Die Flamme im Herzen und in der Seele der Kinder

 

Weihnachten, das Fest der Familie. Ich nehme ein Streichholz aus der Schachtel und zünde eine kleine Kerze an. Sie erleuchtet den Raum mit hellem Schein. Ich schaue in die Flamme und denke nach. Dabei werden meine Gedanken immer klarer und durchsichtiger und ich fang an zu erzählen, was ich in diesem Licht sehen kann:

 

„Heute ist der 24. Dezember, Heiligabend. Ich sehe einen großen Weihnachtsbaum mit vielen bunten Christbaumkugeln, leuchtenden Kerzen und darunter Geschenke in Hülle und Fülle. Daneben eine schöne Krippe und eine Weihnachtspyramide. Es duftet nach Tanne und Weihrauch, die aus den verschieden qualmenden Räucherfiguren stammen. Auf dem Tisch liegen aufgebrochene Nüsse, die der Nussknacker geteilt hat.

Ich schaue durch das Fenster zu den anderen Wohnungen hinüber. Was ich sehen kann, sind frohe Gesichter, fröhliche Kinder und glückliche Familien. Manche singen, andere sind beim auspacken ihrer Geschenke und wiederum andere sind mit ihren Geschenken gerade beschäftigt. Es erwärmt mein Herz, wenn ich die strahlenden Augen der anderen Kinder erblicken kann. Doch es gibt Kinder auf dieser Welt, die mein Herz wieder in Kummer tränken. Denn nicht jedes Kind hat eine Familie, nicht jedes Kind kann Weihnachten feiern und sich mit tollen Geschenken vergnügen. Viele Kinder leben in Armut, haben weder Nahrung, noch Kleidung. Sind krank oder können vor lauter Schmerz, weder laufen, noch schlafen oder atmen. Viele kommen blind oder verändert auf die Welt, andere gehen, bevor sie überhaupt das Licht der Welt erblickt haben. Doch sie sind nicht nur äußerlich verwundet, sondern auch ihre innere Seele ist verletzt.

In ihren Herzen steckt nicht nur Trauer, Leid und Verzweiflung, sondern auch Angst, Angst vor neuen Gefahren

                                  Angst vor neuen Krankheiten

                                  Angst vor Berührungen und Gefühlen

                                  Angst vor der Finsternis, der

                                  Angst vor dem Tod.

Sie leben einsam und verlassen, weil keiner für sie da ist. Sie sind schwach und kraftlos, weil es an Medikamenten und Nahrung fehlt. Ihnen ist kalt, weil sie keine Kleidung anhaben, die sie wärmt. Sie fühlen sich lieblos, weil ihnen keiner die Liebe geben kann. Und ihnen fehlt die Hoffnung und der Mut zum Weiterleben.“

 

Jeder weiß, dass man mit einem kleinen Geschenk einem Kind ein Lächeln auf die Wangen zaubern kann. Doch was die Kinder wirklich brauchen, sind keine Geschenke, sondern aufbauende Gefühle.

Immer noch sehe ich in die leuchtende Kerze, wie ihr heller Schein mir Licht und Wärme spendet. Meine Gedanken haben mich mitgenommen, und so beschließe ich, im Zeichen der Flamme, für die Kinder auf der Welt zu beten, denen es schlecht geht:

 

„Möge diese Flamme den Kindern ein Zuhause schenken,

damit sie wohnen können und eine Familie haben.

Möge diese Flamme den Kindern Kleidung schenken,

damit sie nicht mehr frieren müssen und es warm haben.

Möge diese Flamme den Kindern Nahrung schenken,

damit sie Kraft und Stärke bekommen.

Möge diese Flamme den Kindern Medikamente und Heilung schenken,

damit sie gesund und von Schmerz und Wunden befreit werden.

Möge diese Flamme die neugeborenen Kinder,

die blind oder verändert auf der Welt erschienen sind,

ein Licht und eine heile Welt in ihr Leben setzen.

Möge diese Flamme den Kindern die Angst nehmen

und ihnen den Glauben schenken.

Möge diese Flamme den Kindern Liebe und Zuneigung schenken,

damit sie sich nicht mehr allein fühlen.

Möge diese Flamme den Kindern Hoffnung und Mut

Zum Weiterleben schenken.

Möge diese Flamme den Kindern Frieden und Freude schenken,

damit sie wieder Lachen und Spaß haben können.

Möge diese Flamme den Kindern Licht und Wärme schenken,

damit sie Dunkelheit und Kälte besiegen.

Möge diese Flamme den Kindern ein ewiges Feuer in ihren Herzen

Erleuchten, das niemals ausgehen soll.

Möge diese Flamme den Kindern

ein glückliches und ewiges Leben schenken.

Möge Gott ihnen beistehen und beschützen und wenigstens

einem Kind dieser Erde, diese Flamme schenken.“

 

Ich sammle meine Gedanken, denke an die Kinder und blase nun die Kerze aus, in der Hoffnung, dass Gott die Flamme zu einem Kind mitnimmt und es heilt. Ich schaue aus dem Fenster und sehe eine Sternschnuppe. Nun weiß ich, dass ein Kind die Flamme von Gott geschenkt bekommen hat. Anschließend gehe ich ins Wohnzimmer und dabei schaue ich mir meinen kleinen Weihnachtsbaum an, der gerade mal bis zu meinen Knien reicht und unbeleuchtet ist. Draußen läuten die Mitternachtsglocken und ich sag zu mir:

„Nun bist du neunzig Jahr alt, doch es wird keiner zu deinem Geburtstag kommen, denn du hast niemanden. Schon Zehn Jahre feierst du Heiligabend und Geburtstag allein, doch diesmal ist es das letzte mal.“

 

 

[Zünde eine Kerze an. Während du dann in die Flamme schaust, denke an die armen und kranken Kinder dieser Welt. Bete dann die Zeilen „Möge diese Flamme...“. Puste anschließend die Kerze langsam aus. Mache dies am besten immer am Heiligabend oder in der Nacht zum 1. Weihnachtsfeiertag.]

 

 

 

„Die Flamme im Herzen und in der Seele der Kinder“ von Christian Frohs, verfasst am 6. Dezember 2002 in Geisenheim / Rhein.                                                                                                                                  Wörter: 744

 

 

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