Peeni Waali

The Eve of Peeni Waali
by Mr. Braunov, 1/2000
Der Leuchtkäfer flog aus Jamaika in die Schweiz und brachte eine Trilogie von Platten hervor, die mit dieser jüngsten Veröffentlichung (vorläufig) abgeschlossen wurde. Die Musik, die hier zusammenfloss, ist nichts anderes als großartige, mit einem Reggaebeat unterlegte Weltmusik. Wer sonst hat schon Titel von Dylan und George Brassons hintereinandergekoppelt, Reggae mit Schweizer Käse („Emmentaler Dep“) verknüpft und alles mit arabischem Straßenlärm unterlegt?

Peeni Waali entstand Ende der achtziger Jahre, als Victor de Bros, kurz Fizzé, eine schweizer Reggaeformation, die Heart Beat Band, produzieren sollte, aber keine Ahnung von Reggae hatte. Er reiste kurzentschlossen nach Kingston und spielte über früher aufgenommene Basictracks in den MusicWorks, Penthouse und Mixing Lab Studios Spuren mit Musikern wie Dean Fraser (sax), Robbie Shakespeare (b), Rico (tb) und Deadley Headley (sax) ein.

Rico Rodriguez folgte in die Schweiz und im Laufe der Jahre viele weitere Musiker, von Linton Kwesi Johnson über Barbara Dennerlein bis zu Georgie Fame. Nur Lee Perry selbst musste nicht weit anreisen, um seine Kommentare über die Tracks zu verstreuen.

The Eve versammelt einen atemberaubenden Mix aus dem über Jahre gesammelten Material. Neue Titel werden ergänzt durch Neuabmischungen und Dubversions älterer Aufnahmen. „Beacon of Hope“, das Lied über Peeni Waali, wie der Leuchtkäfer in Jamaika genannt wird, mit LKJ, der Dennis Bovell Dub Band und Rico’s Posaune. Es gibt eine Wiederbegegnung mit „Rockaman Soul“, einem Titel, der abgeleitet vom Gospel Rock My Soul um 1960 in Jamaika erstmals für Furore sorgte, ebenso wie eine Wiederveröffentlichung der Aufnahmen, wegen derer Fizzè 1987 eigentlich nach Jamaika gereist war, die Aufnahmen der 89er Crossroads-Maxi der Heart Beat Band feat. Rico. CD1 öffnet mit Alton Ellis‘ Klassiker „I’m Still In Love With You“, gefolgt von „Beautiful Lady“, bei dem die Hornsection gleich doppelt besetzt ist: auf der einen Seite liefern Rico und Deadley Headley ihre eingespielten, weichen Linien, denen auf der anderen Dean Fraser’s Solo auf dem Altsaxophon gegenübersteht. „Game“ eröffnet CD2: die Komposition von Fizzè wird beflügelt von Barbara Dennerlein‘s Hammond B3 Orgelspiel sowie dem Gleichklang von Jodel und jamaikanischer Posaune über einem Reggae-Riddim. Da das alles ebenso unvorstellbar ist wie das, was Lee Perry über die Schweiz und diese Musik zu sinnieren hat, sollte man sie sich anhören.

(Bezug der CDs direkt über www.mensch3000.ch)
- Mr. Braunov, 19.1.2000



Last updated: 10. Jan. 2000
Compiled by Mr. Braunov
 
 
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