Perspektiven für eine ökosoziale Nachhaltigkeit:
Die "Stromfrage"
Dr.-Ing. Michael Fipper
Eingrenzung der Fragestellung
Kein Thema eignet sich so gut dazu, zerredet zu werden, wie das Thema
"ökosoziale Nachhaltigkeit": Allein die Verschmelzung der Worte
"ökologisch" und "sozial" bringt so viele verschiedene Perspektiven
zusammen, daß "ökosoziale" Fragestellungen für jedermann an Bedeutung
gewinnen, daß jeder etwas zu ihrer Diskussion beitragen kann, daß es
aber gleichzeitig praktisch unmöglich wird, entsprechende
Fragestellungen zielführend zu behandeln.
Um trotzdem konstruktive Perspektiven für eine Politik zu entwickeln,
die unsere Gesellschaft "ökosozial" nachhaltig gestalten möchte, muß
sich der vorliegende Beitrag auf eine Teilfrage begrenzen, z.B. auf die
Problematik der Energie-bereitstellung; oder gleich noch enger gefaßt
auf die Bereitstellung elektrischer Energie. Dieser Ansatz das Thema
"ökosoziale Nachhaltigkeit" zu begrenzen, ist nicht neu: In der
politischen Diskussion wird er aus Gründen der Vereinfachung erfolgreich
praktiziert (was beispielsweise als "ökologische Steuerreform" anfing,
endete als Energiesteuer) und im vorliegenden Beitrag ist die
Eingrenzung der Fragestellung mangels universaler Kompetenz des Autors
ohnehin erforderlich.
Der vorliegende Beitrag befaßt sich also mit der in Bild 1
verdeutlichten "Stromfrage":
Wie werden wir Angebot und Nachfrage elektrischer Energie mit möglichst
wenig negativen Nebenwirkungen ("bads") ins Gleichgewicht bringen?
Bild 1: Die "Stromfrage"
Ansätze zur Lösung der "Stromfrage"
Die folgenden Ansätze zur Lösung der "Stromfrage" sind bekannt und
brauchen daher hier nur aufgelistet zu werden [1]:
Elektrische Energie kann aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe
(Braun- oder Steinkohle, Gas, Öl) gewonnen werden. Alternativ bestehen
vielfältige Möglichkeiten, sich bei der Elektrizitätserzeugung der
Kernkraft zu bedienen. Von vergleichbarer Vielfalt sind auch die
Möglichkeiten, die Sonnenenergie zu nutzen, sei es direkt über die
verschiedenen Formen von Solarkraftwerken oder indirekt über
Wasserkraftwerke, Windenergiekonverter oder durch Einsatz von Biomasse.
Umgekehrt läßt sich ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nach-frage
elektrischer Energie natürlich auch durch eine Reduktion der Nachfrage
erreichen. Weitere Ansätze zur Lösung der "Stromfrage" könnten sich im
Laufe der Zeit aus dem technischen Fortschritt ergeben, wobei zwischen
der Entwicklung völlig neuer Ansätze (z.B. Kernfusion oder
Brennstoffzelle), der Weiterentwicklung vorhandener Ansätze (z.B.
Photovoltaik) und der breiten Einführung neuer Technologien (z.B.
Windenergie-konverter, verbrauchsarme Kühlschränke, ... ) unterschieden
werden sollte.
Zusammenspiel der Ansätze zur Lösung der "Stromfrage"
Keiner der oben benannten Ansätze zur Lösung der "Stromfrage" (fossile
Energien, Kernkraft, Sonnenenergie, Nachfragereduktion bzw. Vertrauen
auf technischen Fortschritt) ist völlig indiskutabel. Kein Ansatz ist
aber auch frei von "bads". Dabei sind die ökologischen "bads" in der
Regel nicht vollständig bekannt und selbst wenn sie es wären, sie werden
doch - genauso wie die sozialen "bads" - subjektiv und historisch
belastet diskutiert und bewertet. Bei vermehrter Konzentration auf eine
Lösungs-alternative steigt zudem die Summe aller "bads" überproportional
an (erweitertes Gossen?sches Gesetz, Bild 2).
Bild 2: Das erweiterte Gossen?sche Gesetz [2]
Bild 3: Werbung des Friesischen Brauhauses zu Jever GmbH & Co KG
Ein Beispiel: Der Einsatz von Windenergiekonvertern ist
selbstverständlich nicht völlig indiskutabel. Eine der Neben-wirkungen
der Windenergienutzung ist aber die Veränderung des Land-schaftsbildes.
Veränderungen im Landschafts-bild sind nicht objektiv bewertbar, aber
der Vergleich der Anzeigen in Bild 3 und 4 macht deutlich, daß ein
begrenzter Einsatz von Windenergie-konvertern eher als positiv für das
Landschaftsbild empfunden wird, während ein vermehrter Einsatz zunehmend
als "bad" empfunden werden kann. Ein anderes Beispiel: Der Rückgang der
deutschen Kohleverstromung hat(te) schwer-wiegende soziale Folgen. Ein
vollständiger Ausstieg hätte noch gravierendere Folgen und ist daher -
zumindest kurzfristig - nur gegen den massiven (weil begründeten)
Protest der betroffenen Arbeiter möglich.
Bild 4: Werbung von Audi Deutschland (Volkswagen AG)
Wenn aber, wie in diesen Beispielen, die Konzentration auf einen
Lösungs-ansatz die Gesamtmenge der "bads" steigert, so folgt daraus, daß
die Lösung der "Stromfrage" nicht durch Konzentration auf einen
Lösungsansatz, sondern über ein Zusammenspiel mehrerer Ansätze erfolgen
sollte und erfolgen wird.
Bewertung der Ansätze zur Lösung der "Stromfrage"
Die Bewertung der einzelnen Ansätze, die zusammen die "Stromfrage" lösen
sollen, folgt der subjektiven Einschätzung von Risiken. Allein diese
subjektive Einschätzung der Risiken wird letztlich über die Bedeutung
der verschiedenen Ansätze entscheiden. Es wird daher nicht den Tag X
geben, an dem mit einem idealen Zusammenspiel mehrerer Lösungsansätze
die "Stromfrage" endgültig gelöst ist. Selbst, wenn es objektiv eine
solche endgültige Lösung der "Stromfrage" geben sollte, dann würde sie
aufgrund abweichender subjektiver Einschätzungen wahrscheinlich
nicht als solche wahrgenommen.
Beispiele für subjektiv unterschiedliche Bewertungen von Risiken finden
sich insbe-sondere in der Diskussion um die Nutzung der Kernenergie.
Während Deutschland den vollständigen Ausstieg aus dieser Technologie
vorbereitet, wird sie in vielen anderen Ländern von breiten
Bevölkerungsschichten getragen oder zumindest akzeptiert. Dabei
überrascht (unabhängig von Befür-wortung oder Ablehnung der Kernenergie)
das Absolute des deutschen Vorgehens. Zumindest das erweiterte
Gossen?sche Gesetz (vergl. Bild 2) hätte uns statt eines vollständigen
Ausstiegs eher einen Teil-Rückzug aus der Kernenergie-nutzung
nahegelegt, es sei denn, wir würden die "bads" der Kerntechnik als
unvergleichlich viel schlimmer einstufen als die "bads" jedes anderen
Lösungs-ansatzes für sich. Ist das so?
Die Beispiele zeigen, daß die Bewertung der Ansätze zur Lösung der
"Stromfrage" der subjektiven Risikoein-schätzungen folgen, wobei
möglicher-weise das objektive Gefährdungspotential überschätzt und damit
ein Lösungs-weg verbaut wird. Gefährlicher aber ist der umgekehrte Fall:
Es könnte den Tag Y geben, an dem die "Stromfrage" subjektiv als
endgültig gelöst gilt, während sich objektiv ein unerkanntes Risiko
abzeichnet.
Logischerweise läßt sich kein Beispiel für ein bislang unerkanntes,
zukünftiges Risiko anführen. Als Beispiel macht die Chronologie des
Auftretens von Shell in Nigeria [3] allerdings deutlich, daß
auch in einer eng vernetzten Welt subjektiv divergierende Einschätzungen
(vergl. Bild 5) zur Unterschätzung sozialer Risiken führen können. Oder
als anderes Beispiel (das direkter mit der "Stromfrage" verknüpft ist):
Es ist leicht vorstellbar, daß sich aus den emissionsbedingten
Verände-rungen der Erdatmosphäre unerkannte Risiken ergeben werden. Der
verharmlosende Umgang mit derartigen Risiken ist unverantwortlich.
Bild 5: Einschätzungen zum Auftreten des Shell-Konzerns in Nigeria durch
Shell-Nigeria [4] und Greenpeace [5]
Strategien zur Lösung der "Stromfrage"
Aus dem bisher Ausgeführten ergibt sich, daß zur Lösung der "Stromfrage"
möglichst viele Ansätze zur Herstellung des Stromgleichgewichtes
verfolgt werden sollten, wobei gleich-zeitig möglichst viele "Antennen"
ausgefahren werden sollten, um eventuelle ökologische und soziale
Risiken rechtzeitig zu erkennen. Diese Strategie hat natürlich auch ein
"bad": Sowohl die Entwicklung möglichst vieler Ansätze zur Herstellung
des Stromgleichgewichtes als auch die Untersuchung eventueller Risiken
erfordern Investitionen, denen nicht immer eine adäquate
betriebs-wirtschaftliche Erfolgsaussicht gegenübersteht. Die
Öffentlich-keit kommt somit nicht dauerhaft umhin, ihre ökologischen und
sozialen Interessen an der Lösung der "Stromfrage" regulierend in den
Strommarkt einzu-bringen.
Trotzdem ist die Bundesregierung in der aktuellen Situation gut beraten,
in den kürzlich liberalisierten deutschen Strommarkt nur mit äußerster
Zurückhaltung regulierend einzu-greifen. Schließlich bleibt abzuwarten,
ob die öffentlichen Interessen im liberalisierten Strommarkt zum Teil
nicht auch ohne Eingriff erfüllt werden. Beispielsweise sind
Wirkungs-gradsteigerungen in konven-tionellen Kraftwerken zwar von
öffent-lichem Interesse, aber sie rechnen sich bis zu einem gewissen
Grad auch ohne Subventionen. Oder als anderes Beispiel: Der
Preis-unterschied, der sich zwischen regenerativ erzeugtem und
konven-tionell erzeugtem Strom einstellen wird, ist noch weitgehend
ungewiß. Mit Sicherheit wird regenerativ erzeugter Strom aber einen
höheren Marktwert erzielen, so daß ein Windenergie-konverter nach der
Liberalisierung des Strom-marktes in der Tendenz mit geringerer
finanzieller Unter-stützung wirtschaftlich sein wird als vor der
Freigabe des Strommarktes. Selbst für die Photovoltaik zeichnet sich
durch den liberalisierten Strommarkt ein kleiner, rein
betriebswirtschaftlich motivierter Boom ab: Wer in Deutsch-land
regenerativ erzeugten Strom anbieten möchte, braucht in seinem
Kraftwerkspark mindestens ein Solarkraftwerk (sei es auch noch so
klein).
Allein die sich aus dem Marktgeschehen heraus ergebenden Ansätze werden
aber nicht so vielfältig sein, wie es zur Lösung der "Stromfrage"
wünschenswert wäre. Die (Weiter-)entwicklung neuer Kraftwerkstypen
erfolgt häufig mit einem so großen Zeithorizont, daß sie sich im
Strommarkt betriebswirtschaftlich nicht rechnet. Die Ein-führung neuer
Technologien kann durch Markt-strukturen sogar behindert werden.
Insbesondere der Ansatz, die Nachfrage nach elektri-schem Strom durch
effizienteren Verbrauch zu reduzieren, wird durch die Freigabe des
Strom-marktes in keiner Weise unterstützt. Auch ergeben sich durch den
Strommarkt keine Anreize, bislang unerkannte ökologische oder soziale
Risiken der Strom-erzeugung zu erforschen. All diese Maßnahmen bedürfen
daher die Unterstützung der Öffentlichkeit.
Politische Schritte zur Lösung der "Stromfrage"
Hinsichtlich der politischen Schritte zur Lösung der "Stromfrage" lohnt
eine Analyse der Chronologie der Förderung der Windenergienutzung (Bild
6). Diese Chronologie ist zunächst gekennzeichnet von der erfolglosen
Förderung eines Großprojektes, bevor durch eine am Markt orientierte
Förderung sowohl die Entwicklung als auch die breite Markteinführung der
Anlagen erreicht werden konnte.
Bild 6: Chronologie der Förderung der Windenergienutzung [6]-
Zumindest in diesem Fall erwies sich somit die Förderung eines
Einzelprojektes als nicht zielführend. Bemerkenswert ist dabei, daß
trotz massiver finanzieller Unterstützung und Beteiligung renommierter
Unternehmen im Rahmen des Growian-Projektes nicht geleistet wurde, was
wenige Jahre später in ?Hinterhofwerkstätten" realisiert werden konnte.
Die Ver-mutung drängt sich auf, daß die Teilnehmer am Growian-Projekt
trotz der erheblichen finanziellen Unter-stützung weniger am Erfolg des
Projektes interessiert waren, als ihre Nach-folger.
Betriebswirtschaftlich wäre das nachvollziehbar, denn im Unterschied zu
späteren Förderungsmechanismen wurde das Growian-Projekt nicht
erfolgs-abhängig gefördert und bot zudem für die beteiligten Unternehmen
nicht die Perspektive eines neuen Absatzmarktes.
Das Beispiel legt nahe, daß politische Schritte zur Lösung der
"Stromfrage" die betriebswirtschaftlichen Interessen der geförderten
Institute bzw. Unternehmen berücksichtigen müssen. Die Förderung von
Grundlagenforschung sollte daher zumin-dest zu nennenswerten Teilen in
Form von erfolgsabhängigen Prämien erfolgen, die ausgezahlt werden, wenn
ein definiertes Ziel erreicht ist. Je näher eine Technologie an der
Markteinführung ist, desto mehr muß zudem bei der Förderung zusätzlich
das Marktgeschehen beobachtet werden. Eine Förderung, die den Markt
nicht berücksichtigt oder sogar gegen ihn zielt, kann in diesem Stadium
nicht mehr erfolgreich sein.
Konkret:
Viele energietechnische Forschungs- und Entwicklungsvorhaben befinden
sich derzeit noch in der Grundlagenforschung und sollten somit möglichst
erfolgs-abhängig in Einzelprojekten gefördert werden. Dies gilt
insbesondere auch für Forschungs-vorhaben, die sich mit der
Früherkennung von ökologischen und sozialen Risiken befassen. Angesichts
der Tatsache, daß die "Stromfrage" ohne neue Erkenntnisse aus der
Forschung und ohne technische Weiter-entwicklungen nur mit erheblichen
sozialen und ökologischen ?bads" lösbar ist, sollte der gezielten
Unterstützung von Forschung und Entwicklung ein besonderes öffentliches
Interesse zukommen.
Die Bewertung von Forschungsvorhaben, die sich mit der Kerntechnik
befassen, fällt schwer. Schließlich stellt das Know-How zum Betrieb von
Kernkraftwerken auch einen Ansatz zu Lösung der Stromfrage dar, auf den
man heute zwar lieber verzichten würde, auf den man in Zukunft aber
möglicher-weise in Ermangelung anderer Alternativen zurück-kommen
möchte. In jedem Fall sollte - solange in Deutschland Kernkraftwerke
betrieben werden - das Know-how zum Betrieb und Abbau (!) der Anlagen
vorgehalten und weiterentwickelt werden. Hier ist zu befürchten, daß
zusammen mit dem eingeleiteten vollständigen Ausstieg aus der
Kerntechnik, auch das Forschungs-interesse an dieser Technik erlahmt.
Diese Entwicklung wird in wenigen Jahren, auf jeden Fall aber noch
innerhalb der Restlaufzeiten der bestehenden Kern-kraftwerke zu einem
bedenklichen Expertenmangel führen.
Auch zur Weiterentwicklung der Photovoltaik sind noch viele
Forschungs-vorhaben erforderlich, die derzeit noch der
Grundlagenforschung zuzurechnen sind, die also nicht ohne öffentliche
Unterstützung realisierbar wären. Diese Projekte sollten - so wie die
anderen Projekte der Grundlagenforschung - den Schwerpunkt der
Energiepolitik darstellen. Abweichend davon zielt das
aktuelle 100.000-Dächer-Programm der Bundesregierung aber gerade nicht
primär auf die technische Weiterentwicklung der Solartechnik. Vielmehr
hat dieses Programm eher den Charakter einer Markteinführung. Sollte
hier aber wirklich eine Markt-einführung der Photovoltaik angestrebt
werden, dann muß auch eine sichere Perspektive für den aufgezeigten
Markt bereitgestellt werden. Selbst bei sehr optimistischer Bewertung
des Entwicklungspotentials der Solartechnik ist aber davon auszugehen,
daß die Stützung des Marktes für Solarenergie einen erheblichen
Subventionsaufwand also ein erhebliches ?bad" nach sich ziehen wird.
Ähnlich ist dies im Fall des Windeinspeise-gesetzes: Auch hier müssen
die (potentiellen) Betreiber von Windenergiekonvertern darauf vertrauen
können, daß ihr Markt weiterhin erhalten bleibt. Allerdings erscheint
die Erhaltung des Marktes im Fall der Windenergie mit deutlich
geringeren Subventionen realisierbar, als dies bei der Photovoltaik der
Fall ist, weil die Stromerzeugungs-kosten der Windenergiekonverter
bereits sehr nahe bei den auf dem Markt realisier-baren Preisen liegen,
während dies im Fall der Photovoltaik eben noch nicht der Fall ist.
Die Ansätze zur Reduktion des Stromverbrauchs sind technologisch meist
einfach und daher grundsätzlich nahe an der Markteinführung. Häufig sind
es gar nicht technische Probleme, sondern eingespielte Denk- und
Verhaltens-muster, die einer Reduktion des Stromverbrauchs
entgegenwirken. Daher reicht der Anreiz durch den Markt vielfach nicht
für die erforderlichen Schritte zur Reduktion des Stromverbrauchs aus.
Dieser Anreiz kann aber verstärkt werden, beispielsweise über durch
Verbrauchssteuern erhöhte Strompreise. Hier verfolgt die Bundesregierung
mit der geplanten Besteuerung von Energie einen erfolgversprechenden
Ansatz, insbesondere dann, wenn sie die sozialen ?bads" der
Energiebesteuerung durch Steuerentlastungen an anderer Stelle
ausgleicht. Demgegenüber ist eine Einzel-projekt-förderung der Ansätze
zur Reduktion des Stromverbrauchs aufgrund ihrer großen Vielfalt schwer
zu koordinieren und auch nur dann erforderlich, wenn im Einzelfall doch
erhebliche Weiter-entwicklungen zu leisten sind.
Langfristige politische Perspektiven
Die vorab erarbeiteten politischen Schritte sind kurzfristige Schritte,
die sich zwar sicherlich zur Gestaltung der Tagespolitik eignen, die
aber ebenso sicher keine langfristige Perspektive zur Lösung der
"Stromfrage" darstellen. Die Lösung der "Stromfrage" ist heute noch viel
zu sehr von unsicheren Weiterentwicklungen abhängig, als daß hierzu
bereits lang-fristige Perspektiven oder gar endgültige Visionen
formuliert werden könnten. Dennoch erfordert die Lösung der ?Stromfrage"
tagespolitische Entscheidungen mit erheblichen ökologischen, sozialen
und letztlich auch finanziellen Folgen. Wie ist es möglich, derartig
grundlegende Entscheidungen politisch zu begründen, ohne eine
langfristige Perspektive aufzeigen zu können?
Durch eine perspektivlose Politik! Eine Politik, die äußerst flexibel
auf neue Situationen reagiert, wenn sich diese beispielsweise aus neuen
Forschungs-ergebnissen oder aus einer Neu-Bewertung der ?bads" ergeben.
Eine Politik, die ihre Entscheidungen rein zweckrational trifft, sie
also nicht aus der Vergangen-heit heraus begründet. Eine Politik, die
zwar Werte und Ziele verfolgt, die aber keine Visionen hat, weil auch
Visionen letztlich aus der Vergangen-heit heraus gebildet werden und
damit nicht offen sind für zukünftige Entwicklungen.
Ob sich eine solche Politik vermitteln läßt, darf angezweifelt werden.
Perspektiv- und Visionslosigkeit gelten nicht gerade als Garant für eine
erfolgreiche Politik. Ohnehin erscheint es fraglich, ob
sich technisch ungeklärte Fragen wie beispielsweise die ?Stromfrage"
überhaupt als Gegenstand öffent-licher Diskussionen eignen. Ist nicht
viel mehr zu befürchten (wenn nicht sogar zu beobachten), daß sich
öffentliche Diskussionen zur ?Stromfrage" stets auf eine vehemente
Befürwortung bzw. Ablehnung verschiedener Lösungs-ansätze beschränken,
ohne damit der tatsächlichen Lösung dienlich zu sein?
Wie auch immer technisch ungeklärte Fragen wie z.B. die ?Stromfrage" in
den kommenden Jahren der Berliner Republik angegangen werden:
Preußischer Perfektionis-mus wird kaum etwas zur Lösungsfindung
beitragen (vergl. Bild 2). Berliner Witz und Ideenreichtum schon.
Literatur und Quellen
[1] Informationszentrale der Elektrizitätswirtschaft e.V. (Hrsg.)
StromBASISWISSEN, Informationen zur energiewirtschaftlichen und
energiepolitischen Diskussion
IZE, Postfach 700561, D-60555 Frankfurt am Main
[2] Wöhe, G.
Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaft
Verlag Vahlen, ISBN 3800620928, 19. Auflage, München 1996
[3] Saro-Wiwa, K.
Flammen der Hölle.
Nigeria und Shell: Der schmutzige Krieg gegen die Ogoni
Rowohlt Taschenbuchverlag, ISBN 3499139707, Berlin 1996
[4] The Shell Petroleum Development Company of Nigeria Ltd. (Hrsg.)
Video & Photo library
http://www.shellnigeria.com/info/photo_rhs.asp?Section=Community,
Oktober 1999
[5] Greenpeace (Hrsg.)
Nigeria: Ogoni-Bewegung ruft zu neuem Protest gegen Regime auf
http://www.greenpeace.de/GP_ARCHIV/HOMEPAGE/A971107.HTM, Oktober 1999
[6] Dörner, H.
Die Geschichte der Windenergie
http://www.ifb.uni-stuttgart.de/~doerner/windenergie.html, Oktober 1999
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