Die Amsel
Merkmale: das Männchen ist matt schwarz mit gelbem Schnabel, das Weibchen
schwärzlich braun, Vögel bis zur Herbstmauser schwach getropft.
Lebensraum: Laub-und Nadelwälder mit feuchtem Boden, Gärten, Städte und
Parkanlagen. Die Waldamseln sind sehr scheue Bodenvögel, die Stadtamseln sind zwar immer
vorsichtig und mißtrauisch gegen alles Fremde, aber vertragen auch viele " Betrieb
" in ihrer näheren Umgebung. Die Amsel hüpft und läuft ruckartig und stellt in der
Erregung ihren langen Schwanz auf; die Stare, die auf dem Rasen zusammen mit ihr nach
Nahrung suchen, schreiten in aufrechter Haltung emsig hierhin und dorthin. Im Stadtbereich
kommen vielfach Amseln mit mehr oder weniger viel Weiß im Gefieder vor (Teilalbinos).
Fortpflanzung: die Amselmännchen beginnen bereits an milden Spätwintertagen zu
singen, wenn auch nur so leise, daß man sie erst aus der Nähe hört, sie "
phantasieren ". Die Zeit des ersten Frühlingstauwetters hört Man dann das volle
Amsellied. Wäre es nicht so alltäglich, die Vogelfreunde würden ihm mit Andacht
lauschen es wohl für das beste Vogellied unter den Sängern Europas halten, das der
Nachtigall noch übertreffend. Ganz sicher ist es das musikalischste unerreicht in seinem
Reichtum an Melodien und Harmonien.
Die Tätigkeit der Keimdrüsen wird bei den Vögeln auch durch die Tageslänge gesteuert.
So kommt es vor, daß man in der immer hellen Stadt auch mitten der Winter noch zuweilen
den vollen Amselgesang hören kann - ein eigenartiger Kontrast zur lebensfeindlichen Zeit
und Umwelt. Ansonsten singen die Amseln am eifrigsten bei leichtem Nieselregen und in der
Morgen-und Abenddämmerung.
Das Amselpaar besetzt zur Brutzeit ein Revier, in dem es keine andere Amsel duldet. Wer
nicht weicht, wird mit Schnabel und Krallen bearbeitet. Die Streithähne vergessen
manchmal so sehr die Welt um sich herum, daß man sie mit den Händen greifen kann
es ist schon geschehen, daß ein Habicht auftauchte und beide mitnahm. Auch am Futterhaus
ist die Amsel streitlustig und schwingt sich zum Herrscher auf. Gelegentlich kämpft sie
auch bis zur Erschöpfung gegen ihr Spiegelbild in einer Glasscheibe oder einer
verchromten Autoradkappe.
Das Nest ist ein tiefer Napf, der innen mit einer Erdschicht ausgelegt und dann noch mit
Halmen abgedeckt wird. Schon manche Hausfrau hat mit Schrecken gesehen, wie eine Nest
bauende Amsel die feuchte Erde aus den täglich gegossenen Blumentöpfen holte. Das Nest
wird meist niedrig und oft ohne alle Vorsicht irgendwo hin gesetzt, teils in kleinen
Fichten, teils auf Veranden, zwischen Blumenkästen oder unter das Dach von
Gartenhäusern. Meist brütet nur das Weibchen, nur selten vom Männchen abgelöst. Die
Brutdauer beträgt 12 bis 14 Tage, die Nestlingsdauer 12 bis 13 Tage. Die Jungen verlassen
das Nest, wenn sie kaum fliegen können, und betteln danach noch etwa 14 Tage lang mit
gellenden Rufen um Futter.
Nahrung: die Amsel ist wie die anderen Drosseln Spezialist in der Jagd auf
Regenwürmer, die sie in der Wiese entdeckt und so geschickt aus dem Loch zieht, daß sie
nicht zerreißen. Zur Obstzeit nimmt sie auch gerne Obst und hat sich damit bei
Hobbygärtnern viele Feinde gemacht. Es ist nutzlos, die Amseln dann zu töten, denn
sofort würden Amseln aus den Nachbarrevieren zuziehen. Besser deckt man zum Beispiel die
Erdbeerbeete mit Netzen ab, die der Gartenfachhandel dafür anbietet.
Das Verhalten vieler Stadtamseln ist ziemlich entgleist. Es gibt Männchen, die nie
singen, andere beteiligen sich nicht an der Jugendaufzucht, manche versuchen schon im
Winter zu brüten.
Wer eine Amsel im Garten hat, kann sie durch Ruhe und Regenwürmer dahin bringen, aus der
Hand zu fressen und auf Ruf zu erscheinen. Die Amseln waren früher in Mitteleuropa
Zugvögel, aber mit Beginn der Verstädterung sind viele zu Standvögeln geworden. Der
"Bevölkerungsaustausch" zwischen Wald und Stadt ist bei den Amseln ein
interessantes Kapitel und Gegenstand von Forschungen.
Text aus dem farbigen
Naturführer - Landvögel |
Während das Männchen so scheu war, daß es schon bei
kleiner Unruhe vom Nest abdrehte, zeigte sich das Weibchen wesentlich zutraulicher. Es
nahm sogar Regenwürmer, die wir vor das Nest legten, flog mit ihnen weg, suchte eine
harte Unterlage, um die Würmer zu zerkleinern und kam dann zum Füttern zurück. Nach dem
Füttern nahm es jedesmal den Kot von einem Jungen im Schnabel mit, was wir beim Männchen
nie beobachten konnten. Nach 12 Tagen
hüpfte das erste Junge aus dem Nest und startete einen Flugversuch bis auf die
Regentonne. Als es wieder starten wollte, rutschte es aus und fiel ins Wasser. Zum Glück
hatte ich den Vorfall beobachtet und konnte es retten. Sonst wäre es ertrunken. Ich
setzte es zurück ins Nest. Aber am Abend flog es auf Nimmerwiedersehen aus. Die anderen
vier folgten ihm. Noch einige Tage lang wurden sie von den Eltern - gut versteckt unter
Sträuchern - mit Nahrung versorgt.
Das Amselnest soll man nach der Brut nicht entfernen.
Dann kommen die Amseln zurück und brüten wieder. |