Konfliktpotential der ökonomischen und kulturellen Globalisierung: Das Beispiel der Global Cities
29.01.2000
Nach 1989 hat sich die Geographie Europas verändert. Deutschlands östliche Grenze ist keine Trennlinie zwischen den Ideologien mehr; von der Hauptstadt Berlin und damit der Republik wird erwartet, daß sie sich genauso selbstverständlich nach Mittel- und Osteuropa, nach Budapest, Prag und Warschau wie nach Brüssel, Paris und London orientiert. Karl Schlögel, der an der Europa-Universität in Frankfurt/Oder lehrt, spricht davon, daß der Raum zurückkehrt und ein "Europa der Städte" Konturen annimmt.
In diesem Beitrag soll die Rolle der Städte näher untersucht und zweierlei gezeigt werden: 1) Wie einige Städte der industrialisierten Welt durch die zunehmende wirtschaftliche Verflechtung eine wichtigere Rolle gewinnen und zu "Global Cities" werden und 2) wie sich als Folge der Einbindung in transnationale Netzwerke in diesen Städten aber auch neues Konfliktpotential aufbaut.
Globalisierung, die Zunahme von sozialen Verflechtungen über nationale Grenzen hinweg, ist zum Megatrend unserer Zeit geworden und verändert die Bedingungen ökonomischen, politischen und kulturellen Handelns tiefgreifend. Ökonomische Globalisierung meint, daß Produktmärkte und Unternehmen über nationale Grenzen hinweg zusammenwachsen. Exporte und ausländische Direktinvestitionen steigen in weltweitem Maßstab stärker als die Produktion. Vor allem die Direktinvestitionen, die hauptsächlich von transnationalen Unternehmen getätigt werden, weisen seit den 80er Jahren hohe Wachstumsraten auf. Dabei stellen inzwischen Direktinvestitionen im Tertiären Sektor, und hier wiederum vor allem im Bereich der Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, den Hauptanteil. Die "starke Globalisierungsthese", daß unternehmensinterne Produktionsketten, Handelsverflechtungen und ausländische Direktinvestitionen alle Staaten der Erde gleichermaßen umfassen, läßt sich empirisch jedoch nicht bestätigen. Echte transnationale Unternehmen sind selten und die Weltwirtschaft konzentriert sich weiterhin in den Industrieländern. Für die ökonomische Globalisierung gilt, daß wirtschaftliches Handeln zwar zunehmend nationale Grenzen überschreitet, ohne aber wirklich global, also die gesamte Welt umfassend, zu sein.
Ökonomische Globalisierung sollte daher als Vorgang betrachtet werden, der Ausbreitungs- und Konzentrationsprozesse verbindet. Die Ausbreitung ökonomischer Aktivitäten, die sich in der Zunahme von Handel und Investitionen über Ländergrenzen hinweg äußert, ist das "Herzstück" der Globalisierungsthese. Verflechtungen durch Güter-, Dienstleistungs-, Informations- und Kapitalströme folgen dabei zunehmend den Strukturen, die innerhalb von transnationale Unternehmen existieren. Die Konzentration ökonomischer Aktivitäten äußert sich dagegen in Prozessen der Regionalisierung. Die Weltwirtschaft hat eine multipolare Struktur angenommen: Die OECD-Staaten dominieren weiterhin die Weltwirtschaft und in wenigen Städten der Triade Nordamerika-Europa-Ostasien/Japan konzentrieren sich Steuerungsfunktionen für die gesamte Weltwirtschaft.
Kulturelle Globalisierung ist dadurch gekennzeichnet, daß soziale Kontake zunehmend nationale Grenzen überschreiten und soziale Verflechtungen konstituieren können. Exemplarisch kann dies an Migrationsbewegungen und dem Entstehen einer globalen Kultur durch Informationsflüss aufgezeigt werden.
Unter den Erklärungsversuchen für internationale Migration verdient das Konzept des "Migrationssystems" besondere Aufmerksamkeit. In einem solchen System sind verschiedene Staaten über Flüsse von Personen, Informationen und Gütern verbunden. Diese Flüsse entstehen entlang existierender Verbindungen, die Kolonialismus, politischer Einfluß, Handelsverbindungen und Investitionen geschaffen haben. Die Analyse eines Migrationssystems hat drei Ebenen zu unterscheiden: (1) Die Makroebene der politischen und rechtlichen Regelungen in Herkunfts- wie Zielländern, der Rahmenbedingungen der Weltwirtschaft und des internationalen Staatensystems. (2) Die Mikroebene der informellen Netzwerke der Migranten, die aus persönlichen Beziehungen, Familien- und Haushaltsmustern und gemeinschaftlichen Bindungen bestehen sowie (3) die Mesoebene der sozialen Bindungen und darin bereitgestelltem sozialem Kapital.
Informationsflüsse treiben nicht nur als Teil von Migrationssystemen die kulturelle Globalisierung voran. Fortschritte in der Kommunikationstechnologie ermöglichen es, kulturelle Inhalte weltweit via Medien wie Film, Fernsehen, Radio oder Internet zu verbreiten. Auch in dieser Dimension der Globalisierung findet sich eine Ambivalenz, nämlich von Homogenisierung und Heterogenisierung. Homogenisierende Tendenzen existieren, wo die westliche (Konsum-)kultur die globale Kultur prägt. Latouche beschreibt die "kulturelle Invasion: Von den Ländern des Zentrums gehen 'kulturelle' Ströme aus, die den ganzen Planeten überfluten. Bilder, Worte, moralische Werte, rechtliche Normen, politische Verhaltensregeln, Kompetenzkriterien ergießen sich über die Medien (...) in die Dritte Welt. Der größte Teil der weltweiten Produktion von Zeichen' ist im Norden konzentriert oder wird in 'Laboratorien' hergestellt, die von ihm kontrolliert werden bzw. seinen Normen und Verfahrensweisen unterworfen sind."
Gleichzeitig finden sich aber auch heterogenisierende Kräfte, denn kulturelle Flüsse verlaufen nicht nur in eine Richtung: Kulturen der Peripherie haben auch Einfluß auf die Kulturen im Zentrum. Kulturelle Formen werden aus ihrem Ursprungszusammenhang gelöst und mit anderen Formen zu neuen Praktiken verbunden. Sie werden in unterschiedlichen lokalen Kontexten jeweils unterschiedlich rezipiert und interpretiert. Studien zum Fernseh- oder Musikkonsum kommen zu dem Schluß, daß Rezipienten in der Lage sind, eigene kulturelle Kompetenzen einzubringen und die Inhalte unterschiedlich zu "dekodieren". Türkische Jugendliche in Deutschland übernehmen beispielsweise Musik und Lebensstil des Hip Hop (der als Protestkultur der Schwarzen in den Ghettos der amerikanischen Großstädte entstand) und protestieren in ihren Texten gegen die Diskriminierung in der Bundesrepublik.
Sowohl ökonomische wie kulturelle Globalisierung erfordern Möglichkeiten, räumliche Distanzen zu überwinden und weltweite Verflechtungen zu ermöglichen. Technologische Innovationen haben diese Voraussetzungen geschaffen, ohne daß die Globalisierung deswegen der linearen Logik des technologischen Fortschritts folgt. Statt dessen finden sich in beiden hier behandelten Dimensionen gegensätzliche Kräfte: Ökonomische Globalisierung umfaßt Prozesse der Ausbreitung und der Konzentration. Kulturelle Globalisierung beinhaltet homogenisierende und heterogenisierende Tendenzen.
Diese Ambivalenz von Globalisierungsprozessen (zu einer ähnlichen, aber umfangreicheren Diskussion der "Glokalisierung" siehe auch den Beitrag von Claudius Wewigk in diesem Band) läßt Menzel ein "paradoxes Fazit" ziehen: "Wir sind derzeit Zeugen von zwei Mega-Trends, die unterschiedlichen Logiken gehorchen: auf der einen Seite "McWorld", also der Trend zur Globalisierung der Weltwirtschaft, der Weltgesellschaft, der Weltkultur. Das ist die Geschichte von Star TV, die Geschichte der japanischen Kulturindustrie, die weltweite Vernetzung der Metropolen, der Übergang von der nationalstaatlich verfaßten Industrie- zur transnational verfaßten Dienstleistungsgesellschaft, der Universalisierung der Lebensstile. [...] Auf der anderen Seite "Jihad", also der Trend zur Fragmentisierung aller Lebensbereiche. [...] Es ist die Welt der ethno-nationalistischen Konflikte, des Separatismus, der neuen Abschottung, des Terrorismus, des Verfalls der staatlichen Ordnung schlechthin, der neuen Terra Incognita."
Der Begriff des "Jihad" verweist auf eine Perspektive, die den konflikthaften Charakter des Globalisierungsprozesses in den Mittelpunkt stellt. Im nächsten Kapitel werde ich diese Konfliktperspektive aufgreifen und auf die Diskussion um Global Cities anwenden.
Noch in den 60er Jahren waren die bevölkerungsreichsten Städte auch die ökonomischen Zentren der Welt. Doch das Kriterium der Bevölkerungsgröße verliert an Aussagekraft, wenn die Bedeutsamkeit einer Stadt im globalen Maßstab bestimmt werden soll. Seit den 80er Jahren diskutieren Wirtschaftsgeographen die Veränderungen des internationalen Städtesystems und versuchen, die Bedingungen von ökonomischer Machtkonzentration in Städten zu identifizieren. Man stellte fest, daß die besondere Stellung mancher Städte in der neuen internationalen Arbeitsteilung an die Zentralität in transnationalen ökonomischen Netzwerken gebunden ist. Die spezifische Einbindung in globale ökonomische und soziokulturelle Strukturen verändert sowohl städtische soziale Prozesse wie deren räumliche Organisation.
Mit der Veröffentlichung von "The global city" prägte die amerikanische Stadtsoziologin Saskia Sassen Anfang der 90er Jahre einen Begriff, der über die Wissenschaft hinaus bekannt wurde. Sie zeigte am Beispiel von London, New York und Tokio, wie die Globalisierung von Produktion, Handel und Direktinvestitionen eine neue internationale Arbeitsteilung entstehen läßt: Es existiert eine Hierarchie von Standorten ökonomischer Aktivitäten, an deren Spitze einige wenige Städte des Nordens - die Global Cities - stehen.
Global Cities weisen drei wesentliche Charakteristika auf:
Zusammenfassend: In den Global Cities konzentrieren sich diejenigen Funktionen der transnationalen Unternehmen, die die "globale Kontrollkapazität" sicherstellen: Die Kontrolle und Koordination von unternehmerischen Tätigkeiten sowie finanz- und unternehmensbezogene Dienstleistungen. Obwohl die Produktion geographisch ausgeweitet wird, werden die Kontroll- und Steuerungsfunktionen nicht entsprechend dezentralisiert, sondern konzentriert. Die Arbeitsplätze in der umstrukturierten städtischen Ökonomie machen die Global Cities als Migrationsziel attraktiv.
Damit widerspricht Sassen der vorherrschenden Diskussion um Globalisierung und Informationalisierung, die den Eindruck erweckt, als spiele der Raum keine Rolle im wirtschaftlichen Geschehen mehr. Wichtige Elemente der Weltwirtschaft sind weiterhin ortsgebunden, denn Informationen können nur übermittelt werden, wenn eine lokal konzentrierte Infrastruktur bereitgestellt wird. Von einem Bedeutungsverlust des Raumes könne also auch bei wachsender Informationalisierung keine Rede sein. Obwohl die Distanzen zwischen den Zentren ihre begrenzende Wirkung verlieren, bleiben bestimmte Städte als "Standorte" im wörtlichen Sinne wichtig.
Einleitend wurde Globalisierung als Zunahme grenzüberschreitender Verflechtungen definiert. Welche Form nimmt die ökonomische und kulturelle Verflechtung in den Global Cities an?
Einbindung in ökonomische Netzwerke
Global Cities sind in dreierlei Hinsicht Teil grenzüberschreitender ökonomischer Netzwerke:
Alle Städte sind (in unterschiedlichem Ausmaß) in diese Netzwerke eingebunden. Die Global Cities besitzen jedoch eine besondere Zentralität, sie sind "transterritoriale Zentren". Friedmann/Wolff stellten schon 1982 fest, daß einige Städte "basing points" für die räumliche Organisation des Kapitals seien und daß die Verbindungen zwischen den Städten eine komplexe räumliche Hierarchie konstituierten. Eine Stadt stehe um so höher in dieser Hierarchie, je mehr ökonomische Macht sich in ihr konzentriere. Die Trennung von Zentrum, Semi-Peripherie und Peripherie, die aus der Weltsystem-Theorie von Wallerstein übernommen wird, spiegele sich auch im Städtesystem wieder. In Friedmanns "Hierarchie der Weltstädte" stehen die primären Städte des Zentrums wie London, Paris, Rotterdam, Frankfurt, Zürich, New York, Chicago, Los Angeles und Tokio an der Spitze. Primäre Städte in der Semi-Peripherie sind Saõ Paulo und Singapur.
Allerdings ist es nicht überzeugend, Global Cities nur auf der Grundlage ihrer ökonomischen Bedeutung zu klassifizieren. Da mehrere Indikatoren nötig sind, um den Global-City-Status einer Stadt zu bestimmen, muß das Städtesystem auch in mehreren Dimensionen untersucht werden. Brüssel, mit seiner Vielzahl von europäischen Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen, besitzt sicherlich genauso Zentralität wie Berlin, dem trotz seiner Größe und nach der Wiedervereinigung deutlich gestärkten politischen Rolle der Global-City-Status abgesprochen wird. Und Budapest übernimmt im sich entwickelnden gesamteuropäischen Städtenetzwerk eine wichtige Knotenfunktion für den osteuropäischen Raum. An diesen Stellen wird deutlich, daß das Konzept der "Global Cities" keine exakte Klassifikation ermöglicht und eine Grenze nur schwer zu ziehen ist.
Einbindung in transnationale Migrationsnetzwerke
Die neue internationale Arbeitsteilung führt nicht nur wie oben beschrieben zu einer neuen Zentralität von Städten, sondern bindet Länder der Peripherie in besonderer Weise und neuem Umfang in die Weltwirtschaft ein. Wo über ausländische Direktinvestitionen die Produktion und Landwirtschaft auf den Export orientiert und Subsistenz- in Lohnarbeit transformiert wird, werden auch traditionelle Arbeits- und Lebensstrukturen zerstört und die Menschen entwurzelt. Damit wird zum einen regionale Migration gefördert, zum anderen aber auch internationale Migration ermöglicht. Die Verflechtungen zwischen den Staaten über Kapital-, Güter- und Informationsflüsse beeinflussen die Migrationsentscheidungen. Ökonomische Globalisierung, insbesondere in der Form von ausländischen Direktinvestitionen, ist aus dieser Perspektive zwar nicht die Ursache für internationale Migration, aber sie schafft Bedingungen, unter denen grenzüberschreitende Wanderung als Option wahrgenommen wird.
Das gestiegene Angebot an Migranten trifft auf eine ebenfalls gestiegene Nachfrage an Niedriglohnkräften in den Zentren, insbesondere in den Global Cities. Deren veränderte ökonomische Struktur steigert in drei Sektoren die Nachfrage nach niedrigbezahlten Arbeitskräften: Erstens im wachsenden Dienstleistungssektor, zweitens im entwerteten verarbeiteten Sektor, wo Sweatshops und industrielle Heimarbeit zunehmen und drittens im informellen Sektor. Diese Stellen werden vorwiegend von Immigranten besetzt, die die niedrigere Bezahlung akzeptieren und nicht gewerkschaftlich organisiert sind. Das Resultat ist eine neue ethnische Arbeitsteilung, bei der einzelne ethnische Minderheiten unterschiedliche ökonomische Nischen besetzen.
Neben den niedrigqualifizierten Beschäftigten finden sich aber auch hochqualifizierte Migranten in den Global Cities, die beispielsweise im Finanzsektor oder Management der transnationalen Unternehmen tätig sind. Diese "skilled labor migration" ist in besonderem Maße zwischen den Global Cities konzentriert und bildet damit einen weiteren Aspekt der transnationalen Netzwerke, in die diese Städte eingebunden sind.
Eine steigende Zahl von Wanderungsbewegungen ist mehrfach, mehrdirektional, erwerbs- und lebensphasenbezogen und etappenweise. Solche Migrationsprozesse haben eine neue Qualität, da sie "transnationale soziale Räume" konstituieren können: "Unter Transnationalen Sozialen Räumen werden neue ‚soziale Verflechtungszusammenhänge‘ verstanden, die geographisch-räumlich diffus bzw. ‚de-lokalisiert‘ sind und gleichzeitig einen nicht nur transitorischen sozialen Raum konstituieren, der sowohl eine wichtige Referenzstruktur sozialer Positionen und Positionierungen ist, als auch die alltagsweltliche Lebenspraxis, (erwerbs-) biographischen Projekte und Identitäten der Menschen bestimmt und gleichzeitig über den Sozialzusammenhang von Nationalgesellschaften hinausweist."
Dieses Konzept erhebt den Anspruch, grenzüberschreitende soziale Verflechtungszusammenhänge erfassen zu können. Dazu müssen vier analytisch zu trennende Dimensionen berücksichtigt werden, die hier am Beispiel der internationalen Migration expliziert werden:
Es ist kein neues Phänomen, daß Migrantengruppen ethnische Kolonien bilden und so ihre ethnische und kulturelle Identität im Zielgebiet zu bewahren versuchen. Dies kann Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg sein, wie Kotkin bei seiner Beschreibung der "Stämme der Macht" bemerkt. Chinesen oder Inder besitzen trotz ihrer geographischen Zerstreuung ein geteiltes Bewußtsein von gemeinsamer Herkunft und gemeinsamen Werten. Sie bilden über die Staaten der Erde verteilte Gemeinschaften, die sich an veränderte globale wie lokale Gegebenheiten anpassen können. Das auf der ethnischen Zugehörigkeit basierende Gefühl gegenseitiger Verpflichtung erlaubt es, auch über nationale Grenzen hinweg Solidaritäten zu aktivieren.
Das Konzept der transnationalen sozialen Räume lenkt den Blick jedoch stärker auf die Verbindungen, die zwischen Herkunfts- und Zielland aufrechterhalten werden. Die Fortschritte in den Transport- und Kommunikationstechnologien ermöglichen es, diese Bindungen in größerem Maße zu pflegen. Während die ethnische Kolonie eine Übergangsinstitution darstellt, wird den transnationalen sozialen Räumen Dauerhaftigkeit zugesprochen. Sie entstehen allerdings nicht mit jeder internationalen Migration, denn Assimilation im Zielland oder die Rückkehr ins Herkunftsland nach einer bestimmten Zeit sind alternative Folgen der Wanderung. Transnationale soziale Räume sind also nur ein Aspekt des Wanderungsgeschehens.
Die beschriebene Einbindung in transnationale ökonomische und Migrations-Netzwerke hat Auswirkungen auf die städtische Sozialstruktur, die mit den Stichworten ökonomische Polarisierung und ethnisch-kulturelle Pluralisierung benannt werden können.
Polarisierung der Einkommens- und Beschäftigungsstruktur
Die These, daß ökonomische Umstrukturierungen zu wachsender Polarisierung in den Global Cities führen, ist zentraler Bestandteil der Global-City-Literatur. Sassen entwickelt dabei folgende Argumentation: Globalisierung und Informationalisierung verändern die wirtschaftliche Rahmenbedingungen industrialisierter Nationen und beeinflussen die Beschäftigungsstruktur in den Zentren der neuen internationale Arbeitsteilung:
Die veränderte Beschäftigungsstruktur verstärkt die Einkommenspolarisierung in den Global Cities (vgl. Abbildung 1):
Der wachsende Anteil der Beschäftigungsverhältnisse mit niedrigem Einkommen schließlich hat direkte wie indirekte Ursachen.
Abbildung 1: Polarisierung in Global Cities
Allgemeine Trends |
Globalisierung |
Informationalisierung |
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Veränderungen der Beschäftigungsstruktur |
Spezialisierte Dienstleistungen nehmen zu |
Entwerteter produzierender Sektor entsteht |
Informeller Sektor bildet sich |
Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe werden aus Städten verlagert |
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(b) |
(c) (d) |
(a) |
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Auswirkungen in Global Cities |
konsumentenorientierte Dienstleistungen nehmen zu |
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(e) |
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Veränderungen der Einkommensstruktur |
Zahl der hohen Einkommen steigt |
Zahl der niedrigen Einkommen steigt |
Zahl der mittleren Einkommen schrumpft |
Ethnisch-kulturelle Pluralisierung
Die Global Cities sind wichtige Zielstädte internationaler Migration, was ihre ethnische Pluralität erhöht. Städte wie New York oder Los Angeles sind durch die fortgesetzte Immigration zu "majority minority"-Städten geworden, in denen ethnische Minderheiten die Mehrheit gegenüber der weißen Bevölkerung einnehmen. Europäische Global Cities wie London, Paris oder Frankfurt sind ebenfalls wichtige Immigrationsziele ihrer jeweiligen Länder und weisen ethnisch plurale städtische Bevölkerungen auf.
Aus Migrationsstatistiken kann allerdings nicht abgelesen werden, ob sich der Anteil der Menschen verändert, die als Träger einer globaler Kultur gelten können. Eine Studie über Berufsmilieus in Frankfurt hat diese Frage untersucht. Sie zeigte einerseits, daß sich Beschäftigte des Dienstleistungssektors in wachsendem Maße von lokalen Geschehnissen und vom lokalen Raum lösen und eine kosmopolitische "Zitadellenkultur" entwickeln. Andererseits lassen sich innerhalb dieser Beschäftigtengruppe unterschiedliche Grade der Offenheit gegenüber anderen Kulturen feststellen. So bezieht die Gruppe der Angestellten des Bankensektors den Begriff "Multikultur" hauptsächlich auf transnationale Beziehungen mit anderen Beschäftigten des gleichen Sektors. In der Werbebranche Tätige verbinden mit dem Begriff dagegen urbane Dichte und einen internationalen Kommunikationsprozeß, der die gesamte Welt umfaßt und zum ‚Globalen Dorf‘ macht.
Die Veränderungen in der Beschäftigungs- und Einkommensstruktur sowie die ethnisch-kulturelle Pluralisierung schlagen sich in einer veränderten sozialräumlichen Struktur der Global Cities nieder. Dabei sind insbesondere zwei Prozesse von Bedeutung:
Polarisierung, Pluralisierung und veränderte sozialräumliche Strukturen lassen die verschiedenen Bevölkerungsgruppen der Global Cities zunehmend in sozialer und kultureller Distanz zueinander leben. Im folgenden Kapitel sollen daher verschiedene Konfliktkonstellationen diskutiert werden.
Aus den beschriebenen Trends folgen verschiedene Konfliktkonstellationen, von denen vier an dieser Stelle beschrieben werden sollen. Sie sind nicht auf Global Cities beschränkt, zeigen sich allerdings aufgrund der besonderen Einbindung dieser Städte in transnationale Netzwerke in besonderer Weise.
(1) Veränderte Sozialstruktur
Auch wenn die Polarisierungsthese in der von Sassen aufgestellten Form nicht generalisiert werden kann, gibt sie einen hilfreichen Hintergrund ab, um einen Teil der Konflikte in den Global Cities beschreiben zu können. Sassen argumentiert, daß die Polarisierung in den Global Cities Teil einer größeren Umstrukturierung im System industrieller Beziehungen ist. Das fordistische System der Produktion war durch einen Prozeß gekennzeichnet, der die Mittelklasse wachsen ließ: Die Unternehmen ließen die breite Bevölkerung am Profit teilhaben, was die allgemeine Kaufkraft steigerte und Massenkonsum ermöglichte. Die soziale Integration der kapitalistischen Industriestaaten wurde dadurch teilweise abgesichert. Diese Zusammenhänge lösen sich, so Sassen, mit der Polarisierung der Beschäftigungsstruktur jedoch zusehends auf. Die Mittelklasse schrumpfe, während die Zahl der "unsicheren" Beschäftigungsverhältnisse (im Rahmen von Teilzeit- und Gelegenheitsarbeit sowie im informellen Sektor) wachse. Daneben entstehe eine neue Klasse der hochbezahlten Angestellten im neuen Produktionskomplex.
Die Arbeitsmarktsituation wird durch Einwanderer verkompliziert. Einer zwar wachsenden, aber verhältnismäßig kleinen Gruppe von hochqualifizierten Migranten steht eine größere Gruppe von un- oder niedrigqualifizierten Einwanderern gegenüber. Die Migranten treffen auf einen in zweierlei Hinsicht dualen Arbeitsmarkt: Der primäre Arbeitsmarktbereich der stabilen, gut bezahlten und höher qualifizierten Arbeitsplätze ist vom sekundären Arbeitsmarktbereich der unsicheren, schlecht bezahlten und niedrig qualifizierten Arbeitsplätze getrennt. Daneben findet sich eine Trennung in interne und externe Arbeitsmärkte der Kern- bzw. Randbelegschaften. Die niedrigqualifizierten Migranten finden sich hauptsächlich im sekundären externen Arbeitsmarkt wieder.
Konflikte, die als Folge der veränderten Sozialstruktur entstehen, verlaufen nicht notwendigerweise entlang der Konfliktlinie 'Einheimische' vs. 'Zuwanderer', sondern zwischen ‚Etablierten‘ und ‚Außenseitern‘. Das "soziologische Alter" einer Gruppe, also die Dauer ihrer Anwesenheit an einem Ort, ist ein wichtiges Kriterium bei der Statuszuschreibung. Dieses Kriterium wird auch von länger ansässigen Minderheiten benutzt, um sich gegenüber Neuankömmlingen abzugrenzen. Aus der Sicht der Schwarzen in Los Angeles bspw. sind die koreanischen Einwanderer "newcomer", deren ökonomischer Erfolg die eigene unterprivilegierte Lage deutlich macht.
(2) Unterschiedliche Interessen hinsichtlich der Raumnutzung
Die Umstrukturierung der städtischen Ökonomie schafft Bedarf an hochwertiger und damit teurer Büro- und Wohnfläche. Zunehmend greifen internationale Akteure in den Immobilienmarkt der Global Cities ein, transnationale Unternehmen und ausländische Investoren melden Ansprüche auf die Gestaltung der Innenstädte an. Die Stadtverwaltungen stehen vor der Aufgabe, zwischen den Ansprüchen der lokalen Bewohner und der internationalen Akteure zu vermitteln. Gerade wenn sich eine Stadt dem "Projekt Global City" verschrieben hat, um ihre Konkurrenzfähigkeit zu steigern, wird sie aber eher den Forderungen der internationalen Investoren nachgeben und die Stadtentwicklung nach deren Bedürfnissen ausrichten. Als Reaktion auf das befürchtete Eindringen von "Yuppies" im Gentrifizierungsprozeß und die Umwandlung von Wohn- in Bürofläche schließt sich die Bevölkerung eines Stadtviertels zusammen. Damit stehen sich Investoren und Stadtverwaltungen auf der einen sowie Bürgerinitiativen auf der anderen Seite gegenüber.
Neben Konflikten um die Frage, wie der städtische Raum zu gestalten sei, gibt es in Global Cities auch Konflikte um die Nutzung des Raumes. Pointiert formuliert: Der öffentliche Raum wird privatisiert. Aus den Innenstädten werden auf Betreiben der kommerziell orientierten Besitzer "störende Elemente" entfernt. Erlaubt sind Konsum und Bewegung, das Betteln und "Herumlungern" wird dagegen durch Polizei oder private Sicherheitsdienste unterbunden. Dieser Trend ist in den Global Cities beschränkt besonders ausgeprägt, da hier die ökonomische Verwertung von Grund und Boden sehr weit fortgeschritten ist. Ronneberger beschreibt am Beispiel des Frankfurter Bankenviertels und der Innenstadt, wie der städtische Raum hierarchisiert wird. Bestimmte Teile sollen den Nutzungsansprüchen sowie den Repräsentationsbedürfnissen des Finanz- und Dienstleistungssektors gerecht werden. Um die Ansprüche sicherzustellen, wird der einst öffentliche Raum mit Hilfe von Überwachungsmonitoren und Sicherheitsdiensten mit einer privaten Ordnung versehen.
(3) Akkulturationsprozeß
In den Global Cities existiert eine ethnisch plurale städtische Gesellschaft. Dadurch stellt sich hier die Frage in besonderem Maße, ob und in welchem Umfang zugewanderte Minderheiten einen Prozeß der Akkulturation an die Mehrheitskultur durchlaufen sollen.
Aus der Sicht der Einwanderungsgesellschaft entstehen Konflikte, wenn die ethnische Minderheit keine Versuche der Akkulturation macht, sondern ihre Kultur behält. Verschiedene Merkmale der Minderheiten bestimmen den Grad ihrer Akkulturation bestimmen: Starke Segregation einer ethnischen Minderheit, die Existenz ethnischer Institutionen und soziokultureller Organisationen sowie die relative Nähe zum Heimatland verlangsamen Akkulturation. Loyalitäts- und Solidaritätsgefühle von Einwandererprimärgruppen zur Einwanderergesellschaft sowie ein gesteigerter Bildungsgrad der Minderheit beschleunigen die Akkulturation. Dazu kommen - als Merkmale der Mehrheitsgesellschaft - die politisch-rechtliche, materiell-ökonomische und soziale Offenheit gegenüber den ethnischen Minderheiten. Im Verhältnis von Mehrheit und Minderheit kann es dabei zu einer Konfliktspirale kommen: Die institutionelle Starrheit der Aufnahmegesellschaft verstärkt die abschottende Ethnisierung innerhalb der Minderheit, worauf sich wiederum die Institutionen der Mehrheit gegenüber den "nicht integrierbaren" Minderheiten abschließen.
Auch innerhalb von Minderheitengruppen kann in der Akkulturation angelegtes Konfliktpotential zum Ausdruck kommen. Wenn sich Teile einer Minderheit akkulturieren, können sie in Konflikt mit traditionsverbundenen Teilen ihrer Gruppe geraten. So bemühen sich beispielsweise weibliche oder junge Mitglieder ethnischer Minderheiten in westlichen Gesellschaften, ihre lebensweltliche Ordnung zu liberalisieren. Dadurch entstehen Spannungen mit den traditionell autoritär und patriarchalisch orientierten Angehörigen ihrer Ethnie. Diese Konflikte werden in den meisten Fällen jedoch innerethnisch ausgetragen und gelangen so kaum ins Bewußtsein der einheimischen Bevölkerung.
(4) Lokale und globale Kultur
Eine zweite Form des ethnisch-kulturellen Konfliktpotentials hat ihre Wurzeln in der kulturellen Globalisierung und dem Entstehen einer globalen Kultur des Konsumerismus. Sie wird von der transnationalen kapitalistischen Klasse und den transnationalen Unternehmen getragen und dominiert inzwischen - mittels Massenmedien verbreitet - die kulturelle Sphäre des globalen Systems. Zusammenfassen läßt sie sich wie folgt: Der Sinn des Lebens liegt in unseren Besitztümern, und nur wer kontinuierlich konsumiert, lebt wirklich. Gegenbewegungen gegen diese globale Kultur nehmen entweder die Form der grundsätzlichen Kritik am Massenkonsum an oder wenden sich, bspw. in Form von Gewerkschafts- oder Umweltbewegung, gegen die transnationale kapitalistische Klasse und die transnationalen Unternehmen. In nicht-westlichen Gesellschaften können sie sich mit fundamentalistischen Bewegungen verbinden, die sich gegen die Modernisierung nach westlichen Prinzipien selbst wenden.
Konflikte über globale und lokale Kultur sind in den wenigen Global Cities der nicht-westlichen Welt noch größer. So wird beispielsweise in Singapur beklagt, daß lokale Werte, Normen und Traditionen dem westlichen Konsumideal nicht gewachsen seien. In Tokio werden in Museen und Magazinen traditionelle Elemente der japanischen Kultur herangezogen, um nach einer Phase der Internationalisierung die städtische Kultur zu "re-japanisieren". Die globale Kultur wird in beiden Fällen als Ausdruck westlicher kultureller Hegemonie betrachtet, der die lokale Kultur gegenübergestellt wird.
In den Global Cities werden also kulturelle Konflikte zwischen lokalen und globalen Akteuren ausgetragen. Castells, der auf Touraine aufbauend das Verhältnis von veränderten städtischen Strukturen und sozialen Bewegungen untersucht, schätzt die Erfolgsaussichten lokaler Bürgerinitiativen jedoch als gering ein. Im Gegensatz zum globalen Kapital, das seine Interessen an verschiedenen Orten verfolgen kann, sind städtische soziale Bewegungen an ihren spezifischen Ort gebunden. Sie haben dadurch defensiven Charakter und verlegen sich zunehmend auf Fragen der kulturellen Identität. Indem sie diese enge Perspektive einnehmen und nicht-hintergehbare Identitäten zu behaupten versuchen, reproduzieren sie allerdings die territorialen, ethnischen und religiösen Spaltungen der Gesellschaft. Städtische soziale Bewegungen verstärken somit das Konfliktpotential in den Global Cities, denn sie können zwar einen Ort kontrollieren, aber den gesellschaftlichen Prozeß nicht wirklich beeinflussen.
In den Global Cities treffen das Globale und das Lokale in besonders ausgeprägter Art und Weise aufeinander. Global Cities sind Orte, in denen der Prozeß der Globalisierung Bedeutung für das alltägliche Leben gewinnt und für die Menschen erfahrbar wird. Dieser Prozeß läuft nicht reibungslos ab, sondern birgt, gerade durch die besondere Interaktion von homogenisierenden und heterogenisierenden Kräften, Konfliktpotential.
Diejenigen Teile der Global Cities, die in transnationale ökonomische Netzwerke eingebunden sind, werden zunehmend homogener. Die bauliche Umwelt wird nach Profitabilitäts- und Funktionalitätskriterien einheitlich gestaltet. Die Lebensstile der kosmopolitisch orientierten Bewohner werden sich ähnlicher (was gleichzeitig auch ein sozialer Schließungsprozeß gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen ist). Kulturelle Differenz und "Anderssein" wird nur als Teil der globalen Konsumkultur geduldet, wo es als "exotisch" oder "authentisch" vermarktet wird. Als Reaktion auf diese homogenisierenden Tendenzen versuchen Bewohner der Global Cities, die Heterogenität und Authentizität ihrer Lebenswelt zu verteidigen. Die Bewohner einer Lokalität können ihre zumeist unverbindlichen und relativ anonymen Kontakte untereinander im Bedarfsfalle in Form von Nachbarschaftsinitiativen oder lokaler Selbsthilfe aktivieren. Sie können damit Einfluß auf die Stadtentwicklung ausüben. Indem Lokalitäten von ihren Bewohnern gegenüber homogenisierenden Kräften aufrechterhalten werden, wird gleichzeitig die städtische Diversität und Heterogenität bewahrt.
Diese heterogenisierenden Gegenreaktionen und die ethnisch-kulturelle Pluralisierung erschweren jedoch die Integration der verschiedenen räumlichen Ebenen und Lokalitäten. Darüber hinaus entstehen mit transnationalen sozialen Räumen zwar neue Verbindungen zwischen Teilen der Städte und den Herkunftsgebieten von Migranten. Die Global Cities sind jedoch von der Auflösung ihrer städtischen Einheit bedroht. Räumliche Dichte bedeutet nicht mehr Einheitlichkeit und Gemeinwesen, sondern konflikthaftes Nebeneinander von verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Die Unruhen in Los Angeles im Jahre 1992, als für vier Tage die städtische Ordnung zusammenbrach, waren aus dieser Sicht Vorboten weiterer Konflikte, die aus dem "Zerfall des Urbanen" (Keim) in den Global Cities resultieren.
Um das Konfliktpotential zu entschärfen, um die latenten nicht zu manifesten Konflikten werden zu lassen, sind verschiedene Akteurgruppen gemeinsam in der Verantwortung. Die Lokalpolitik sieht sich dem Problem gegenüber, daß sie aus wirtschaftlichen Gründen eine Einbindung in globale ökonomische Netzwerke fördern muß, was aber die Integrationsprobleme verschärft. Eine Verlagerung von politischer Verantwortung auf eine regionale Ebene, wie sie Werwigk in seinem Beitrag beschreibt, wird zwar in manchen Fällen die Integration von Stadtregionen fördern. Doch regionale Politik alleine kann auch noch nicht die notwendige gesamtgesellschaftliche Solidarität erzeugen. Zivilgesellschaftliche Netzwerke (vgl. die Beiträge von Tore Langholz und Christopher Gohl zur Bürgergesellschaft in diesem Band) können nur einen Teil der entstehenden Konflikte auffangen und entschärfen. Das grundsätzliche Problem einer Politik, die dem Primat der Ökonomie anstatt dem Primat der Gesellschaft folgt, ist der Vorrang von Markt- oder Vertragsbeziehungen vor Solidarbeziehungen. Auf der städtischen oder regionalen Ebene allein wird dies nicht zu lösen sein. Es wird daher auch darauf ankommen, auf nationaler oder supranationaler Ebene Wohlfahrtsregimes zu erhalten bzw. auszubauen und so allen Bevölkerungsgruppen eine menschenwürdige Existenz ermöglichen. Das Konfliktpotential, das in der Globalisierung angelegt ist, kann nur durch gemeinsame und abgestimmte Politik der städtischen, regionalen, nationalen und supranationalen Akteure verringert werden.
Abstract
Globalization is a multidimensional process. In this paper it is argued that both economic and cultural globalization are characterized by ambigous trends of dispersal vs. concentration and homogenization vs. heterogenization. A few cities in the industrialized countries gain new centrality within the dispersed global economy and become "Global Cities". Certain economic functions necessary to run the global economy (e.g. management functions or financial services) are concentrated in these cities that are important destinations for international migration as well. It is argued that the specific connection to transnational economic and migration networks gives rise to for several types of potential conflicts. To regulate these conflicts that arise from the interaction of global and local actors, local politics alone will not be sufficient. In addition, the intermediate level of national welfare regimes will continue to be necessary.
Zum Autor
Jan Schmidt, Jahrgang 1972, hat im Sommer 1999 an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg sein Soziologie-Studium mit dem Diplom abgeschlossen. Während des Studiums in Bamberg und an der West Virginia University in Morgantown, WV, USA wurde er von der Friedrich-Ebert-Stiftung gefördert. Seine politischen Interessen und Schwerpunkte liegen zum einen im Bereich demographischer Entwicklungen in Nord und Süd, zum anderen in Fragestellungen, die durch Globalisierungsprozesse aufgeworfen werden (insbes. die Auswirkungen auf städtische Strukturen und soziale Integration). Derzeit ist er Mitarbeiter in einem kommunikationswissenschaftlichen Forschungsprojekt an der Universität Bamberg.
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