[alle Dialoge und Monologe von Kapitel 2 bis 5 sollten langsamer und Satz für Satz gelesen werden, um ein besseres Verständnis auszudrücken. Kapitel 3 und 4 sollten durchweg langsamer gelesen werden !!!]

 

Vier Freunde – Eine Entscheidung mit tragischem Ende

 

1. Rückblick

 

Wie ihr alle wisst, erlebten die vier Freunde in der letzten Geschichte wohl eines der spannendsten und schönsten Urlaubsausflüge ihres Lebens. Doch eine Frage blieb am Ende der Geschichte noch offen, nämlich was aus den Fundstücken geworden ist, die sie auf ihrem Rückweg von Peenemünde gefunden haben. Wir erinnern uns, dass die Freunde ein altes Messer und einen alten Krug gefunden haben. Philipp versicherte den anderen, dass er während seines Studiums in Dresden, diese Dinge ins Archäologische Institut bringen wird, um Alter, Herkunft und Verwendungszweck untersuchen zu lassen. Einen Monat nach dem Urlaub an der Ostsee fuhr Philipp wieder zu seinem Medizin-Studium nach Dresden und nahm auch die Fundstücke mit. Er ging damit ins Institut, die sich mit der Untersuchung auch Zeit ließen. Nach etlichen Stunden voller Spannung und Ungeduldigkeit kamen sie zu folgendem Ergebnis: Das Messer, was sie gefunden haben, stammt etwa aus der Zeit des zweiten Weltkrieges, besser gesagt um das Jahr 1940 herum. Die Herkunft dieses Gegenstandes ist allerdings ungeklärt, jedoch wurde das Messer wohl eher für den häuslichen Gebrauch verwendet. Im Anschluss dieser Untersuchung wurden dem Philipp folgende Daten über den alten Krug vermittelt: Der Krug, der ebenso mehr oder weniger für den häuslichen Gebrauch verwendet wurde, wurde Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts angefertigt, besser gesagt um das Jahr 1905. Philipp staunte nicht schlecht, denn er hätte nicht damit gerechnet, dass sie dort etwas finden würden, was über hundert Jahre alt war. Doch ihm fiel auch sogleich ein, dass sie schon einmal ein Abenteuer erlebten, bei dem die vier Freunde ein Rätsel über alte Fundstücke auflösten. Nachdem nun alle Details über das Messer und den Krug geklärt wurden, fragte er den Leiter des Institutes, auf was für einen Wert er diese Fundstücke denn schätzen würde. Dieser überlegte eine Weile und machte anschließend Philipp ein Angebot: „Wenn du diese Dinge hier lässt, damit sie in unserer Sammlung Platz haben, würde ich dir für das Messer tausend und für den Krug zweitausend Euro geben. Wenn du dir allerdings sagst, dass du diese Sachen eher behalten möchtest, dann kannst du das auch tun, jedoch würdest du nichts dafür bekommen. Also überlege gut.“ Philipp fragte den Leiter, ob er vor seiner Entscheidung sich noch mal mit seinen Freunden kurzschließen könnte, worauf ihm der Leiter eine Stunde Zeit gab. Also rief Philipp nacheinander seine drei Freunde an, die ihm aber alle sagten, dass er die Fundstücke dalassen und das Geld kassieren sollte. Philipp ahnte die Entscheidung der anderen schon voraus und schloss sich ihnen an. Er ging also wieder zum Leiter des Institutes, und sagte ihm, was sie gemeinsam beschlossen hätten. Dieser wiederum war damit einverstanden und gab Philipp das Geld bar auf die Hand, während die Fundstücke von nun an im Archäologischen Institut Dresden zurückblieben. Wieder zu Hause angekommen, teilte er die dreitausend Euro durch vier, sodass jeder 750 Euro bekam. Und in dem Alter konnten sie das Geld auch ganz gut gebrauchen. Wie schon vorhin erwähnt, befinden wir uns jetzt im September. Philipp beginnt bereits sein drittes Semester seines Medizin-Studiums, Dennis hat auch schon ein Jahr seiner Frisör-Lehre geschafft, Maria geht nun in die zehnte und Peter in die elfte Klasse. Er gehört mittlerweile zu den besten Schülern des Gymnasiums und wählte die Fächer Deutsch und Geschichte als Leistungskurse aus. Der Durchschnitt seines letzten Zeugnisses war mit 1,1 sehenswert für die anderen Schüler der Schule. Nur einer war zu dem Zeitpunkt besser als Peter. Maria kann davon nur träumen. Sie liegt zwar mit einem Durchschnitt von 2,0 auch nicht schlecht, würde sich aber gerne noch in ihren Leistungen steigern wollen. Dennis ist soweit rundum zufrieden mit seiner Lehre und der praktische Teil bereitet ihm viel Freude und Spaß. Allerdings hakt es bei ihm im theoretischen Teil in der Berufsschule. Die Zeit verging, sodass der 25. September kam, wo Peter seinen 17. Geburtstag feierte. Zu dieser Feier sagte er auch, dass er zu seinem 18. Geburtstag eine Riesen-Fete machen möchte, worauf sich die anderen schon jetzt darauf tierisch freuten. Die nachfolgenden Herbstmonate nutzten die vier Freunde aus, um sich spielerischen und sportlichen Aktivitäten, wie Bowling oder schwimmen, zu widmen. Am 11. Dezember wurde Maria dann sechzehn Jahre alt und sie freute sich vor allem darüber, dass sie nun keinen Kinderausweis mehr hat, sondern einen richtigen Personalausweis. Anfang Februar hatten die Brüder Krone dann eine schwierige Woche. Damit ist nicht gemeint, dass sie miteinander was zu tun hatten, nein, beide hatten in derselben Woche Prüfungen. Philipp beendete sein drittes Semester mit sehr guten Noten recht erfolgreich, während Dennis seine Zwischenprüfung gerade so schaffte. Man kann zwar in der Zwischenprüfung nicht durchfallen, aber wenn es die richtige Prüfung gewesen wäre, wäre er fast nicht durchgekommen. Nach diesen Prüfungen kam auch schon fast der März und somit auch vorzeitig der Frühling. Dennis verpasste seinem Freund Peter eine Frühlingsfrisur, die auch super gut aussah. Und so, wie der Frühling nun mal ist, entstehen auch Frühlingsgefühle. In der Klasse von Peter sitzt ein Mädchen, die durch das gute Aussehen von Peter, einen Flirtversuch startet. Sie weiß zwar, dass Peter einen Freund hat, aber sie muss auch ständig an ihn denken. Das Mädchen heißt Lisa und wir kennen sie aus dem Ostsee-Urlaub, wo Peter sie in der Geschichte seines Lebens beschrieb. Damals in der sechsten Klasse waren sie schon einmal ein Paar gewesen. Und tatsächlich werden die beiden dicke Freunde und treffen sich auch ziemlich häufig bei dem ein oder anderen oder machen in der Freizeit viel zusammen, vor allem nach der Schule, wo Dennis um die Zeit noch arbeitet. Am 4. April feierte Philipp dann schon seinen 20. Geburtstag und einen Monat später, am 9. Mai, Dennis seinen 19. Geburtstag, welches auch ein sehr warmer Tag war. Und nun sind wir nach dieser langen Zeit am 2. Juni 2006 angekommen. Es ist der Freitag vor dem langen Pfingstwochenende und die vier Freunde wollen wieder einiges erleben.

 

2. Ferienbeginn und die bittere Wahrheit

 

Es ist Freitagabend, da stellt Anja ihren Sohn zur Rede: „Dennis, ich war gerade in deinem Zimmer, um deine Blumen zu gießen und ich finde, du könntest es mal wieder aufräumen. Gerade zu Pfingsten, wo auch dein Bruder wieder nach Hause kommt.“ „Ja Mama, mach ich gleich. Ich gehe aber vorher noch mal duschen.“ „Dusche lieber nachdem du aufgeräumt hast, sonst bist du gleich wieder schmutzig.“ Dennis räumte also sein Zimmer zuerst auf, bevor er unter die Dusche ging. Wie immer brauchte Dennis sehr lange zum Duschen, da aber sein Bruder Philipp noch nicht da war,  konnte er sich im Bad auch noch die Zeit dazu nehmen, seine Frisur zu richten. Schließlich weiß er als anlernender Frisör, wie eine Frisur richtig sitzen muss. Als er aus dem Bad kam, traute er seinen Augen nicht. Philipp war bereits zwei Stunden früher zu Hause und somit war die Überfreude natürlich umso größer. Philipp sagte zu seinem jüngeren Bruder: „Hey Dennis, du siehst ja wieder klasse aus und deine neue Frisur gefällt mir auch.“ „Danke Bruderherz, du könntest aber auch mal wieder eine bessere Frisur vertragen. Auf Dauer wirkt dein Kurzhaarschnitt doch immer so langweilig.“ „Na na na, werd mal nicht frech, Kleener. Aber mal Spaß bei Seite jetzt. Wie wird das Wochenende rein wettermäßig her ?“ „Das Wetter soll echt klasse werden. Die Sonne wird viel scheinen und es soll auch richtig schön warm werden, wieso, hast du was bestimmtes vor ?“ „Wenn das Wetter so herrlich wird, wie du es beschrieben hast, dann könnten wir vier Freunde doch die Tage ausnutzen und uns am Traumstrand niederlassen oder was meinst du dazu ?“ „Klar, super Idee. Aber dann sollten wir den anderen noch heute Bescheid sagen, dass wir uns morgen Vormittag hier treffen.“ Die beiden klatschten mit ihren Händen ab und rannten sogleich an die Telefone, um jeweils den Partner anzurufen. Und wie es nicht anders zu erwarten war, stimmten auch Maria und Peter dafür und somit packten die vier alles zusammen, was sie für den Zeltausflug über Pfingsten so alles benötigten. Die Freude war wie immer groß und so fragten die Brüder auch ihre Mutter, ob das so in Ordnung wäre. Sie antwortete: „Ich freue mich, wenn ihr mal wieder was zusammen unternehmt. Schließlich hat man nicht immer so ein perfektes Wetter. Ich werde mich morgen mal mit den Eltern eurer Freunde treffen. Mal sehen, was sich machen lässt.“ Die beiden bedankten sich bei ihrer Mutter und somit verzogen sie sich langsam in ihre Zimmer, um schlafen zu gehen, schließlich war es schon fast Mitternacht und normalerweise wäre Philipp erst jetzt aus Dresden zurückgekommen.

Am nächsten Morgen wachten die beiden gegen 9 Uhr wieder auf, wobei Philipp wie immer der schnellere von beiden war, weil Dennis morgens schlecht aus den Federn kam. Anschließend gingen sie hinunter, um zu frühstücken. Zur gleichen Zeit aßen auch Peter und Maria in ihrem jeweiligen Zuhause Frühstück. Danach schwangen sie sich auf ihre Fahrräder, um sich bei Familie Krone zu treffen. Dort angekommen begrüßten und umarmten sich die vier Freunde untereinander und gaben sich auch den ein oder anderen zärtlichen Kuss. Alle waren rundum glücklich und freuten sich auf das bevorstehende Wochenende. Jedoch sah man Peter an, dass seine fröhlichen Blicke immer nur ganz kurz in seinem Gesicht zu erkennen waren und wieder schnell in einen Ausdruck zerfielen, der sehr nachdenklich aussah. In einem kurzen Moment, wo Peter und Dennis alleine waren, fragte Dennis ihn: „Hey Schatz, was ist denn mit dir ? Freust du dich denn nicht auf das Wochenende ? Geht es dir nicht gut oder was ist los ? Sag doch bitte was.“ Daraufhin antwortete Peter: „Nein nein, mir geht’s eigentlich sehr gut, ich hab nur schlecht geschlafen. Mach dir keine Sorgen, das wird im Laufe des Tages sicherlich besser.“ Nach diesen Worten beruhigte sich Dennis auch wieder und so gingen die beiden zu den anderen zurück. Für das Mittagessen hatte sich jeder ein paar Brötchen beschmiert und für das Abendessen wurde auch reichlich eingepackt. Dann ging es los. Die vier verabschiedeten sich von Anja und fuhren weiter in Richtung Traumstrand, der nur etwa 3 Kilometer von dem Haus der Familie Krone entfernt war. Als sie dann dort ankamen, ließen sie erst einmal alles fallen und genossen den Anblick des Sees und der herrlichen Sonne, die über ihren Köpfen schien und die Luft erwärmte. Nach einer guten Viertelstunde machten sie sich an die Arbeit und holten all die Dinge heraus, die sie für das Zeltaufbauen brauchten. Es ist zwar schon eine Weile her, als sie das letzte Mal zelteten, jedoch waren sie nicht aus der Übung und somit standen die Zelte bereits nach kurzer Zeit. Während Maria und Philipp die Unterkünfte einrichteten, gingen Peter und Dennis in den Wald, um Holz für das abendliche Lagerfeuer zu sammeln. Dennis sah, wie sein Freund schwitzte und der Schweiß zusammen mit der Sonne auf seiner Haut glitzerte. Dennis sagte zu ihm: „So hat meine Liebe zu dir ursprünglich angefangen. Vor fast zwei Jahren, als wir das erste Abenteuer erlebten, sah ich dich in dieser Position und mich hat es fast umgehauen, so verliebt war ich.“ Peter staunte nicht schlecht, denn er wusste davon noch gar nichts. Als Dennis ihm einen Kuss geben wollte, wendete sich Peter jedoch kurz ab und sagte: „Du Schatz, ich muss dir abends was erzählen, was du noch nicht weißt, aber unbedingt wissen solltest.“ Dennis war erst verwundert, sagte aber dazu fast nichts, also gingen sie mit ihrem gesammelten Holz zurück zu den Zelten, wo Maria und Philipp bereits alles fertig eingerichtet hatten. Dann nahmen sie alle ihre Brötchen und belegten Brote aus den Taschen, setzten sich in die Sonne und aßen fleißig an ihrer Mittagsmahlzeit. Obwohl draußen ein laues Lüftchen wehte, heizte die Sonne die Luft und den Boden gut auf. Philipp sagte während des Essens: „Was kann wohl schöner sein, als hier in der Sonne relaxt zu sitzen und die Luft zu genießen, die einem an diesem Platz das atmen erleichterte !?“ Daraufhin antwortete Maria mit leicht bösem, aber ironischen Blick: „Schatz, bist du dir wirklich sicher, dass es nichts schöneres gibt ?“ Philipp sah seine Freundin an und erschrak sich ein wenig vor Marias Blick, gestand dann aber, dass seine Freundin hübscher als alles andere auf dieser Welt wäre und gab ihr anschließend einen leidenschaftlichen Kuss. Die anderen beiden Jungs schmunzelten auch mit einem lächelnden Gesicht. Nachdem sich nun alle satt gegessen hatten, legten sie sich für eine Weile noch mal in die Sonne, um sich ein wenig zu bräunen. Wenn man die vier Freunde so sah, dann könnte man denken, dass sie richtig faul geworden sind. Aber sie haben schließlich Monate darauf warten müssen, also gönnte man es ihnen auch auf der anderen Seite. Nach einer knappen halben Stunde erhoben sie sich wieder aus dem Sand und beschlossen nun, den Nachmittag freizeitmäßig zu gestalten. Zuerst spielten sie eine Runde Beachvolleyball, welches sie seit dem Ostsee-Urlaub gerne spielten. Anschließend drei Runden Boccia und danach waren sie so verschwitzt, dass sie eine Abkühlung brauchten. Doch der See war noch nicht so sehr warm. Dennis, der wie immer auch ein Thermometer mit hatte, ließ die Temperatur des Sees messen, welches achtzehn Grad anzeigte. Da die Luft knapp über zwanzig Grad war, getrauten sie sich dann doch ins Wasser zu gehen und tatsächlich schwammen sie alle ein paar Bahnen und Runden. Doch lange blieben sie nicht im Wasser, sodass sie sich schnell wieder draußen in die Sonne legten, um sich aufzuwärmen. Sie fühlten sich alle pudelwohl und vergaßen den Alltag, als wenn sie ihn nie erlebt hätten. Während sie da so dalagen, erzählte einer nach dem anderen ein Witz und jedes Mal konnten sie sich vor lachen kaum noch halten. Und so verging Stunde um Stunde und somit kam der Abend schneller, als gedacht. Die Uhren zeigten bereits achtzehn Uhr und Dennis bereitete das Lagerfeuer vor, während die anderen das Abendessen aus den Taschen holten. Damit der Aufwand nicht so groß wurde, gab es nur ein paar Bratwürste, die sie im Feuer grillten, ebenso ein paar Toastschnitten für jeden. Dennoch ließen sie es sich schmecken und wurden auch satt. Auch nach dem Abendessen brannte das Lagerfeuer weiter, während Peter wieder seine Gitarre herausholte und neue Stücke vorspielte, die er sich in den letzten Monaten angelernt hatte. Nebenbei unterhielten sie sich immer wieder ein wenig, sodass der Abend nicht langweilig wurde. Um kurz vor neun Uhr abends überlegten sich die vier, was sie wohl am nächsten Tag machen wollten. Sie entschlossen sich, um kurz nach sieben Uhr aufzustehen, um dann die Wanderung um den See zu machen. Nach dieser Entscheidung fiel ihnen ein, auch wieder Geschichten aus dem Leben zu erzählen. Dennis fing mit seiner Geschichte an und sagte zu den anderen: „Es war an einem Tag in der vierten Klasse und wir hatten an diesem Tag Sportunterricht. Allerdings waren wir dieses Mal nicht allein, sondern insgesamt drei Klassen mussten in der kleinen Turnhalle Sport machen. Ihr könnt euch also vorstellen, wie voll dann so eine Halle ist. Man konnte wirklich kaum treten. Je nachdem, ich nahm mir ein Ball und spielte damit ein wenig. Ein Mal allerdings rollte er ans eine Ende der Turnhalle. Und wie man nun mal in dem Alter so ist, rennt man dem Ball automatisch hinterher. Und das tat ich dann auch. Während ich hinterher lief, glaubte ich, meinen Namen gehört zu haben. Also drehte ich mich währenddessen um, merkte aber nicht, was vor meiner Nase so war. Plötzlich spürte ich bloß noch einen harten Schlag am Kopf, worauf ich gleich zu Boden fiel. Ich bin doch tatsächlich gegen einen Stahlpfeiler gerannt, der sozusagen ein Bein der Turnhalle war. Ich stand auf und dachte mir erst gar nichts dabei, so dass ich weiterlief und den Ball holte. Dann wurde mir aber irgendwie komisch. Mein Kopf tat sehr weh und deshalb ging ich zu meiner Klassenlehrerin. Als sie mich sah, sagte sie nur noch „O mein Gott“. Ich wusste erst nicht warum, aber dann faste ich mit meiner Hand an den Kopf und sah, dass er stark blutete. Ich war anscheinend so unter Schock und tapfer, dass ich keine einzige Träne vergoss. Je nachdem, sie verarzteten mich und ich brauchte nicht ins Krankenhaus.“ Den anderen drei Freunden blieb scheinbar das Herz stehen, als sie hörten, er sei gegen einen Stahlpfeiler gerannt, sagten aber, dass er viel Glück gehabt haben muss. Als Philipp dann sagte, dass er die Turnhalle fast zum Einsturz hätte bringen können, gab Dennis ihm einen kleinen Schubs, worauf alle anderen lachen mussten. Philipp war auch derjenige, der mit seiner Geschichte fortsetzte. „Da fällt mir doch sogleich auch was in Sachen Turnhalle ein. Ich war damals dreizehn Jahre alt und habe mich ein wenig in meine beste Freundin Sonja verguckt. Da sie für mich das erste Mädchen war, in das ich mich so verknallte, war ich noch zu schüchtern, um sie darauf anzusprechen, aber ich versuchte Stück für Stück an sie heran zu kommen. Ich vertraute es damals nur meinem besten Freund André an, mit dem ich mich viel darüber unterhielt. Eines Tages gingen wir in der Hofpause über den Schulhof und redeten gerade über die Mathearbeit, die wir die Stunde zuvor geschrieben haben. Dann sagte er auf einmal, dass er mal kurz hinter die Turnhalle müsse, um dort seinen Bruder anzutreffen, der sich angeblich immer dahinter aufhielt. Ich wartete fünf Minuten und schaute dann selber nach, wo er denn wohl bleiben würde. Doch was ich sah, hat mich regelrecht schockiert. Ich konnte es einfach nicht glauben, aber mein bester Freund knutschte mit meiner besten Freundin herum. Ich war so sauer, dass ich seine Freundschaft beendete. Zwei Jahre lang waren wir bloß normale Klassenkameraden, ehe wir wieder Freunde wurden. Und genauso lange hatte es auch gedauert, dass ich die Liebe zwischen den beiden akzeptierte. Ihr werdet es kaum glauben, aber die beiden sind heute noch zusammen. Ich zumindest fand dann mit fünfzehn Jahren eine andere viel hübscher.“ Die anderen schmunzelten ein wenig mit dem Mund, sagten aber auch, dass das natürlich eine ziemlich negative Situation sein kann, wenn man so etwas erlebt. Maria setzte mit ihrer Erzählung fort: „Vor vier Jahren, als ich zwölf Jahre alt war, erlebte ich den Prozess meines Cousins hautnah im Gerichtssaal mit. Er war damals neunzehn und angeklagt, eine zehnjährige vergewaltigt zu haben. Ich wusste ja von vorn herein, dass er unschuldig war, weil er dazu überhaupt nicht fähig gewesen wäre. Und tatsächlich wurde nach zwei Stunden Beweisaufnahme der Prozess wegen mangelnder Beweise eingestellt. Der Vater des jungen Mädchens hat meinen Cousin angezeigt und das Mädchen dazu gezwungen eine Falschaussage zu machen. Später stellte sich heraus, dass der eigene Vater diese Tat begangen hatte. So etwas ist doch wirklich schrecklich. Mein Cousin war zumindest froh, dass man ihm die Unschuldigkeit geglaubt hat.“ Alle starrten auf den Boden, weil sie wussten, dass solche Taten immer wieder passieren und diese auch schrecklich genug sind und dagegen auch mehr getan werden müsste. Nachdem sich alle wieder von der Nachricht beruhigt hatten, war Peter als letzter an der Reihe. „Ich war damals acht Jahre alt, als ich einen Hamster geschenkt bekam. Ich nannte ihn Fridolin und er bereitete mir echt große Freude. Für mich war er, wie mein eigener Bruder und auch Kevin freute sich jedes Mal darüber, wenn er ihn sah. Zwei Jahre später, als ich zehn Jahre alt war, ging es ihm auf einmal von Tag zu Tag schlechter. Wir gingen mit ihm auch zum Tierarzt, aber er konnte nichts feststellen und sagte nur, dass er sich wohl möglich zu sehr alleine fühlte. Seine Einsamkeit versuchten wir ihm zu Hause ein wenig abzunehmen, aber er brauchte wohl eine Partnerin. Zwei Tage, bevor wir ins Tierheim fahren wollten, um für ihn eine Frau zu suchen, starb er. Ich habe damals bitter geweint und verstand die Welt nicht mehr. Erst nach ein paar Wochen konnte ich mich beruhigen und seitdem möchte ich kein Haustier mehr alleine lassen.“ Nach diesen Worten musste Maria laut gähnen, aber nicht, weil sie die Geschichte uninteressant fand, sondern weil sie müde geworden war. Philipp schaute auf die Uhr und sah, dass es bereits kurz vor elf war. Nun war es also an der Zeit schlafen zu gehen, damit sie morgen fit für die Wanderung sind. Und so gingen die vier langsam ins Bett, wobei Maria und Philipp ziemlich schnell einschliefen, während Dennis und Peter noch wach waren. Damit Dennis seinen Schatz vielleicht etwas aufmuntern konnte, zog er sich nackt aus und wollte mit ihm schlafen. Peter spürte, dass sein Freund Lust auf Sex hatte, doch er nahm das beste Stück von Dennis und sagte: „Nein Dennis, ich möchte keinen Sex. Bitte versteh, ich kann nicht. Ich habe auch keine Lust dazu.“ Mit leicht geschocktem Blick verstand Dennis die Welt nicht mehr und sagte zu ihm: „Was ist denn mit dir los Süßer ? Du hast doch irgendwas. Bitte lass es mich wissen, schließlich können wir über alles reden, egal wie schwer es für den anderen ist. Hat das was damit zu tun, was du mir heute noch sagen wolltest ?“ Peter nickte und bekam feuchte Augen, weil er Angst hatte, es ihm zu erzählen. Doch er nahm all seinen Mut zusammen und sagte: „Dennis, ja meine Stimmung ist heute nicht so gut, weil ich weiß, dass ich dir was beichten muss, was mir sehr schwer fällt. Du weißt doch sicherlich noch, dass ich dir so einiges mal über Lisa erzählt habe. In der sechsten Klasse waren wir mal zusammen gewesen, später waren wir dann aber nur noch normale Schulfreunde. Vor ein paar Monaten dann wurde unsere Freundschaft dann wieder enger. Obwohl sie wusste, dass ich mit dir eine Beziehung führe, ließ sie mich kaum aus den Augen und ließ einen regelrechten Flirtsturm auf mich los. Wir trafen uns in letzter Zeit auch häufig und ich merkte, dass sie eigentlich auch super nett und lieb ist. Es kommt aber noch viel schlimmer. Vor zwei Wochen küsste sie mich zum ersten Mal und ich war wie verwandelt, sodass ich diesen Kuss im nachhinein auch toll fand. Aber selbst das war noch harmlos. Am Mittwoch bin ich nach der Schule dann zu ihr nach Hause gegangen, um mit ihr eigentlich was gemeinsam für die Schule durchzunehmen. Doch dazu kam es nicht, denn sie zog sich vor mir aus und machte das im Anschluss auch mit mir. Sie hat mich dermaßen verführt, dass ich meine Lust nicht mehr verbergen konnte. Dennis, es tut mir Leid, das sagen zu müssen, aber ich habe mit Lisa geschlafen und ich fand den Sex auch richtig klasse. Ich meine, mit dir ist es auch schön, aber neben dir habe ich mich gleichzeitig auch in Lisa verliebt. Und da ich sie durch die Schule häufiger sehe, als dich, wird unsere Liebe sicherlich auch noch stärker werden. Dennis, wir beide sind die dicksten und besten Freunde und unsere Liebe hielt stolze zwei Jahre und ich muss sagen, dass ich diese Zeit auch wirklich schön fand, besser gesagt, es was die schönste Zeit meines Lebens. Aber ich glaube, dass diese heute zu Ende gehen wird. Ich mag dich zwar immer noch sehr, aber mein Herz schlägt wohl mehr für Lisa. Bitte akzeptiere das, schließlich können wir doch weiterhin sehr gute Freunde bleiben und ich bin mir auch sicher, dass auch du nicht mehr lange solo sein wirst. Ich hab dich trotzdem ganz doll lieb und du bist für mich wie ein richtiger Bruder. Ich würde so gerne mit dir eine Blutsbruderschaft eingehen, als Zeichen unserer ewigen Verbindung und Freundschaft.“ Während Peter diese Sätze seinem Freund auferlegte, schaute dieser zutiefst geschockt, sodass er erst einmal keine Worte fand. Beide hatten Tränen in den Augen, die dann auch langsam die Wangen herunter liefen. Nach wenigen Minuten schaffte es Dennis, einige Worte zu Sätzen zu formulieren und sagte: „Peter, ich weiß nicht, was ich dazu noch sagen soll. Ich kann es einfach nicht glauben, was du da gerade eben gesagt hast. Wie soll ich das denn bitte verstehen ? Ich bin in dich so sehr verliebt, dass ich nicht einmal weiß, wie ich das akzeptieren soll. Und vor allem: Warum hast du mir nicht schon vor paar Wochen erzählt, dass dich Lisa so häufig anflirtet ?“ „Dennis, ich wollte nicht deinen Geburtstag versauen, außerdem war ich mir ja selbst noch nicht sicher, in wie weit das noch gehen sollte. Bitte verzeih mir. Ich möchte nicht, dass unsere Freundschaft darunter leidet. Bitte versteh mich.“ Dennis senkte seinen Kopf, überlegte eine Weile und sagte: „Peter, es ist mir schon klar, dass es dir Leid tut und ich kann dich in der Hinsicht schon verstehen, aber für mich geht das jetzt alles ein bisschen zu schnell. Bitte lass mir ein wenig Bedenkzeit. Ich möchte ja auch, dass wir Freunde bleiben, aber verlange jetzt bitte nicht von mir, dass ich gleich wieder so gut drauf bin. Dennoch hätte ich noch einen letzten Wunsch und eine Bitte an dich. Ich möchte noch ein letztes Mal mit dir schlafen, ein letztes Mal deine Nähe spüren, ehe sich der Tag zum Sonntag zuwendet. Bitte, nur noch dieses eine Mal.“ Dennis liefen Tränen über das Gesicht und Peter sagte nach einer Weile zu ihm: „Ok Dennis. Ich würde dir deinen letzten Wunsch erfüllen. Ja, ich möchte auch noch mal mit dir schlafen. Schließlich hatten wir den schönsten Sex miteinander. Ich bin zwar nicht schwul, aber auch nicht hetero, also drück ich mal ein Auge zu und sage „ja“ zum Sex. Aber heute bin ich wirklich viel zu müde. Versteh das bitte, aber du wirst mir sicherlich zustimmen, dass man beim Sex ziemlich fit sein muss. Klar, morgen gehen wir wandern und da ist man abends auch müde, aber wir sagen morgen den anderen einfach, dass wir eher schlafen gehen wollen. Ist das ok ? Ich verspreche dir, dass wir morgen mit dem schönsten und längsten Sex unseres Lebens unsere Beziehung beenden und auf ewig Freunde sind.“ Nach langer Zeit bekam Dennis wieder ein Lächeln im Gesicht und akzeptierte den Vorschlag von Peter. Trotz aller Umstände beschlossen beide, schlafen zu gehen. Doch Dennis konnte einfach nicht einschlafen, weil ihm die Situation durch den Magen ging. Auf der einen Seite konnte er es einfach nicht begreifen, auf der anderen Seite akzeptierte er es auch irgendwie, weil er möchte, dass sein Liebster auch glücklich ist, egal mit wem. Er dachte nach, wie es wohl mit seiner Zukunft weiter gehen sollte. Wie sollte sein Leben weiter gehen ? Dennis ist dann zwar wieder alleine, aber er ist voller Hoffnung, vielleicht schon bald einen neuen Lebenspartner zu finden. Und er wusste, wenn er die Liebe zwischen Lisa und Peter anerkannte, wird später auch Peter zu Dennis gehen, wenn dieser einen Freund hat und ihn dann auch akzeptieren. Obwohl Dennis in seinem Bett noch sehr nachdenklich lag, so war er doch froh, dass die Freundschaft zwischen beiden noch zusammenhielt. Und den Vorschlag mit der Blutsbruderschaft fand er auch ganz gut und er wird morgen dem Peter sagen, dass er eine Blutsbruderschaft als Zeichen der ewigen Freundschaft möchte. Es dauerte noch eine Weile, bis Dennis sich so stark beruhigt hatte, dass er einschlafen konnte.

 

3. Die letzten Stunden von Dennis

 

Doch lange konnte Dennis wohl nicht schlafen, denn um Punkt sechs Uhr wachte er mit einem Ruck aus dem Schlaf auf. Draußen schien schon die Sonne und er wunderte sich zunächst, was vielleicht passiert war. Doch es dauerte keine dreißig Sekunden, da kamen all seine Gedanken hoch und er merkte, dass er einen Alptraum hatte. Sein Gesichtsausdruck zeigte Verwirrtheit und Unsicherheit. Doch was war geschehen ? Von was träumte Dennis, dass er jetzt so ängstlich war ? Er überlegte und sah die ganzen Bilder seines nächtlichen Alptraums wie ein Film durch seine Gedanken laufen. Es fing damit an, dass sich Dennis und Peter in der Schule trafen. Beide hatten schon Schulschluss, also trafen sie sich auf dem Schulhof, um gemeinsam noch etwas zu unternehmen. Sie umarmten und küssten sich zärtlich miteinander, bis sie plötzlich jemand entriss. Es war Lisa. Sie drehte den Kopf von Peter auf ihre Seite und küsste ihn mit einem geschärften Blick. Peter war wie verzaubert, als Lisa ihn küsste. Er blieb bei ihr, während Dennis den beiden gegenüber stand. Lisa sagte zu ihm: „Du verlogenes Miststück. Wie kannst du es wagen meinen Freund zu küssen. Du Schwuchtel kannst dir jemand anderen für deine schwule Knutscherei suchen.“ Nach diesen Worten schaute Dennis seinen Freund Peter an, der anscheinend auf Lisas Seite war und somit genauso böse schaute. Dennis war klar, dass sich Peter also von ihm getrennt hatte. Doch ihm fehlte der Mut, auf dieselbe Art und Weise, zu kontern. Nach einer knappen Minute scheinbarer Stille, setzte Lisa ihre Attacken fort: „Weißt du was: Du bist doch ein hilfloses Stück Dreck, was nicht einmal die Chance dazu hat, weiter zu leben. Schau dich doch an. Du bist schwul und dich will auch keiner haben. Sieh doch ein, dass dich so niemand akzeptieren wird, wie du bist. Meiner Meinung nach, solltest du dich umbringen. Doch echt, dein Leben ist doch nix mehr wert.“ Lisa gab Dennis ein Taschenmesser und sagte: „Hier, ich schenk dir sogar mein Taschenmesser dafür. So gütig bin ich, um dein scheiß Leben zu retten. Na los, Stich zu. Tu es jetzt und du bist für immer frei.“ Und genau nach diesen Worten war Dennis aufgewacht. Jedoch hatte er scheinbar weder etwas gesagt, noch geschrieen. Zumindest schliefen die anderen drei Freunde noch tief und fest in ihren Schlafsäcken. Dennis war vollkommen perplex und durcheinander. Er wusste nicht mehr so richtig, was noch am Vortag passiert war. Obwohl es nur ein Alptraum war, schoss in seinem Kopf der Gedanke, dass es vielleicht auch in Wirklichkeit passieren könnte. Er machte sich schwere Gedanken darüber und sah in seiner Zukunft nur noch das Negative. Immer wieder fragte er sich, wie es wohl in seinem Leben weiter gehen sollte. Aber der Alptraum war scheinbar stärker, als jeder Wille, weiter zu leben. Er drehte sich kurz um und sah neben seinem Rucksack ein Taschenmesser liegen. Wie ein Geistesblitz schoss die Szene aus dem Traum durch seinen Kopf und er fasste sich folgenden Entschluss. Dennis sah in seinem Leben keinen Sinn mehr und wollte nun die Tat vollenden, die er durch das plötzliche Aufwachen, in seinem Traum nicht vollenden konnte. Ganz langsam und leise öffnete er seinen Schlafsack, um möglichst keinen zu wecken. Um sicher zu gehen, schaute er sich noch einmal seinen Freund Peter an, der ganz friedlich und mit süßer Mimik schlief. Und genau in dem Moment wurde Dennis bewusst, dass die Liebe zwischen ihm und Peter keine Bedeutung mehr hatte. Zögernd und lautlos kroch er aus seinem Schlafsack hinaus und verließ das Zelt im Kriechgang richtig Strand. Dort stand er auf und schaute sich um. Er wusste, dass er die Welt, wie er sie jetzt und in dem Augenblick sah, auch zum letzten Mal sehen wird. Die Sonne glitzerte auf dem stillen See und auch die Luft war ganz ruhig. Sein Gesicht strahlte wieder ein wenig, denn an diesem Platz erlebte er immer die schönste Zeit seines Lebens. Er dachte vor allem daran, wie er sich hier damals in Peter verknallte und mit ihm auch an dieser Stelle sein erstes Mal erlebte. Oder die ganzen Abenteuer und den Spaß, den die vier Freunde hier hatten. Doch trotz dieser schönen Erinnerungen, blieb Dennis bei seiner Entscheidung, das Leben auch an dieser Stelle zu beenden. Langsam ging er zu Boden und legte sich anschließend in den Sand, der von der Sonne schon etwas angewärmt war. In seiner linken Hand hielt er das Messer, welches in der Morgensonne funkelte. Doch er fing langsam an, ein wenig zu zittern. Aber sein Entschluss stand nun mal fest und er wollte das jetzt auch durchziehen. Dennis benutzte das Messer noch mal als Spiegel, um sich selbst ein letztes Mal zu sehen. Nach wenigen Minuten sagte er zu sich: „Heute ist ein schöner Tag zum Sterben.“ Die Uhren zeigten fast 6:30 Uhr, als er damit begann, die linke Hand zu seiner rechten zu bewegen. Er nahm all seinen Mut und seine ganze Kraft zusammen und setzte das Messer an den Pulsadern der rechten Hand an. Mit hohem Druck drückte er das Messer in die Haut und zog langsam einen Schnitt über die ganze Handbreite. Das Leid der Enttäuschung und Verzweiflung über die Trennung zwischen ihm und Peter war scheinbar größer, als der Schmerz, den er sich in dem Moment hinzufügte, sodass er keinen Mucks von sich gab und die Sache ganz still und mutig durchzog. Nach vollendeter Tat ließ er das Messer auf den Boden des Sandes fallen, während jede Menge Blut aus seinen Adern herauslief. Sein Körper lag ganz gerade auf dem Sandboden und seine Blicke schweiften gen Himmel. Er sagte zu sich: „Bald werde ich endlich da oben sein und die Welt von dort betrachten können. Nicht mehr lange und ich werde diese Welt verlassen, die mein Leben in Trauer und Verzweiflung getränkt hat.“ Die Minuten vergingen und neben Dennis wurde die Pfütze aus Blut immer größer und größer, während sein Gesicht immer blasser wurde und sein Körper von einer Gänsehaut durchzogen war. Um zirka sieben Uhr klingelte der Wecker im Zelt von Maria und Philipp, die daraufhin auch gleich wach wurden. Doch sie gingen erst einmal alles in Ruhe an und gaben sich einen Morgenkuss, bevor sie ihre Arme und Beine ausstreckten, um die Müdigkeit zu vertreiben. Maria sagte zu ihrem Freund: „Komm Schatz, draußen scheint die Sonne und der Tag ist einfach herrlich. Lass uns hinausgehen, frische Luft schnappen und die Jungs wecken.“ Plötzlich, kurz nachdem Maria als erste das Zelt verließ, musste sie laut schreien. Philipp erschrak im ersten Moment, aber als er dann seinen jüngeren Bruder in einer Blutlache sah, wurde ihm alles klar, warum Maria geschrieen hatte. Beide rannten geschockt zu Dennis hin, der starr in den Himmel schaute und Käsebleich war. Philipp rief: „Dennis, Bruderherz, was ist mit dir

geschehen ? Antworte doch bitte.“ Unterdessen wurde Peter von dem lauten durcheinander wach. Zuerst schaute er neben sich und sah, dass Dennis nicht in seinem Bett lag, aber als er die Worte von Philipp hörte, rannte er schnellstmöglich aus seinem Zelt und blieb fassungslos vor dem Zelteingang stehen. Keiner konnte richtig glauben, was er sah. Alle dachten, es sei ein Alptraum, aber den konnten sie unmöglich alle zur selben Zeit träumen. Philipp fühlte seinen Bruder und bestätigte, dass er noch lebte. Dann sagte Maria: „Mensch Schatz, tu doch was. Siehst du nicht ? Aus seinen Pulsadern strömt das Blut heraus. Wir müssen die Blutung stoppen, ehe es zu spät ist. Peter, nimm dein Handy und rufe sofort den Krankenwagen.“ In dem Moment, als Maria diese Worte sagte, bewegten sich die Augen von Dennis und er erwachte aus der Träumerei, in die er verfallen war und sagte: „Wartet ! Bitte, ruft keinen Krankenwagen. Und Philipp, bitte leiste auch keine Erste Hilfe. Ich möchte keine. Versteht bitte, mein Leben ist einfach sinnlos geworden. Ich gehöre nicht auf diese Welt, sondern ich möchte da sein, wo es immer friedlich ist, wo es keinen Hass gibt, keinen Kummer, keine Sorgen und keine Trauer. Bitte lasst mir hier die letzte Ruhe am Strand. Wenn ihr allerdings was für mein Leben machen wollt, dann ruft meine Mutter, sie soll herkommen, ehe es zu spät ist. Und wenn ihr wirklich mein Leben retten wollt, dann lasst mich friedlich hier an unserem Traumstrand sterben. Ich habe nicht mehr viel Zeit und ich möchte euch alle noch ein Mal zusammen sehen. Tut mir bitte diesen Gefallen.“ Die drei Freunde, die nun mittlerweile ununterbrochen weinen mussten, riefen per Handy die Mutter von Dennis an, sagten ihr aber nicht, dass Dennis im Sterben lag, sondern erwähnten nur, dass etwas schlimmes passiert war. Um kurz vor dreiviertel acht kam Anja mit ihrem Fahrrad an. Doch ihre Fassungslosigkeit war wohl noch größer, als die der anderen. Je mehr sie sich Dennis näherte, desto mehr zitterte sie am ganzen Körper und desto lauter wurden ihre verzweifelten Schreie. Schließlich brach sie nur wenige Meter vor ihrem Sohn in sich zusammen und fiel auf den weichen Sand. In dem Moment sagte ihr ältester Sohn zu ihr, dass Dennis noch am Leben sei, er aber alle noch einmal beisammen sehen wollte. Dann fing Dennis an zu reden und verkündete nacheinander allen das Testament und äußerte ebenso noch seine Wünsche und Bitten, während einer nach dem anderen immer wieder in einem Tränenfluss niederging. Dennis sprach: „Mama, schön, dass du kommen konntest. Auch dir muss ich noch mal sagen, dass es mein letzter Wille ist, heute und hier an diesem Traumstrand mein Leben zu beenden, um endlich in Freiheit auf einer Wolke im Himmel schweben zu können. Mama, ich danke dir aber trotzdem, dass du mich auf die Welt gesetzt hast, das du mich als Kind gut erzogen hast, auch wenn du es nicht immer leicht mit mir hattest. Du hast für mich immer alles getan, was du konntest und ich bin als dein jüngster Sohn auch stolz darauf, dich als Mama gehabt zu haben. Ich habe dich immer ganz doll lieb gehabt und es ist auch jetzt noch so. Ich werde von da oben immer ein Auge auf dich werfen, sodass dir nichts passieren wird. Bitte sei nicht traurig. Weder du, noch ich, sind allein. Du hast Philipp an deiner Seite und ich habe dann Papa bei mir. Von dem ganzen finanziellen Vermögen bekommst du die Hälfte, während mein Bruderherz die andere bekommt. Ihr könnt das Geld ganz gut gebrauchen, da bin ich mir sicher. Von all meinen Sachen und Gegenständen, die sich in meinem Zimmer befinden, könnt ihr euch untereinander alles aufteilen, im Internet verkaufen oder in den Müll werfen. Es reicht mir, wenn in meinem Grab nur ein Rosenkranz in meiner Hand ist und daneben meine Lieblingskuscheltiere liegen. Es wäre auch ganz lieb von euch, wenn in meinem Grab ein Bild von euch allen liegen würde. Somit kann ich euch niemals vergessen. Und um alles klar zu stellen, ich möchte eine normale Beerdigung haben und neben meinem Vater meine Ruhe finden. Nun zu dir, Maria. Auch dir muss ich danken. Du warst für mich die beste und treueste Freundin, die ich in meinem Leben hatte. Du warst immer fair zu mir und hast Probleme aus der Welt geschafft, wo ich schon keine Lösung mehr dazu fand. Du bist zwar mit sechzehn Jahren noch ziemlich jung, aber genau das ist das Gute, denn du hast dein ganzes Leben noch vor dir und ich wünsche dir auch für die Zukunft viel Glück. Wenn du an mich denkst, sollst du immer den Mut und die Kraft finden, um etwas zu überwinden. Bleib so wie du bist, dann wirst auch du später eine gute Mutter werden. Und jetzt du Peter. Wenn du jetzt glaubst, dass die Trennung von gestern was mit meinem Selbstmord zu tun hatte, dann irrst du dich. Klar, hast du mich in dem Moment schwer verletzt, aber mittlerweile weiß ich, dass ich das auch akzeptieren muss. Dir und deiner Freundin Lisa wünsche ich auch das Beste für die Zukunft. Aber ich muss dir vor allem dafür danken, dich als meinen besten Partner des Lebens gehabt zu haben. Mit keinem anderen Menschen war ich glücklicher, als mit dir. Auch wenn es nur knapp zwei Jahre waren, so hielt unsere Liebe doch ziemlich lange und sie wird auch nie vergehen. Auch wenn du jetzt Lisa liebst, so wird unsere Liebe nie erlischen, denn die Liebe stirbt niemals. Auch wenn wir uns getrennt haben, so wirst du auch im Himmel die Person sein, die ich auch von Herzen am meisten lieben werde. Ich danke dir mein Süßer. Einer fehlt jetzt noch, nämlich mein Bruderherz. So kenne ich dich eigentlich gar nicht. Geweint oder gar in Angst und Verzweiflung warst du doch fast nie. Du warst der mutigste Mensch, den ich in meinem Leben hatte. Wir waren richtige Brüder und ich glaube, kein Geschwisterpaar hat sich so gut verstanden, wie wir beide. Du warst die Person, die mich immer am meisten gestärkt hat. Du hast mir den Mut zum Leben gegeben, mit mir über alles geredet, wovor ich Angst oder Probleme hatte. Du hast mich auch immer vor allen bösen Gefahren und Angriffen geschützt. Philipp, du warst derjenige, der an meinem Herzen am nahesten war. Auch wenn wir manchmal Streit hatten, so hatten wir uns doch immer gut vertragen, haben immer Spaß miteinander gehabt und die tollsten Sachen erlebt. Und ich bin auch stolz, dass du Maria gefunden hast und deshalb bitte ich dich, sie irgendwann zu heiraten und mit ihr eine Familie zu gründen. Auch wenn ich meine Neffen und Nichten nicht umarmen kann, so kann ich sie immerhin aus sicherer Entfernung beobachten und mit ihnen die Freude am Leben teilen. Dir Philipp, muss ich somit am meisten danken, denn du bist immer die andere Hälfte meines Herzens gewesen und das wird sich auch nicht ändern, wenn ich im Himmel bin. Sei stark und mache was aus deiner Zukunft. Auch wenn du mein Leben nicht retten kannst, so hoffe ich, dass du später als Arzt nie einen Patienten verlierst. Und ich weiß, dass du ein Kämpfer bist, der nie aufgibt und von daher werden es deine Patienten gut mit dir haben.

Liebe Freunde, bevor sich mein Leben von euch scheidet, würde ich noch gerne eine Blutsbruderschaft mit Peter eingehen wollen. Peter, auch wenn es nur eine Fingerspitze voll Blut ist, so soll sie mein Blut berühren, damit unsere Freundschaft und Liebe auch in der Ewigkeit hält.“ Nachdem die beiden sich zu Blutsbrüdern vereint hatten, sprach Dennis (um mittlerweile 8:15 Uhr) mit fallender Stimme weiter: „Nachdem ich mich bei euch allen einzeln bedankt habe, möchte ich zum Schluss kommen, um mich bei euch noch einmal zusammen zu bedanken. Ihr ward für mich immer wie eine Familie. Und da meine ich nicht nur meinen Bruder und meine Mutter, nein, auch Peter und Maria gehörten dazu. Ihr alle habt mein Leben geprägt und geleitet und das kann ich schon fast nicht mehr gut machen. Denn ihr habt für mich so viel getan, dass ich mit „Danke“-sagen gar nicht mehr hinterher kam. Und von daher möchte ich mich jetzt und in den letzten Minuten noch mal von Euch für alles bedanken, was ihr für mich getan habt. Ihr ward alle zusammen die Vorbilder meines Lebens. Bitte bleibt so, wie ihr seid. Mein Leben wird nun gleich ein Ende finden und ich wünsche euch alles Gute für Euer Leben. Aber einen letzten Wunsch habe ich noch: errichtet bitte an dieser Stelle ein Kreuz, wo mein Name, als Zeichen für die enge Anbindung an diesem Traumstrand, steht und ich immer mit dabei sein kann, wenn ihr euch an diesem Platz niederlasst. Bitte, haltet mich fest, wenn ich gleich gen Himmel fahre.“ Nachdem er kurz gestockt hat, sagte er seine letzten Worte: „Nun bin ich frei und der Himmel wartet auf mich. Lebt wohl - wir werden uns bald wieder sehen.“ Nach diesen Worten atmete er noch drei Mal tief ein, ehe seine Augen zufielen, sein Kopf auf die rechte Seite fiel und um 8:20 Uhr starb.

 

4. Trauer und Beerdigung

 

Zum Zeitpunkt des Todes wurde die Sonne von einer kleinen, aber dunklen Wolke verdeckt und somit legte sich ein Schatten über den Traumstrand, während ein seichter Wind über Dennis´ Leiche wehte und dadurch scheinbar seine Seele in den Himmel getragen wurde. Die Vögel hörten auf zu zwitschern und rundherum war alles starr und still, als wenn die Zeit stehen blieb. Doch Dennis ließ anmerken, dass das Leben weiterging. Also verschwand nach wenigen Minuten auch wieder die Wolke und nahm die gespenstige Stille auch gleich mit. Die drei Freunde und Anja hielten noch immer seinen Körper fest und wollten ihn scheinbar auch nicht loslassen. Vor allem Philipp, der sich um Dennis´ Kopf klammerte, hielt sich so stark an ihm fest, dass er ihn scheinbar nie mehr loslassen wollte. Die Trauer war am Strand sehr groß und alle vier mussten ohne Unterbrechung weinen und waren noch immer vor Schock fassungslos. Keiner von denen hätte jemals gedacht oder gehofft, dass sie mal einem jungen Menschen beim Sterben zusehen würden. Und sie trauerten noch lange um die Leiche von Dennis, die sich noch immer in einer großen Blutlache befand. Fast pausenlos weinten und schrieen sie, doch nach gut zweieinhalb Stunden waren sie so mit den Nerven am Ende, dass sie nicht einmal mehr die Kraft zum weinen hatten. Philipp, der von allen deutlich am stärksten betroffen war, nahm eine Beruhigungstablette aus seiner Medizintasche und rief kurz nach elf Uhr vormittags den Leichenwagen herbei, der auch eine knappe halbe Stunde später vor Ort war. Selbst der Bestatter konnte es erst nicht glauben, was er sah, bekam dann aber von den anderen erklärt, wie das ganze geschehen war. Obwohl ein Bestatter ohne Probleme mit Leichen umgehen konnte, zeigte dieser beim Anblick von Dennis tiefstes Mitgefühl und Trauer, als wenn er selbst davon betroffen gewesen wäre. Nachdem der Wagen mit Dennis´ Leiche fort fuhr, machten sich die vier, die sich mittlerweile, dank der Tabletten, alle ein wenig beruhigt hatten, an das Zelte abbauen heran. Die Stimmung war sehr gedrückt und am Boden, sodass niemand etwas sagen konnte. Nachdem alles zusammengepackt wurde, ging Peter kurz in den Wald, um sich zwei Stöcke auszusuchen, die für das Kreuz gedacht waren. Mit einer kleinen Schnur banden Maria und Anja die beiden Stöcke zu einem Kreuz zusammen, während Peter und Philipp damit beschäftigt waren, das Blut vom Strand in Richtung See wegzuspülen. Nachdem diese Stelle gesäubert wurde, stellten sie dort das Kreuz auf und knieten vor ihm hernieder und weinten um ihn. Draußen war es wieder ganz still, nur das Schluchzen der drei Freunde und der Mutter hörte man. Nach einem kurzen Augenblick dieser Besinnung setzten sich alle vier auf den Strand, um die Beerdigung zu planen, die zum folgenden Ergebnis führte: Dennis soll am Freitagnachmittag auf dem Stadtfriedhof in Weißwasser neben seinem Vater beerdigt werden. Dies soll, im Anschluss an das Requiem, gegen fünfzehn Uhr stattfinden. An diesem Tag sind all diejenigen eingeladen, die mit Dennis einen guten Kontakt oder eine gute Freundschaft hatten. Neben den Familienangehörigen, wie Mutter Anja und sein Bruder Philipp, sind es selbstverständlich auch Maria und Peter und dessen Eltern, die eingeladen sind. Aber das sollten noch nicht alle sein. Auch die ehemaligen Klassenkameraden und Lehrer, sowie seine Berufsschul- und Arbeitskollegen sollen an der Beerdigung teilnehmen. Ebenso wird sein Tod in der Zeitung stehen, sodass auch diejenigen Menschen kommen, die sich von ihm eine schicke Frisur haben machen lassen. Nach einer kurzen Überlegung merkten sie, dass sie paar Menschen vergessen hatten, die aber in Dennis´ Leben eine wichtige Rolle spielten, nämlich Frau Marratsch, Kevin und Bianca. Diese drei wurden noch am selben Tag angerufen und sagten für die Beerdingung zu, dass sie auch kommen würden. In den darauf folgenden Tagen nach dem Todestag, herrschte bei den meisten ein Stimmungstief, wie bei einer Staatstrauer. Weder Philipp, noch Maria oder Peter gingen zur Schule oder zum Studium. Sie alle blieben zu Hause und waren gezeichnet von den Folgen des Todes von Dennis. Im Laufe des Donnerstagnachmittages kamen auch Bianca und Kevin an, die sich die weite Reise von München beziehungsweise Frankfurt machten, um bei der Beerdigung dabei zu sein. Zusammen mit den anderen drei Freunden gingen sie zum Traumstrand, wo die beiden vieles erklärt bekamen. Am Abend wurde dann das Namensschild von Dennis, persönlich von Philipp am Kreuz angebracht, ebenso ein Foto, ein Strauß Blumen und eine Kerze. Nach Sonnenuntergang verließen die fünf den Platz und gingen zurück. Kevin übernachtete bei seinem besten Freund Peter und Bianca bei Maria. Und so kam der Freitag, an dem Dennis seine letzte Ruhe finden wird. Nach dem Mittagessen fuhren sie alle in Richtung Friedhof und nahmen dort am Requiem teil, wo Dennis am offenen Sarg zu sehen war. Seine Hände, zusammengefaltet und mit einem Rosenkranz versehen. Angezogen wurde er in Weiß, der Farbe der Unschuld und des Friedens. Neben seinem Leichnam, am Rande des Sarges, seine Lieblingskuscheltiere, mit denen er wohl am meisten im Leben klar kam. Und über seinen Händen, auf der Brust, ein Bild mit seiner Mutter und seinen drei treuesten Freunden. Doch am meisten mussten die Angehörigen weinen, wenn sie sein Gesicht sahen. Es sah so aus, als wenn er ganz friedlich schlief und gerade etwas Schönes träumte. Sein Mund zeigte ein kleines und wahrhaftig zärtlich süßes Lächeln und es sah gewiss nicht danach aus, dass er tot ist. Nachdem der Pfarrer seine Rede beendete, durften alle seinen sanftmütigen Körper ein letztes Mal sehen, ehe der Sarg endgültig geschlossen wurde und bereit war, beerdigt zu werden. Fast hundert Menschen zogen hinter seinem Sarg hinterher. So viele Menschen hatte Dennis wohl noch nie um sich herum gehabt. Und all diese Personen haben ihn geliebt und werden ihn sicherlich nicht so schnell vergessen. Langsam wurde der Sarg in die Grube herabgelassen, während die Umgebung wieder still wurde und die Sonne wieder von einer Wolke verdeckt wurde und somit einen Schatten auf die Erde ließ. Nachdem alle ihn endgültig mit Blumen und Sand verabschiedet hatten, schob sich die Wolke weiter und ließ die Sonne wieder scheinen und auch die Vögel begannen wieder ein Lied zu singen. Dies war wohl das Zeichen von Dennis, dass es ihm im Himmel gut ging und verkündete somit die Botschaft, niemals traurig zu sein.

 

5. Erinnerungen an Dennis Krone

 

Nach der Beerdingungsfeier fuhren alle wieder schweigend nach Hause und gingen auch zeitig in ihre Betten. Am Samstagmorgen verabschiedeten sich Kevin und Bianca von ihren Freunden und hofften, trotz dieser Lage, auf ein baldiges Wiedersehen. Als sie alle auch Mittag gegessen hatten, zogen Maria, Peter, Philipp und Anja Richtung Traumstrand, um noch einmal das Leben von Dennis aufzurollen und an ihn zu erinnern. Draußen schien die Sonne und es war mit 25 Grad ungewöhnlich warm. Der Sand, auf den sie sich setzten, war auch ganz angenehm. Die Trauer war allerdings noch ziemlich groß, denn gerade an diesem Platz, wo auch das Kreuz von Dennis steht, sind seine Erinnerungen am größten. Während des ganzen Nachmittags erzählten sie abwechselnd folgende Worte über das Leben von Dennis, während der ein oder andere immer wieder in Tränen zusammenbrach: „Als Dennis geboren wurde, war er kleiner und leichter, als sein Bruder Philipp, obwohl er einige Tage nach dem eigentlichen Termin auf die Welt kam. Er sollte eigentlich am 5. Mai geboren werden, aber er ließ sich Zeit bis zum 9. Mai. Um genau 8:20 Uhr war er denn endlich auf der Welt. * Und genau um die Zeit verstarb er auch an dieser Stelle. Aber das er zu spät auf die Welt kam, dass hat wohl auch sein Leben ein wenig geprägt, denn seit der Geburt ist er wohl nie mehr irgendwo zu spät gekommen. Weder in der Schule, noch auf Arbeit oder sonst wo. Das war schon beeindruckend. * Was mich am meisten bei Dennis beeindruckt hat, war, dass er trotz vieler Probleme und Schwächen weitergekämpft hat. Obwohl im aber auch das Kämpfen nicht leicht viel, so hat er doch alles überwunden und durchgehalten. Schließlich hatte er zu seiner Schulzeit kaum Freunde und kam auch mit seinen Leistungen nicht ganz hinterher. Aber seine Familie hat ihn immer aufrechterhalten und Mut zum Durchhalten gegeben. * Ja, er war sehr lange anhänglich und sozusagen wie ein „Muttersöhnchen“, aber er hatte auch eine zweite Seite in seinem Leben, bei der ihm alles egal war und er manchmal alles hinschmiss und aufhörte, weiterzumachen. Er hat sich in der Schulzeit also mehr oder weniger hindurch gequält. * Nicht nur in der Schulzeit. Sein Leben änderte sich nicht dadurch, dass er die Schule hinter sich gebracht hat, nein, nebenbei hatte er noch das Problem mit seiner Liebesrichtung. Er war verwirrt, als er plötzlich in einen Jungen verknallt war. Er konnte kaum schlafen und deshalb kam er häufig zu mir und vertraute mir das Problem an. Ich finde, sein Weg war schwer genug, bis er endlich Peter gefunden hatte. Er war dann ganz anders. Er konnte schlafen, ohne das er mich dazu brauchte und gestaltete sein Leben mehr und mehr auf seine Art und Weise und ich schätze, dass genau das, ihm den Willen gegeben hat, auch in der Lehre klarzukommen. Sein Leben veränderte sich also erst vor zwei Jahren, indem er offener und selbstbewusster wurde. * Ja, er war auch immer ganz lieb und nett und hatte fast nie was auszusetzen. Er war immer fair zu allen und er konnte über alles lachen, was vor allem ihm Spaß machte. Ok, manchmal war er frech, aber auch das gehörte nun einmal zu seinem Leben dazu. * Ich kann euch sagen, dass er nicht nur lieb oder frech war. Nein, er hatte viel mehr zu bieten. Ich war schließlich sein Partner und ich kann immer wieder nur erwähnen, dass er sehr romantisch und zärtlich war. Seine Hände waren nicht die, die man zum fest anpacken brauchte, nein, er ging mit allem vorsichtig um, was er berührte. * Dennis war aber auch häufig ein kleiner Träumer. Manchmal hat er gelacht und im nächsten Moment war er in seinen Gedanken verschwunden. Er überlegte zwar immer sehr lange und viel und seine Entscheidungen waren auch nicht immer richtig, aber er gestand jeden Fehler ein, den er gemacht hat und deshalb sollten wir stolz auf ihn sein. * Ja, aber am meisten Stolz können wir auf seine letzten Stunden sein. So hart es vielleicht auch im ersten Moment klingt, aber überlegt doch mal. Er hat in seinem Todeskampf keine einzige Träne vergossen. Er spürte scheinbar nur den Schmerz, den er in seinem Leben auf sich nehmen musste. Und was er am Ende tat, war ihm sicherlich auch bewusst gewesen. Er konnte es halt nicht mehr ertragen, auf dieser Welt zu sein und hat deshalb diesen Weg gewählt. Und sein Wille war es auch, uns noch einmal wieder zu sehen, denn wir haben ihm etwas bedeutet. Wenn das nämlich nicht der Fall gewesen wäre, dann hätte er es auch auf die schnelle Art und Weise machen können, denn es gibt viele Möglichkeiten, sein Leben zu beenden. Und von daher sollte uns langsam klar werden, dass nicht der Tod, sondern das Leben einem wehtun kann. Er zeigte uns diese Botschaft und das Leben wird auch ohne ihn weiter gehen. Wir sollten ihm also auch dankbar sein. * Dennis, auch wenn wir dich schrecklich vermissen und noch immer Tränen um dich vergießen, wir sind stolz auf dich. Du warst der beste Mensch der Welt und wir werden dich immer in unseren Herzen tragen, denn du lebst in uns weiter. Danke, Dennis.“ Nach dieser Erinnerungsrunde waren alle wieder halbwegs froh und hatten auch wieder ein lächeln im Gesicht.

 

6. Wieder vereint und das Ende einer langen Zeit

 

Die Welt war scheinbar wieder in Ordnung und der Tod von Dennis wurde mittlerweile ganz gut akzeptiert. Am Sonntagnachmittag, einen Tag nachdem sie sich an Dennis erinnerten, trafen sich die drei Freunde erstmalig mit Lisa am Traumstrand. Lisa, die auch bei der Beerdigung von Dennis dabei war, ist die neue Partnerin von Peter, nachdem sich Peter von Dennis getrennt hatte. Die drei Freunde wollten sich eigentlich treffen, um über die Zukunft der Abenteurerbande zu reden, schließlich waren alle unsicher, ob es ohne Dennis auch weiterhin möglich wäre, Abenteuer zu erleben. Peter fragte aber zuvor seine Freunde, ob Lisa denn mit durfte und sie stimmten alle einstimmig zu. Am Traumstrand unterhielten sie sich dann alle miteinander. Lisa ist genauso wie Peter siebzehn Jahre alt und sie ging auch mit ihm bis zur zehnten Klasse in die gleiche Klasse. Nun macht sie ihre Abiturstufe und hat die Fächer Deutsch und Biologie als Leistungskurse gewählt. Die beiden waren in der sechsten Klasse schon einmal ein Paar, jedoch war das nur eine anfängliche Pubertätserscheinung. Seit zwei Monaten sind sie nun wieder zusammen und scheinbar glücklich in ihrer Beziehung. Nachdem die drei Freunde mit ihr ein paar Spiele am Strand machten, kamen sie am späten Nachmittag zu folgendem Entschluss, den Philipp ankündigte: „Lisa. Meine supersüße Maria und ich sind uns der Meinung, dass du in unsere Freundschaft aufgenommen werden sollst. Du bist wirklich ein sehr nettes Mädchen, bist offen und man kann sich mit dir gut unterhalten. Und deshalb glauben wir auch, dass du bei unseren Abenteuern, Spaß haben wirst. Du trittst sozusagen an die Stelle meines geliebten Bruders und wir wären froh, wenn du unsere Entscheidung annehmen würdest.“ Lisa sagte zu und alle nahmen ihre Hände und legten sie übereinander zusammen. Unsere drei Freunde waren nun wieder vereint zu vier Freunden. Am Abend gingen sie dann alle nach Hause und Philipp fuhr erstmalig wieder nach zehn Tagen zurück nach Dresden, damit er sein Studium fortsetzen konnte. Lisa übernachtete bei Peter und Maria durfte eine Nacht bei Anja wohnen, denn sie war nun immer alleine, wenn Philipp in Dresden war. Der Tod von Dennis hatte zumindest jeden geschockt und sie durchlitten in der letzten Woche eine ziemlich schwere Zeit. Aber wie Dennis immer sagte: „Das Leben geht weiter.“ Und man darf gespannt sein, was unsere neuen vier Freunde wohl das nächste Mal erleben werden.

Dies ist somit das Ende dieser Geschichte und auch das Ende der ersten Staffel aus der „Vier Freunde“-Reihe. Zwei Jahre lang waren Maria, Peter, Philipp und Dennis unterwegs und erlebten ein Abenteuer nach dem anderen. Und obwohl Dennis gestorben ist, so erinnern wir uns immer wieder gerne an seine Erlebnisse. Der Schlangenbiss aus Band 1 oder der Konflikt mit Kevin in Band 4 sind nur eines von vielen spannenden Ereignissen, die er erlebte. Aber nicht nur er, sondern auch die anderen hatten viele Erlebnisse in den letzten Abenteuern gehabt. Diese zwei Jahre gehen nun zu Ende, aber es geht trotzdem weiter und es wird weiterhin neue spannende Abenteuer geben.

 

Mit dem Tod von Dennis, der im fünften Band die Hauptrolle spielte, geht auch die Person verloren, die zu mehr als 60 % meines Charakters, Denkens und Handels übernommen hat. Für mich ist sozusagen eine Figur gegangen, die größtenteils mich selbst darstellte. Und ich gebe auch ehrlich zu, dass ich während des Schreibens über seinen Todeskampf und seinem Testament, bei der Beschreibung seines Sarges und bei den Erinnerungen selbst immer wieder Tränen vergießen und somit Pausen einlegen musste. Das Lied „Wenn du lachst“, welches von der Gruppe Juli ist, verstärkte noch diesen Trauer-Effekt. Dieses Band, mit dem Tod von Dennis, wurde sogleich nach seinem Schlangenbiss in Band 1 geplant. Und genau deshalb schrieb ich dieses fünfte Band in Rekordzeit an gerade mal drei Nachmittagen. Am Anfang war nur eine Staffel geplant. Somit wären hier Kapitel 6 und vermutlich auch Kapitel 5 weggefallen. Die erste von drei Staffeln von „Vier Freunde“ ist somit beendet.

 

Titel: „Vier Freunde – Eine Entscheidung mit tragischem Ende“

Autor: Christian Frohs

Datum: März 2005

Ort: Weißwasser

Wörter: 9559

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