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Entenreisen ohne Ente?Irgendwann im vorigen Jahr fassten wir den Plan, die Raid Australia 2000 zu fahren. So viel war uns schon darüber berichtet worden, unsere Sehnsucht war ins Unermessliche gewachsen, es schien einfach die logische Folge zu sein, dass wir dahin müssen. Doch dann, ich gebe es zu, schreckten wir vor den gewaltigen Kosten und dem noch größeren Behördenkram zurück, den eine Verschiffung unseres Entchens bedeutet hätte. Und so disponierten wir um (was keine leichtfertige Sache war, ich erspare es mir und euch aber, hier in voller Länge darüber zu berichten) und gestalteten unsere eigene Raid Australia 2000, zwar ohne Ente, jedoch mit der gleichen Neugier und Expeditionslust, die uns auch auf unseren Entenreisen immer geleitet hatte.
Es war auch eine Reise durch die Klimazonen. In Sydney ging gerade der
Winter zu Ende, es war entsprechend chilly (zuweilen empfindlich kühl),
sodass wir es uns gern im (technischen) Powerhouse Museum, im Aquarium
oder auch im IMAX-Kino mit der größten Leinwand der Welt gemütlich machten.
Auch der Sydney Opera und der Hafenbrücke (Zitat Hannes: "Das ist Heavy
Metal, das brauche ich!") widmeten wir uns eingehend.
In Cairns tun wir natürlich, was alle Touristen tun - wir buchen eine Riff-Tour! Was wir bisher nur im Aquarium und Museum gesehen haben, erleben wir jetzt hautnah (Vorsicht, nicht an den Korallen schrammen!) beim Schnorcheln. Das taucherbrillenbewehrte Auge kann sich gar nicht satt sehen, weiß kaum, wohin es zuerst blicken soll... Natürlich fahren wir auch mit der Nostalgie-Eisenbahn nach Kuranda, das zunächst aus nichts anderem als Souvenirläden zu bestehen scheint, wo sich die Didgeridoos, Boomerangs und Kuschel-Koalas nur so türmen. Etwas versteckt entdecke ich dann ein Antiquariat und darin die Antworten auf meine Fragen den südlichen Sternenhimmel betreffend. Die neueste Attraktion dieser Gegend aber ist eine Fahrt mit der Skyrail - in Gondeln, die gelernte Österreicher vom Schiurlaub her kennen, schwebt man hier über den Regenwald. Das Projekt war nicht ganz unumstritten - es gab Proteste wie auch bürokratische Hindernisse zuhauf, doch seit fünf Jahren ist die Skyrail in Betrieb - zur Freude der Touristen und vor allem ihres Besitzers, eines ehemaligen Zuckerrohrfarmers. Ein halber Tag am Strand schließt unseren Aufenthalt in Cairns ab. Der Campervan wird nach 4000 Kilometern zurückgegeben - er hat uns gute Dienste geleistet. Im Vergleich zur Ente erschien er uns riesig und extrem geräumig. In punkto Geländegängigkeit konnte er natürlich nicht mithalten, er soff auch wie ein Loch, war andererseits aber erstaunlich leicht zu fahren. Die linke Hand beherrscht das Schalten fast ebenso gut wie die rechte, nur statt des Blinkers erwischen wir immer den Scheibenwischer. Zweieinhalb Flugstunden später sind wir in Darwin. Dort herrscht das typisch tropische feucht-heiße Klima, das jede Bewegung zur Anstrengung werden lässt. In "Australiens schönstem Biergarten" schwirren ständig die Ventilatoren. Sonnenuntergang an der East Point Reserve - und ein kilometerlanger, einsamer Fußmarsch zurück in die Stadt; an der Bushaltestelle ein Gefühl von "Warten auf Godot".
Zum abendlichen Barbecue kommt Wind auf, der zuweilen unsere Tischkerzen ausbläst. Er legt sich aber wieder, und so ziehen wir uns nach einigen "Cold beers" zurück; zum Schlafen hatten wir einen sogenannten Swag ausgefasst - eine Art imprägnierter Schlafsack aus Segeltuch, der zur Not auch vor Regen schützen soll. Gegen drei Uhr früh spüren wir wirklich ein paar Tropfen und wollen uns zunächst verkriechen, doch sehr bald wird der Regen stärker, Marke Wolkenbruch, und geht dann später in einen Landregen über. Zum Glück hatte Simon vorsorglich eine riesige Plane aufgestellt, und in panischer Eile bringen wir unsere Zelte ins Trockene. So ein Tropenregen mitten in der Trockenzeit - hat man nicht alle Tage!
Für den Abend haben wir noch ein Meal Ticket im "Old Vic", unter dem ich mir ein altehrwürdiges Hotel vorstelle, das aber bloß ein ziemlich lauter "drinking spot" ist. Dafür sehe ich dort endlich ein Possum (hatte nicht gewusst, dass man dazu eine Bar aufsuchen muss), das sich, wie es scheint, dort auch sein Abendessen holt. Es ist ein sehr behendes Tier mit riesigen Augen, das auf Bäumen lebt und fast menschlich anmutende "Finger" besitzt. Am nächsten Tag heiße Abschiedsszenen, die uns fast den Flieger versäumen lassen. Zum Glück hat dieser auch Verspätung, und so klappt es doch noch. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang sind wir in Alice Springs. A town called Alice - verschlafenes 20.000-Seelen-Nest und doch Metropole des Outbacks. Macht die Nähe zum wohl berühmtesten Felsen der Welt - Uluru - the Rock. "Nähe" bedeutet immerhin 500 km, doch im Outback ist das nur ein Katzenwurf. Wir haben wieder einen Camper, und nach einer Exkursion in den Desert Park (sozusagen zur Vorbereitung) und einem Abstecher in die MacDonnell Ranges, wo die putzigen Rock Wallabies unsere Weiterreise etwas verzögern, nehmen wir Kurs auf den "Uluru - Kata Tjuta National Park".
Doch auch bei einer Umrundung offenbart der Sandsteinfelsen seine Schönheit. So unvermittelt er aus dem flachen Land emporragt, setzt er sich doch unterirdisch fort und bildet eigentlich nur die Spitze eines "Eisbergs". 35 km weiter westlich: Kata Tjuta - "viele Köpfe" - nicht minder eindrucksvoll. Die Wanderung durch das "Tal der Winde" eröffnet immer neue Aus- und Einblicke in diese rätselhafte Welt der Felskuppeln.
Südwärts führt die Reise auf dem Stuart Highway: etwa alle 150 bis 200 km ein Roadhouse, Ortschaften gibt es nicht. Die Landschaft wird nun wirklich immer karger, wir sind allein mit und auf der Landstraße. Hunderte von Kilometern geht es so dahin, man kommt zügig voran, denn man fährt immer gleich schnell, und die Stops sind kurz, dafür sorgen schon die Fliegen, sie sind von einer nie gekannten Lästigkeit. Irgendwann kommt Coober Pedy - aus der Ferne erkennbar an den vielen weißen Hügeln, neben denen dann aus der Nähe eine Tafel warnt: Bitte nicht in das Loch fallen! Hier wird nach Opalen geschürft, und die vielen Minen haben diese Mondlandschaft entstehen lassen. Die Miner wohnen auch in ihren Dugouts - dort herrscht ganzjährig eine angenehme Temperatur. Sie kamen, um ihr Glück zu machen, und ich traf einen, den seine Mine wirklich weise gemacht hat... Weiter südwärts bringen Salzseen etwas Abwechslung in die trockene Landschaft. - In Port Augusta beginnt wieder die Zivilisation; wir nehmen die Route über die Flinders Ranges, und das Land ist plötzlich wieder unwahrscheinlich grün. Adelaide ist unser letztes Ziel, und als wir da ankommen, ziehen wir uns wieder wärmer an. Noch schnell ein paar Souvenirs erstanden - in der Shopping Mall herrscht am Sonntag reges Treiben, wohingegen man am Montag fast erdrückt wird von den Crowds... Ja, und dann heißt es Abschied nehmen. Am Strand von West Beach die letzten Fotos geschossen. Zwischenstop in Singapur - der Flughafen bietet eine Open-Air-Zone mit tropischem Klima. Die Olympischen Spiele im Fernsehen lassen uns fast den Weiterflug versäumen. Doch irgendwann kommen wir an. Sind wir jetzt wirklich wieder zu Hause? Ich weiß es nicht. Und wer jetzt ein paar Bilder von der wirklichen Raid Australia 2000 sehen will, der kann gleich Big Alex besuchen.
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