Jochen Guckes
Friedrich-Ebert-Stiftung
Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre an der Humboldt-Universität zu Berlin
26 Jahre
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Nach der Vergangenheitsbewältigung. Zwischen Symbolpolitik und praktischem Handeln
Überlegungen zu Erinnerungskultur und Erinnerungspolitik am Anfang des neuen Jahrtausends
von Jochen Guckes
"Unvermeidlich stoßen wir auf Vergangenheit und Gegenwart: Sie sind untrennbar. Es gibt kein Ende der Geschichte, auch keinen Schlußstrich, keinen völlig neuen Anfang", so Fritz Stern, der große amerikanische Historiker deutsch-jüdischer Herkunft, bei seiner Dankesrede für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1999. Wie anders hatte es noch vor einem Jahr bei der Preisverleihung geklungen, als der Schriftsteller Martin Walser erklärte: "Wenn mir aber jeden Tag in den Medien diese Vergangenheit vorgehalten wird, merke ich, daß sich in mir etwas gegen diese Dauerrepräsentation unserer Schande wehrt." Diese beiden Zitate führen beispielhaft vor Augen, wie gegenwärtig Vergangenheit und Erinnerungspolitik in unserer Gesellschaft sind, und wie breit das Spektrum des Umgangs mit ihnen ist. Doch nicht nur beim Zeitunglesen sind wir mit dem Thema konfrontiert, auch ein Spaziergang durch Berlin verdeutlicht täglich aufs neue die Gegenwart von Geschichte und Gedenken, sei es in Form von Gedenkstätten, Mahnmalen oder neugenutzten alten Regierungsgebäuden. Jeder von uns muß sich bewußt oder unbewußt zu diesen Themen verhalten, seine oder ihre Position dazu finden. Wo stehen wir? Wo stehe ich? Welche Erinnerung brauchen wir? Das sind die Fragen, auf die ich versuchen will eine Antwort zu finden.
Die Problematik an sich ist nicht neu, auch geht sie nicht nur die heute junge Generation etwas an. Dennoch haben wir einen besonderen Zugang zu ihr. Wir stehen in einer Verantwortung, die mit der Situation zusammenhängt, in der unsere Gesellschaft sich befindet. Wir leben in einer Zeit der Umbrüche, auf den verschiedensten Gebieten, und wir müssen den Umgang mit der Vergangenheit definieren, der für die Jahre der kommenden "Berliner Republik", für den Beginn des neuen Jahrtausends, prägend sein wird.
Umbrüche und Herausforderungen
Der folgenschwerste Einschnitt für unsere Generation war zweifelsohne der Fall der Mauer im November 1989. Der Kalte Krieg und die deutsche Teilung, die das politische Denken der Nachkriegszeit, und damit auch der Bonner Bundesrepublik bzw. der DDR, geformt hatten, waren zu Ende. Die Situation war wieder offen, es gab Platz für neue Hoffnungen und Träume, alte hingegen mußten aufgegeben oder an die neuen Realitäten angepaßt werden, sei es im Bereich der internationalen Beziehungen oder bezüglich gesellschaftlicher Reformen und alternativer Lebensentwürfe. Dies galt und gilt insbesondere für die Lehren, die gerade wir Deutschen aus der Vergangenheit gezogen haben. Die Rolle Deutschlands in der Welt mußte und muß immer noch neu durchdacht und begründet werden, und damit auch das Verhältnis der Deutschen zum Militär. Die Jahrgänge 1965 bis 1975 sind von dieser Neuorientierung am meisten betroffen, da ihre Identität sowohl von der Welt vor 1989 als auch von der neuen Situation nach Ende des kalten Krieges bestimmt worden ist, ohne daß sie ihre Identität ganz einer Seite zuordnen könnten.
Symbolisch verdichtet wurde die Umbruchsituation 10 Jahre später mit dem offiziellen Umzug der Regierung und des Parlamentes von Bonn nach Berlin. Der Begriff der "Berliner Republik" geisterte durch die Debatte, von jedermann nach Belieben gefüllt. Klar wurde nur: es ist etwas anders geworden. An den Umbau und die Sicherung des Sozialstaates wurde dabei weniger gedacht als an nationalstaatliche Außenpolitik oder an Rückfälle in alte Muster preußisch-deutscher Geschichte. Die Frage, auf welchen Teil unserer Geschichte wir uns künftig beziehen wollen, stand im Zentrum dieser Debatte. Anknüpfen an die nationalstaatliche Tradition, endlich "normal" werden und deutsche Interessen offen vertreten, wie es eine Allianz der älteren Männer und der jüngeren selbsternannten "89er" vorschlug, oder das Erbe der westlichen Nachkriegsrepublik bewahren und im Geiste der kritischen Aufklärung am Fortschritt weiterarbeiten, wie es die 68er und das Establishment der Bonner Republik vehement forderten, das war hier die Frage.
Die Realität war dann eher geprägt von einer dialektischen Ironie der Geschichte. Es fiel einer neuen rot-grünen Bundesregierung - eigentlich die Inkarnation der Ideale der 80er Jahre - zu, nach Berlin umzuziehen und den Begriff mit ihren politischen Inhalten zu füllen. Doch zunächst war sie im Kosovo mit einer internationalen Krise konfrontiert, und Deutschland fühlte sich erstmals nach 1945 gezwungen an einem Krieg teilzunehmen, noch dazu auf einem Territorium, wo die Erinnerungen an die Wehrmacht in der Bevölkerung durchaus noch lebendig sind. Die Regierung stand vor einem Dilemma: zwei ihrer Grundwerte, Pazifismus und Durchsetzung der Menschenrechte, die zudem beide mit der Geschichte des Zweiten Weltkrieges und des Holocaust begründet wurden, ließen sich nicht mehr vereinen. Wieder stellt sich die Frage: welche Lehre sollen wir aus unserer Vergangenheit ziehen?
Eine weitere Merkwürdigkeit in diesem Zusammenhang ist das Verhalten des Bundeskanzlers und seiner Regierung auf internationalem Parkett. Diejenigen, die noch vor wenigen Jahren die Geschichtsvergessenheit des Kanzlers Kohl kritisiert hatten, stoßen sich nun nur noch sehr wenig am neuen Auftreten des Bundeskanzlers Schröder, der deutsche Interessen ungeschützt artikuliert und damit Partnern gelegentlich auch vor den Kopf stößt, waren diese doch solche Töne aus Deutschland nicht mehr gewöhnt. Gerade von Rot-Grün hätte man dies so nicht erwartet. Diese "Normalisierung" hat, von Fragen des Stils und der diplomatischen Geschicklichkeit einmal abgesehen, sicher ihre guten Seiten. Festzuhalten bleibt dabei allerdings, daß nicht Helmut Kohl den zweiten entscheidenden Kontinuitätsbruch in der nachkriegsdeutschen Geschichtspolitik zu verantworten hat, sondern die Erben der Bonner Protestgeneration, die vor 30 Jahren für den ersten großen Wandel verantwortlich war.
Ein anderer fundamentaler Umbruch kommt hinzu. Er betrifft weniger unsere eigene persönliche Identität als die Prägung der kollektiven Erinnerung. Wir leben in der Zeit, in der die letzten Zeitzeugen sterben, die das Dritte Reich und die Schrecken der ersten Jahrhunderthälfte persönlich erlebt haben. Wir gehören zu den letzten, die noch selber mit Überlebenden des Holocaust sprechen können und damit einen unmittelbaren Kontakt zu dieser Geschichte haben. Für die Zeitzeugen selber bedeutet ihr Altern in diesem Zusammenhang, daß ihr Bedürfnis Rechenschaft abzulegen immer größer wird. Es ist ihre letzte Chance zu erzählen, "wie es eigentlich gewesen ist", bzw. ihre Sicht der Dinge für die Zukunft festzuhalten. Daher erklärt sich zu einem guten Teil die Heftigkeit der verschiedenen Debatten um die Erinnerung der Gesellschaft, die für unseren und der folgenden Generationen Umgang mit der Vergangenheit mitbestimmend sein wollen.
Exemplarisch verdeutlicht werden sowohl die Änderungen in der Gesellschaft und ihrer Erinnerungskultur nach 1989 als auch das Engagement der älter werdenden Zeitzeugen im Wirken von Ignatz Bubis. Wie kaum ein anderer hat er die erinnerungspolitische Diskussion der letzten 10 Jahre geprägt - und bei zahlreichen Auftritten vor allem auch die junge Generation stark beeinflußt. Jüdisches Leben in Deutschland wieder selbstverständlich heimisch werden zu lassen war sein Ziel. Um so mehr Fragen müssen die resignativen Äußerungen aus dem Sommer 1999 aufwerfen, die durch seinen unerwarteten Tod quasi die Rolle eines Vermächtnisses erlangt haben. Hat Ignatz Bubis wirklich nichts erreicht? Sind Juden nach wie vor fremd in diesem Land? Ist es symptomatisch, daß der Bundeskanzler nicht zu seiner Beerdigung angereist ist? Welche Bedeutung hat die Shoah für die Identität der Deutschen, insbesondere der jüngeren?
Diese Zeit der Umbrüche auf der Ebene der Erinnerungspolitik und des historisch-politischen Selbstverständnisses fällt zusammen mit weiteren Umbrüchen in der Gesellschaft. Nicht nur die Außenpolitik und das internationale System müssen überdacht werden, auch unser Sozialstaat muß reformiert werden, wenn er erhalten werden soll. Ein einfaches "Weiter so" würde hier zwangsläufig in den Untergang bzw. die Aufgabe der Sicherungssysteme führen. Auch auf die Internationalisierung von Politik, Wirtschaft und Kultur, gebündelt im Schlagwort von der Globalisierung und tagtäglich erlebt durch die neuen Kommunikationstechniken, müssen wir zeitgemäße Antworten finden. Dies setzt jedoch eine gesicherte eigene Identität voraus. Nur so kann die Gesellschaft sich öffnen und die Herausforderungen bestehen, vor die sie gestellt ist. Dafür müssen wir wissen, wie wir mit unserer Vergangenheit umgehen wollen, was für unser Selbstverständnis entscheidend ist und als Grundlage unseres Handelns dient. Es gilt, den Platz der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts in unserem kulturellen Gedächtnis zu bestimmen. Ein Ausblenden dieser Notwendigkeit kann nicht gelingen.
Positionsbestimmungen und Prägungen
Antworten auf diese Herausforderungen sind nur auf dem jeweiligen persönlichen und gruppenspezifischen Hintergrund verständlich. Deswegen können sie auch nur aus individueller Sicht gegeben werden. Eine der wesentlichen Scheidelinien in Bezug auf die Erinnerungspolitik ist dabei nach wie vor die ehemalige deutsch-deutsche Grenze. Gerade in diesem Bereich hat das unterschiedliche staatliche Selbstverständnis und vor allem der daraus folgende gesellschaftliche Umgang mit dem Thema tiefe Spuren hinterlassen. Nicht nur die Einschätzung der historischen Sache ist in der Bevölkerung eine andere, auch die politischen Schlußfolgerungen spiegeln die Teilung, wie zuletzt an der Einschätzung des Kosovokrieges deutlich geworden ist. Ost- und Westdeutsche haben in der erinnerungspolitischen Debatte keinen gemeinsamen Bezugsrahmen, auch wenn westdeutsche Redakteure in ostdeutschen Medien das altbundesrepublikanische Selbstverständnis seit geraumer Zeit nahezu unhinterfragt exportieren. Die Vergangenheitsbewältigung als Dauerthema spielt(e) im Osten eine wesentlich geringere Rolle, und vor allem Auschwitz ist dort nicht der zentrale Bezugspunkt der Debatte gewesen. Meine Überlegungen sind aber nur verständlich vor dem Hintergrund des alten links-liberalen Konsenses in Erinnerungsdingen der späten Bonner Jahre. Dieser dominiert zwar auch den gesamtdeutschen Gedächtnisdiskurs, liegt aber in großen Teilen des Ostens nur wie ein Schleier über ganz anderen Grundvoraussetzungen.
Meine Sozialisation in Hinblick auf das Geschichtsbild wurzelt, wie die der meisten an diesem Thema Interessierten meiner Generation, in jenem links-liberalem Geist, der sich in den Debatten beispielsweise der ZEIT oder der Süddeutschen Zeitung niedergeschlagen hat. Das erfolgreiche Aufrütteln der westdeutschen Gesellschaft aus dem geschichtsvergessenen Wirtschaftswundergeist Ende der 60er Jahre bildete hierfür die Grundlage, und im Anschluß an Richard v. Weizsäckers Rede am 8. Mai 1985 wurde wurde das Gedenken mehr und mehr öffentlich-offiziell. Das Erinnern an den Holocaust (und nicht in erster Linie die Opfer des (kommunistischen) "antifaschistischen" Widerstandes) aus der Gesellschaft heraus war eine Selbstverständlichkeit. Hinzu kamen links-alternative Werte wie etwa der Pazifismus oder eine starke Betonung der Menschenrechte, die in einer durch die bipolare Ordnung stabilisierten Welt relativ einfach als realistisch zu vertreten waren. Den Bezugsrahmen dafür bildete jenes Westeuropa, dessen Länder ich fast alle aus dem Urlaub kannte. Westbindung nicht als eine Frage der Ideologie, sondern einfach als Ergebnis der Erfahrung. Die Europäische Einigung und die damit einhergehende Aufhebung der Nationalismen in einem größeren Rahmen schien ebenso wie der Pazifismus die einzig richtige Antwort auf die Erfahrungen der deutschen Geschichte zu sein. Das Ende des Kalten Krieges zeigte jedoch die Grenzen dieser Überlegungen. Mit der Ausweitung der Perspektive nach Osteuropa wurde klar, daß die einfache Erweiterung der EU so nicht machbar war, und die schnell auflodernden Nationalismen in Osteuropa führten deutlich vor Augen, daß der Nationalstaat nicht soweit von der Geschichte überholt war, wie viele geglaubt oder gehofft hatten. Das von unglaublichen Grausamkeiten begleitete Auseinanderfallen Jugoslawiens stellte die sicher geglaubten Antworten in Frage. Dies fiel um so mehr ins Gewicht, als es auch Auschwitzüberlebende waren, die sowohl realpolitisch als auch pazifistisch motivierte westliche Untätigkeit anklagten.
Was ist meine Generation?
In diesem Kontext stehen die verschiedenen Debatten um die richtige Auseinandersetzung mit der Geschichte, die meine Generation geprägt haben. Aber was ist "meine Generation"? Wer gehört dazu? In erster Linie sicherlich jene politisch interessierten jungen Intellektuellen, die wie ich Mitglieder der letzten von der alten Bundesrepublik geprägten Alterskohorte sind, aber 1989 noch nicht soweit politisch verfestigt waren, daß sie nicht neue Impulse aufgenommen hätten und offen für Veränderung wären: diejenigen, die ein Interesse an Erinnerungspolitik haben und sich persönlich dafür engagieren. Das sind zwar mehr als in den meisten anderen Ländern, doch sind wir schwerlich die Mehrheit, nicht einmal repräsentativ.
Die neu-rechten Denker der Jungen Freiheit im Verbund mit den sogenannten "89ern" haben in unserer Generation so gut wie keine Anhängerschaft gewinnen können und stehen ziemlich alleine da. Rechtsradikale Jugendgewalt, die Anfang der 90er Jahre weltweit für viel Aufmerksamkeit sorgte, gehört eher zum Profil unserer Generation. Doch auch sie hat sich Gott sei Dank nicht als mainstream-fähig erwiesen, jedenfalls nicht im Westen. Sie hat im Gegenteil im ganzen Land deutliche Abwehrreaktionen hervorgerufen. Wenn heute dennoch von einer "Hegemonie der Skinheads auf ostdeutschen Dorfstraßen" gesprochen und geschrieben wird, so ist das ernst zu nehmen, hat aber nicht in erster Linie mit Erinnerungspolitik zu tun und bezieht sich auch nicht auf diese. Soziale Ursachen und sozialer Protest stehen hier wahrscheinlich im Vordergrund. Der Bezug auf Neonazi-Propaganda dient eher dem gezielten Tabubruch.
Am zahlenmäßig stärksten ist sicherlich die Fraktion der politisch weniger Interessierten, der "Spaßgeneration". Diese "breite Masse" ist nicht direkt an Geschichte und Gedenktagen interessiert, eher passiv genervt und gelangweilt: "Nicht schon wieder Drittes Reich!" heißt es dann. Und: "Das ist doch schon so lang her, und in Jugoslawien sterben die Leute heute!" Dennoch: wenn Zeitzeugen zu ihnen in die Schule kamen, waren (bzw. sind) sie meist gebannt und ernsthaft bei der Sache, und die tiefere Bedeutung des Dritten Reiches ist ihnen normalerweise bewußt, wenn die einzelnen historischen Fakten auch in aller Regel nicht so sehr interessieren. Ein Videoclip der Erfolgsband Rammstein zu Leni-Riefenstahl-Bildern ist für sie ganz normal und wird nicht hinterfragt, hinterläßt aber auch keine tieferen ideologischen Spuren. An einem Diskurs über Erinnerungspolitik nehmen sie gewiß nicht Teil, geprägt werden sie dennoch von ihm.
Diese unterschiedlichen Erfahrungen und Hintergründe erlauben es eigentlich nicht, die ganze Altersgruppe unter einem Begriff zusammenzufassen. Einen Namen wie "Berliner Generation" halte ich für unangemessen, allein schon wegen seiner Schwammigkeit. Repräsentativ für die Generation können Überlegungen zur Erinnerungskultur schon lange nicht sein. Aber die Einstellungen der interessierten Nachwuchsintellektuellen können das allgemeine Klima prägen und damit auch auf den Rest unserer Altersgenossen einwirken, und sie können vor allem ihre Einstellungen mitbeachten, so daß die Formen des offiziellen Gedenkens nicht auf Ablehnung stoßen, sondern angenommen werden. Aus dieser Überlegung heraus ist es vertretbar, von "unserer Generation" zu sprechen.
Kulturelles Gedächtnis, persönliche Erinnerung und Erinnerungspolitik
Daß es keine Alternative zum Erinnern gibt, liegt angesichts der zahlreichen politischen Problemzusammenhänge auf der Hand, in denen die deutsche Haltung eng mit dem Geschichtsverständnis der Gesellschaft verknüpft ist. Der Theoretiker des "Kulturellen Gedächtnisses" Jan Assmann hat hierzu Octavio Paz folgendermaßen zitiert: "Erinnerungen geben über eine Gesellschaft mehr Auskunft als ihre Vorhaben".
Drei Faktoren sind es, die laut Jan Assmann den Zusammenhalt einer jeden Gemeinschaft prägen: die Erinnerung, die Identität und die Traditionsbildung. Nur der Bezug auf eine gemeinsame Vergangenheit erlaubt es einer Gruppe bzw. einem Volk, eine kollektive Identität auszubilden, sich als zusammengehörige Gruppe zu begreifen. Dieses kulturelle Gedächtnis ermöglicht es überhaupt erst, daß Mitglieder einer Gruppe "wir" sagen können. In ihm ist der gemeinsame Traditionsbestand aufbewahrt, sei es in Form "fundierender Texte" oder gemeinschaftlich ausgeübter Riten. Ein Kanon von als klassisch anerkannten Texten und Werten wie beispielsweise dem Grundgesetz oder der UN-Charta der Menschenrechte gehört ebenso in diesen Zusammenhang wie gemeinsam begangene Nationalfeiertage. Symbole und symbolisches Handeln dieser Art sind für die Sinnstiftung unumgänglich notwendig. Zumeist machen sie sich an konkreten Orten oder Zeitpunkten fest, Personen oder Ereignissen etwa, und transportieren einen für die jeweilige Gruppe wichtigen Sinn. Hinzu kommt, daß das kulturelle Gedächtnis "kontinuiert", also weitergegeben werden muß. Dabei ist entscheidend, daß der transportierte Sinn auf die jeweils aktuellen Fragen und Herausforderungen eine Antwort gibt. Das kulturelle Gedächtnis ist also sozial konstruiert und wandelbar, es ist das Ergebnis eines Aushandlungsprozesses zwischen verschiedenen Gruppen und ihren spezifischen Problemen und Sichtweisen.
Kulturelles Gedächtnis ist etwas ganz anderes als individuelle biographische Erinnerung. Letztere benutzt den sozialen Bezugsrahmen der herrschenden Werte und Normen in ihrer gesellschaftlichen Umgebung, um erlebten Situationen und Geschehnissen Sinn zu geben. Es ist dabei unerheblich, ob die persönliche Erinnerung historisch richtig oder falsch ist. Das kulturelle Gedächtnis hingegen ist der allen gemeinsame Bestand an grundlegenden identitätsstiftenden Mythen, unabhängig von ihrem historischen Wahrheitsgehalt. Sowohl Erinnerung als auch kulturelles Gedächtnis sind also etwas anderes als Geschichtsschreibung.
Kulturelles Gedächtnis ist lebensnotwendig für die Gesellschaft. Seine Gestalt aber ist formbar. Verschiedene Akteure haben dabei verschiedene politische Interessen, die sie durchzusetzen versuchen. Das ist der Kern von Erinnerungspolitik. Geschichte wird dabei immer instrumentalisiert, und zwar von allen Seiten. Geschichte ist hier ein Argument. Das Ziel ist es, die Definitionshoheit über die "richtige" Auslegung der Geschichte, und damit das kulturelle Gedächtnis, zu erlangen und auf diese Weise aktuelle politische Werte zu legitimieren oder die politischen Ziele anderer zu delegitimieren. Geglückt ist dies, wenn eine Deutung der Geschichte oder eine besondere Erinnerung die "kulturelle Hegemonie" (Gramsci) errungen hat und nicht mehr in Frage gestellt wird. Der Historikerstreit war ein Beispiel für den Versuch, die herrschende Lehre zu ändern, und die jüngste Debatte um Peter Sloterdijks "Regeln für den Menschenpark" illustriert auf dem Gebiet der Ethik diesen Zusammenhang.
In unserer pluralistischen und säkularisierten Gesellschaft ist das Erringen einer absoluten kulturellen Hegemonie oft nicht mehr möglich und auch nicht nötig. Ein allgemeinverbindlicher Kanon besteht zumeist nicht mehr, es gibt mehrere konkurrierende Vorstellungen, ein völliger Konsens wie in vormodernen traditionalen oder totalitären Gesellschaften wird gar nicht erst angestrebt. Die Auseinandersetzung bezieht sich auf die größtmögliche Repräsentation und Akzeptanz der Deutung in der Bevölkerung. In der Frage einer Erinnerungskultur für die nächsten Jahrzehnte kann es also in aller Regel nicht um einen Absolutheitsanspruch gehen. Fragen von solcher Fundamentalität wie zum Beispiel die Strafandrohung für die Auschwitzlüge sind bei uns per Gesetz geregelt. Das Ziel kann lediglich die möglichst weitgehende Durchsetzung einer Sicht auf die Geschichte sein, die für die Fragen der Gegenwart die besten Antworten gibt. Auf diese Weise kann Erinnerungspolitik der Gesellschaft Halt geben sowie das richtige Rüstzeug für die Probleme der Zukunft bereitstellen.
Die Wahl zwischen verschiedenen Gedenkoptionen ist ganz zweifellos eine Wertentscheidung, und sie birgt die Gefahr in sich, daß andere Gruppen, daß die Mehrheit anders entscheidet, als ich mir das wünschen würde. Das Verdrängen der NS-Vergangenheit, der oft geforderte Schlußstrich, ist sicher eine Option. Es muß folglich gezeigt werden, daß es die denkbar schlechteste Option ist, um die Zukunft zu bestehen. Dies zu tun und im Bewußtsein der Gesellschaft zu verankern, bzw. diesen "Bonner Konsens" wachzuhalten, ist die Aufgabe unserer Generation.
Die Bedeutung der Generationenabfolge
Unserer Generation kommt dabei im Bezug auf die NS-Vergangeneheit eine wichtigere Rolle zu als anderen. Das liegt in der besonderen Bedeutung der Zeit begründet. Wir leben in der Periode, in der die heftigsten Kämpfe um die Erinnerung an das Dritte Reich ausgefochten werden, uns kommt es zu, maßgeblich mitzubestimmen, was davon in das kulturelle Gedächtnis des gesellschaftlichen Mainstreams einfließt.
Ein einschneidendes Ereignis tritt zumeist dann endgültig in das kulturelle Gedächtnis ein, wenn niemand mehr da ist, der sich persönlich daran erinnern kann. Für gewöhnlich ist dies spätestens nach 80 Jahren der Fall. Schon 40 Jahre nach dem Geschehen jedoch beginnt die Zeitzeugengeneration auszusterben. Richard v. Weizsäckers Rede zum 8. Mai 1985, die einen kollektiven Prozeß der individuellen Erinnerungen und daran anschließend des gesellschaftlichen Gedenkens in Gang gesetzt hat, entfaltete nicht zufällig 40 Jahre nach Kriegsende diese Wirkung. 40 Jahre waren nötig, um sowohl Opfern als auch Tätern das Reden zu ermöglichen, und nach 40 Jahren war auch die Gesellschaft mehr bereit zuzuhören. Die Anklagen der 68er (und zuvor der Gerichte) hatten zwar die Gesellschaft verändert, nicht jedoch den Einzelnen zum Erzählen animiert. Diese wichtige erste Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte und der bundesrepublikanischen Nachkriegszeit entsprang in erster Linie einem direkten Generationenkonflikt. Ihr Vorwurfscharakter hat die persönliche Erinnerung zunächst blockiert. Mit dem fortschreitenden Alter steigerte sich jedoch auch bei vielen Zeitzeugen das Bedürfnis, von ihren Erlebnissen zu erzählen und ihre Sicht der Dinge noch zu Gehör zu bringen, sie in die kollektive Erinnerung einzubringen. Dies erklärt die zum Teil erbittert geführten Debatten, etwa um die Wehrmachtsausstellung, die Millionen deutscher Männer im Innersten betroffen hat. Sie fanden statt an der Schwelle von der kollektiven Erinnerung zum kulturellen Gedächtnis, in dem Moment, in dem entschieden wird, welches Bild von der Geschichte in das kulturelle Gedächtnis eingeht, welches Gedenken ritualisiert wird. Diese Wichtigkeit der Zeit macht auch deutlich, warum vornehmlich alte Männer sich an der Debatte um die Walser-Bubis-Kontroverse beteiligt haben: sie waren davon ganz persönlich betroffen.
Unsere Generation ist innerlich nicht involviert, ist nicht existentiell berührt. Wir sind allerdings die letzte oder vorletzte Generation, die noch direkt Zeitzeugen gekannt hat. Unsere Kinder werden somit definitiv die letzte Generation sein, die von Menschen erzogen und geprägt wird, die in einem unmittelbaren Kontakt mit der Geschichte des Dritten Reiches gestanden haben. Bei uns geht es um die Frage, was wir von dieser Erfahrung weitergeben und erzählen und in welcher Form wir es tradierbar machen wollen. Neben dem Wachhalten der Erinnerungs ist die Bestimmung des was und wie die zweite Aufgabe unserer Generation.
Die Zeit- bzw. Generationenfrage kann auch dazu beitragen zu erklären, warum die Erinnerung an die DDR in unserer Gesellschaft in ganz anderen Bahnen verläuft als die an den Nationalsozialismus. Die Zeit ist einfach noch nicht reif für eine offene Auseinandersetzung der Betroffenen. Deutlich wird das an politischen Häftlingen aus den 80er Jahren. Viele können oft noch nicht über ihr erlittenes Leid sprechen, und die Täter finden ebenfalls keine offenen Ohren für ihre Geschichten. Einen ähnlichen Umgang mit der DDR-Vergangenheit wie mit der NS-Geschichte fordern, hieße den Bau eines Holocaust-Mahnmals in der Bundesrepublik der 50er Jahre angemahnt zu haben! Es wird noch einige Jahrzehnte dauern, ehe feststeht, was von der DDR-Geschichte an negativen Mythen oder positiven Bildern in das kulturelle Gedächtnis eingehen wird. Doch das zu entscheiden wird nicht mehr primär die Aufgabe unserer Generation sein.
Identität und Erinnerungskultur unserer Generation
Für die Aufnahme in das kulturelle Gedächtnis, für das rituelle Fortbestehen der Erinnerung oder das Anerkennen eines Werkes als Klassiker, sind die Wertmaßstäbe und Selbstdefinitionen der Nachgeborenen entscheidend. Das ist nicht alleine meine Generation, aber ihr wird doch im Laufe der Zeit eine immer wichtigere Position dabei zukommen. Was bestimmt also unsere Identität in Erinnerungsdingen?
Das wichtigste scheint mir zu sein, daß der Nationalsozialismus für uns Geschichte ist. Das bedeutet nicht, daß unter sie ein Schlußstrich gezogen werden sollte, ganz im Gegenteil. Die NS-Zeit ist einerseits lebendig, weil immer noch genug Zeitzeugen unter uns leben, aber sie betrifft uns nicht mehr persönlich. Andererseits ist sie bereits in das kulturelle Gedächtnis gewandert. Der Nationalsozialismus gehört zu den fundierenden Ereignissen deutscher Identität in der jüngeren Generation, ganz fraglos. Er ist Bezugspunkt für politisches Denken, auch wenn das nicht in jedem einzelnen Fall artikuliert wird. Die Shoah belastet uns nicht mit Schuld für die wir sühnen müßten, sie ist keine traumatische Belastung, sondern sie ist uns eine Verantwortung gegenüber den Opfern und für die Zukunft. Das "Nie wieder!" ist hier eine konkrete Handlungsmaxime, nicht bloß abstrakter Appell.
Wenn Auschwitz insbesondere für die junge Generation der Gründungsmythos deutscher Identität nach dem Dritten Reich ist, wie der renommierte Zeithistoriker Hans Mommsen es formuliert hat, dann bedeutet das auch, daß klassisch nationalstaatliche Wurzeln für unsere Generationen keinen fundierenden Wert mehr haben. Wir sind Deutsche, verbinden damit aber keinen "heiligen Schauer" mehr. Europa (manchmal gar die ganze Welt) ist eher der Bezugsrahmen als die Nation in ihren territorialen Grenzen. Das Brüssel der Europäischen Union bestimmt unser Denken mehr als das Berlin Preußens, und mit Budapest als Symbol für die Öffnung nach Osten verbinden wir ganz bestimmt mehr Hoffnungen als mit einer Restauration nationalstaatlichen Glanzes in der alten neuen Hauptstadt. Wobei wir nichts gegen deutsche Fahnen auf offiziellen Gebäuden haben. Alte Muster faszinieren uns nicht mehr. Das ist es, was die alten Männer der geschichtspolitischen Debatten oder die neunationalen "89er" nicht verstanden haben.
Das bedeutet aber nicht, daß wir nicht auch für deutsche Interessen und ihre (gleichberechtigte) Artikulation eintreten würden. Nur tun wir dies im Bewußtsein der Geschichte und im Gefühl unserer Verantwortung als Deutsche: für sie und aus ihr. Normalität heißt für uns nicht: "Wir sind wieder wer!" oder: "Endlich wieder mitmachen dürfen", sondern das alltägliche Leben und Handeln mit der deutschen Geschichte im Gepäck, ihren schwarzen wie auch ihren positiven Seiten. Darüber nicht immer reden zu müssen, bedeutet dabei nicht, daß wir uns aus der Verantwortung stehlen. "Historisierung" des Nationalsozialismus im Sinne des Historikers Martin Broszat, die den älteren Generationen nicht gelingen konnte, liegt für uns im natürlichen Lauf der Dinge. In diesen Zusammenhang läßt sich auch die Holocaust-Forschung der jüngeren Historiker-Generation einordnen. Sie will nüchtern erklären, was und wie es geschehen konnte, ohne dabei moralisch anzuklagen, denn dafür ist die Zeit, mit einigen Ausnahmen, vorbei. Eher geht es für uns darum, die Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen und die historischen Erfahrungen zur Richtschnur des Handelns zu machen.
Foren und Formen der Erinnerungskultur
Hinsichtlich des Anspruchs verbindet unsere Generation dabei viel mit den 68ern. In der Praxis hingegen zeigen sich einige wichtige Unterschiede, die vor allem generationell bedingt sind. Die 68er waren aus dem Generationenkonflikt mit ihren oft (mit)schuldigen Eltern persönlich betroffen. Ihr Gedenken hat einen stark moralischen Zug und einen fast dominierenden pädagogischen Impetus. Dabei haben viele der Alt-68er ihre eigene Motivation und Betroffenheit allzu oft auf die anderen, die Jüngeren projiziert, die die gleichen Empfindungen und Reaktionen zeigen sollten wie sie selber. Dieser gute Wille hat sich leider oft als kontraproduktiv erwiesen. Die Jugend, persönlich eben nicht mehr direkt involviert, hat sich überfordert gefühlt und das Erinnern abgelehnt. Sie hat die Geschichte nicht an sich herangelassen und das verordnete Erinnern abgeblockt. Sie hat einfach nicht die Betroffenheit gezeigt, die die Lehrer erwartet hätten, jedenfalls nicht auf Kommando.
Unsere Generation zeigt sich allergisch gegenüber dem moralinsauren Ton und den Betroffenheitsritualen vieler offizieller Gedenkveranstaltungen, die oft nur noch hohl klingen. Stattdessen entfaltet sich eine mindestens ebenso intensive Auseinandersetzung mit dem Thema, die sich in kritischer Distanz zum Gegenstand auch über das Dritte Reich lustig machen darf. Comics, Witze und Komödien sind die Medien, über die diese Art der Erinnerung läuft. Sie ersetzt keineswegs die persönliche Betroffenheit, doch bleibt diese den Momenten vorbehalten, wo sie echt ist: in der Begegnung mit Zeitzeugen, authentischen Dokumenten oder ergreifenden Darstellungen. Sie kommt spontan, oder gar nicht. Es kann nicht zentral festgelegt werden, wer wie zu gedenken hat. Denkverbote und Tabus haben hier keinen Platz mehr. Eine kommentierte Ausgabe von "Mein Kampf" im Schulunterricht zu benutzen scheint mir beispielsweise sinnvoller, als die Schülerinnen und Schüler mit der unwidersprochenen Propaganda im Internet alleinzulassen.
Eine dringliche Aufgabe der Erinnerungspolitik für unsere Generation bleibt neben der Vorsorge für das "Nie wieder!" auch der Umgang mit den überlebenden Opfern, so lange sie noch unter uns sind. Es ist ein absolutes moralisches Gebot - und hier ist die Moral völlig am richtigen Platze-, Zwangsarbeiter und KZ-Insassen, die nie einen Pfennig Geld von ihren Ausbeutern und Peinigern gesehen haben, so schnell wie möglich anständig zu entschädigen. Die Tatsache, daß die Firmen von ihren Gewinnen zehren durften und die SS-Männer ihre Pensionen genießen, macht dies um so dringlicher. Auch in der deutschen Außenpolitik sollte das Wissen um historische Ängste derjenigen berücksichtigt werden, die von Deutschland mit Krieg überzogen wurden, auch wenn diese Ängste heute nicht mehr begründet sind. Diese Rücksicht soll und darf jedoch nicht zum völligen Verzicht Deutschlands auf eigene Positionen führen. Dies gilt auch und gerade gegenüber Israel, für das Deutschland eine besondere Verantwortung hat, über die unsere Generation ebenfalls wachen muß. Das entbindet sie allerdings nicht vom kritischen Dialog, der auch Kritik etwa der israelischen Palästinapolitik umfassen dürfen muß. Das bedeutet Normalisierung auf diesem Gebiet, wo sie sicherlich am wenigsten Realität ist.
Die Erinnerung unserer Gesellschaft an das Dritte Reich braucht jedoch nicht nur Aufklärung über die Geschichte, selbständige Auseinandersetzung mit dem Thema und Handeln nach den Lehren aus der Geschichte, sie braucht auch Rituale und Symbole. Gedenkveranstaltungen und Denkmäler sind nicht überflüssig. In diesem Sinne ist das beschlossene Holocaust-Mahnmal in Berlin eine absolute Notwendigkeit. In ihm schafft sich das kulturelle Gedächtnis der Bürgerinnen und Bürger Deutschlands am Ende des 20. Jahrhunderts eine symbolische Repräsentation. In ihm manifestiert die Gesellschaft ihr Selbstverständnis, ihre Bereitschaft, die Verantwortung aus der deutschen Geschichte als Aufgabe anzunehmen. Das Mahnmal ist zugleich Anregung für künftige Generationen, ihr Verhältnis zu diesem Teil unseres kulturellen Gedächtnisses zu diskutieren. Es ist ein Mahnmal für die Deutschen, in erster Linie jedenfalls. Es manifestiert den Willen der Nachfahren der Täter zum Symbol. Aus diesem Grund kann ein zentrales Mahnmal auch nicht durch die vielen vorhandenen und zu erhaltenden Originalschauplätze ersetzt werden. Sie können Orte des Gedenkes an die Opfer und Stätten der Aufklärung sein. Ihnen fehlt jedoch die symbolische Dimension des bewußten Bekenntnisses, um die es bei der Erinnerungskultur für den Anfang des neuen Jahrtausends geht.