Am 13. Februar 1891 bestiegen Max Kleinoscheg, Toni Schruf und Walter Wenderich mit Skiern das Stuhleck. Das war der erste Berg Österreichs, der im Winter mit Skiern erstiegen wurde! Toni Schruf war es dann auch, der 1895 erstmals den Schneeberggipfel mit Skiern erreichte. Damals waren vor allem die Bergsteiger noch sehr skeptisch gegenüber dem Skilauf eingestellt und meinten: "Diese Narretei wird wieder so schnell verschwinden wie sie gekommen ist!"
Am Morgen des 5. Jänner 1905 stieg eine lange Schlange von Skiläufern durch die Breite Ries auf - Mitglieder des "Alpen-Skivereins" unter der Führung von Mathias Zdarsky. Gast in der Mitte war der Holmenkollensieger und erfolgreichste Skiwettläufer Norwegens, Ing. Hassa Horn. An diesem Tag sollte ein langjähriger Streit geklärt werden, welcher zwischen den Anhängern der Norweger Skifahrweise und denen der alpinen Lilienfelder Technik tobte.
"Das Scheit verbindet uns, und die Bindung scheidet", hatte der berühmte Hochalpinist Willi Rickmer-Rickmers damals geschrieben. Während die Anhänger der Norweger Fahrweise in ihrer Rohrstaberlbindung und mit Telemark und Kristinia über die Hänge hinabfegten, war der in Lilienfeld lebende Deutschböhme Mathias Zdarsky (1865 - 1940) zu der Meinung gekommen, dass für das alpine Gelände andere Geräte und eine andere Fahrweise nötig wären. 1896 meldete er eine von ihm erfundene Bindung am Patentamt an, und im gleichen Jahr veröffentlichte er auch ein Lehrbuch über seine neue Fahrweise. Damit begann der Streit "Norweger" gegen "Lilienfelder", der sogar so weit ging, dass der "Lilienfelder" Rickmer-Rickmers demjenigen 20.000 Mark als Preis versprach, der Zdarsky bei einer Wettfahrt im alpinen Gelände schlagen könne.
Zdarsky hatte zu dieser Zeit bereits auf einer 22gradigen Strecke die Geschwindigkeit von über 100 Stundenkilometer erreicht und war auf einer selbstgebauten Schanze schon über 20 Meter weit gesprunge. Ausserdem war er mit seinen Purzelbäumen, die er gerne als Einlagen baute der erste Trickskiläufer der Welt (und nicht die Amerikaner, wie man heute oft sagen hört!). - Kein Wunder also, dass gegen diesen Super-Skiläufer seiner Zeit niemand anzutreten wagte.
Als Vertreter des Norwegischen Skiverbandes und als Gast des von Zdarsky gegründeten "Alpen-Skivereins" stapfte also Hassa Horn die Breite Ries hinauf, um die "Lilienfelder-Technik" im alpinen Gelände zu beobachten. Als Hassa Horn am Start (im obersten Drittel der Ries) stand, war ihm etwas mulmig zumute... "Ich musste meiner Braut versprechen, heil und mit geraden Gliedern wieder nach Hause zu kommen. Jetzt weiss ich nicht, ob ich mein Versprechen werde halten können?"
Dann gings los!
Nach diesem denkwürdigen Lauf, den auch der Norweger ohne Sturz überstand, bestätigte Hassa Horn ohne Groll die Pluspunkte der "Lilienfelder-Technik". Der Skikrieg war damit zu Ende, und jubelnd schrieb Rickmer-Rickmers: "Wir haben im Überschwange jugendlicher Kräfte uns wacker gepufft, geknufft, gezankt und gehauen; so lasset uns denn jetzt als redliche Männer den Waffengang beschließen... Möge aller Argwohn aus uns fliehen; tun wir Misstrauen, Vorurteil, enges Vergleichen von uns ab. Lasset uns nicht nach unten schauen wie des Läufers Füße geschnürt sind, sondern ihm ins Auge blicken, auf Kopf und Herz, auf des Mannes Willen und männliche Tat. Ski Heil!" |