Subject: ADFC-FDF 267: Verkehrsinitiativen fuer fahrradfreundliches Hannover Date: 5 Aug 1996 09:08:06 +0200 From: steinba@postix.gmd.de (Elmar Steinbach) Organization: GMD, Sankt Augustin, Germany Newsgroups: de.soc.verkehr Landeshauptstadt Hannover (Hg.): Rad ab!! Das Radverkehrskonzept der Initiativen Fahrradfreundliches Hannover mit 20 Mio. DM pro Jahr. Verkehrsinitiativen legen Konzept vor Wichtigstes Ergebnis: Mit nur 20 Mio. DM pro Jahr liesse Hannover sich nach Ansicht des ADFC, BIU, FUSS e.V. und des VCD fahrradfreundlich umgestalten und der Rad- verkehrsanteil verdoppeln. Aufbauend auf dem vorhandenen Radverkehrsnetz schlagen die Initiativen im von der Stadt Hannover in Auftrag gegebenen Beitrag zum Verkehrsentwicklungsplan Hannovers ein Routennetz vor, das schnelle, komfortable und sichere Verbindungen zwischen allen Quellen und Zielen von Radverkehr bietet. Zur Realisierung soll die Stadt auf alle heutigen Moeglichkeiten der Radverkehrsfoerderung auf der Basis der ERA und der EAHV zurueckgreifen. Zum Inhalt: Den Radverkehrsanteil in Hannover zu verdoppeln, halten die von der Stadt Hannover mit der Erstellung eines "Bausteins" zum Verkehrsentwicklungsplan der Stadt beauftragten Hannoverschen Verkehrsinitiativen Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V., Buergerinitiative Umweltschutz e.V., Fussgaengerschutzverein FUSS e.V. und Verkehrsclub der Bundesrepublik Deutschland e.V. mittelfristig fuer moeglich. Dazu sind die von den Initiativen vorgeschlagenen Massnahmen durchzufuehren. Guenstige Voraus- setzungen sind durch Hannovers heute schon relativ gutes Fahrradwege- system, durch die starke Verbreitung des kostenguenstigen und flexiblen Verkehrsmittels Fahrrad und durch das extrem guenstige Kosten-Nutzen- Verhaeltnis bei Investitionen in den Radverkehr gegeben. Die Ziele eines fahrradfreundlichen Hannover sind die Verlagerung des MIV auf den Radverkehr, die Beseitigung von Nutzungshemmnissen (z.B. schlechte Radverkehrs- u. Abstellanlagen), die Sicherstellung der Mobilitaet von Radfahrern auch unter Einschraenkungen des Kfz-Verkehrs, die Verbesserung der Sicherheit der Radfahrer (Radfahrer sind meistens nicht Unfall- verursacher) und ein fahrradfreundliches Klima mit dem entsprechenden politischen Willen. Grundlage des Bausteins der Initiativen ist ein Radverkehrsnetz, das aus Durchgangsrouten (schnell und komfortabel, Maschenweite 400-600m), Verbindungs- und Zubringerrouten (Maschenweite 200-300m) und dem Nachbarschaftsnetz (das gesamte uebrige Strassen- u. Wegenetz der Stadt, Maschenweite 100-150m) besteht. Das Netz sollte umfassend (d.h. alle Ziele und Quellen verbindend), zusammenhaengend, attraktiv, direkt, komfortabel und sicher sein. Die Initiativen gehen bei ihrer Netzplanung nicht vom bestehenden Radwegenetz aus, sondern von der idealen Zielvorstellung unter Einbeziehung vorhandener Netzstuecke. Diese weisen zur Zeit jedoch zahlreiche Maengel auf, die u.a. in der ADFC- Maengeldatenbank erfasst sind. Die wesentlichen Maengel betreffen die Verkehrssicherheit (z.B. verwinkelte Radwegfuehrung, fehlende Sichtbeziehungen zum Kfz-Verkehr), den Ausbaustandard (z.B. mangelhafter Belag, zu kleine Aufstellflaechen, zu schmale Radwege), die Beschilderung (fuer das "Alltagsnetz" nicht existent), die Nachttauglichkeit (unbeleuchtete oder unbelebte Gebiete), den Netzzusammenhang (fehlende Routen besonders innerhalb des City-Rings) und die noch zu starke Orientierung an den Hauptstrassen des Kfz-Verkehrs. Das von den Initiativen vorgeschlagene Netz ist spinnennetzartig angelegt mit radial von der Innenstadt ausgehenden Strecken (numeriert von 1 bis 99) sowie tangentialen Strecken (Ringe), die mit Grossbuchstaben gekenn- zeichnet werden. Fuer das Netz wird eine umfassende Wegweisung gefordert, damit der volle Nutzen des Netzes ausgeschoepft werden kann. Fuer jede Quelle-Ziel-Beziehung soll es mindestens eine nachttaugliche Route geben, alternativ die Fahrradmitnahme durch den OePNV oder die Einrichtung von Frauennachttaxis gefoerdert werden. Die erforderlichen Massnahmen - auf der Grundlage der "Empfehlungen fuer die Anlage von Radverkehrsanlagen" (ERA) und der "Empfehlungen fuer die Anlage von Hauptverkehrsstrassen" (EAHV) - sind nach Ansicht der Verkehrsinitiativen: Die Verbesserung der Sicherheit des Radverkehrs vorrangig vor der Leichtigkeit des Kfz-Verkehrs, eine flaechenhafte Verkehrsberuhigung (Rueckbau, Geschwindigkeitsbegrenzungen), die Anlage von Radverkehrsanlagen nicht auf Kosten der Gehwege, die vorrangige Fuehrung des Radverkehrs im Fahrbahnbereich (evtl. auf Radfahr- oder Angebotsstreifen), eine stark verbesserte Fuehrung des Radverkehrs in Knotenpunktbereichen (im Blickfeld des Kfz-Verkehrs, mit deutlichen Markierungen, verbesserten Absenkungen und unter Aufhebung der freien Rechtsabbiegerspuren). Unterschiedlichen Anspruechen der Nutzer an die Radverkehrsinfrastruktur sollte die Stadt Hannover gerecht werden und die Radverkehrsanlagen einschliesslich der Abstellanlagen ausreichend dimensionieren. Mit 20 Millionen DM jaehrlich (= 2,6% der Jahresraten fuer den OePNV) koennten die vorgeschlagenen Massnahmen realisiert werden, wovon ca. 5 Mio. DM fuer die Bestandserhaltung, 7 Mio. DM fuer den routenbezogenen Ausbau, 5 Mio. DM fuer die Beseitigung von Unfallschwerpunkten und 3 Mio. DM fuer andere Massnahmen (z.B. Oeffentlichkeitsarbeit, Fahrradparkhaus, etc.) investiert werden muessten. Konzept: Landeshauptstadt Hannover (Hg.): Rad ab!! Das Radverkehrskonzept der Initiativen. Gutachten von ADFC, BIU, VCD und FUSS im Auftrag der Stadt Hannover. Beitraege zum Verkehrsentwicklungsplan 8. Landeshauptstadt Hannover, Der Oberstadtdirektor, Referat fuer Stadtentwicklung. Hannover 1995 (169 Seiten, 8 Karten) FDF 267 vom 19.04.1996 Der Forschungsdienst Fahrrad des ADFC berichtet 14taegig ueber Verkehrswissenschaft und Fahrradpolitik. Redaktion: Mattias Doffing (fodifa@home.gun.de), Autor dieser Ausgabe: Gerrit Schoone. Internationale Ausgabe: Bicycle Research Report der European Cyclists' Federation ECF. Nachdruck bei Quellenangabe und Belegexemplar frei. ADFC, Postfach 10 77 47, D-28077 Bremen. ECF, Postbus 2150, NL-3440 DD Woerden. -- PS: Das Original eines "Forschungsdienstes Fahrrad" umfasst in der Regel zusaetzlich mehrere Seiten mit Auszuegen aus dem besprochenen Werk, darunter auch Abbildungen und Tabellen, die nicht gepostet werden koennen. Der Forschungsdienst kann im Abonnement beim ADFC-Fahrrad-Buchhandel unter der o.a. Bremer Adresse bezogen werden (Bestell-Nr. 316). Das Abo kostet jaehrlich 60 DM. PS2: Ein Teil der aelteren FDF's (ab Nr. 121) ist per WWW unter http://www-2.informatik.umu.se:80/adfc/fdf/ zugaenglich. PS3: Bei Anfragen an den ADFC bitte Kennwort "FoDiFa/Internet" verwenden, damit die Wirksamkeit dieser Verbreitungsart getestet werden kann. -- Elmar Steinbach Elmar.Steinbach@gmd.de GMD - German National Research Center for Information Technology Rathausallee 10, D-53754 Sankt Augustin +49-2241-14-3138 ----------------------------------------------------------------