt wurde, Währenddessen überlegte ich, was wohl im Sack drin sei. Ich träumte von Süßigkeiten, Computerspielen und Haustieren. Naja, dachte ich, schauste mal nachher rein. Als ich im Laden an die Kasse ging, fragte mich die Verkäuferin: „Seit wann kaufen Jungs in Deinem Alter solche Dinge ?“ Ich antwortete genervt: „Madam, darin sind allein meine Eltern schuld. Was kann ich dafür, wenn mein Dad für seinen Allerwertesten Desinfektionslösung zur vollständigen Reinigung braucht, oder meine Mum jeden Tag ein Stück Seife zum Duschen braucht oder wenn sie mit Duschbad ihre Wäsche bügelt und mein Vater mit seinen großen Schnupfen täglich zehn Rollen Klopapier verbraucht ?“ Die Verkäuferin wiederum fragte: „Und was ist mit den Taschentüchern ?“ „Die nutzen wir als Lametta für den Christbaumschmuck.“, antwortete ich und ging aus dem Laden. Wieder zu Hause angekommen, packte ich den Einkaufsbeutel aus und sagte meiner Mutter Bescheid, sie könne langsam Mittag machen. Meine Mum bedankte sich noch für den Einkauf und dann ging ich nach oben, um nachzusehen, was in dem Sack ist. Als ich sah was drinnen war, sagte ich erstaunt: „Cool, endlich mal was eigenes. Taschentücher, Toilettenpapier, Duschbad, Seife und Desinfektionsmittel für mich ganz alleine; is ja stark.“ Aber ich fand auch zwei Tomaten; igitt. Erstens esse ich keine Tomaten und zweitens sind sie sowieso halb vergammelt. Da meine Eltern gerne Tomaten essen, gebe ich sie einfach in Muttis Salat hinein. Nach dem Mittagessen fingen meine Eltern dann an sich zu übergeben und das im Minutentaktwechsel. Ich sagte ihnen Bescheid, dass ich zum Nachbarsjungen spielen gehe. Sie erlaubten mir es mit einem verreiherten „Ja“. Als ich draußen war, sagte ich zu mir: „Endlich, dieses Gekotze ging mir echt auf die Nerven.“ Doch kaum war ich bei Peter, meinem Nachbarsjungen, hörte ich wieder diesen Gereiher-Ton. Ich fragte ihn: „Warum kotzen denn Deine Eltern ?“ Er antwortete: „Meine Eltern haben beim Einkaufen der 5-kg-Pute zu spät gelesen: „Aufgetautes bitte nicht wieder einfrieren !“ Und da ich Vegetarier bin, mussten meine Eltern die Pute alleine aufessen.“ Ein paar Minuten später gingen Peter und ich auf den Rodelberg. Dort hat jemand am Ende des Abhanges einen Schneemann gebaut. Wir beide fuhren immer um den Schneemann herum. Doch dann kam eine Blondine mit ihrem Freund an. Als ihr Freund mal kurz wegging, schubsten wir die Blondine mit samt ihrem Schlitten an. Unkontrolliert, wie Blondinen nun mal sind, fuhr sie direkt auf den Schneemann zu. Und so geschah es: Das blonde Etwas kollidierte mit dem Schneemann und die Karottennase schoss in ihren Mund, wobei man nicht erkennen konnte, wer die Karotte im Mund hatte. Ihr Freund rannte hinterher, rutschte aber unterwegs aus und landete mit seinen Weichteilen genau in den Schlitten. Wir beide sagten nur: „Volltreffer. Tja, Pech gehabt.“

Auf dem Heimweg kam uns unser Mathe-Lehrer entgegen. Er fragte: „Na, wo sind denn Eure Eltern ?“ Peter antwortete: „Auf der Toilette.“ „Und was machen die da ?“, fragte er. „Kotzen, ähm sich übergeben“, antwortete ich. „Na dann sagt mal Euren Eltern Gute Besserung und vergesst nicht für Eure Mathe-Arbeit am Montag zu lernen.“ Wir sagten: „Nö, Nö, vergess´n wa schon nich´.“ Ich sah einen kleinen Faden vom Pullover unseres Lehrers und schnappte mir diesen, als er wieder weiterging. Ich zog den Faden und der Pullover vom Lehrer entkleidete sich allmählich. Mittlerweile ist es schon dunkel geworden, als ich mich von Peter verabschiedete. Als ich nun endlich im Haus war, traf ich meine Eltern und erzählte ihnen, was Peter und ich heute für einen langweiligen Tag hatten. Mittlerweile ist auch die Wäsche wieder aufgetaut. Meine Mum legte sie zum Auftauen in die Duschecke. Doch eins hat sie dabei vergessen: das Öl vorher wegzumachen. Naja, somit ging der Tag, Freitag, der 13. Dezember, zu Ende. Für Peter und ich, war es ein Tag voller Spaß und Freude, für unsere Eltern ein Tag, voller Pleiten, Pech und Pannen. Am nächsten waren meine Eltern mit dem Auswaschen des Öls aus der Wäsche beschäftigt.

 

[Nichts gegen Blondinen oder Eltern. Alles nur Spaß !]

 

 

„Freitag, der 13. Dezember“ von Christian Frohs, verfasst am 13. Dezember 2002 in Geisenheim / Rhein. Wörter: 1529

 

 

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