Blind

 

Ich bin blind, von Geburt an.

Was ich sehe, ist nur schwarz und grau.

Doch ich weiß nicht, wie rot, gelb oder grün aussieht,

geschweige denn, erahnen.

Mich traf ein schweres Schicksal,

doch ich muss damit leben.

Sehen ?,

für mich leider nur ein Fremdwort.

Es ist hart, wenn man nicht mal in meinem Alter weiß,

wie unterschiedlich Mann und Frau aussehen,

wie bunt ein Schmetterling oder Regenbogen sein kann,

wie blühend die Natur im Frühling erwacht,

wie Tag und Nacht ihre Lichter wechseln,

wie Kinder in ihren Augen strahlen.

Aber am schlimmsten ist es, nicht zu wissen,

wie ich selber und meine Eltern aussehen.

Nur auf Tasten und Fühlen bin ich angewiesen.

Und ich frage mich häufig,

ist das noch das richtige Leben ?

Gefahren lauern,

wenn man alleine und ohne fremde Hilfe durchs Leben zieht.

Doch Rex, mein Blindenhund,

ist mein treuer Begleiter.

Wie gerne würde ich die Welt sehen und entdecken wollen,

und nicht nur von ihr hören.

Wie gerne würde ich denen Menschen in die Augen sehen,

die mich auf die Welt gebracht haben.
Wie gerne hätte ich das Geld,

um mir eine Augenoperation leisten zu können.

Und die Zukunft ?

Was bringt sie ?

Wie soll ich mich verlieben und Arbeit finden können ?

Werde ich immer alleine leben müssen ?

Aber eins weiß ich: ich bin nicht der einzige,

dem das Schicksal ins Auge traf,

blind zu sein.

 

 

[Ein trauriges Schicksal, welches viele Menschen ertragen müssen.]

 

„Blind“ von Christian Frohs, verfasst am Sonntag, 22. August 2004 in Weißwasser.                                 Wörter: 235

 

 

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