Drama im Gefängnis
[Diese Geschichte passiert leider sehr häufig und könnte somit wahrhaftig sein. Zum Teil ist sie schockierend geschrieben.]
Heute ist ein besonderer Tag,
denn heut ist mein 30. Geburtstag.
Doch keiner mag mich besuchen,
denn ich habe keinen.
Und vom Mittagessen ganz zu schweigen.
Ein Schüsselchen Bohnensuppe mit Brot bekam ich,
wurde nicht satt.
Man schickte mich wieder ins Zimmer.
Ein großer, starker, blau gekleideter und ohne Mimik verzierender Mann war es, der mich begleitete.
In seiner Tasche, ein langes schwarzes Ding,
dass einem weh tat, wenn man es schon erblickte.
Er schubste mich in meine Zelle,
knallte die Stahltür mit einem Bullauge hinter mir zu,
und verschloss sie.
Nun sitz ich wieder in einem Raum,
ohne Tapeten, ohne Teppiche, ohne Möbel und ohne Gardinen.
Es ist eine dicke Mauer aus Stein,
die mich in kaltem Grau umgibt.
In der einen Ecke meine Matratze zum schlafen,
in der anderen ein kleines Loch, auf dem man sitzt,
um seine Geschäfte zu verrichten.
Und eine kleine, kaputte Glühbirne an der Decke,
die kein Licht in die einsame Dunkelheit verschafft.
Ich gehe ans Fenster und blicke durch vier dicke Eisenstäbe,
unbiegsam und unzerbrechlich.
Und so wie ich hinausschaue, sehe ich Menschen.
Es sind Kinder, Ehepaare und Familien.
Alle sind sie beieinander zusammen,
sie lachen, spielen und küssen sich.
Ich flüsterte vor mich hin und sagte:
“Ja, so warst du auch mal gewesen, doch so wirst du es nie wieder sein.“
Zehn Jahre sitz ich nun schon in dieser kalten Dunkelheit,
und ich fühl mich einsam und verlassen.
Da sah ich ein kleines Mädchen,
vielleicht fünf oder sechs Jahre alt,
dass fröhlich mit ihrer Mutter spazieren geht.
In dem Moment erwachen meine Erinnerungen
Und ich seh´ die Bilder vor mir wie ein Film ablaufen,
den ich vor genau zwölf Jahren mit eigenen Augen erlebt habe.
Es war an ihrem sechsten und an meinem 18. Geburtstag.
Sie lief alleine auf der Straße, da fragte ich sie,
ob sie mit mir mitfahren würde.
Das kleine Mädchen schüttelte den Kopf und ging weiter.
Da fragte ich sie nochmals und hielt zwei Lutscher in der Hand.
Sie starrte mich an und sagte leise: „Ja“.
Ich öffnete die Tür und sie stieg ein.
Ich fuhr mit ihr in den Wald, da fragte sie mit ängstlicher Stimme,
wo wir denn hin fahren würden.
Mein Kopf drehte sich in ihre Richtung, da erwiderte ich mit meiner tiefen Stimme, dass wir für ihre Eltern Pilze sammeln wollen.
Dann sah ich wie sie strahlte und ihre Augen funkelten im Sonnenlicht der Abendsonne, das durch die Scheiben fiel.
Wir kamen an, da fingen wir auch gleich an zu suchen.
Nach einer Weile schubste ich sie und sie fiel ins weiche Moos.
Ich setzte mich auf sie, nahm ein Klebeband und klebte es auf ihren Mund, denn sie wollte schreien.
Nach etwa zwei Minuten lag sie entkleidet auf dem Waldboden,
nackt und völlig hilflos.
Dann legte ich mich auf sie,
sie zappelte,
doch ihr Zappeln brachte mich noch mehr in Stimmung.
Dann kniete ich mich neben ihr,
und holte ein Schweizer Taschenmesser aus meiner Hosentasche.
Ich klappte das Messer auf,
und stach zu.
Drei Mal bekam sie die scharfen Kanten in den Bauch gerammt.
Danach winselte sie noch ein wenig,
bis ihre Augen zufielen und ihr Atem aushauchte.
Allmählich verschwinden die Bilder aus meinem Kopf
und ich seh´ wieder das lachende Mädchen mit ihrer Mutter
auf der Straße entlang spazieren.
Ihr Gesicht ähnelt dem Mädchen von damals.
Und ich fasste einen Entschluss.
Ich holte mein Taschenmesser, dass unter dem Bett lag, hervor,
und stach mir drei Mal in den Bauch,
so wie ich es ihr damals angetan habe.
Meine Stimme schrie laut auf und ich sagte:
“Du wärst heute 18 geworden.“
Nach diesen Worten blieb sein Herz stehen.
[Diese Geschichte schrieb ich, als die Leiche eines entführten Kindes gefunden wurde. Das Kind wurde mit drei Messerstichen in einem Wald ermordet, der Täter leider nie gefasst.
Ich habe versucht mich in die Lage des Täters hineinzuversetzen.
Der Leser sollte aber nicht behaupten oder Angst haben, dass ich das machen würde. Auf keinen Fall ! Gegen diese Entführungen und Missbrauchsfälle sollte Deutschland viel mehr tun !]
„Drama im Gefängnis“ von Christian Frohs, verfasst im April / Mai 2002 in Geisenheim / Rhein. Wörter: 605