Buchprojekt " Die junge Republik zwischen Bonn, Brüssel,

Budapest und Berlin"

 

 

Buchbeitrag zu:

Life Science: Leitwissenschaft ohne Leitbild? Der "neue Mensch"- Chancen und Grenzen der Gentechnik, adäquate Versorgung alter Menschen in der Zukunft.

 

 

Stefanie Robert

Medizinstudentin an der WWU Münster

Schützenstraße 36

46286 Dorsten

Tel.: 02866/664

 

 

" Die frisch dem Ovar entnommenen Eier wurden auf die vorgewärmten Objektträger der Mikroskope geträufelt und auf Fehlentwicklungen untersucht, gezählt und in eine warme Brühe voll freischwimmender Spermatozoen getaucht. Die befruchteten Eier kamen zurück in die Brutöfen, wo die Alphas und Betas bis zur endgültigen Abfüllung in Flaschen blieben, während die Gammas, Deltas und Epsilons schon nach 36 Stunden herausgenommen und dem Baranowskiverfahren unterzogen wurden. 96 Menschenleben entstehen zu lassen, wo früher nur eines entstand: Fortschritt." Aus: "Schöne Neue Welt", Aldous Huxley (1932)

In kaum einem anderen Forschungszweig haben sich in den letzten Jahren so viele Fortschritte ereignet wie im Bereich der Gentechnologie. Das Interesse der Öffentlichkeit ist immens, und fast jedem Bundesbürger ist das geklonte schottische Schaf "Dolly" ein Begriff, das 1996 weltberühmt wurde. Gentechnologie ist in aller Munde, es ranken sich um kaum ein anderes Thema so viele Gerüchte und auch Schreckensvisionen. Was ist also dran an der Gentechnologie? Könnte die Idee des Schriftstellers Aldous Huxley, der in seinem populären Roman "Schöne Neue Welt" (1932) eine fiktive Gesellschaft beschreibt, in der Menschen beliebig geklont werden, Wirklichkeit werden?

 

Grundlagen und Anfänge der Gentechnologie

Im Grunde fing alles schon zu Mitte des letzten Jahrhunderts an, als nämlich der Augustinermönch Johann Gregor Mendel in einem schweizerischen Kloster seine berühmten Erbsen-Kreuzungsversuche durchführte. Bereits 1865 veröffentlichte er seine Ergebnisse, in denen von Erbanlagen die Rede war, jedoch beachtete ihn damals so recht niemand. Wiederentdeckt wurden seine Thesen erst zu Anfang unseres Jahrhunderts. Im Jahre 1953 entdeckten dann James D. Watson und Francis H.C. Crick die Molekularstruktur der DNS (Desoxyribonuklein-säure=Erbinformation), wofür sie später den Nobelpreis erhielten. Im Jahre 1967 gelang sensationellerweise die Entzifferung des genetischen Codes, der universell ist, also für jedes Lebewesen-egal ob Tier, Mensch oder Pflanze-gilt. Die gesamte Erbinformation, und das erschien zunächst unglaublich, ist in vier Basen enthalten, namentlich Adenin, Guanin, Thymin und Cytosin.

1970 entdeckte der Schweizer Wissenschaftler W. Arber die sogenannten Restriktionsenzyme, die die DNS an einer fest vorgegebenen Stelle zerlegen können. Diese Entdeckung bildete gewissermaßen die Voraussetzung der Gentechnologie. Weitere wichtige Entdeckungen ließen nicht lange auf sich warten: Im Jahre 1973 entwickelten Boyer und Cohen das erste rekombinante Bakterium (Fremdgene im Erbmaterial der Bakterien), und 1978 gelang die künstliche, gentherapeutische Herstellung des für Zuckerkranke notwendigen Bauchspeicheldrüsenhormones Insulin. Seit 1987 ist das sogenannte "Human Genome Projekt" im Gange, das sich die Entschlüsselung und Kartierung aller menschlichen Gene zum Ziel gesetzt hat und das bis zum Jahre 2005 fertiggestellt sein soll. Es ist ein internationales Projekt, an dem Wissenschaftler aus vielen Ländern mitarbeiten. Koordiniert wird das Projekt jedoch in den USA.

Im Jahre 1996 rückte dann das schottische Schaf Dolly in den Mittelpunkt des Interesses, war es doch das erste geklonte größere Säugetier, das nicht durch die Verschmelzung von einer Ei- und einer Samenzelle entstanden war. Moderne Technologien wie beispielsweise die im Jahre 1981 entdeckte Polymerase-Kettenreaktion (PCR) oder die In-situ-Hybridisierung erlaubten eine gezielte Untersuchung und Vervielfältigung von Genen.

 

Die Gentechnologie als "Allheilmittel" ?

Die Erwartungen der Mediziner an die Gentechnologie sind sehr hoch. Viele renommierte Wissenschaftler waren überzeugt, mithilfe der Gentherapie z.B. den Krebs heilen zu können. Bei vielen Krebsarten sind diejenigen Gene, die das Zellwachstum kontrollieren sollen, entartet, so daß die Zelle sich ungehemmt vermehren kann und die Geschwulst bildet. Bei anderen Krebssorten ist das sogenannte p53-Gen defekt, welches normalerweise die Entstehung von Mutationen in der Zelle verhindert (Tumorsuppressorgen). Die ersten gentechnologischen Experimente liefen an Lungenkrebskranken in den USA, bei denen gerade dieses Tumorsuppressorgen mutiert war. Das Ziel war es, dieses defekte Gen gezielt aus den Lungenzellen herauszuschneiden und das korrekte, gesunde Gen in die Tumorzelle einzuschleusen. Hierbei erhoffte man sich, daß die Zelle das gesunde Gen in die Erbinformation einbaute und fortan wieder die normalen Funktionen einer Lungenzelle ausführen konnte. Um das "gute Gen" in die Zelle zu bekommen, inhalierten die Patienten ein mit dem intakten Gen angereichertes Aerosol. Die Hoffnung der Mediziner, daß die Lungenkrebszellen das gesunde Gen in ihr Erbgut integrierten und fortan nicht mehr unkontrolliert wucherten, wurde enttäuscht- die Krebszellen ließen sich nicht überlisten. Ähnliche Versuche der somatischen Gentherapie, etwa bei Mukoviszidosekranken oder an Muskeldystrophie-Patienten, scheiterten ebenfalls aus Gründen, die man bisher nicht so genau identifiziert hat. Doch dies bedeutet keineswegs, daß das auch in Zukunft so bleiben wird, denn in Mäusen war die somatische Gentherapie schon erfolgreich, vielleicht, weil es sich bei Mäusen um sehr einfache Säugetiere handelt.

Viele Wissenschaftler postulieren anstatt der somatischen Gentherapie nun die sich auf die Zygote richtende Präimplantationstherapie. In Ländern wie Belgien, Frankreich und Großbritannien werden Präimplantationsdiagnostiken bereits angeboten, allerdings zu horrenden Preisen für die Paare. Diese Diagnostiken erfolgen im Vorfeld einer In-vitro-Fertilisation (= künstliche Befruchtung), und die Embryonenzellen werden kurz nach der künstlichen Befruchtung auf Genschäden gescreent. Genetisch "einwandfreie" Embryonen werden der Mutter eingepflanzt, die anderen werden verworfen, und genau deswegen verbietet das Deutsche Embryonenschutzgesetz diese Präimplantationsdiagnostik. An die Präimplantationsdiagnostik würde sich die Präimplantationstherapie, also das gezielte Herausschneiden defekter Gene, anschließen, aber so weit ist man im Moment noch nicht. Bald könnte es jedoch schon möglich sein, Gendefekte in einem so frühen Blastenstadium gezielt zu beheben.

Momentan existieren, abgesehen von der eher selten angewendeten Präimplanta-tionsdiagnostik, vor allem zwei gängige Verfahren der pränatalen Diagnostik: Die Chorionzottenbiopsie, die sich ab der achten Schwangerschaftswoche durchführen läßt, und die Amniozentese, die man ab der 16. Schwangerschaftswoche praktiziert. Bei beiden Methoden werden Zellen des Embryos gewonnen, die man in einem Kulturmedium vervielfachen und dann auf Erbschäden untersuchen kann. Stellen sich bei dem Embryo Erbfehler heraus, entschließen sich etliche Paare zur Abtreibung des Kindes. Besonders nach einer Amniozentese wäre dies zu einem sehr späten Zeitpunkt der Schwangerschaft der Fall, und auch die Anzüchtung der Zellen benötigt noch einmal mindestens eine Woche. Würden sich dagegen die Präimplantationsdiagnostik und –therapie eines Tages durchsetzen, dann würde dies die Häufigkeit der Spätabtreibungen beträchtlich senken. Noch dazu ermöglicht die Präimplantationsdiagnostik, wie es zu Anfang 1999 die Tübinger Biologin und Philosophin Sigrid Graumann in einem Artikel aus dem Buch " Im Zeitalter der Bio-Macht" (Mabuse-Verlag) verdeutlichte, im Gegensatz zu den beiden gängigen Verfahren eine positive Selektion, indem man den erbgesunden Embryo herausselektieren und der Mutter einpflanzen kann. Amniozentese und Chorionzottenbiopsie ermöglichen dagegen nur eine negative Selektion, also die Abtreibung eines Embryos, bei dem eines dieser beiden Verfahren einen Erbfehler identifiziert hat.

Mit Hilfe des Human Genome Projektes gelingt den Wissenschaftlern fast jeden Tag die Entdeckung und Kartierung eines neuen Gens, und in jedem Jahr kommen mehr als 100 neue DNS-Tests auf den Markt, mit denen man nach Erbfehlern suchen kann, die jeder gesunde Mensch verborgen in seinem Erbgut automatisch mit sich herumträgt. Wüßte man von diesen Defekten und könnte man nun Gene beliebig in eine Zelle ein-und ausschleusen, dann wären "Kinder aus dem Katalog" nicht mehr unmöglich. Paare könnten sich dann beispielsweise die Haarfarbe ihres Kindes, die Größe und eventuell sogar den Intelligenzquotienten aussuchen, womit die Einmaligkeit eines jeden Menschen nicht mehr gegeben wäre.

 

Mit dem geklonten Schaf Dolly beginnt eine neue Dimension der Forschung-

Chancen und Gefahren des Klonens

1996 verbreitete sich die Nachricht vom geklonten Schaf Dolly, das in Schottland von der Arbeitsgruppe von Wilmut und Mitarbeitern geschaffen worden war- und zwar auf für viele Leute erschreckend einfache Weise (siehe auch Graphik): Die Wissenschaftler entnahmen einem erwachsenen Schaf die im Zellkern enthaltene Erbinformation, isolierten eine nicht befruchtete Eizelle aus einem weiblichen Schaf, entfernten die gesamte DNS aus dieser Eizelle und fusionierten die leere Eizelle mit der DNS des anderen Elternteils. Danach wurde die so geschaffene Zelle in der Kultur vermehrt und anschließend im Vielzellenstadium in den Uterus des Muttertieres implantiert, wo sich dann der Dolly-Embryo ohne weitere Komplikationen entwickelte. Dieses Experiment stellte eine Sensation dar, war doch mit Dolly das erste Säugetier geschaffen worden, das auf nicht-reproduktivem Wege hergestellt worden war, also ohne die übliche Verschmelzung von Eizelle und Spermium. Dolly war der absolut identische Klon eines Elternteils.

Übertragen auf den Menschen könnte sich die provokante Frage stellen, ob wir denn dann überhaupt noch männliche Wesen bräuchten? Theoretisch könnte man Frauen eine Körperzelle mitsamt Zellkern entnehmen, diese mit einer leeren Eizelle fusionieren und in die Gebärmutter einpflanzen. Die Frau könnte dann gewissermaßen ihren eigenen Klon zur Welt bringen. Erstrebenswert wäre dies mit Sicherheit nicht- nicht nur, weil uns die Männer fehlen würden, sondern auch, weil dadurch die durch Reproduktion auf natürliche Weise erreichte Neukombination der väterlichen und mütterlichen Gene wegfiele. Dieses wäre sehr traurig, denn gerade die Unterschiede zwischen Menschen, die verschiedenen Persönlichkeiten und Charaktere, machen das Leben lebenswert und interessant!!

Wo genau läge der Vorteil, Menschen zu klonen? Dem Argument, Menschenklone würden sich in der Organspende als sinnvoll erweisen, könnte man entgegensetzen, daß man in vielleicht nicht allzu ferner Zukunft ja auch Tiere so manipulieren kann, daß sie ganze menschliche Organe herstellen können, und das sogar nach Maß und auf den jeweiligen Gewebetypus gemünzt, der sich ja außer bei eineiigen Zwillingen bei den Menschen unterscheidet. Tierschützer würden argumentieren, daß dies nicht ganz fair gegenüber den Tieren sei. Dies ist mit Sicherheit wahr, nur muß man realisieren, daß bestimmte Tiere seit Jahrtausenden pure Nutztiere sind, die der Mensch durch gezielte Züchtung manipuliert und die als Nahrungsquelle gehalten und geschlachtet werden.

Ob diese Tiere dann als Fleisch-oder Organspender fungieren, darin besteht im Endeffekt kein Unterschied mehr.

 

Eineiige Zwillinge sind "natürliche Klone"

Menschenklone existieren jedoch auf dieser Erde schon seit Anbeginn der Menschheit - auf natürliche Weise! Eineiige Zwillinge besitzen nämlich genau dasselbe Erbgut, also dieselben Gene- ein Zwilling ist der Klon des anderen! Zwillingsforschung ist ein interessanter Zweig der Medizin. Es konnte gezeigt werden, daß sich selbst eineiige Zwillinge unterschiedlich entwickeln, wenn sie verschiedenen Umweltfaktoren ausgesetzt sind. Sie entwickeln trotz des gleichen Erbmaterials eigene, individuelle Charakterzüge. Wenn dies so ist, warum wären dann Menschenklone so unvertretbar ? Auch der "Klon" könnte dann ja seine eigene Persönlichkeit herausbilden. Jedoch sind Menschenklone ethisch nicht vertretbar, weil sie einen Zweck erfüllen sollen. Wenn ein Klon etwa als Organdonor im Falle einer Erkrankung des " Originals", nach dem er geschaffen wurde, fungieren soll, dann ist seine Erschaffung eine Art von Sklaverei. Wo Menschen künstlich geschaffen werden- Aldous Huxley beschreibt in seinem oben genannten Roman etwa die Massenproduktion intelligenzgeminderter Fabrikarbeiter- da ist die Würde des Menschen zutiefst angetastet. Dritte könnten über die genetische Ausstattung eines Kindes frei verfügen, und die Eigenschaften des Embryos wären nicht Produkt der Lotterie, die aus dem Mischen der mütterlichen und väterlichen Erbanlagen entsteht, und damit nicht mehr einmalig. Jeder Mensch hat jedoch das Recht auf Einmaligkeit.

Eine sehr schwierige Situation läge andererseits vor, wenn eine Familie etwa durch einen Unfall ein geliebtes Kind verlöre. Mit Hilfe der Gentechnologie könnte es möglich werden, der Mutter einen Embryo mit genau demselben Erbmaterial des verlorenen Kindes einzupflanzen, wenn man Zellen von diesem hätte. Jedoch ist selbstverständlich nicht garantiert, daß das Kind ein komplettes Abbild, also gewissermaßen ein "zeitversetzter eineiiger Zwilling" des vorherigen würde, dazu spielen in der Charakterentwicklung eines Menschen zu viele Umweltfaktoren bzw. prägende Ereignisse eine Rolle, die sich wohl kaum zweimal identisch reproduzieren lassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Öffentliche Akzeptanz der Gentechnik

Während die Öffentlichkeit den oben erwähnten Gesichtspunkten sehr zweifelnd gegenübersteht, ist ein anderer Bereich der Gentechnologie weitestgehend akzeptiert: Die Herstellung von Medikamenten und Imfpstoffen mithilfe sogenannter transgener Organismen. Diesen hat man ein menschliches Gen eingebaut, so daß die Organismen folgsam die gewünschten Stoffe herstellen, und das in einer einmaligen Reinheit und ausreichenden Menge. Früher gewann man das für Diabetiker notwendige Hormon Insulin auf sehr aufwendige Weise aus Tierkadavern bzw. Leichen. Ähnliches galt für den Blutfaktor VIII, der bei Blutern fehlt, was bei den Betroffenen lebensgefährliche Blutungen verursachen kann. Natürlich war die mengenmäßige Ausbeute sehr gering, und noch dazu konnten Krankheiten wie HIV (Aids) und Hepatitis (Leberentzündung) übertragen werden. Seit einigen Jahren wird in Deutschland ein Hepatitis-Impfstoff verwendet, der von Hefezellen hergestellt wird. Verwunderlicherweise sträubt sich kaum jemand gegen diesen Impfstoff, und kaum ein Diabetiker oder Bluter lehnt das gentechnisch gewonnene Substrat ab!

Wie bringt man nun fremde Zellen dazu, menschliche Gene zu exprimieren und menschliche Produkte herzustellen? Während man bis vor einigen Jahren das im Darm des Menschen natürlicherweise vorkommende Stäbchenbakterium Escherichia Coli verwendete, benutzt man heute meistens Hefezellen, da diese-genau wie die menschlichen Zellen-zu den Eukaryonten zählen und von daher näher mit dem Menschen verwandt sind als Bakterien.

E. coli gehört als Bakterium zu den Prokaryonten, und diese besitzen zum Teil völlig andere Zellregulationssysteme, die aber heute den Wissenschaftlern auch genauestens bekannt sind. Das Prinzip ist bei beiden Zellarten sehr ähnlich: Zuerst braucht man das menschliche Gen, das man im fremden Organismus vermehren möchte, z.B. des Hormons Insulin. Da man die Basensequenz dieses Gens genau kennt, kann man es im Reagenzglas künstlich herstellen. Anschließend wird das klonierte Gen in einen sogenannten Expressionsvektor eingebaut. Meistens handelt es sich dabei um ein Plasmid, also einen DNS-Ring, der zusätzlich zum klonierten Gen auch Steuerungsgene enthält, die dem Bakterium/ der Hefezelle gewissermaßen befehlen, das klonierte Gen wieder und wieder zu replizieren. Diese stellen dann brav und folgsam das gewünschte Substrat in großen Mengen her. Neben dem Faktor VIII und dem Hormon Insulin werden heute auch Somatostatin, Interferone und Interleukine mittlerweile auf diese Art und Weise in ausreichender Menge hergestellt.

 

Haben wir die Macht, mit Hilfe der Gentechnik "Gott zu spielen" ?

Im Grunde genommen spielt der Mensch schon seit langer Zeit Gott, indem er Naturkatastrophen (Wirbelstürme, Meteoriteneinschläge, Erdbeben) voraussagen und gefährdete Menschen daraufhin in Sicherheit bringen kann. Mediziner arbeiten so gesehen ständig gegen Gott, indem sie schwere Krankheiten heilen und das Leben durch Einsatz modernster Intensivstation-Technik ins Maßlose verlängern können. Impfungen und Antibiotika gewährleisten ein längeres Leben. Man könnte sich also die Frage stellen, wo denn der Unterschied zwischen der Verwendung von Antibiotika zur Vernichtung schädlicher Bakterien und der Gentechnologie zur Verhinderung schlimmer Krankheiten liegt. Der Effekt wäre derselbe: Eine Förderung der Gesundheit des Menschen und dadurch Erhöhung des Lebensalters und auch der Lebensqualität. Natürlich stimmt das Argument, mit Gentechnik würde man Zellen manipulieren, doch das tut man mit normalen Medikamenten tagtäglich: In der Krebstherapie eingesetzte Zytostatika (Chemotherapie) greifen zum Teil auch direkt an der menschlichen DNS an und verhindern die Zellvermehrung, Glukokortikoide (z.B. das Kortison), die gegen Autoimmunkrankheiten eingesetzt werden, wirken ebenfalls direkt an der DNS. Seit der Ära der Kernenergie hat der Mensch seine eigene Vernichtung in der Hand. Die Gentechnologie ist eine weitere, sehr potente Technologieform, mit deren Hilfe sich Lebewesen manipulieren lassen. Strenge Gesetze und Kontrollen sind notwendig, um Mißbrauch, etwa die Schaffung neuer Bakterienarten zwecks biologischer Kampfführung, zu verhindern. Ausschließen läßt sich zugegebenermaßen keineswegs, daß irgendein Wissenschaftler in einem Kellerlabor das Verbotene ausprobiert. Jedoch können wir-um es mit den Worten des Schrifstellers Friedrich Dürrenmatt auszudrücken- das einmal Gedachte nicht mehr zurücknehmen. Dürrenmatt läßt in seinem berühmten Drama "die Physiker" drei Wissenschaftler freiwillig ins Irrenhaus flüchten, um die Welt vor ihren eventuell todbringenden Erfindungen zu schützen. Am Ende jedoch scheitern sie kläglich, da sie erkennen müssen, daß " alles Denkbare einmal gedacht wird, jetzt oder in Zukunft."

Übertragen auf die reale Welt bedeutet das, daß wir die Gentechnologie nicht einfach im dunklen Schrank wegschließen können, um die Menschheit vor ihren potentiellen Gefahren zu schützen, dazu ist es bereits zu spät. Worauf wir vertrauen müssen, das ist die moralische Verantwortung, die ein jeder Wissenschaftler hat. Wir müssen lernen, mit einer so mächtigen Energie zu leben und sie zu unserem Nutzen zu verwenden.

 

Nutzen und Gefahren der Gentechnik

Doch wo fängt der Nutzen an bzw. wo hört er auf? Er fängt da an, wo die Aussicht besteht, schwere Krankheiten zu heilen bzw. ihren Ausbruch zu verhindern. Selbst Papst Johannes Paul II. hat in seiner im März 1995 erschienenen Enzyklika "Evangelium Vitae" Stellung zu modernen Entwicklungen im Bereich der Medizin genommen. Er rechtfertigt darin Verfahren, unter anderem die vorgeburtliche Diagnostik, "wenn sie ohne unverhältnismäßige Gefahren für das Kind und für die Mutter sind und zum Ziel haben, eine frühzeitige Therapie zu ermöglichen [...]."

Jeder Mensch hat ein Recht auf körperliche Unversehrtheit, und die Medizin versucht, diese zu bewahren bzw. im Krankheitsfall wiederherzustellen. Was momentan noch durch Medikamente erreicht wird, könnte in Zukunft durch die Gentherapie möglich werden, indem man krankmachende Gene entfernt und den Menschen so vor dieser Krankheit schon vor ihrem eigentlichen Ausbruch heilt. Der Nutzen der Gentechnologie hört aber sicherlich dort auf, wo die menschliche Würde und Einmaligkeit angetastet wird, was etwa durch das Klonen von bestimmten Menschentypen geschehen würde. Die von Huxley in seinen oben erwähnten Roman beschriebene Heranzüchtung einer intelligenzgeminderten Arbeiterklasse wäre nicht vertretbar. Das Klonen von Lebewesen würde die Welt der Vielfalt berauben, was sie so interessant und faszinierend macht.

Zudem muß festgestellt werden, daß, obwohl der Mensch das Zusammenwirken seiner Körperzellen immer besser und immer detaillierter versteht, längst noch nicht alles sonnenklar und aufgeklärt ist. Gerade im Bereich der Genregulation und Zellbiologie sehen sich die Wissenschaftler noch mit zahlreichen Schwarzen Löchern konfrontiert, und ehe diese nicht geflickt sind, ist die Gentherapie illusorisch.

 

Weitere zukunftsträchtige und vielversprechende Entwicklungen in der Medizin

Neben der Gentechnik, die zur Zeit vielleicht das populärste Zukunftsgebiet der Medizin darstellt, gibt es aber auch noch andere medizinische Bereiche, in denen sich in den nächsten Jahren Fortschritte vollziehen könnten. Als relativ junge Disziplin rückt beispielsweise die Reproduktionsmedizin, die sich aus Urologie und Gynäkologie abgesplittet hat, immer mehr im Blickpunkt. Dies liegt zum einen daran, daß es immer mehr Paare gibt, die Probleme haben, ein Kind zu zeugen. Zum anderen geisterten in den letzten Jahren auch Berichte über der Forschung an der " Pille für den Mann" durch Boulevardblätter wie auch durch die Fachpresse. Während die Frauen durch die noninvasive Pille ihre Fruchtbarkeit wirksam unterdrücken können, ist dies beim Mann bisher nur durch eine kleine Operation möglich, nämlich durch die sogenannte Vasektomie, bei der der Samenstrang unterbunden wird. Medikamente, die die Motilität der Spermien unterdrücken oder sogar ihre Produktion im Hoden reversibel stoppen können, sind Ansatzpunkte auf dem Weg zur männlichen Empfangnisverhütung.

Eine andere Substanz hat Schlagzeilen gemacht- das Plazentablut. Die Plazenta gehört wie die Nabelschnur zu den "Abfallprodukten" einer Geburt, jedoch betonten einige Wissenschaftler in den letzten Jahren, wie wichtig Plazentablut einmal werden könnte. Es lassen sich aus dem roten Saft omnipotente Stammzellen des Babies herausseparieren, welche die Fähigkeit haben, in jede Körperzelle auszureifen. Gelänge es, diese Stammzellen für mehrere Jahre funktionserhaltend und schonend zu lagern, für den Fall, daß das Kind beispielsweise an Krebs erkrankt, dann hätte man körpereigene Zellen des Kindes in der Hand und könnte diese zum Beispiel nach einer Hochdosis-Chemotherapie in das Knochenmark ansiedeln. Abstoßungsreaktionen wären damit ausgeschlossen. Viele Mediziner fordern von daher Plazentablutbänke, und in einigen Jahren könnte das Abnehmen und Lagern von Plazentablut zur Routine nach einer Geburt gehören.

Fortschritte erhoffen sich die Ärzte auch im Kampf gegen eine große Menschheitsgeißel, das Aids-Virus. Sehr viel Geld fließt nicht nur in Deutschland in die Aids-Forschung, aber ob die Suche nach einem Impfstoff gegen das Virus in der nächsten Zeit erfolgreich sein wird, ist zweifelhaft. Das große Dilemma der Forscher ist die Tatsache, daß die Oberflächenhülle des Virus sich durch Mutationen sehr oft ändert. Impfstoffe setzen jedoch eine gewisse Konstanz der Oberflächenmerkmale des Mikroorganismus voraus, um wirksam sein zu können. Gelänge es, ein solches konstantes Antigen auf dem Aids-Virus zu finden, wäre viel erreicht.

Vor allem in den tropischen Ländern ist aber noch eine weitere Infektionskrankheit für den Menschen lebensbedrohlich: Die Malaria. Ausgelöst wird sie durch mehrere Protozoonarten, von denen eine besonders schlecht in den Griff zu bekommen ist: Plasmodium falciparum löst die bei den Einheimischen oftmals tödlich endende Malaria tropica aus. Bislang existiert nur eine Prophlaxe in Tablettenform, die von vielen Touristen geschluckt wird, die aber zum Teil erhebliche Nebenwirkungen aufweist. Da sich die Forschung mittlerweile speziell auf die Virulenzfaktoren von Plasmodium falciparum konzentriert hat, sind hoffentlich in Zukunft weitere Fortschritte zu verbuchen.

Im Spätsommer 1999 wurde die Entwicklung eines kombinierten Impfstoffes bekannt, der gegen das Aids-Virus und gleichzeitig gegen die Malariaerreger gerichtet ist. Ob sich dieser neuartige DNS-Impfstoff jedoch durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.

Der BSE-Skandal löste vor ein paar Jahren gewaltige Ängste aus, vor allem bei der britischen Bevölkerung. BSE, ausgeöst durch infektiöse Eiweißpartikel, sogenannte Prione, bewirkte bei den britischen Rindern die Bovine Spongiöse Enzephalopathie, also mit anderen Worten eine progressiv verlaufende und tödlich endende Hirnerweichung. Fast jedem wird das Bild der unkontrolliert zuckenden Tierleiber in Erinnerung geblieben sein. Inzwischen hat man nachgewiesen, daß Prione auch auf den Menschen übertragbar sind und dort eine Variante der Creutzfeld-Jacob-Krankheit auslösen. Nachdem kürzlich in Großbritannien auch jüngere Menschen an einer neuen Variante der Creutzfeld-Jacob-Krankheit verstorben sind, fragen sich nicht nur die Briten, ob sie in einigen Jahren vor einer Flutwelle an Neuerkrankungen an Creutzfeld-Jacob stehen. Die Inkubationszeit, also die Zeit, die zwischen einer Infektion und dem eigentlichen Ausbruch einer Krankheit vergeht, ist bei dieser Gehirnkrankheit sehr lang, somit ist ein Ansteigen der Häufigkeit so wenige Jahre nach dem Skandal auch noch nicht zu erwarten. Die Zukunft wird hoffentlich bald mithilfe intensiver Forschung zeigen, wieviel infiziertes Rindfleisch man gegessen haben muß, um zu erkranken, ob beispielsweise nur der Biß in den Hamburger reicht oder ob man mehrere verseuchte Steaks verspeist haben muß.

Ein weiteres großes Zukunftsfeld ist die Telemedizin. Die Lufthansa führt auf ihren Flügen momentan versuchsweise ein tragbares EKG-Gerät mit, welches die aktuellen Herzströme des Passagiers fast ohne Verzögerung auf den Computerbildschirm eines Arztes funken kann, der sich in seiner Praxis auf der Erde befindet. Dieser kann dann entscheiden, was zu tun ist, und das schnelle Handeln könnte viele Menschenleben retten.

Kürzlich ließ sich ein britischer Wissenschaftler einen Mikrochip unter die Haut implantieren, auf dem zu lesen ist, an welchen Krankheiten er leidet (der Chip kann von außen durch einen Sensor abgelesen und die Daten auf einen Computerbildschirm übertragen werden). Hätte jeder Mensch so einen Mikrochip mit seiner Krankengeschichte an einer definierten Stelle unter der Haut und hätte jeder Notfallwagen seinen Sensor zum Ablesen dieses Chips dabei, dann könnten auch tausende von Menschenleben gerettet werden, da die Mediziner selbst im Falle einer Bewußtlosigkeit des Patienten sofort wüßten, an welchen Erkrankungen er leidet und welche Medikamente er einnimmt. Daraus ergibt sich, daß Medikamente mit gefährlichen Wechselwirkungen / Kontraindikationen gar nicht erst verabreicht würden. Wäre dieser Mikrochip auch noch in einer Art internationalem Code verfaßt, dann bräuchte man sich in Zukunft auch dann keine Sorgen zu machen, wenn man etwa auf den Bahamas an einer undefinierbaren Krankheit erkrankt, aber leider die Sprache nicht spricht und sich auch kaum noch ans Jahre zurückliegende Schulenglisch erinnern kann, mit dessen Hilfe man den dortigen Ärzten seine bisherige Krankengeschichte hätte schildern können.

Im Bereich der Neurochirurgie können Roboter viel exakter schneiden als Menschenhände- dort haben sich die Maschinen in einigen Operationen schon etabliert. Auch für die Zukunft sind Verbesserungen an ihnen zu erwarten, so daß sie noch genauer und ohne maßgebliche Verletzung des empfindlichen Hirngewebes operieren können. Kleine Roboter im Mikroformat (Nanotechnologie) könnten zur Reinigung unserer Blutgefäße eingesetzt werden, um diese von der Arteriosklerose (Arterienverkalkung) zu befreien, die mit zunehmendem Alter normal ist, jedoch bei Rauchern, Diabetikern und Fettleibigen frühzeitig eintritt. Modelle für diese kleinen, steuerbaren Roboter existieren schon. Sie könnten die Auswirkungen der Zivilisationskrankheiten stoppen und somit Herzinfarkten und Schlaganfällen vorbeugen. Außerdem würden im Falle eines Erfolges Bypaß-Operationen obsolet, mit denen man bislang die von Arteriosklerose verstopften Koronararterien überbrückt.

 

 

 

 

Die adäquate Versorgung alter Menschen als eine der großen Herausforderungen an unsere Generation

Neben den Zivilisationskrankheiten unserer Überflußgesellschaft besteht noch ein anderes Problem, das Männer wie auch Frauen gleichermaßen oftmals zur Verzweiflung treibt und in Depressionen stürzt: Das Älterwerden. Unsere heutige Konsumgesellschaft strebt nach ewiger Jugend und Schönheit. Jung und dynamisch muß man sein, etwas anderes wird nicht akzeptiert. Viele setzen hier ihre Hoffnungen erneut auf die Gentechnik- fände man die Gene heraus, die das Altern bewirken bzw. andere Gene, die den Alterungsvorgang stoppen könnten, könnte der Traum von ewiger Jugend und Schönheit wahr werden. Einige Schaltungsgene konnte man schon identifizieren.

Es existiert eine sehr seltene Erkrankung, die sogenannte Progerie oder auch klangvoller das Hutchinson-Guilford-Syndrom, bei dem die Erkrankten vorzeitig altern. Fünfjährige Kinder sehen aus wie Greise und weisen sämtliche Symptome auf, die das Altern mit sich bringt, beispielsweise brüchige Knochen, Gelenkverschleiß, verkalkte Arterien, runzelige Haut, graue Haare etc. Einige Gene konnten für das Zustandekommen dieses seltenen Syndromes, von dem nur etwa 13 Menschen auf der Erde befallen sind, schon verantwortlich gemacht werden.

Doch wo genau lägen eigentlich die Vorteile von ewiger Jugend und Schönheit? In anderen Kulturen, etwa in Afrika, Australien und Südamerika, wäre dies gar nicht so erstrebenswert, da die alten Leute dort wegen ihrer Lebensweisheit geachtet sind. Sie sind integriert in die Gesellschaft und besitzen eine hohen Status. Ihr Rat ist wegen ihrer vielseitigen Erfahrungen geachtet und gefragt. Dies ist in Deutschland absolut anders. Sobald man ein bestimmtes Alter überschritten hat, droht das Abstellgleis- über 50-Jährige werden kaum mehr eingestellt, weil sie angeblich schon "zu alt" sind.

Schaut man hier in Deutschland einmal in die Altenheime, wird einem manchmal ganz anders zumute. Das Pflegepersonal hat aufgrund der vielen Patienten kaum Zeit, sich um jeden adäquat zu kümmern. Es werden oft nur die notwendigsten Dinge getan, nichts darüber hinaus. Das gleiche gilt für die Krankenhäuser: In den Städten sterben fast 80 Prozent der alten Leute alleine und isoliert in einem anonymen Krankenhauszimmer, wobei das Pflegepersonal kaum Zeit für sie hat, da ja noch so viele andere Patienten versorgt werden müssen. Viele Krankenschwestern und -pfleger geben auch offen zu, Sterbende zu meiden, weil sie sich nicht wohl in ihrer Gegenwart bzw. überfordert fühlen. Mehr als die tägliche Grundpflege sitzt von daher nicht drin. Selbst ambulanten Altenpflegern in Deutschland bleibt nur ein gewisser, fest vorgegebener Zeitrahmen, innerhalb dessen die alten Menschen fließbandmäßig versorgt werden müssen. Ein kleiner, von den alten Leuten herbeigesehnter Small-Talk mit den Pflegern erfolgt selten, da der gesamte Vorgang so automatisiert ist. Dies ist eine traurige, ja fast unmenschliche Situation. Beängstigend wird sie vor allem durch die Vorstellung, daß es immer weniger junge Menschen in unserer Gesellschaft gibt, während die Zahl der alten Leute immer mehr ansteigt. Dies ist mit Sicherheit auch auf die Hochleistungsmedizin zurückzuführen, die durch Vorsorgeuntersuchungen, immer bessere Impfprogramme und Hightech-Computer auf den Intensivstationen das Älterwerden der Bevölkerung sicherstellt. Die adäquate Versorgung der alten Menschen stellt eine große Herausforderung an unsere Generation dar, die wir meistern müssen. Doch wie können wir das schaffen?

 

Die Hospizbewegung

Hospize (von lat. Hospitium=Gastfreundschaft) könnten eine Lösung sein. Die Hospizbewegung wurde zu Anfang unseres Jahrhunderts in Großbritannien gegründet, und 1967 entstanden dort auch die ersten Hospize - die ursprünglich ausschließlich für Sterbende bestimmt waren. Dort besitzt mittlerweile fast jedes Hospital ein angeschlossenes Hospiz, in dem Schwerstkranke und Sterbende von professionellem Pflegepersonal liebevoll rund um die Uhr versorgt werden. In Deutschland steckt die Bewegung immernoch in den Kinderschuhen, es existieren zwar schon Hospize, aber es sind viel zu wenige.

Die deutsche Hospizbewegung trat vor vier Jahren an die Öffentlichkeit: Im Mai 1996 wurde in München unter der Schirmherrschaft von Frau Karin Stoiber, der Ehefrau des Bayerischen Ministerpräsidenten, die Deutsche Hospiz-Stiftung ins Leben gerufen. Mittlerweile ist die Schirmherrschaft an die populäre deutsche Schauspielerin Uschi Glas übergegangen.

Papst Johannes Paul II. bezeichnete die Hospize als "Inseln der Humanität" und ermutigte zur Errichtung weiterer Einrichtungen. In Deutschland sind es heutzutage vor allem die beiden Kirchen, die Hospizarbeit betreiben. Die Philosophie der Hospize liegt zum einen in einer umfassenden Sterbebetreuung (nicht Sterbehilfe!) durch ausgebildetes, zum Teil auch ehrenamtliches Personal. In den Hospizen erhalten die Patienten zudem ergänzende Therapien wie Akupunktur, Aromatherapie, Massagen und Fangopackungen (interdisziplinäres Zusammenarbeiten). Eine individuell ausgerichtete Schmerztherapie garantiert, daß die Menschen schmerzfrei leben und sterben können. Die Familie ist oftmals in die Pflege integriert und erhält auf Wunsch auch psychologische Hilfe.

Auch über den Tod des Angehörigen hinaus bieten die Hospize den Zurückgebliebenen eine weitere Begleitung und Hilfe an.

Doch in Hospizen werden keineswegs nur Sterbende gepflegt, auch Schwerstkranke werden für mehrere Wochen aufgenommen, z.B. Krebskranke oder Demenzkranke, um der Familie eine "Auszeit" von der Rundumpflege des kranken Angehörigen zu geben. Wer schon einmal einen Angehörigen zu Hause versorgt hat, weiß, daß dies einem Full-Time-Job gleichkommt.

Die Hospize bieten also ein vielgestaltiges, von unserer Gesellschaft dringend benötigtes Repertoire an: Ambulante Pflege, stationäre Pflege für die Todkranken, Tagesstätte sowie Kurzeithospiz. Plätze in deutschen Hospizen sind allerdings aufgrund ihrer geringen Anzahl sehr schwer zu erhalten und auch teuer.

 

Hightech-Medizin versus Sterbehilfe

Hier in Deutschland besteht zweifelsohne die Tendenz, auch schwerstmorbide Achtzigjährige noch am Leben zu erhalten, obwohl deren Körper sprichwörtlich streiken. Häufig bitten die Patienten sogar selbst darum, man solle sie doch endlich sterben lassen. Deswegen stellt sich die Frage, ob diese Patienten nicht das Recht haben, Sterbehilfe zu verlangen. Hierbei unterscheidet man mit der aktiven und der passiven Stebehilfe zwei Arten. Passive Sterbehilfe bedeutet, daß lebensverlängernde Maßnahmen beim Patienten ausbleiben und sichergestellt wird, daß er einen einigermaßen komfortablen und tolerablen Tod hat. Bei der aktiven Sterbehilfe, die in Deutschland verboten ist, wird dem Patienten auf Wunsch ein Medikament in tödlicher Dosis gegeben, z.B. das Gift Zyankali.

Rufe nach der aktiven Sterbehilfe würden verstummen, wenn eine liebevolle Begleitung auf dem letzten Weg des Lebens gewährleistet wäre - und genau das ist Sinn der Hospize. Der seit neuem eingerichtete Studiengang der Pflegewissenschaften belegt, daß das Problem nicht mehr unbekannt ist. Es werden dringend Fachkräfte gebraucht, die mit den speziellen Bedürfnissen der alten Menschen umgehen können.

Auch beaufsichtigtes Wohnen wird in Deutschland immer populärer. Alte Menschen leben in Wohnhäusern zusammen, jeder besitzt sein eigenes Appartment. Mehrere rund um die Uhr anwesende Aufsichtspersonen achten darauf, daß es den alten Leuten gutgeht. Auf diese Weise entsteht ein Gefühl von Sicherheit, und die Selbständigkeit der Alten wird längstmöglich erhalten und gefördert. Allerdings müssen in Zukunft auch diese Einrichtungen zahlenmäßig wachsen, zur Zeit ist vor allem den Reicheren ein Platz in solchen Lebensgemeinschaften vorbehalten.

In anderen Kulturkreisen dagegen wird mit dem Tod wesentlich natürlicher umgegangen. Er ist Teil des Lebens, und gerade in sehr alten Kulturen, in denen die Menschen relativ im Einklang mit der Natur leben - etwa bei afrikanischen Stämmen oder bei den australischen Aborigines - werden die Sterbenden nie alleine gelassen. Meistens gibt es spezielle Sterbehäuser, in denen sie betreut werden. Gerade diese oftmals als "primitiven Stämme" bezeichneten Gemeinschaften haben unserer "zivilisierten" und technisierten Gesellschaft einiges voraus! Vielleicht sollten wir uns die von etlichen Leuten als "primitiv" herabgestuften afrikanischen oder australischen Stämme in dieser Hinsicht zum Vorbild nehmen. Natürlich, Europa ist alles andere als unzivilisiert und das Leben und Sich-Behaupten in der Wettbewerbsgesellschaft sehr hart, aber wir alle werden einmal alt - das wird wohl auch die Gentherapie in den nächsten 50 Jahren nicht ändern können.

Wenn man genauer hinsieht, eröffnen sich in diesem Sektor, also der Umsorgung der alten Menschen unserer Gesellschaft, wie bereits obig diskutiert ganz neue Perspektiven, auch im Hinblick auf zahlreiche neue Arbeitsplätze, die geschaffen werden könnten. Es ist wichtig, sich auf diesem Gebiet weitere Gedanken zu machen. Dies würde sich sicherlich lohnen und läge im Interesse von uns allen!

 

 

 

 

 

Kreation von Dolly mittels Somatischem Zellkern-Transfer: 1. Entfernen väterlicher Körperzell-DNS sowie Entnahme einer unbefruchteten mütterlichen Eizelle. 2. Herausschneiden des Zellkerns der Eizelle. 3. Fusionierung der leeren Eizelle mit der väterlichen DNS. 4. Anlegen einer Zellkultur zwecks Vermehrung. 5. Reimplantation im Mehrzellen-Stadium in die mütterliche Gebärmutter. "Endprodukt" Dolly , phäno- und genotypisch ganz der Vater.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vatertier Muttertier

ß ß

Entnahme des Zellkernes einer Entnahme einer nichtbefruchteten

Körperzelle (mitsamt DNS) Eizelle und Herausschneiden des

Zellkerns

ß ß

Fusion des väterlichen Zellkerns mit der leeren Eizelle

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Vermehrung in einer Zellkultur im Brutschrank

ß

 

Reimplantation der Eizellen in den Mutterorganismus

 

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"Dolly"

 

 

 

Kreation von Dolly mittels Somatischem Zellkern-Transfer:1. Entfernen väterlicher Körperzell-DNS sowie Entnahme einer unbefruchteten mütterlichen Eizelle. 2. Herausschneiden des Zellkerns aus der Eizelle. 3. Fusionierung der leeren Eizelle mit der väterlichen DNS. 4. Vermehrung der Zellen im Brutschrank. 5. Reimplantation in den mütterlichen Organismus=> "Schwangerschaft". 6. "Endprodukt" Dolly.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kurze Selbstdarstellung:

Stefanie Robert aus Dorsten-Rhade, 24 Jahre alt, Abitur am Gymnasium der Mariannhiller Missionare in Maria-Veen, 11. Semester Humanmedizin an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. 1998/ 99 ERASMUS-Stipendium für das University of Wales College of Medicine in Cardiff, weitere Auslandsaufenthalte in Madison (Wisconsin), Wien und London.

Promotion über Thrombozytenfunktionsuntersuchungen bei Neugeborenen und Kindern. Seit Juli 1995 Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung, 1997/ 98 Gruppensprecherin der Adenauer-Stiftung in Münster. Langjährige Mitwirkung an Universitätspolitik durch Mitgliedschaft in Gremien. Seit März 1999 journalistische Tätigkeit als International Adviser für das studentBMJ in Großbritannien.

Hobbies: Sport, Lesen, Politik, Journalismus, Astronomie, Mikrobiologie, Kino und Theater, Malerei, Photographie.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die gentechnischen Details dieses Artikels wurden dem Buch von T.A. Brown " Gentechnologie für Einsteiger" (Spektrum Akademischer Verlag) sowie mehreren Ausgaben des British Medical Journal (BMJ) entnommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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