Vier Freunde – Ein gefährlicher Ausflug

 

In den letzten beiden Geschichten erlebten die vier Freunde zwei spannende Ferienwochen rund um ihren Traumplatz. Sie entdeckten ein geheimnisvolles Rätsel und lösten dieses, indem sie sich auf die Suche nach bestimmten Orten und Punkten in der Gegend machten. Dazu verliebten sich Maria und Philipp, sowie Dennis und Peter ineinander. Seitdem ist die Zeit vergangen und so befinden wir uns jetzt fast zehn Monate später, nämlich Ende Mai des nachfolgenden Jahres. Der Winter ist vorbei und es steht den vieren nun ein freies Männertags-Wochenende bevor. Und dies planen sie, um das erste Mal gemeinsam und ohne Eltern in den Urlaub zu fahren. Ihr Ziel ist es, in die Tschechei zu pilgern, um dort die Umgebung kennen zu lernen, die sie noch nicht entdeckt hatten.

Es ist Mittwoch, als die Schulklingel um genau zwölf Uhr ertönt. Dies war das Zeichen, dass alle Schüler des Bach-Gymnasiums, vor diesem verlängerten Wochenende, Schulschluss haben. Peter, der in die 10. Klasse geht, traf auf seine beste Freundin Maria, die eine Klassenstufe unter ihm ist. Er fragte sie:

„Maria, wann sollen wir uns noch mal heute bei Dennis und Philipp treffen ?“

Sie antwortete ihm, dass sie sich auf 15:30 Uhr vereinbart hätten. Die beiden schauten sich an und wussten, dass ihr Schulbus ziemlich voll sein wird, da alle Schüler um die gleiche Zeit Schulschluss hatten. Nun dachten sie natürlich, dass sie es nicht rechtzeitig mit Packen schaffen würden, aber auf einmal stand Dennis vor ihnen und sagte zu den beiden, dass er sie nach Hause fahren würde. Er selber hat seit zwei Wochen einen Führerschein, holte seine Freunde aber mit Philipps Auto ab. Draußen war es relativ kühl und immer wieder kam ein kurzer Schauer vom Himmel herunter. Peter fragte seinen Liebsten, wie denn das Wetter in den nächsten Tagen sein wird, damit sie besser packen können. Daraufhin antwortete er zu den beiden: „Also, wir können uns eigentlich freuen. Es wird viel schöner als heute, kaum noch Wolken und mit Temperaturen um zwanzig Grad auch angenehm mild. Allerdings könnten die Nächte noch kühl werden.“ Nach diesen Worten setzte er Maria vor ihrem Haus ab und fuhr weiter in Richtung Peters Haus, welches er zwei Minuten später erreichte. Dann fuhr auch er wieder zurück zu seinem Bruder und zu seiner Mutter, die schon für ihn, wie immer, einen so genannten Packplan vorbereitet hatte.

Währenddessen saßen Maria, die seit einem halben Jahr 15 Jahre alt ist, mit ihrer Mutter Stefanie vor dem Kleiderschrank und überlegten sich, was sie mitnehmen soll. Die Mutter fragte, was denn Dennis über die Wettervorhersage so erzählt hat. Ihre Tochter antwortete, dass es schöner und wärmer werden soll, bis auf die Nächte, die recht kühl bleiben. Stefanie packte also dem Wetter entsprechende Sachen ein, während Maria sich um ihr eigenes Gepäck kümmerte. Es durften natürlich nicht ihre Romane fehlen, die sie, genauso wie ihre Mutter, gerne liest. Nebenbei auch wieder etwas Verbandsmaterial und so mancherlei Dinge, mit der sie sich schön macht. Schließlich hat sie einen Freund und will somit gut aussehen. Dazu noch etwas zu trinken und ein wenig Geld, das sie von Stefanie bekommen hatte, die wiederum noch eine kleine Decke einpackte, damit die Kinder sich nicht immer auf den kalten Boden setzen. Dann aß Maria noch in Ruhe ihr Mittagessen, ehe sie sich um 14:30 Uhr mit ihrem Fahrrad auf den Weg machte. Unterdessen hatte auch Peter seine Sachen größtenteils zusammengepackt, welches er erstmalig alleine machen durfte. Manche Dinge packte er allerdings heimlich und ganz unten in seinem Rucksack ein, wie zum Beispiel ein wenig Alkohol und eine Packung Kondome, mit der er wieder mal seinen Freund Dennis beglücken will. Aber wie immer, packte er auch seine Gitarre ein, sowie etwas zu trinken, ein wenig Geld, zwei Taschenlampen und ein Satz Batterien. Denn er wollte nicht wissen, was ihn dieses Mal erwarten könnte, wobei die eine Taschenlampe Maria mal bei ihm vergessen hatte. Auch er aß ganz fröhlich und munter sein Mittagessen, bevor er zur Familie Krone fuhr. Dort angekommen, traf er vor dem Zaun Maria, die auf ihn wartete. Er fragte, ob sie schon lange wartet, aber sie sagte zu ihm, dass sie erst seit zwei Minuten hier stehen würde. Die beiden klingelten an der Haustür und gleich darauf kam Anja, die Mutter von Dennis und Philipp, aus dem Haus. Ihr Gesicht strahlte und sie war froh, dass auch die anderen Kinder endlich da waren. Alle drei gingen zusammen in die warme Stube, wo die Brüder noch beim Essen waren. Doch sie unterbrachen ihre Mittagsmahlzeit, um die anderen beiden zu begrüßen. Natürlich gab sich dabei jedes Pärchen einen leidenschaftlichen Kuss, ehe sich alle wieder auf ihre Stühle setzten. Peter fragte, ob sie denn schon ihre Sachen gepackt hätten, worauf Dennis lächelnd antwortete, dass sie damit längst fertig und bereit sind, sich in ein neues Abenteuer zu stürzen. Die Brüder aßen sich satt, bevor die Vorbereitungen auf die Tour begannen. Während Peter und Maria ihre Fahrräder bei Frau Krone in einer sicheren Ecke unterstellten, verstaute Philipp das Gepäck in seinem Auto und Dennis sammelte alle nötigen Papiere für die Fahrt. Dazu gehörte neben dem Führerschein, auch die Autopapiere, aber auch ein tschechischer Atlas. Dann hieß es mal wieder: „Wer fährt zuerst ?“ Die beiden Fahrer einigten sich darauf, dass Dennis als erster fahren soll und dann sein Bruder, weil Dennis ihn dann auf der tschechischen Seite, mit seinem geografischen Wissen, lotsen soll. Nach wenigen Minuten verabschiedeten sich alle von Frau Krone, die wiederum den vier Kindern ein schönes Wochenende und eine gute Fahrt wünschte. Die Räder fingen an zu rollen und somit ging es los, auf die Reise ins neue Abenteuer. Kaum war eine Viertelstunde vergangen, fragte Maria, wie lange die Fahrt dauern würde. Philipp antwortete ihr, dass sie mit knapp drei Stunden rechnen muss. Auf der Autobahn angekommen, geriet Dennis das erste Mal in einen Stau, der nur wenig vorankam. Sein Bruder Philipp, der auf dem Beifahrersitz seinen Platz hatte, leitete ihn ein wenig und gab ihm gute Tipps und Ratschläge. Zum Glück war der Stau nur zwei Kilometer lang und somit mussten die vier nicht lange warten. Der Verkehr rollte wieder, doch schon nach kurzer Zeit ging es wieder langsamer voran, aber weil es plötzlich anfing, stark zu regnen. Auch wenn es nur ein kurzer Schauer war, die Straßen waren dennoch nass und die Scheibenwischer liefen auf Hochtouren. Und als nach einer Weile auch der Regen vorüber war und die Sonne zum Vorschein kam, bog Dennis von der Autobahn ab und fuhr nun auf der Landstraße weiter. Kurz vor der Grenze wechselten er und sein Bruder die Plätze, sodass Philipp die Reise fortsetzte. Hinter der Grenze tankten sie erst einmal fürs Auto und gingen anschließend im daneben stehenden Supermarkt einkaufen. Da sie ja jetzt ein großes Auto hatten, konnten sie dieses Mal auch richtig viel mitnehmen. Die anschließende Fahrt dauerte dann nur noch dreißig Minuten, bis unsere vier Freunde an der gewünschten Pension ankamen. Sie klingelten an der Hoftür und schon bald kam die Pensionsleiterin, Frau Marratsch, zum Tor gelaufen. Alle begrüßten sich erst einmal miteinander, bevor Philipp das Auto in den Hof fuhr. Frau Marratsch fragte, ob sie sofort Essen gehen wollen, worauf alle mit einem hungrigen „Ja“ zustimmten. Sie zeigte ihren vier Gästen die beiden Zimmer, die sie reserviert hatten und erklärte, dass sie nach dem Abendessen noch mal zu ihr kommen sollen, um Einzelheiten klären zu können. Peter und Philipp trugen die Taschen auf ihre Zimmer, während Maria und Dennis die Schlüssel abnahmen und Geld fürs Abendessen bereit legten. Als alle fertig waren, gingen sie los und suchten sich unterwegs ein tolles Restaurant. Gemütlich und mit guter Laune gingen sie in den Gästeraum und bestellten sich verschiedene Mahlzeiten und Getränke. Dennis und Peter bestellten sich einen Nudelteller für zwei Personen. Jede Nudel, die sie aßen, nahmen sie jeweils an einem Ende in den Mund und kauten daran solange, bis sie sich in der Mitte trafen und einen leckeren Kuss gaben. Manchmal sah das so komisch aus, dass Maria und Philipp lachen mussten und dabei ein schönes Photo schossen. Die beiden wiederum hatten sich einen großen Liebes-Eisbecher als Nachspeise bestellt. Das Eis mit Erdbeeren, Sahne und Eierlikör verspeisten sie mit viel Genüsslichkeit. Alle wurden wie immer satt und freuten sich über das leckere Essen dieses schönen Restaurants. Doch die Zeit ging schnell vorüber und so zeigten die Uhren auf den Armen der Freunde schon halb neun. Der Weg zur Pension dauerte nur zehn Minuten, die sie aber langsam gingen, da ihre Bäuche richtig voll waren. Dort angekommen, gingen sie auch gleich zu Frau Marratsch, die mit 55 Jahren nicht mehr die jüngste, aber sehr nett und freundlich war. Sie sagte zu den Kindern folgendes:

„Erst mal schön, dass Ihr Euch meine Pension ausgesucht habt, seid Herzlich Willkommen und fühlt Euch wie zu Hause. Ich muss aber an dieser Stelle noch ein paar Kleinigkeiten loswerden. Ihr solltet möglichst nicht auf den Betten herumspringen, da sie nicht mehr die neuesten sind. Ruhe solltet Ihr von 12 bis 15 und von 22 bis 7 Uhr einhalten. Ansonsten könnt Ihr mich fragen, wenn Ihr etwas wollt oder etwas brauchen solltet. In dem einen Raum steht eine Kaffeemaschine, in dem anderen ein Fernseher mit ein paar deutschen Programmen. Das mit der Bezahlung machen wir dann am Sonntagmorgen. Ja, dann möchte ich Euch noch viel Spaß und einen erholsamen Urlaub wünschen.“ Die vier Freunde waren einverstanden und bedankten sich bei Frau Marratsch für die lieben Worte. Die Kinder, die ja keine Kinder mehr, sondern Jugendliche sind, gingen die Stufen nach oben und anschließend in ihre Zimmer, mit der Vereinbarung, sich in einer halben Stunde wieder zu treffen. Sie packten erst einmal alle ganz in Ruhe ihre Sachen aus und sortierten diese in den Schränken, im Bad und auf den Nachttischen, die neben ihren Betten standen. Die Kaffeemaschine befindet sich im Zimmer von Maria und Philipp, der Fernseher in dem Raum, wo die anderen beiden ihre Unterkunft hatten. Nach besagter Zeit gingen Dennis und Peter hinüber zu ihren Freunden und wollten nun wissen, was sie denn heute Abend vorhaben. Es ist mittlerweile halb zehn Uhr abends, da kam Philipp auf die Idee, ein Kartenspiel anzufangen und wenn sie nach einer Stunde noch nicht müde sind, dann schlägt er weiter vor, wieder Geschichten aus ihrem Leben zu erzählen und zwischendrin ein wenig in den Männertag hinein zu feiern. Die anderen drei stimmten ihm mit Begeisterung zu und teilten die Mau-Mau-Karten aus. Das Spiel ging Schritt für Schritt voran und jeder gewann mindestens ein Mal, wobei es nicht darauf ankam, wer gewann, sondern wie viel Spaß das Spiel an sich ausmachte. Und immer wieder mussten sie laut lachen, denn es machte ihnen auch wirklich immer Spaß, wenn einer kurz vor dem Ende, dann doch noch verlor. Letzten Endes gewann Maria knapp vor Philipp, Dennis und Peter, denen das überhaupt nichts ausmachte. Und so verging die Zeit rasend schnell und nach zwanzig Spielen verging schon eine ganze Stunde. Sie legten die Karten weg und waren auf keinen Fall müde, denn sie waren gespannt, was jeder so zu erzählen hatte.

Die 15-jährige Maria fing mit ihrer Geschichte aus der Vergangenheit an:

„Als ich neun Jahre alt war, gingen meine Eltern und ich in ein Restaurant im Nachbarort, weil wir uns einen schönen Abend machen wollten. Ich fand auf der Speisekarte nichts leckeres, bevor ich jedoch die Kinderspeisenliste sah. Da ich damals immer so gerne Hefeklöße mit Blaubeeren gegessen habe, bestellte ich auch das Gericht. Nach einer Weile bekam ich dann mein schmackhaftes Essen zu Gesicht. Doch ich aß noch nicht sofort, weil es ziemlich heiß war. Meine Mutter ging zu dem Zeitpunkt auf die Toilette, während mein Vater zur Bedienung ging, um etwas zu fragen. Und die Zeit nutzte ich, um mit meinem Essen ein wenig zu spielen. Ich nahm ein bisschen von den Blaubeeren, zerquetschte sie ein wenig und legte das Mus auf die Gabel. Dann schnipste ich mit der Gabel, die dann natürlich ausrutschte und auf den Boden fiel. Allerdings flog ein großer Teil von meinem Blaubeer-Mus auf einen benachbarten Stuhl. Da ich aber meine Eltern kommen sah, konnte ich es nicht mehr wegwischen. Als auch das Essen für meine Eltern kam, führte ein Kellner ein älteres Ehepaar zu dem Tisch mit dem verschmutzten Stuhl. Mir wurde ganz anders im Kopf und ich bereitete mich schon auf einige Schimpfwörter vor. Doch ich hatte wohl Glück im Unglück. Während der Kellner die alte Dame ansprach, was sie denn gerne trinken möchte, setzte sie sich, ohne nachzuschauen, auf den Stuhl. Das Gute war ja, dass sie das nicht bemerkte, aber es wird für sie wohl schlimm genug gewesen sein, als sie wieder zu Hause war, denn die Hose, die sie anhatte, war weiß.“ Alle vier mussten nach dieser Erzählung lachen.

Nachdem sie sich dann wieder beruhigt hatten, ging es mit Peters Geschichte weiter: „Als kleines Kind, war ich mit meinen Eltern häufiger im Garten gewesen. Dabei kam es öfters vor, dass ich mit meinem Nachbarsjungen gespielt habe. So auch am folgenden Tag: Meine Mutter war beim Unkraut zupfen und mein Vater stand auf der Leiter, weil er gerade die Gartenlaube strich. Kevin, mein bester Freund und Nachbar, sowie ich, rannten herum, bis etwas unerwartetes passierte. Ich rannte gegen die Leiter meines Vaters, die natürlich schwankte und anschließend mit ihm umfiel. Zum Glück war er nur auf der zweiten Stufe und somit fiel er nicht allzu tief. Außerdem landete er auf dem Rasen, sodass er mit ein paar blauen Flecken davon kam. Ich sag euch: Seid dem haben wir immer dort gespielt, wo sich kein anderer aufhielt.“ Philipp fragte ihn, wie alt denn Kevin damals war und wo er jetzt ist. Daraufhin antwortete Peter: „Kevin und ich waren damals beide fünf Jahre alt. Wir gingen beide gemeinsam auf die Grundschule und sogar noch auf das Gymnasium. Aber während der 5. Klasse zogen er und seine Eltern in den Westen Deutschlands, genauer gesagt nach Frankfurt. Seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört.“

Peter schaute ein wenig traurig, aber die anderen lenkten ihn ein wenig ab, indem sie die Spannung auf den Männertag aufbauten. Sie füllten vier Gläser mit ein wenig Sekt und stießen exakt um Mitternacht auf den Männertag an. Nach zehn Minuten Feierlaune waren die Sektgläser leer und sie kehrten in den normalen Alltag wieder zurück, indem sie weiter ihre Geschichten erzählten. Nun blieben nur noch die beiden Brüder übrig, wobei Dennis den Anfang machte: „Meine Eltern und ich gingen 1993 in die große Kaufhalle in unserer Stadt einkaufen. Während wir unsere Lebensmittel zusammensuchten, musste ich auf einmal ganz dringend auf die Toilette. Ich sagte es meiner Mutter, aber die meinte, ich solle noch paar Minuten aushalten. Aber ich schaffte es nicht und somit machte ich mir in die Hosen, wobei ein großer Teil auf dem Boden neben den Gefriertruhen landete. Schnell gingen wir nach draußen. Aber ehrlich gesagt, es war für mich und meinen Eltern Megapeinlich.“ Die anderen drei konnten ihr lachen und grinsen kaum verbergen, aber Dennis freute sich darüber auch immer wieder. Nach diesen Worten war Philipp als letzter an der Reihe. Er schilderte allerdings eine Erzählung, die leider mal nicht zum lachen war:

„Ich war damals elf Jahre alt und war bei einem Schulfreund, der seinen 11. Geburtstag nachfeierte. Er wohnte in einem Blockhaus in der Stadt, wo sich auf der gegenüberliegenden Seite ebenfalls ein Blockhaus befand. Wir spielten ganz vergnügt ein Kartenspiel, als es draußen anfing zu regnen und zu gewittern, obwohl doch der Tag recht sonnig anfing. Wir schauten aus dem Fenster, doch uns überraschte nicht das Gewitter sondern unsere Augen schauten zur vierten Etage des anderen Gebäudes. Pechschwarzer Rauch quoll aus zwei Fenstern heraus und keiner ahnte um diese Zeit, was sich dahinter abspielte. Nach wenigen Minuten traf die Feuerwehr ein und bekämpfte den Brand. Doch das schlimmste kam noch: Eine Frau kam mit Einkaufstüten aus der nicht weit entfernten Kaufhalle zurück. Als sie hinauf sah, brach sie mitten auf der Straße zusammen. Später erfuhren wir, dass es die Frau der abgebrannten Wohnung war. Sie hatte zwei Kinder, die sie zum spielen zurück gelassen hatte, weil sie halt einkaufen wollte. Die beiden kleinen waren nicht mal fünf Jahre alt. Eins starb sofort, das andere wenig später im Krankenhaus. Das Schicksal ging aber soweit, dass sie sich selber dafür verantwortlich machte und wenige Wochen später selbst zur Strecke brachte. Die Unglücksursache war glaub ich der Gasherd, der nicht Abgeschalten wurde.“ Die anderen drei Freunde konnten sich an den damaligen Fall in der Stadt erinnern, aber nur Philipp hat ihn vor Ort miterlebt. Es ist kurz nach halb eins, da beschlossen die vier, langsam schlafen zu gehen, damit sie fürs Wandern fit sind. Da im Zimmer von Dennis und Peter der größere Tisch stand, vereinbarten sie, dass Philipp und Maria mit Kaffee um halb neun anklopfen. Doch in Wirklichkeit wollte anscheinend keiner so richtig schlafen gehen. Da sich in jedem, der beiden Zimmer, ein Bad mit Toilette und Badewanne befand, machten es sich die jeweiligen Pärchen mit Kerzen und Wein im warmen Wasser gemütlich und erlebten somit noch eine romantische Stunde, bevor sie zu Bett gingen.

Während sie sich eng umschlungen unter die Decke kuschelten, ist es Zeit, um an dieser Stelle ein bisschen in die Vergangenheit zu schauen.

Mittlerweile sind zehn Monate vergangen, als unsere vier Freunde das letzte Abenteuer erlebten. Seitdem ist auch so manches passiert.

Nachdem sie das Medaillon der Anja Krone übergaben, hatten die vier Freunde noch etwa vier Wochen Sommerferien. Diese nutzten sie, indem sie sich häufig zum baden trafen oder eine Radtour machten. Am 1. September fing Dennis seine Lehre zum Frisör an, die ihm seitdem richtig Spaß macht. Er ist zwar praktisch besser als in der Theorie, aber nicht mehr so schlecht, wie noch zu Schulzeiten. Drei Wochen später, am 25. September, feierten alle den 16. Geburtstag von Peter. Die anderen drei Freunde schenkten ihm ein Werkzeug-Set für Abenteurer, worauf er sich riesig freute. Sein Freund Dennis trug dabei ein von ihm geschriebenes Liebesgedicht vor, worauf Peter ihm einen zärtlichen Zungenkuss gab. Eine knappe Woche darauf begann Philipp sein zwölf Semester langes Medizin-Studium an einer modernen Universität. Das Studium ist zwar stressig, aber es macht ihm auch eine Menge Spaß für den späteren Lebensweg, Erfahrungen zu sammeln. Schließlich will er mal ein guter Chirurg werden. Es verging so einiges an Zeit und so trafen sich alle zu Marias 15. Geburtstag am 11. Dezember wieder. Philipp schenkte ihr einen Ring für die Liebe und die enge Freundschaft. Am ersten Weihnachtsfeiertag vollbrachten alle ganz gemütlich das Weihnachtsfest. Und auch ins neue Jahr feierten sie mit Sekt und Feuerwerk hinein. Der Winter war lang, aber unsere vier Freunde trafen sich zwei Mal zum Schlitten fahren auf einem großen Rodelberg, ehe am 4. April Philipp seinen 19. Geburtstag feierte, der nur wenige Tage vor Ostern stattfand. Zu dieser Zeit lernte Dennis bei einer Fahrschule schon das Autofahren und erhielt seinen Führerschein mit bestandener Prüfung am 11. Mai, nur zwei Tage nach seinem 18. Geburtstag, der besonders groß gefeiert wurde. Und somit sind wir auch schon wieder am Männertagswochenende angekommen. Pünktlich um acht Uhr standen sie wieder alle auf und bereiteten sich auf das anstehende Frühstück vor. Dennis und Peter deckten in ihrem Zimmer den Tisch, während Maria und Philipp, Kaffe und Tee für alle kochten. Um halb neun, wie besprochen, begannen sie mit dem leckeren Frühstück, welches aus Hörnchen, Käse, Wurst und Tomaten, sowie ein wenig Marmeladen- und Schokoladen-Brotaufstrich bestand. Anschließend planten sie die heutige Wanderroute. Dennis, der das beste geographische Gedächtnis besitzt, machte folgenden Vorschlag: „Von unserem Ort aus führt ein Weg über einen weiteren Ort in eine kleinere Stadt. Dort könnten wir dann vielleicht einkaufen und essen gehen, ehe wir den Rückweg antreten. Der Weg ist überwiegend gerade und führt hauptsächlich an Feldern und Seen vorbei. Das Wetter draußen lädt dazu ja auch ein. Der Weg an sich wird schätzungsweise zehn bis zwölf Kilometer hinzu sein, also insgesamt maximal 25 Kilometer. Das bedeutet, dass wir etwa zum Sonnenuntergang wieder hier sein müssten. Oder was meint ihr zu dieser Idee ?“ Die anderen stimmten ihm natürlich zu, denn einen besseren Vorschlag hätten sie jetzt nicht parat gehabt. Dann machten sie sich bereit für die Wanderung, indem sie ein paar Getränke einpackten, ebenso den Fotoapparat, Verbandszeug für alle Fälle und natürlich Geld für den Einkauf und für das Mittagessen. Um viertel zehn gingen sie leise die Stufen in der Pension hinunter und trafen am Ende der Treppe Frau Marratsch. Die vier begrüßten die Frau, die wiederum fragte, was sie denn heute unternehmen wollen. Daraufhin antwortete Maria, dass sie eine lange Wanderung vor sich hätten, von der sie erst am Abend wieder zurückkehren werden. Frau Marratsch wünschte den vier Kindern einen schönen Wandertag und mit diesen Worten zogen sie los und machten sich auf den Weg, den sie geplant hatten.

Sie verließen den Ort und kamen auf einem langen Wanderweg. Dieser ging fast nur geradeaus, so dass es schien, als wenn er kein Ende nehmen würde. Unterwegs kamen sie an einem schönen See vorbei, der sehr klar und sauber war. Sie beschlossen eine Rast zu machen. Allerdings konnten Dennis und Peter nicht einfach nur so dasitzen, sodass sie sich entkleideten und nur noch in normalen Shorts in dem See baden gingen. Doch lange schwammen die beiden nicht herum, denn das Wasser war mit 14 Grad noch ziemlich kalt. Aber sie machten sich nichts draus und so legten sich anschließend Dennis und Peter in die warme Sonne, um sich darin aufzuwärmen. Draußen war es mit 20 Grad zwar noch nicht so warm, dass man schon von Sommer reden kann, aber da keine einzige Wolke am Himmel war, um Schatten zu spenden, konnte die Sonne ungehindert auf die Erde scheinen. Leider haben die beiden vergessen, Wechselsachen mitzunehmen. Daraufhin Maria: „Nicht das ihr euch noch erkältet, ihr habt nämlich nichts mitgenommen, was ihr wechseln könntet.“ Dennis antwortete mit folgenden Worten: „Mach dir keine Sorgen Maria. Wir ziehen unsere nassen Shorts aus und gehen dann nur noch mit unseren kurzen Hosen weiter.“ Nach getaner Arbeit, tranken sie alle noch einen Schluck Wasser, bevor es endlich weiter ging. Links und rechts von ihnen waren herrliche Rapsfelder, die so strahlend schön in gelb leuchteten. Hinter den Rapsfeldern folgte ein weiterer See, bei dem sie allerdings keine Rast machten, sondern einfach nur vorbeigingen. Gegenüber vom See befand sich eine große Wiese, in die sich die vier Freunde hineinlegten. Nach fünf Minuten standen sie wieder auf und gingen weiter auf dem Weg entlang, bis sie zu einem kleinen Ort gelangten. In der Mitte befand sich eine kleine Kapelle, die sie sich anschauten. Auf dem Dach der Kapelle war eine Plattform angebracht, die als Aussichtspunkt dienen sollte. Die Freunde stiegen auf diese Plattform und genossen den weiten Ausblick auf die Umgebung, bis Philipp mit dem Zeigefinger eine Entdeckung machte: „Seht mal, da hinten. Das sieht doch aus wie eine Felsenstadt. Und die scheint nicht weit von unserer Pension entfernt zu sein.“ Peter, der zum Glück ein kleines Fernrohr besaß, schaute durch dieses hindurch und konnte bestätigen, dass eine Reihe von Felsen sich auf mehreren Hügeln unmittelbar in der Nähe ihrer Pension befinden müssen. Nach dieser Aktion berieten sie sich alle und kamen zum Entschluss, die Felsenstadt morgen zu erkunden. Dann fragte Maria, wie weit es noch bis zur Kleinstadt wäre, worauf Dennis mit leicht knurrendem Magen antwortete: „Also, wir haben jetzt ziemlich genau sieben Kilometer hinter uns. Somit dürfte die Stadt nur noch etwa drei bis vier Kilometer entfernt sein. Ich weiß ja nicht, wie ihr denkt, aber ich habe schon Hunger auf das Mittagessen.“ Seine anderen drei Freunde stimmten ihm zu und deshalb stiegen sie wieder die Plattform hinab und gingen weiter den Hauptweg entlang. Nach einem kurzen Stück Wald, ging der Weg erneut mitten zwischen zwei Feldern hindurch. Von weitem sahen sie dann auch schon die Stadt, die sie um kurz vor eins erreichten. Dort angekommen, gingen sie erst einmal in ein schönes Restaurant und füllten ihre hungrigen Mägen bis zum Rand voll. Um zwei kamen sie zu einem heimatkundlichen Museum an, welches sie auch mit einer Führung besuchten, die wiederum eine ganze Stunde dauerte. Anschließend gingen sie in einen landestypischen Supermarkt einkaufen, damit sie was für den Rückweg und für das Frühstück haben. Allerdings konnten sie es auch nicht lassen, sich beim Bäcker ein paar frische Hörnchen zu holen, die sie sogleich mit vollem Genuss verspeisten. Nach ihrem Einkauf kamen die vier Freunde an eine Touristeninformation, wo sie sich Karten und Informationen, für die morgige Wanderung zur Felsenstadt besorgten. Die Zeit verging ziemlich schnell und so zeigte die Uhr schon fast sechzehn Uhr an, ehe sie wieder die Kleinstadt verließen und sich auf dem Rückweg machten. Dennis war mal wieder damit beschäftigt, die Karten zu studieren. Nach einer Weile sagte er zu den anderen: „Wenn wir jetzt diesen Weg zurück gehen, dann kommen wir an unserem Ort an, wo so gleich am Anfang ein Restaurant steht. Dort könnten wir ja Abendessen gehen. Und nach dem Abendessen können wir zu einem Felsen hinaufsteigen, von wo wir den Sonnenuntergang ganz gut sehen müssten. Der Felsen ist auch etwa nur 10 Minuten vom Restaurant entfernt. Was haltet ihr von dem Vorschlag ?“ Peter, Maria und Philipp waren begeistert von der Idee, sodass sie nicht „Nein“ sagen konnten. Bis zu ihrem Dorf waren es allerdings wieder zehn Kilometer Wegstrecke, die sie vor sich hatten. Zum Glück war das Wetter sehr angenehm, denn die Sonne schien ungehindert weiter und die Luft war fast still.

Unterwegs sangen sie ein paar Wanderlieder und freuten sich immer mehr, je näher sie ihrem Ort kamen. Wiederum dauerte es zwei Stunden, bis sie es endlich geschafft haben, am Ziel anzukommen. Es war viertel nach sechs, als sie sich ihr leckeres Abendessen bestellten. Maria fragte Dennis, wann denn die Sonne untergehen wird, worauf er antwortete, dass es erst kurz nach acht Uhr abends sein wird. Sie hatten also viel Zeit, das Abendessen zu genießen. Vor allem die Nachspeise war bei allen sehr beliebt. Danach sprach Peter zu den anderen: „Also ich bin so satt, dass ich platzen könnte. Meine Füße sind auch schon platt, aber ich will ja noch den Sonnenuntergang sehen.“ Die anderen drei teilten mit ihm die Worte und schließlich zahlten sie die Mahlzeit, bevor sie sich anschließend auf dem Weg zur Aussichtsplattform machten. Selbst mit den vollen Mägen dauerte der schwere Aufstieg nur etwa fünfzehn Minuten. Oben angekommen, saßen sie auf einem Felsen und machten es sich so richtig gemütlich. Jeder kuschelte sich Arm in Arm an seinen jeweiligen Partner, schlossen die Augen und ließen die Sonne auf ihre Haut strahlen. Da sagte Philipp zu den anderen: „Ist das nicht herrlich hier oben ? Ich könnte noch den ganzen Tag hier oben so weiter liegen und einschlafen.“ Die anderen gaben bloß ein friedliches Summen von sich, denn jeder hatte zu dem Zeitpunkt das schönste in seinen Gedanken gehabt. Um kurz vor halb neun war es dann soweit: Die Sonne zählte ihre letzten Minuten des Tages. Dennis machte sogleich ein paar fotografische Aufnahmen, während der rote Ball langsam am Horizont verschwand. Rundherum war alles still und die vier Freunde genossen den Augenblick der Ruhe. Als die Sonne endgültig untergegangen war, erhoben sich die vier wieder langsam von ihrem Fleck und machten sich für den Abstieg zum Dorf bereit. Unten angekommen merkten sie, dass es deutlich dunkler war, als auf dem Aussichtspunkt. Um zu ihrer Pension zu gelangen, mussten sie zur anderen Seite des Ortes gehen, der allerdings noch zwei Kilometer lang war. Aber auch dies packten sie noch ganz locker und so kamen die vier um kurz vor neun bei Frau Marratsch an, die ihnen im Haus begegnete. Sie fragte nach, was die Kinder so alles erlebt haben. Darauf antwortete Philipp: „Zuerst sind wir den Weg entlang gelaufen, der an Rapsfeldern und zwei Seen entlang verläuft. Peter und Dennis waren so gar im kalten See baden gewesen. Im kleinen Dorf vor der Stadt besuchten wir dann eine kleine Kapelle und sahen, von ihrem Dach aus, eine Felsenkette hier in der Nähe. In der Stadt gingen wir dann Essen, kauften für das Frühstück ein, besuchten das heimatkundliche Museum und besorgten uns anschließend eine Wander- und Informationskarte für die Felsenstadt, die wir morgen durchwandern wollen. Abends waren wir sogar auf einer Aussichtsplattform und schauten uns von dort den Sonnenuntergang an. Und nun sind wir wieder, nach mehr als zwanzig Kilometern, bei Ihnen.“ Frau Marratsch hörte gerne hin, was die Freunde so erlebt haben und staunte, dass Jugendliche in dem Alter noch wandern gehen. Nach dem Gespräch verabschiedeten sie sich alle für den Abend bei Frau Marratsch und gingen hoch in ihre Zimmer, um erst einmal richtig schön zu duschen. Das Wasser befreite ihren Körper von der Anspannung und lockerte die Muskeln von der Wanderung. Und auch die Füße qualmten nicht mehr, sondern waren froh über die frische Abkühlung. Nach der Entspannung trafen sie sich bei Philipp und Maria und feierten nun die letzten zwei Stunden des Männertages. Zuerst spielten sie ein paar Kartenspiele, während jeder eine Flasche Sekt oder Wein aus seiner Tasche holte. Bis Mitternacht leerten sie immerhin zwei Flaschen und waren schon auf dem besten Wege der Heiterkeit. Sie mussten viel lachen, denn die Spiele und der Alkohol bereitete ihnen viel Freude und Humor. Nach null Uhr nachts kamen sie dann auf ganz andere Gedanken. Mit den restlichen zwei Flaschen spielten sie nun „Wahrheit oder Risiko“ und anschließend noch eine Runde „Strip-Poker“. Peter, der zusammen mit Maria am wenigsten Alkohol trank, holte dann seine Gitarre heraus und spielte ein paar beruhigende Lieder, während alle zusammen sich nackt gegenüber saßen. Um kurz nach zwei Uhr in der Nacht wurden sie dann alle ruhiger. Dennis und sein Bruder Philipp schliefen dann auch noch mitten auf dem Boden ein und auch Maria konnte ihre Augen kaum noch aufrecht halten. Peter ließ dann einen lauten Ton von seiner Gitarre erklingen, sodass Maria und Dennis davon wach wurden, während Philipp schon schnarchte. Die beiden anderen Jungs trugen ihren ältesten Freund ins Bett und gingen anschließend in ihre Zimmer, um selber auch schlafen gehen zu können. Maria deckte noch ihren Liebsten zu und so schliefen die Freunde schnell ein, um somit ihren Rausch auszuschlafen.

Um kurz nach halb zwölf Uhr Mittags wachten sie dann mit einem schweren Gang auf. Dennis sagte zu seinem Partner, dass er am liebsten noch weiter schlafen könnte, aber Peter machte ihm Mut, als er ihm erzählte, dass der heutige Tag abenteuerlich werden wird. Und auch Philipp und Maria waren wohlauf und machten sich, wie die anderen beiden startklar für die bevorstehende Wanderung. Frühstück lassen sie ausfallen, denn sie gehen unterwegs gleich Mittagessen. Sie packten wieder das, was sie am nötigsten brauchten in ihre Taschen ein und pünktlich um zwölf Uhr verließen sie die Pension. Aber sie trafen im Vorgarten noch auf Frau Marratsch, die ihnen folgendes zu sagen hatte: „Guten Morgen Kinder. Letzte Nacht ward ihr eigentlich ein bisschen zu laut für meine Ohren und ich hoffe, dass das vorerst nicht noch mal passiert. Aber ich werde ein Auge zudrücken, denn einer von Euch konnte so wunderschön Gitarre spielen. Wenn ihr nichts dagegen habt, würde ich mir das auch mal live anhören wollen. Wie wär’s mit heute Abend ?“

Die vier Freunde schauten sich erstaunlich an, aber dann sprach Peter: „Danke Frau Marratsch. Also ich bin derjenige, der so gut Gitarre spielen kann. Und wir wollen uns auch für die letzte Nacht entschuldigen. In der nächsten Nacht werden wir nicht mehr so laut sein, versprochen. Wir möchten die Sache wieder gut machen, indem wir sie zu einem musikalischen Abend einladen. Ich würde vorschlagen, dass wir das morgen, also den Abend vor der Abreise, machen. Sozusagen als Dankeschön für ihre Gastfreundschaft.“ Frau Marratsch sowie die anderen drei waren von der Idee begeistert und stimmten dem Angebot zu. Nach diesem Gespräch gingen die Freunde los, um erst einmal Mittag essen zu gehen. Im Restaurant schlangen sie wieder ihre Bäuche voll und sahen sich währenddessen ein Plakat an der Wand an. Auf diesem stand drauf, dass für den Abend eine Show mit Musik und Tanz angesagt ist. Zuerst überlegten die vier, schließlich entschieden sie sich, abends mal vorbeizuschauen, wenn sie von der Wanderung nicht allzu müde sind. Nach dem Mittagessen gingen sie weiter in eine kleine Kaufhalle, wo sie sowohl für die Wanderung, als auch für das Frühstück am nächsten Tag einkauften. Und dann ging es endlich los. Nach wenigen hundert Metern erreichten sie den Weg, der zu der Felsenstadt führt. Der Aufstieg gestaltet sich als relativ schwierig, denn er ist ziemlich steil. Dennoch schaffen es unsere vier Freunde, den Höhenunterschied zu überwinden. Oben angekommen, mussten sie erst einmal eine Pause machen und nach Luft schnappen. Die Aussicht auf die umliegenden Wälder und Berge schien aber wie eine kleine Belohnung für sie zu sein. Das Wetter war schön  und die Temperaturen bewegten sich wieder um die 20-Grad-Marke. Nach etwa zehn Minuten beendeten die Freunde die Pause und gingen weiter. Sie krochen zwischen zwei Felsen hindurch, mussten Wurzeln und Stufen überwinden und immer wieder kamen sie zu einer Sackgasse, bei der sich dahinter ein Abgrund befand. Dabei gab es nur selten ein schattiges Plätzchen, wo sie sich von der warmen Sonne und den Strapazen vom vielen Auf- und Absteigen, erholen konnten. Nach einer Weile erreichten sie eine Bank, wo sie sich alle hinsetzten und ein wenig Wasser tranken, sowie ein paar Kekse aßen. Sie sahen zu einem Felsen, auf dem ein Bergsteiger die Felswand hinaufkletterte. Mit viel Spannung und leichtem Kribbeln schauten sie ihm zu und waren froh, als er wieder heil auf dem Erdboden landete. Anschließend rätselten sie alle, welche Darstellungen die Felsen von sich gaben. Da wurden verschiedene Tiere, wie Elefant, Eule oder Hund genannt, aber auch diverse andere Dinge, wie zum Beispiel, Hammer, Hexe oder Sofa. Die Kinder kamen auf sehr viele fantasievolle Ideen, worüber sie auch immer wieder lachen mussten. Es ist mittlerweile kurz nach drei Uhr Nachmittags, da machten sie sich weiter auf den Weg. Wieder mussten sie steile Treppen überwinden und landeten erneut auf einem Plateau, von wo aus man ein breites Gebiet erblicken konnte. Und nach mehreren hinsehen, sahen sie sogar die Kapelle, von der sie am Vortag die Felsenkette entdeckt hatten. Dennis wies dann aber auch noch auf die Rapsfelder und den See hin, sowie die Kleinstadt mit dem heimatkundlichen Museum. Sie gingen zweihundert Meter weiter, da sah Peter etwas Merkwürdiges hinter dem Wald. Und auch die anderen drei wollten gerne wissen, was das sein könnte. Maria nahm das Fernrohr aus ihrer Tasche heraus und übergab es ihrem Freund Philipp. Dieser antwortete nach wenigen Sekunden, dass es eine weitere Felsenkette sei. Mit vollem Erstaunen sah jeder durch das Fernrohr hindurch und tatsächlich war eine zweite Felsenkette zu erkennen. Doch davor war noch ein drei Kilometer breites Tal mit dichtem Wald und Gestrüpp. Sie beschlossen mit voller Mehrheit, diese Felsenstadt noch heute zu besuchen. Dazu Dennis: „Also, wir müssen erst einmal von dieser Felsenstadt hinunter, um in den Dschungel zu kommen, den wir natürlich durchqueren müssen, bevor wir die zweite Felsenkette wieder besteigen können. Wenn wir zügig vorankommen, dann sind wir in gut einer Stunde auf dem anderen Felsengipfel und schaffen somit noch rechtzeitig den Rückweg zu unserem Dorf, bevor es dunkel wird.“ Schnell schnallten sie sich ihre Rucksäcke auf die Rücken und suchten nun einen Weg, der hinab in den dichten Dschungel führt. Nach etwa dreihundert Metern fanden sie einen Weg, der allerdings sehr steil hinab ging und mit vielen Wurzeln übersät war. Vorsichtig und Langsam stiegen sie den Berg hinab. Doch sie merkten nicht, dass die Zeit schneller verging als geplant.

Plötzlich fällt Philipp unglücklich über eine Wurzel, stürzt und rollt noch weitere fünf Meter den Hang hinab, bis ihn Peter und Dennis, die zum Glück die vordersten der Gruppe waren, stoppen konnten. Maria hielt ihre Hände vor das Gesicht und war ein wenig geschockt von dem Sturz ihres Liebsten. Doch Philipp konnte sie beruhigen, denn er hatte nur zwei Schrammen am rechten Arm, sowie am rechten Bein, aus denen es auch ein wenig blutete. Nachdem Maria ihn mit zwei Pflastern verarztete, fragte Dennis, ob sein Bruder noch laufen kann. Aber Philipp stand ganz locker auf und konnte tatsächlich weitergehen. Er sagte auch, dass sie nicht umkehren brauchen, denn er hatte Glück im Unglück. Dennoch stützten ihn die beiden anderen Jungs noch den restlichen Weg bis zum Dschungel hinab. Die Zeit verging rasend schnell, denn es war schon halb sechs nachmittags. Doch keiner von den vier Freunden schaute auf die Uhr. Unten angekommen, machten sie erst einmal Rast und tranken reichlich Wasser, denn der Abstieg hat sie schwer zu schaffen gemacht.

Vor allem Philipp brauchte häufig mal eine Pause. Die Wunde tat ihm zwar nicht weh, dennoch durfte er sie nicht zu sehr belasten. Von ihrem Rastplatz aus führten zwei Wege mitten durch den dichten Wald. Doch keiner von den vieren wusste nun genau, welchen Weg sie gehen sollten. Sie diskutierten eine Weile und kamen zum Entschluss den rechten Weg zu nehmen. Also standen sie wieder auf und liefen den rechten Weg entlang. Doch dieser endete schon nach wenigen hundert Metern. Somit kehrten sie zum Rastplatz um und nahmen anschließend den linken Weg. Er war wesentlich breiter und nicht ganz so dunkel, wie der andere. Schritt für Schritt gingen sie den Pfad entlang. Nach einem Kilometer mussten sie allerdings feststellen, dass der Weg enger und vom Gestrüpp immer dichter wurde. Dennoch liefen die Freunde weiter und tasteten sich Meter um Meter durch den dichten Dschungel hindurch. Rechts und Links neben ihnen waren kleinere Tümpel oder Teiche zu sehen, welche von vielen Insekten und Erdbewohnern beheimatet waren. Letztendlich kamen sie mehrmals an verschiedenen Gabelungen an. Doch nirgendwo war ein richtiger Weg zu erkennen, im Gegenteil. Überall hohe Gräser, Farne und dichte Sträucher. Die Freunde irrten durch den Dschungel und es schien, als wenn sie sich verlaufen hätten. Aber nach gut zwei Stunden erreichten sie scheinbar ihr Ziel. Sie standen nun vor der zweiten Felswand. Allerdings fanden sie keinen Weg hinauf. Also liefen sie ein Stück die Mauer entlang, um einen geeigneten Aufstieg zu finden, doch dann sagte Dennis, als er auf die Uhr schaute: „Wisst ihr wie spät das ist ? Wir haben es bereits zwanzig Uhr und die Sonne geht in einer halben Stunde unter. Wenn ich glaube, was ich denke, dann müssten wir mehr als zwei Stunden seit Philipps Sturz unterwegs sein. Und das heißt, dass wir es vor der Dunkelheit nicht mehr rechtzeitig zurück zur ersten Felsenkette schaffen. Selbst wenn wir jetzt noch schneller versuchen, zurückzulaufen, werden wir über eine Stunde noch die Taschenlampen brauchen. Brüderchen was meinst du ?“ Philipp gab ihm darauf folgende Antwort: „Dennis, das schaffen wir schon und mein Bein wird das auch ganz gut hinkriegen. Macht euch um mich keine Gedanken. Ich bin dafür, dass wir jetzt, so schnell es geht, umkehren. Ihr habt zwar sicherlich, genauso wie ich, Hunger, aber am besten, wir nehmen unsere Brötchen in die Hand und essen unterwegs.“ In Windeseile holten sie ihr Essen aus den Taschen und liefen, so schnell es ging den Weg zurück. Allerdings haben sie dabei eine Sache nicht beachtet. Sie liefen nicht denselben Pfad zurück, wie vorher. Doch leider glaubten sie, dass sie sich auf dem richtigen Weg befanden. Nach nur dreißig Minuten ist es mittlerweile so dunkel geworden, dass sie die erste Taschenlampe zum Leuchten bringen mussten. Doch diese war bereits nach einer weiteren halben Stunde schon leer. Schnell griff Maria nach der zweiten, worauf Peter plötzlich sagte: „Halt Maria. Wenn uns auch diese Taschenlampe ausgeht, dann haben wir gar nichts mehr zum Leuchten. Schaut erst mal nach, ob wir überhaupt Batterien mithaben.“ Sie schauten alle in ihre Rucksäcke, doch keiner hatte an Batterien gedacht, denn diese lagen noch alle in der Pension. Nun war die Verzweiflung groß und keiner wusste so richtig, wie es nun weitergeht. Maria fragte, ob man nicht durch Ertasten den Rückweg finden könnte. Doch darauf gab ihr Liebster seine Meinung dazu: „Schatz, wie stellst du dir das denn vor ? Selbst wenn wir es schaffen könnten, bis zur ersten Felsenkette hinauf zu gelangen, ist es immer noch zu gefährlich, denn überall lauert der Abgrund. Und die zweite Taschenlampe reicht gewiss nicht mehr bis dorthin. Freunde, es bleibt uns jetzt nur noch ein Ausweg. Wir müssen hier bis morgen übernachten. Zwei große Decken haben wir ja. Eine nehmen wir als so genanntes Bettlacken für den Boden, das andere zum zudecken. Da allerdings nur zwei auf die Decke passen, schlage ich folgendes vor: die ersten zwei Stunden werden Maria und ich schlafen, während Dennis und Peter wach bleiben und so etwas wie Nachtwache halten. Dann wechseln wir und so wird das fortgesetzt bis es wieder hell wird. Und erst dann setzen wir den Rückweg fort. Die Taschenlampe wird nur zu dringenden Fällen benötigt. Wer auf Toilette gehen muss, sollte sich nicht weiter als fünf Meter von uns entfernen. Besser ist es, wenn noch einer dabei ist. Mit dem Vorrat sollten wir sparen, wenn möglich, erst wieder etwas essen, wenn die Nacht vorbei ist. Soweit erst mal alles klar bei Euch ?“ Den vier Freunden war in erster Linie schon alles klar, allerdings hatten alle Angst vor der bevorstehenden Nacht. Die Uhr zeigte kurz nach neun Uhr abends, als sich Maria und Philipp ins Bett legten, während Peter und Dennis neben ihnen auf ihren Rucksäcken saßen und Wache hielten. Knapp neun Stunden wird die wohl aufregendste Nacht für die Freunde dauern. Nach einer Weile merkte Dennis, dass sich hier eine ganze Menge Ungeziefer, wie Mücken und Fliegen breit machen und fragte seinen Freund leise, ob es hier noch mehr gibt. Daraufhin antwortete Peter ihm: „Wenn ich glaube, was ich denke, dann könnte es hier sogar Schlangen und andere nachtaktive Tiere, wie zum Beispiel, Eulen, Füchse oder sogar Fledermäuse geben. Wir müssen auf der Hut sein und möglichst jedes Geräusch genau wahrnehmen.“ Nach diesen Worten bekam Dennis schnell eine Gänsehaut, denn er fürchtete sich ein wenig. Er kuschelte sich ein bisschen an seinen Liebsten und war froh, dass er nicht alleine war. Die beiden flüsterten sich verschiedene Liebesworte ins Ohr und gaben sich immer wieder mal einen romantischen Kuss. Nur so schritt die Zeit schneller voran, sodass sie schon bald ihre schlafenden Freunde wecken mussten, um die Aufgaben nun zu tauschen. Nicht lange, etwa kurz vor Mitternacht, hörten Maria und Philipp seltsame Geräusche, die aus einem nicht weit entfernten Busch kamen. Philipp versuchte sie so gut es ging zu beruhigen, damit ihre Ängste weniger wurden. Er sagte zu ihr: „Du brauchst keine Angst haben, ich bin ja bei dir. Das ist nun mal normal, wenn man in einer stockdunklen Nacht in den Wald geht. Mach dir keine Sorgen, uns wird schon nichts passieren.“ Dann kamen Laute von einem Baum herab, die Maria allerdings zum Glück erkannte, denn die Töne kamen von einem Uhu. Um halb eins wurde Maria jedoch noch ruhiger, als sie endlich ein paar Tierchen sah, die sie über alles mochte, nämlich Glühwürmchen. Über zehn dieser Art kreisten über der Gruppe und ließen somit die Nacht nicht ganz so dunkel wirken, wie sie es bisher kannten. Eins setzte sich sogar auf Marias Hand und schien sich dabei Wohlzufühlen. Daraufhin sagte Philipp zu ihr, dass sie nun mehr, als nur zwei Wächter hätten. Sie wiederum war glücklich, dass ihr Liebster sie beruhigte und so viel Mut gab. Die Uhren zeigten ein Uhr nachts an, da weckten sie Peter und Dennis aus dem Schlaf, doch sie hatten beide gerade einen wunderschönen Traum, den sie gerne weitergeträumt hätten. Aber sie mussten leider aufstehen und als sie die vielen Glühwürmchen sahen, sagte Dennis: „Mensch, das ist ja toll. Eines meiner Lieblingsinsekten mal hautnah erleben. Das hätte ich wirklich nie gedacht. Die sind immer so niedlich und so zutraulich. Dann ist die Nacht ja doch nicht so langweilig, wie ich erst dachte.“ Alle anderen freuten sich für Dennis und schnell schliefen Philipp und Maria wieder ein. Peter flüsterte zu seinem Freund: „Irgendwie ist das schon komisch hier. Das Gewächs über uns muss ja dermaßen dicht sein, dass wir nicht einmal die Sterne sehen können. Und kalt ist es auch geworden.“ Die vier Freunde haben jetzt fast die Hälfte der Nacht geschafft, da wurde es ihnen langsam kühl. Draußen waren es nur noch knapp zehn Grad über null und wenn man die ganze Zeit bei der Temperatur sitzt oder liegt, kann man sich schnell unterkühlen. Somit wollte Peter schon aufstehen, um ein wenig den Weg auf und ab zu laufen, aber Dennis konnte ihn daran hindern und sagte: „Schatz, dass ist viel zu gefährlich hier. Du könntest jederzeit im Moor oder Tümpel versinken. Wir kennen uns hier beide nicht aus, also lass es lieber. Uns beiden kann nur eine Sache wärmen, nämlich so eng wie möglich aneinander kuscheln. Aber vorher muss ich noch mal auf die Toilette.“ Peter verstand die Worte seines Freundes und ging mit ihm in nur fünf Metern Entfernung auf die Toilette, wo sie beide ihr Wasser ließen, bevor sie sich wieder auf ihre Rucksäcke setzten und sich aneinander kuschelten. Obwohl es draußen von Stunde zu Stunde immer kühler wurde, erwärmten sie sich gegenseitig und froren somit nicht mehr. Allerdings wurden sie wieder schnell müde, aber sie hielten noch bis drei Uhr durch, als sie Philipp und Maria aus dem Schlaf weckten. Die Ablösung war scheinbar wie ein Segen für Dennis und Peter, denn sie sind sofort eingeschlafen, als sie sich auf die Decke legten. Währenddessen waren die anderen beiden wach und passten auf, dass niemanden etwas geschah. Nach einer Weile sagte Philipp zu seiner Liebsten, dass ihm sein Bein so weh tut. Maria kam schnell wieder in Sorge und dachte nun, dass es vielleicht die Wunde sein könnte, aber er beruhigte sie, indem er sagte, dass es nur vom Liegen auf hartem Untergrund sein konnte. Obwohl sie ihm glaubte, hatte sie dennoch ein wenig Misstrauen, hoffte aber dass es letztendlich wirklich nur vom Schlafen kam. Die Zeit schritt voran und nun war es Zeit, dass die letzte Wache ihre Schicht schob. Um fünf Uhr waren noch einmal Dennis und Peter an der Reihe. Nun ist es ziemlich kalt geworden. Der Himmel war klar und das Thermometer sank auf gerade mal sechs Grad. Alle kuschelten sich mit dem jeweiligen Partner zusammen. Schon um sechs wurde es so hell, dass man vieles schon wieder sehen konnte. Um halb sieben ging dann auch die Sonne auf, aber die beiden Jungs, die Wache hielten, ließen ihre Freunde noch eine Viertelstunde weiterschlafen. Nun saßen sie alle zusammen auf dem Boden und fingen an, ihr Frühstück zu verspeisen, während sie sich berieten, wie es heute weitergehen soll. Dazu Peter: „Also, ich weiß ja nicht wie ihr denkt, aber das sind unsere letzten Vorräte, die wir jetzt hier verbrauchen. Das heißt, es lohnt sich nicht um die zweite Felsenkette zu laufen. Ich schlage vor, wir suchen uns den Rückweg und machen uns noch so einen schönen Tag. Was meint ihr ?“ Die anderen drei haben natürlich dem Vorschlag von Peter zugestimmt, denn sie wollten heute nirgends mehr wandern gehen, bis auf den Rückweg zu ihrer Pension. Philipp erzählte dann noch eine Geschichte aus seiner Vergangenheit: „Als wir in der sechsten Klasse auf Klassenfahrt fuhren, haben wir mal in einer Nacht eine gruselige Nachtwanderung gemacht. Wir durften nur mit Kerzen durch den Wald gehen. Ein paar Schüler haben vorher an Bäumen und Sträuchern diverse Gegenstände angebracht, über die wir uns immer wieder erschraken. Es war schon eine tolle Wanderung, aber jeder hatte so ein bisschen Angst vor der Dunkelheit. Doch wenn ich mich an die Nacht mit Euch jetzt erinnere, glaube ich, war das damals noch gar nichts dagegen. Ein Abenteuer war es aber auf alle Fälle.“ Die vier Freunde frühstückten ihre restlichen Reserven noch zu Ende und packten langsam wieder ihre Rucksäcke für den Rückweg. Als Philipp aufstehen wollte, geschah etwas Ungeahntes. Er brach sofort mit seinem rechten Bein wieder zusammen und konnte nur wenig sein mit Schmerzen verzogenes Gesicht unterdrücken. Die anderen wussten erst gar nicht was los war, aber als Philipp sein rechtes Hosenbein hochzog, war es nicht zu übersehen. Die Wunde, die er sich am Vortag zugezogen hatte, hatte sich stark entzündet und musste so schnell wie möglich behandelt werden. Er sprach zu den anderen: „Jungs, jetzt brauch ich Eure Hilfe. In der Pension habe ich meinen Erste-Hilfe-Koffer liegen. Dort befindet sich auch Werkzeug, womit ich das entzündete Stück aus meinem Bein herausschneiden kann. Ihr müsst mich bis dorthin so viel es geht stützen, brauche aber auch eine Menge Pausen, damit ich das Bein nicht überarbeite. Aber wir schaffen das schon.“ Dennis fragte seinen Bruder: „Wäre es nicht besser, wenn du und Maria hier bleiben würden, während Peter und ich dir das Werkzeug holen ? Das würde doch zumindest schneller gehen.“ Aber Philipp gab seinem Bruder folgende Antwort: „Nein Bruderherz. Es ist eigentlich egal, ob ihr hin und zurück schnell lauft oder ob wir alle nur hinzu in einem langsameren Tempo vorankommen. Mir ist es lieber, wenn ich den Einschnitt vor Ort machen kann. Erstens wegen dem vielen Ungeziefer hier im Wald und zweitens, falls viel Blut verloren gehen sollte, haben wir zur Not dann noch das Auto vor der Tür stehen.“ Dennis verstand, was Philipp ihm sagte und somit begannen sie, den Rückweg einzuleiten. Doch es ging nur sehr schleppend voran. Maria, die auch noch den Rucksack von ihrem Liebsten zusätzlich auf dem Rücken trug, machte sich große Sorgen um ihn, während Dennis und Peter ihn pausenlos stützten, aber immer wieder Pausen machen mussten. Doch sie wussten nicht so richtig, wo sie entlang gehen sollten. Häufig kamen sie auf Wegkreuzungen, bei der sie sich nicht entscheiden konnten, wo wohl der richtige Weg sein könnte. Vom dichten Wald des Dschungels konnte man nicht einmal die Felsenketten sehen. Mittlerweile ist es vormittags halb neun, sie sind also schon eine Stunde unterwegs, da erreichten sie endlich die Rastbank, bei der sie am Vortag sich nach Philipps Sturz ausruhten. Während sie erneut bei ihr Pause machten, schauten sie alle den steilen Berg hinauf, den sie nun vor sich hatten. Dennis und Peter ahnten, was auf sie zukommt. Sie werden ihre ganzen Kräfte benötigen, damit sie heil auf dem Felsenweg ankommen. Und auch diesen Aufstieg konnten sie nur sehr schwer hinter sich bringen. Auf dem halben Weg rutschte Peter auf einmal aus, aber Maria stand hinter ihm und konnte ihn somit rechtzeitig halten. Und auch Philipp ist nichts passiert, da Dennis gut auf seinen Bruder aufpasste, während Peter wegrutschte. Beim schwersten Abschnitt kurz vor dem Plateau sollte Maria schnellstmöglich ihre Rucksäcke auf den Felsen stellen und anschließend mithelfen, dass Philipp den kleinen, aber schweren Rest auch noch unbeschadet überwindet. Letztendlich schafften sie es zu dritt und waren froh, den steilen Berg hinter sich gelassen zu haben. Oben mussten sie alle eine Pause machen, da fragte Maria ihren Liebsten, wie es ihm geht, worauf dieser antwortete, dass es ihm etwas schlechter geht und er wahrscheinlich leichtes Fieber bekommen hat. Somit machten sie sich um kurz nach zehn Uhr wieder auf den Weg und hatten nun die erste Felsenkette vor sich, wo sie am Ende viele Stufen hinab gehen mussten. Und auch dieser Akt war nicht einfach, zumal Philipps rechtes Bein immer schwächer wurde und er sich darauf kaum noch halten konnte. Die Treppen waren teilweise schon mit etwas Moos bedeckt und deshalb war besondere Vorsicht geboten, da eine erhöhte Rutschgefahr nicht ausgeschlossen werden konnte. Als sie die Felsenkette endlich hinter sich hatten, waren sie insgesamt schon dreieinhalb Stunden, von ihrem Nachtlager, unterwegs. Nun war der Weg nicht mehr allzu weit bis zur Pension. Sie liefen den restlichen Berg hinab und kamen somit in das Dorf, von wo aus sie nur noch zwei Kilometer vor sich hatten. Bei dem ein oder anderen knurrte schon wieder der Magen, worauf Philipp mit leicht geschwächter Stimme sagte: „Setzt mich in der Pension ab und geht dann bitte ohne mich essen. Ich habe erstens keinen Hunger und zweitens verbraucht ihr für mich soviel Kraft, dass ihr Euch unbedingt stärken solltet.“ Sein Bruder Dennis antwortete daraufhin: „Nein Bruderherz, wir wollen bei dir sein, wenn du in der Pension liegst. Wir werden beim Supermarkt eine Pause machen und gleichzeitig ein paar Wiener und Hörnchen holen. Ketchup haben wir ja schon da. Dann können wir uns alle leckeren Hot Dog machen, die Du ja auch immer so gerne isst.“ Philipp zeigte seinem Bruder ein für die Bruderherzen dankbares Lächeln, worauf Dennis das Lächeln gerne wieder zurückgab. Nach einer guten halben Stunde kamen sie endlich am Supermarkt an. Philipp sagte zu Dennis, dass er möglichst hochprozentigen Alkohol mitbringen solle. Während Maria mit ihrem Liebsten draußen auf einer Bank sich ausruhte, kauften Peter und sein Freund schnell ein paar Nahrungsmittel zum Essen ein, sowie den gewünschten Alkohol, der etwa vierzig Prozent stark war. Anschließend ging es weiter, aber sie hatten es nicht mehr weit bis zur Pension. Die Uhren zeigten ziemlich genau zwölf Uhr an, als sie bei ihrer Unterkunft ankamen und Philipp ins Bett legten. Sie maßen seine Körpertemperatur, welche sich bei zirka 38 Grad bewegte. Maria gab ihm eine Tablette gegen die Schmerzen und das Fieber, bevor Philipp erst einmal in Ruhe einschlief. Die anderen drei gingen in das Zimmer von Dennis und Peter und aßen erst einmal ihr Mittagessen. Es schmeckte ihnen zwar sehr gut, dennoch war die Stimmung ein wenig gedrückt und sie waren auch von dem anstrengenden Rückweg fix und fertig. Anschließend legten auch sie sich auf ihre Betten und schliefen eine Stunde. Um halb drei wachte dann auch Philipp auf, dem es deutlich besser ging, da die Tabletten zu wirken schienen. Er stand auf und ging langsam zu seinem Erste-Hilfe-Kasten, den er sich selber angefertigt hatte. Aus diesem Kasten nahm er sich eine Binde heraus, sowie ein Messerähnliches Teil, ein bisschen Watte, ein Pflaster und Desinfektionsspray. Außerdem den Alkohol, den Dennis für seinen Bruder im Supermarkt eingekauft hatte. Als alle beisammen waren, fragte Peter, was er denn nun vorhabe, worauf Philipp antwortete: „Ich muss mir jetzt die Stelle, die in der Wunde entzündet ist, herausschneiden, da die Gefahr besteht, dass sich die Entzündung im ganzen Bein ausbreitet. Im schlimmsten Fall müsste dann das Bein amputiert werden. Bruderherz, sollte es schief gehen, was ich dir im rechtzeitigen Moment noch sagen werde, musst du schnellstmöglich mit dem Auto bereit sein, mich in das nächste Krankenhaus zu bringen. Lasst dann alles hier liegen. Informiert bitte nur schnell Frau Marratsch, damit sie Bescheid weiß. Ich hoffe, damit ist jetzt alles geklärt und ich kann anfangen.“ Maria fragte, ob er das denn schon einmal gemacht hatte, worauf ihr Liebster antwortete: „Ja mein Schatz. Allerdings nur an einem Toten. An einem Lebendigen dürfen wir das noch nicht machen. Aber irgendwann ist immer ein erstes Mal, und das wird bei mir jetzt der Fall sein.“ Nach diesen Worten zog Philipp seine Hose aus, während Peter das Licht einschaltete, damit er gut sehen konnte. Er nahm ein Stück Watte und tränkte es mit Alkohol. Zwei Minuten hielt er die Watte auf seine Wunde, damit diese ein wenig betäubt ist. Dann tauchte er auch das Messer in den Alkohol und begann anschließend das entzündete Stück aus der Wunde herauszuschneiden. Sein Bruder musste ihm noch eine Art Schale, sowie ein paar Tücher bringen, damit das Blut keine Flecke im Zimmer machte. Und tatsächlich kam eine Menge Blut herausgelaufen, während Philipp mit Schmerzen an seinem eigenen Bein operierte. Maria konnte schon fast nicht mehr hinsehen, aber ebenso auch nicht wegschauen. Nach etwa fünf Minuten war der kleine Eingriff schon vorbei. Nun spülte er die Wunde noch einmal mit Wasser aus, bevor er sie desinfizierte, während Dennis das Nähzeug aus dem Kasten holte. Philipp vernähte die Wunde, machte ein großes Pflaster darüber und wickelte diesen mit einer Binde fest. Die ganze Prozedur, die in etwa nur zehn Minuten dauerte, war somit vorüber, aber er sagte zu seinen Freunden: „Ich danke Euch noch mal, für die tatkräftige Unterstützung. Ich bin zwar über dem Berg, aber ich werde noch eine Weile Ruhe brauchen. Sicherlich wird auch noch mal das Fieber leicht ansteigen, aber ich denke, dass morgen alles vorbei ist. Ich werde dann zwar noch nicht Auto fahren können oder mein Bein anderweitig belasten dürfen, aber ich denke, dass ich dann schon so langsam wieder laufen kann.“ Die anderen drei Freunde waren sichtlich erleichtert über die Worte von Philipp und konnten es nicht fassen, dass er seine eigene Operation heil überstanden hatte. Seine Freundin umarmte ihn, erwähnte aber dabei noch die Wunde am rechten Arm. Philipp schaute nach, sah aber, dass diese Verletzung in Ordnung war. Danach aß auch er sein Mittagessen und legte sich anschließend genauso wie die anderen ein wenig ins Bett, um sich auszuruhen. Allen gingen die Gedanken der letzten Stunden und Tagen durch den Kopf, denn so ein Abenteuer hatten sie wirklich noch nie erlebt. Um kurz vor fünf Uhr abends ging es Philipp wieder so gut, dass er die anderen rief, um eine Runde Mau Mau zu spielen. Knapp eine Stunde lang vergnügten sie sich mit dem Kartenspiel und ließen alles Negative der vergangen Tage hinter sich, in dem sie viel zu lachen hatten. Dann sagte er zu seinen anderen drei Freunden: „Freunde, ich möchte, dass ihr jetzt abends Essen geht, damit ihr wieder Eure Kräfte zusammen sammelt. Geht ruhig, ich werde mich wieder eine Weile ausruhen und auf Euch warten.“ Nach mehrmaligem Überlegen standen schließlich Maria, Peter und Dennis auf und gingen in das Restaurant im Ort essen. Man konnte es ihnen förmlich ansehen, dass sie Hunger hatten. Nach Vor-, Haupt- und Nachspeise waren sie allerdings bis zum Rand ihrer Grenzen gesättigt. Doch dann kam Maria auf eine Idee und fragte den Kellner: „Sagen Sie, wäre es möglich, wenn sie uns ein Essen einpacken könnten ? Wir haben nämlich einen guten Freund in der Pension liegen, der allerdings schwer krank ist und zurzeit nicht laufen kann. Und sein Lieblingsmenü bei Ihnen ist Kassler mit Sauerkraut und Knödel. Es wäre sehr nett von Ihnen, wenn das möglich wäre, wir zahlen auch ein wenig drauf.“ Der Kellner lächelte freundlich und verstand die lieben Worte von Maria. Er sagte, dass er es machen werde, sie aber nichts dazu zahlen müssen. Die Freunde waren froh, dass sie Philipp eine Überraschung machen können. Um halb acht bezahlten sie alles zusammen und gaben dem Kellner dennoch mehr Trinkgeld, als normal. Er bedankte sich und schickte noch einen Genesungsgruß an Philipp mit. Und somit gingen sie mit dem leckeren Essen wieder zurück in die Pension, wo sie es sogleich ihrem Freund übergaben, der wach war. Philipp konnte es nicht fassen und war überglücklich, dass den anderen dreien eine solch tolle Überraschung gelungen war. Sein Gesicht strahlte und er genoss das Abendessen, als wenn es etwas ganzes Besonderes wäre. Er bedankte sich bei seinen Freunden mit vollem Herzen, da sprach Peter: „War doch gern geschehen. Aber leider muss wohl heute der Gitarrenabend mit Frau Marratsch ausfallen, denn schließlich sollst du dich ja ausruhen.“ Aber Philipp sagte zu ihm, dass es ihm soweit gut ginge und dass sie unbedingt den Gitarrenabend machen sollten. Kurz nach acht Uhr ging sein Bruder Dennis nach unten, um Frau Marratsch für den bevorstehenden Abend einzuladen. Doch er musste ihr erst einmal erzählen, warum Philipp krank im Bett lag. Daraufhin sagte sie: „Ach herrje Kinder. Das sind ja keine guten Neuigkeiten. Nein, dann lassen wir ihn lieber in Ruhe ausruhen, damit er sich erholen kann.“ Aber Dennis sagte: „Nein Frau Marratsch. Er möchte ja gerade diesen Abend mit ihnen verbringen. Bitte kommen sie mit hinauf.“ Sie verstand die Worte von Dennis und somit ging sie mit hinauf auf das Zimmer von Maria und Philipp. Dort wünschte sie ihm erst einmal eine gute Besserung, bevor Peter langsam anfing, auf seiner Gitarre zu spielen, während Maria fleißig einen herzhaften Rotwein einschenkte. Alle waren in heiterer Stimmung und sangen bei manchen Liedern ein wenig mit. Es verging eine Stunde, da schien es, als würde Philipp immer wieder einnicken. Sie vereinbarten sich dennoch weiter zu machen und von nun an leisere Lieder zu spielen und das Singen einzustellen. Nach einer weiteren halben Stunde beendeten sie dann ihren musikalischen Abend und Frau Marratsch bedankte sich für die freundliche Einladung. Die vier Freunde sind auch schon müde geworden und wollten nun langsam ins Bett gehen. Schließlich schliefen sie in der letzten Nacht nur sehr wenig und der Rückweg hatte sie auch ein wenig zu schaffen gemacht. Maria deckte ihren Liebsten sanft zu und war ebenso schnell unter der Decke verschwunden, während Dennis und Peter allerdings noch was vorhatten. Da sie sich ja bis zu den Sommerferien nicht mehr so häufig sehen werden, gestalteten sie ihren letzten Urlaubsabend noch mal so richtig romantisch. Sie stiegen in die Badewanne, die mit warmem Wasser gefüllt war, stellten daneben ein paar Kerzen auf und tranken genüsslich den restlichen Wein aus. Und wie sich das bei Pärchen gehört, küssten sie sich dabei ganz zärtlich und ließen ihrem Liebesspiel freien Lauf, bis auch sie zu Bett gingen und Arm in Arm ineinander einschliefen. Stunde um Stunde verging, bis es ein Uhr nachts war. Maria wurde plötzlich von mehreren Erschütterungen und Schreien wach. Sie sah zu Philipp hinüber, der wahrscheinlich gerade einen Alptraum hatte. Sein Körper war nass geschwitzt, als er sich mit einem Ruck aus dem Schlaf riss. Anschließend humpelte er so schnell es ging auf die Toilette und musste sich mehrmals laut übergeben. Maria kam hinterher und stützte ihn, weil er noch sehr schwach war. Noch während Philipp sich übergab, kamen Dennis und Peter in das Zimmer, denn sie wurden von dem Schrei geweckt. Sie hörten, was im Bad ablief und ihre Gesichter stellten einen geschockten Eindruck dar. Vor allem Dennis, der sich sehr starke Sorgen um seinen älteren Bruder machte. Nach wenigen Minuten war alles vorbei und Maria führte ihren Liebsten zurück in Richtung Bett, wo sie ihm Fieber maß. Es zeigte noch einmal 38,5 Grad an, worauf sie ihm eine Tablette gab. Philipp beruhigte sich wieder und schlief recht schnell ein. Da fragten die Jungs, ob sie lieber mit hier bleiben sollen, worauf Maria antwortete, dass es nicht nötig sei. Also gingen Dennis und Peter zurück in ihr Zimmer und alle vier Freunde schliefen ihre Nacht weiter, bevor sie um kurz nach acht Uhr aufwachten. Sie trafen sich alle im Zimmer von Maria und Philipp, wo sie ihr Frühstück vorbereiteten. Da fragte Dennis seinen Bruder: „Sag mal Bruderherz, über was hattest du eigentlich letzte Nacht geträumt, dass es dich so stark aus den Federn riss ? Und warum hattest du wieder Fieber ?“ Darauf gab Philipp folgende Antwort: „Ich weiß es nicht mehr so genau, aber ich hatte von unserem nächtlichen Übernachten in der Wildnis geträumt. Und irgendwas ist halt schreckliches passiert, aber ich kann Euch das nicht mehr sagen, da ich es echt nicht mehr weiß. Und dass das Fieber noch mal kam, habe ich schon irgendwie befürchtet. Danach habe ich ja gebrochen, was ein gutes Zeichen war, denn somit war ich nun endlich über dem Berg und auf dem Wege der Besserung. Ich fühle mich zwar noch nicht so sehr besonders, habe aber jetzt kein Fieber mehr.“ Als die anderen das hörten, viel Ihnen ein großer Stein vom Herzen. Nachdem sie ihr Frühstück vollendet hatten, war es nun an der Zeit, die Taschen zu packen und sich für die Rückreise fertig zu machen. Um punkt neun Uhr gingen sie alle zu Frau Marratsch hinunter, um bei ihr alles zu zahlen. Dann trugen Maria und Peter die Taschen von ihren Zimmern hinunter, während Dennis und Philipp es im Auto verstauten. Und somit kam die Zeit, da mussten sich die vier Freunde von der lieben Frau verabschieden, die zu den Kindern sagte: „Ich bedanke mich, dass ihr hier bei mir Unterkunft gefunden habt. Und vor allem danke ich für den gestrigen netten Abend, den ich mit Euch verbringen durfte. Ja, dann bleibt mir nur noch eins. Ich wünsche Euch eine gute Rückreise, kommt wieder gesund nach Hause an und Philipp, ihnen wünsche ich weiterhin eine Gute Besserung. Ich würde mich freuen, wenn ihr mal wieder hier bei mir Urlaub machen würdet.“ Die Freunde bedankten sich auch noch mal bei Frau Marratsch für die nette Gastfreundschaft und somit stiegen sie in das Auto ein und machten sich auf den Heimweg, wo sie noch viel zu erzählen hatten. Da Philipp sein rechtes Bein nur sehr schlecht belasten konnte, hatte sein Bruder die Aufgabe, den ganzen Rückweg zu fahren. Aber sie machten zwischendurch noch einmal ein paar Pausen, wie zum Beispiel wieder im Supermarkt vor der Grenze, wo sie so einige billige Lebensmittel einkauften. Anschließend tankten sie auch noch mal voll, bevor sie zur deutschen Grenze kamen. Unterwegs kamen sie auf die Idee, alle Eltern am Nachmittag zum Traumstrand einzuladen, um bei dem schönen Wetter in Ruhe ihre Erlebnisse erzählen zu können. Peter erwähnte auch, dass er seine Gitarre mitnimmt, um sie zum Sonnenuntergang musikalisch zu begleiten. Der Weg bis nach Hause dauerte dann etwa noch zwei Stunden, aber sie kamen ganz gesund in ihrem Heimatort an. Die vier Freunde machten sich aus, dass sie sich alle um fünf Uhr nachmittags am Traumstrand treffen wollen. Zuerst wurde Maria abgesetzt, anschließend Peter und zum Schluss fuhr auch das Geschwisterpaar nach Hause. Alle Eltern freuten sich, dass ihre Kinder wieder zu Hause waren. Schon um dreizehn Uhr bekamen sie ein leckeres Mittagessen serviert, worauf sie sich alle freuten. Die Eltern fragten, was sie so erlebt haben, aber die Kinder sagten, dass sie das alles am Nachmittag am Traumstrand erzählen wollen und die Eltern dazu eingeladen sind. Schon um halb fünf waren die Brüder Dennis und Philipp mit ihrer Mutter Anja angekommen, denn sie mussten noch Holz für das Lagerfeuer einsammeln. Die restlichen kamen innerhalb der nachfolgenden halben Stunde. Die Mutter von Maria heißt, wie wir wissen Stefanie, der Vater Bruno. Die Eltern von Peter heißen Margitta und Paul. Nun saßen sie erstmalig alle zusammen mit ihren Eltern am Traumstrand. Dann fing Maria an, die Erlebnisse aus ihrer Sicht zu erzählen: „Der erste Tag war vom Wetter her der schlechteste, aber Dennis meisterte seine erste große Autofahrt, trotz zwei Staus  ganz gut. In der Pension angekommen, trafen wir auf Frau Marratsch, die uns ein wenig belehrte, bevor wir es uns gemütlich machen konnten. Abends spielten wir eine Runde Karten und erzählten uns dann eine Menge Geschichten, wo wir zwischendrin auch in den Männertag feierten. Am Feiertag wanderten wir mitten in der Sonne, vorbei an leuchtenden Rapsfeldern und glasklaren Seen. In einem der Seen gingen Peter und Dennis auch noch baden, obwohl das Wasser ziemlich frisch war. Im nächsten Dorf entdeckten wir von einer Dorfkappelle aus eine Felsenkette, worüber wir uns in der darauf folgenden Stadt Informationen besorgten und ein heimatkundliches Museum besuchten. Nach dem Rückweg zu unserem kleinen Dorf genossen wir noch schnell den Sonnenuntergang von einem Felsplateau, ehe wir am Abend in der Pension kräftig den Männertag feierten, der noch bis spät in die Nacht ging. Am Freitag standen wir erst um Mittag auf und nahmen die erste Felsenkette in Angriff, von wo wir eine herrliche Aussicht hatten und dann auch noch eine zweite Felsenkette entdeckten. Wir sahen aber, dass wir sie nur hätten erreichen können, wenn wir durch ein Tal mit dichtem Wald gehen würden. Wir suchten also einen geeigneten Weg nach unten und fanden einen steilen Abhang. Beim Abstieg stürzte Philipp unglücklich und zog sich zwei Schrammen am rechten Arm und am rechten Bein zu. Wir merkten gar nicht, dass die Zeit so schnell verging. Nach langem Laufen erreichten wir zwar die zweite Felsenstadt, konnten aber keinen Aufstieg finden. Als es anfing dunkel zu werden, kehrten wir um, verliefen uns allerdings in diesem Dschungel. Die Taschenlampen hatten kaum noch Licht und Batterien hatten wir auch in der Pension vergessen, sodass wir den Rückweg nicht mehr machen konnten. Also mussten wir die stockdunkle Nacht mit zwei Decken im Freien verbringen, indem abwechselnd ein Paar schlief und das andere Wache hielt. Verschiedene Geräusche und Bewegungen hielt manch einem von uns den Atem an, aber die Glühwürmchen erhellten die Nacht wieder. Trotzdem wollte die Zeit einfach nicht vergehen und draußen war es auch noch ziemlich kalt gewesen. Nach dieser endlos langen Nacht bemerkte Philipp am frühen Morgen, dass sich seine Wunde am rechten Bein entzündet hatte. Peter und Dennis mussten ihn also stützen, während ich den Rucksack von meinem Schatz mit auf dem Rücken trug. Den steilen Berg, den wir am Vortag noch hinab gingen, mussten wir nun auch wieder hinauf gehen. Doch es war alles andere als leicht. Peter rutschte einmal ab und Dennis konnte seinen Bruder somit geradeso noch halten. Aber niemandem ist was passiert. Wir verließen die Felsenstadt und kauften uns unterwegs was fürs Mittagessen ein. Der gesamte Rückweg dauerte über vier Stunden und Philipp bekam auch noch Fieber. Am Nachmittag vollzog er dann seine eigene erste Operation, indem er das entzündete Stück aus seiner Wunde herausschnitt und sie komplett säuberte. Den ganzen restlichen Tag saßen wir nur noch faul herum oder nickten ein wenig ein. Wir spielten auch eine Runde Karten, ehe wir, auf Wunsch, ohne Philipp essen gingen. Von dort packte uns der Kellner ein leckeres Essen für unseren kranken Freund ein, was ihn wiederum wirklich überraschte. Am Abend luden wir Frau Marratsch zu einem Gitarrenabend ein, worauf sie sich dankbar freute. Wir gingen zeitig ins Bett, aber mein Schatz bekam nachts einen heftigen Alptraum und musste sich mehrmals übergeben. Seitdem geht es ihm wieder recht gut, bis auf das Eine, dass er sein Bein nicht so stark belasten darf. Na ja und heute früh ging es halt wieder auf die Heimreise.“

Nach diesem langen Rückblick stellten die Eltern noch eine Menge Fragen, die die Kinder sogleich beantworteten. Danach ließ Dennis das Lagerfeuer entzünden und sie grillten und aßen alle zusammen das leckere Abendessen.

Und als auch das geschehen war, warteten sie alle mit der Gitarrenbegleitung von Peter, auf den bevorstehenden Sonnenuntergang. Diesen haben sie dann auch genossen, bevor sie sich wieder auf den Heimweg machten. Unsere vier Freunde erlebten wieder mal ein spannendes Abenteuer, auch wenn sie einen gefährlichen Ausflug hatten. Für die Sommerferien haben sie einen längeren gemeinsamen Urlaub geplant, doch das erfahren wir erst in der nächsten Geschichte.

 

 

 

In Band 3 ist Philipp die Hauptperson.

Der Höhepunkt der Geschichte ist etwa von Philipps Sturz bis zum Punkt, nach der Nacht.

Beigefügt habe ich wieder eine Karte, sowie die wichtigsten Punkte der Geschichte zusammengefasst.

Auch dieses Band ist zur Hälfte reine Wahrheit, der Rest erfunden.

 

 

Titel: „Vier Freunde – Ein gefährlicher Ausflug“

Autor: Christian Frohs

Datum: Oktober / November 2004

Ort: Weißwasser

Wörter: 11639

 

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