Berg und Tal kommen nicht zusammen, aber die Menschen
...?Agnieszka Naremska
Gemeinsames Europa. Es klingt phrasenhaft und schon fast ein wenig abgedroschen, aber es beschreibt ziemlich genau das soziopolitische Ziel, das von den Staaten Europas seit Jahrzehnten mehr oder weniger konsequent verfolgt wird.
In dieser wandlungsreichen Zeit ist Europa (oder zumindest sein großer Teil), zu einem Organismus zusammengewachsen. 1957 zählte die EWG noch sechs Mitglieder, jedoch das Jahr 1995 begrüßten zusammen bereits fünfzehn Mitgliedstaaten der EU. Und Europa wird dabei nicht stehen bleiben.
Multikulturalismus in Europa, ja in der Welt, ist die Tatsache und dies schon länger als seit gestern. Der Mensch ist mobil und die Welt schrumpfte auf die Fußballgröße. Seit Jahrzehnten leben die Bürger Europas mit und nebeneinander. Das Leben im Multikulturalismus sowie die interkulturellen Kontakte in Europa Ende des XX Jahrhunderts, ob auf der europäischen, ob auf der lokalen Ebene, scheinen selbstverständlich, ja fast Routine geworden zu sein.
Und doch beweist der Alltag hin und wieder das Gegenteil.
Man dürfte glauben, die politischen Grenzen im Westeuropa seien am schwierigsten abzuschaffen. Noch vor zehn, fünfzehn Jahren hätte man über eine solche Idee, Grenzen aufzuheben, belustigt geschmunzelt. Und doch gehören mittlerweile auch sie der Vergangenheit.
Nur die alte Spaltung in "wir" und "Fremde", dürfte man meinen, nicht mehr zeitgemäß und die sich mit der Idee eines "gemeinsamen Europas ohne Grenzen" eigentlich kaum verträgt, ist auch in Deutschland nach wie vor ein Stück Realität.
Kommen Berg und Tal eher zusammen, als die Menschen...?
Das Gemeinsame Europa bevölkern Fremde. Denn was weiß man schon wirklich so genau über die ausländischen Nachbarn - die hinter der Grenze und die von gleich nebenan. Und es wird damit weit mehr als nur die typischen Klischeevorstellungen wie italienische Pizzabäcker oder türkische Kebapverkäufer gemeint.
Man mutet sich ganz schön etwas zu, wenn man versucht, mit dem Fremden ein gemeinsames Leben zu führen. Denn Mißverständnisse und Konflikte sind wie vorprogrammiert. Gegenseitige Beobachtung auf Distanz, über den Zaun hinweg, ist nur ein schlechter Ersatz für persönliche Kontakte, denn es vermag nur wenig von dem Anderen zu verraten und ändert an der Situation so gut wie nichts. Oder macht es noch schlimmer denn da wo die persönliche Erfahrung fehlt, nistet sich schnell und unauffällig das altbekannte, häßliche Vorurteil ein.
"Vorurteile sind Fertigteile: damit kann man sich die Welt leicht und schnell zusammenbauen" sagte mal Hellmut Walters. Und es ist schwer ihm nicht recht zu geben. Vor urteile, also eine vorgefaßte Meinung, begleiten uns im alltäglichen Leben bei der Arbeit zu Hause, am Arbeitsplatz, beim täglichen Einkaufsbummel. Aus ihnen resultieren kleine Verhaltensmuster, die ein routinemäßiges Handeln, ohne den Aufwand, über jede Kleinigkeit nachdenken zu müssen, möglich machen. Schön einfach, harmlos, und doch nicht schlimm.
Richtig ernst wird es erst dann, wenn Vorurteile mit Feindseligkeit zusammenkommen und sich gegen Menschen richten.
"Vorurteile sind bequemes Nichtdenken müssen" und "Nicht-denken-wollen" in unbequemer Lage der Zeit .. Sie sind wie Unkraut, das üppig wächst und sich nur schwer mit den Wurzeln aus dem fruchtbaren Boden menschlicher Ignoranz ziehen läßt.
Manchmal, meistens durch eine einzige persönliche Erfahrung bröckelt das Vorurteil für einen Augenblick ab. Aber der Mensch ist rückfällig und außerdem ein Gewohnheitstier und die Vorurteile sind wie bequeme Hausschuhe uralt und abgetragen, aber trotzdem schlüpft man immer wieder gerne in sie hinein.
Vorurteile haben ist menschlich. Aber die zu haben und es dabei sein zu lassen, ist mehr als nur eine reine Bequemlichkeit.
Wie sieht es denn heutzutage bei Bürgern der "Bonner Republik mit der Bereitschaft aus, die kleinen und die etwas größeren Vorurteile abzulegen, das Fremde vertraut werden zu lassen und vorurteilsfrei aufzunehmen? Wie reif ist man wirklich zum multikulturellen Zusammenleben? Diese Frage scheint heute besonders an der Zeit u sein. Denn Europa steht die Osterweiterung bevor und die Osterweiterung bedeutet doch neue Mitglieder und somit ... neue Fremde?
Irrt sich derjenige, der meinen würde, Fremdenfeindlichkeit und Vorurteile seien allein für die rechtsextremen Kreise der Gesellschaft reserviert. "Es ist nicht nur ein Problem am rechten Rande des politischen Spektrums oder der Einkommensschwachen oder der Arbeitslosen" warnen in ihrem Buch Ahlheim und Heger. "Die Fremdenfeindlichkeit reicht weit in die Mitte der Gesellschaft und betrifft auch Studenten, Abiturienten, wobei die Tatsache ist, daß sie mit dem Bildungsgrad abnimmt."
Nach den Angaben einer der jüngsten repräsentativen Untersuchungen wurden 15 Prozent der Gesamtbevölkerung Deutschlands als "fremdenfeindlich" eingestuft und genauso viele als "übertrieben nationalistisch". Bei über 35 Prozent der Gesamtbevölkerung wurde eine "etwas" fremdenfeindliche Haltung festgestellt .
Nach Untersuchungen von Silbermann und Hüsers sind "Mit dem Zahlenverhältnis von Deutschen und Ausländern in ihrem Wohngebiet" 11 Prozent Deutsche "etwas" und 5 Prozent "sehr unzufrieden", "den Kontakt zu Ausländern" vermeiden 7 Prozent.
Jeder fünfte Deutsche würde Türken "nur als Besucher" zulassen. In bezug auf Vietnamesen stimmten dieser Aussage 28 Prozent und bezüglich Afrikaner, Sinti und Roma über ein Drittel der Befragten zu.
Acht Prozent der Befragten würden Türken "aus unserem Land ausschließen", so auch Vietnamesen (9%), Afrikaner (9%) und Sinti und Roma (37%). Gegen Aufnahme der Asylsuchenden sprachen sich 15 Prozent der Befragten aus.
"Gastarbeiter sollten grundsätzlich nur befristet hier arbeiten und wohnen" dieser Aussage stimmten 19 Prozent zu. Fünf Prozent der Befragten würden die Gastarbeiter wieder in ihre Heimat schicken.
"Deutsche, die auf einer öffentlichen Demonstration "Ausländer raus" rufen" fanden Verständnis bei 16 Prozent der Befragten und 2 Prozent von ihnen erklärten, sie "würden (es) vielleicht auch machen". Fünf Prozent Teilnehmer der Umfrage verstanden "Deutsche, die zur Gewalt gegen Ausländer aufrufen"; weniger als 1 Prozent würde sich ihnen anschließen. Gegenüber "Deutschen, die einzelne Ausländer überfallen" und "Deutschen, die bei gewaltsamen Überfällen z.B. auf Asylantenheime als Zuschauer klatschen" haben jeweils 3 Prozent Verständnis entgegengebracht. Weniger als 1 Prozent "würden (es) vielleicht auch machen"
Aufgrund der Ergebnisse der Umfrage wurden
1,0% der Bevölkerung als
Sehr stark fremdenfeindlich
(Zustimmung zu 10 bis 12 Aussagen)eingestuft und dementsprechend weiter
4,2% als Stark fremdenfeindlich (Zustimmung zu 8 bis 10 Aussagen)
10,3% als Mittelhoch fremdenfeindlich (Zustimmung zu 5 bis 7 Aussagen)
35,3% Etwas fremdenfeindlich (Zustimmung zu 3 bis 4 Aussagen)
34,5% Kaum fremdenfeindlich (Zustimmung zu 1 bis 2 Aussagen)
14,7% Gar nicht fremdenfeindlich ( Zustimmung zu keiner Aussage)
Die Erwartungen der Deutschen in den neuen und den alten Bundesländern hinsichtlich des Lebensstills und der Zukunft der Ausländer in Deutschland unterscheiden sich voneinander nur im unwesentlichen. Interessant ist dabei allerdings die Entwicklung der prozentuellen Werte (Zustimmung zu den Aussagen) von 1994 bis 1996.
Alte Bundesländer |
Neue Bundesländer |
||||
1994 1996 |
1994 1996 |
||||
"Die in Deutschland lebenden Ausländer sollten ihren Lebensstil ein bißchen besser an den der deutschen anpassen |
Knapp 50% |
Knapp 60% |
Über 50% |
Über 60% |
|
Man sollte den in Deutschland lebenden Ausländern jede politische Betätigung in Deutschland untersagen |
Über 30% |
Über 35% |
30% |
Über 35% |
|
Wenn Arbeitsplätze knapp werden sollte man die in Deutschland lebenden Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken |
Über 20% |
Etwa25%
|
30% |
Über 40% |
|
Die in Deutschland lebenden Ausländer sollten sich ihre Ehepartner unter ihren eigenen Landsleuten auswählen |
Knapp 20% |
20% |
Knapp 30% |
Knapp 30% |
Die Angaben zu politischen Orientierung jugendlicher Arbeitnehmer über die ausländischen Mitglieder der deutschen Gesellschaft stimmen im Kontext der kommenden Berliner Republik ebenfalls nicht all zu optimistisch an:
Die unten aufgeführte Tabelle klärt über die Zustimmung der Jugendlichen zu folgenden Aussagen:
1). "Die meisten Asylbewerber wollen nur von unserem Wohlstand leben"
2). "Asylbewerber werden in ihrer Heimat politisch verfolgt"
3). "Ausländer rein"!
4). Wahlrecht für Ausländer"!
5). "Gleiches Arbeitsrecht für Ausländer"
ruppe 1 Jugendliche mit schulischen Problemen ohne Aussicht auf einen Ausbildungsplatz auf dem "Freien Markt" |
Gruppe 2 - Jugendliche mit einem sicheren Ausbildungsplatz in prosperierenden Unternehmen der Metallindustrie |
|
|
Bemerkenswerterweise zeigten die Jugendlichen ohne Aussicht auf einen Ausbildungsplatz (Gruppe 1) mehr Toleranz und Verständnis gegenüber den Ausländern und ihren Problemen als ihre in dieser Hinsicht besser gestellten Kollegen (Gruppe 2), was die Autoren der Studie über "Wohlstandschauvinismus der Jugendlichen" sprechen ließ.
"Vorurteil ist das Kind der Unwissenheit" (William Hazlitt) und es kommt selten von allein.....
Selbst als Mitglied einer heutzutage, "überinformierten Gesellschaft" (Günter Grass) , ist man in manchen Sachen gelegentlich doch überfragt. Man verläßt sich dann gerne auf eine gut informierten Quelle. Je beliebter und öffentlich angesehener die Quelle, desto leichter werden präsentierte Ansichten von einem Durchschnittsbürger beachtet und anerkannt. Die Notwendigkeit die Fakten auf ihre Stichhaltigkeit und Objektivität zu überprüfen, wird jedoch dabei oft außer acht gelassen.
Daß ein Produkt durch eine geschickte Werbekampagne über eine Nacht zum Renner der Saison, oder im Gegenteil zu einem Flop werden kann, wundert in der Ära vorherrschender und überall präsenter Werbung niemanden mehr. Geschickte Werbekampagnen haben weltweit schon öfters wenig bekannten Politikern auf den Präsidentenstuhl geholfen und auch auf dem Wirtschaftsmarkt entscheidet ein guter Ruf über die Zukunft der Aktienkurse eines jeden Börsengängers mit.
Ein guter Ruf spielt ebenfalls in der sensiblen Sphäre der zwischenmenschlichen Kontakte eine entscheidende Rolle.
Angesichts der Tatsachen daß die Beliebtheit der Ausländer in Deutschland nicht gerade auf ihrem Höchstpunkt stand, stellte sich die Frage nach der Rolle der Medien als eines der populärsten Informationsträgers bei der Gestaltung und der Vermittlung eines Ausländerbildes der Deutschen für Wissenschaftler als äußerst interessant. Sie gab den Wissenschaftlern den Anlaß, die Ausländerpräsenz in der deutschen Tagespresse gründlich zu untersuchen. Ihr Augenmerk galt besonders der Frage, welche Fremde in welchen Zusammenhängen und Schemata in der deutschen Tagespresse dargestellt werden. Einige Zeit später schloß ihnen Predelli durch seine Untersuchungen von überregionalen Qualitätseitungen der FAZ, der SZ, Frankfurter Rundschau, der Tageszeitung, der Welt u.a. an, wobei er in seine Recherchen außer der Ausländerpräsenz ebenfalls die Sprache (Wortwahl) der Artikelautoren einbezogen hat.
Die Angaben der bereits bestehenden Studien zu diesem Thema so wie die Ergebnisse der eigenen Untersuchungen ließen den Forscher feststellen, die Presse komme ihrer Pflicht, ein möglichst objektives Statement über die Ursachen, Wirkungen, Vorteile und Probleme der Zuwanderung zu berichten, im Bezug auf Ausländer nicht genügend nach.
Die Studie von Merten (1972) ergab, (40,4%) der Artikel zeigten Ausländer als Gast, Sportler oder Künstler, seltener (18,8%) als ein ausländische Arbeitnehmer oder Asylbewerber. Über 20 Jahre später ergänzten die Erkenntnisse von Predelli das zu diesem Thema bereits vorhandene Wissen. Aus seinen Untersuchungen (1995) ging hervor, daß die Ausländer, die nicht mit Zuwanderungsproblematik in Verbindung stehen, hauptsächlich im Zusammenhang mit Innerer Sicherheit und Kriminalität erwähnt würden. - "Die Zeitungen stellen Ausländer in der Bundesrepublik in der Regel im Zusammenhang mit Problemen dar" berichtet Predelli. "Die Italiener in Deutschland sind, wenn man die Medienrealität zugrunde legt, fast alle kriminell. Ähnlich steht es mit polnischen Staatsangehörigen im Bundesgebiet aus." In diesem Themenbereich blieben auch Afrikaner und Asiaten, wobei Afrikaner oft beim Thema Spitzensport erwähnt würden. Abgesehen von Berichten über Kriminalität und Politik, seien Türken, West- und Osteuropäer in der Presse öfter präsent als Asiaten (4,5%) und Afrikaner (0%).
Das Thema "Kultur" stößt bei der Presse auf wenig Interesse Überregional sei es "bedeutungslos", wobei lokal nur über Kultur der westlichen Länder berichtet würde.
Die Presse nehme die Ausländer, mit Ausnahme von Westeuropäern, die öfters als Individuum präsentiert werden, kaum noch als Personen wahr
Asylbewerber kommen im wesentlichen als Nutznießer der Bundesrepublik vor und es würde über sie viel, aber oberflächlich berichtet. Ihre Darstellung in der Presse ist wenig differenziert, oft kommen sie in Kommentaren vor, selten in Reportagen. Ihre Namen, Berufe und damit ihre soziale Herkunft interessieren nicht. Die Zahl der Rollen, die Presse ihnen zuweist ist gering, die Bewertungsgrundlage rein ökonomisch".
Ausländer haben keine besonders gute Presse und aufgrund dieser Tatsache wäre es nicht auszuschließen, daß die bereits beklagte wenig Sympathie, die Deutsche den Ausländern entgegenbringen dabei, beinahe ein zwangsläufiges Ergebnis sein könnte. Ein solches, wenig positives Ausländerbild, (zwischen den Nationalitäten der Ausländer wenig differenziert), ermutigt nicht gerade dazu, den Kontakt aufzunehmen und ihnen gegenüber wärmere Gefühle zu entwickeln.
Eine der weitverbreiteten Ansichten über Ausländer, berichten Ahlheim und Heger, ist die These, Ausländer seien besonders kriminell.
Aus den bereits besprochenen Untersuchungen geht hervor, daß Personen ausländischer Herkunft in den Presseberichten über Kriminalität überrepräsentiert sind. Was sagt die Statistik dazu?
"(...)Der deutliche Anstieg der gerichtlich registrierten Ausländerkriminalität in den letzten zwanzig Jahren muß vor dem Hintergrund der überproportionellen Zunahme der strafmündigen ausländischen Bevölkerung in diesem Zeitraum gesehen werden. Insbesondere in der kriminologisch bedeutsamen Bevölkerungsgruppe der 14- bis unter 25jährigen (...) verlief die Entwicklung von Deutschen und Ausländern gegensätzlich. Bei den (einwohnerrechtlich registrierten) Ausländern hat sich die Altersgruppe der 14- bis unter 25jährigen zwischen 1976 und 1996 mehr als verdoppelt (+107%), bei den Deutschen dagegen um 26% verringert.
Gut jede sechste Verurteilung von Ausländern stand 1996 in mittelbaren Zusammenhang mit Aufenthalts- und Einreisebestimmungen.(...) Diese Delikte spielten bei den Deutschen bestimmungsgemäß kaum eine Rolle. (...) Die Verurteiltenzahlen in den anderen Kriminalitätsbereichen unterschieden sich zwischen Deutschen und Ausländern, jeweils bezogen auf die Gesamtzahl der Verurteilungen, nur unwesentlich.(...)"
Außerdem seien in der Zahl der verurteilten Ausländer auch Touristen und sich illegal in Deutschland aufhaltende Ausländer enthalten, die in der Bevölkerungsstatistik nicht erfaßt sind."
Hätte die These von besonders kriminellen Ausländern angesichts dieser Tatsachen nicht bereits revidiert werden sollen?
Trotzdem wird ein ausgeprägter Hang zur Kriminalität als ein typischer Wesenszug den Ausländern immer noch zugemutet...
Warum?
"Nichts ist in Wörtern schwerer zu beschreiben als ein unauffällig gekleideter Durchschnittsmensch von Mittelgröße, der mit ausdrucksarmer Miene im normalen Schritt bei zwanzig Grad unter milchigem Himmel durch die Bahnhofsstraße geht", schreibt der Journalist Wolf Schneider
Das Außergewöhnliche im Alltag herauszufinden und über das Alltägliche so interessant wie möglich zu berichten gehört zweifelsohne zum journalistischen Handwerk. Langweilige Schlagzeilen wecken wenig Interesse und dies wirkt sich wiederum nur ungut auf die Leserquote aus.
Gemäß wissenschaftliche Studien, sollen Probleme des Alltags In bezug auf Ausländer noch weniger berichtenswert zu sein, als dies für die Innländer auch der Fall sei. Umgekehrt ausgedruckt: ein Ereignis müsse in bezug auf Ausländer bereits einen weit höheren Grad des Nicht Alltäglichen besitzen, um in die Medien zu gelangen;
Kriminelle Delikte gehören gewiß zu solchen "nicht alltäglichen" Ereignissen, die ein öffentliches Aufsehen erregen - Vergehen ausländischer Personen sollen öfters Schlagzeilen für lokale Presse liefern als ein vergleichbares Delikt eines deutschen Täters
Die Angabe der Nationalität einer beteiligten Person bei der Berichterstattung über Kriminalität trüge, ebenfalls, zur Entstehung und Verfestigung eines Wahrnehmungsschemas bei, so daß Fremde, durch die Öffentlichkeit mit gewissen Geschehen, wenn auch unbewußt, assoziiert würden. "Normalerweise bezeichnen die Journalisten die beteiligten Personen durch Alter, Geschlecht, Beruf u. ggf. sozialen Status. Wenn im Zusammenhang mit Ausländern diese Informationen durch die Angabe der Nationalität ersetzt werden, kommt der Eindruck auf, ein Delikt sei für eine bestimmte Personengruppe typisch" Die Bezeichnung reduziert den Menschen damit auf eine einzige Eigenschaft sie stereotypisiert.
Auch Vereinfachungen technischer Natur, die im journalistischen Handwerk auch nur schwer zu vermeiden sind, haben manchmal zu Folge, daß (Slotterdijk) die Zusammenstellung von den bedeutungsvollen und den weniger lebenswichtigen Pressemeldungen auf einer Zeitungsseite ihre Gleichwertigkeit suggeriert, wodurch ein Geschehen nicht zuletzt durch seinen Platz unter den aktuellen Meldungen des Tages, an Gewicht gewinnt
Als letztes wurde die Medienrhetorik unter die Lupe der Forschung genommen, und wie das Endergebnis beweist, konnte sie dem Vorwurf, Einstellungen zu erstellen und zu stärken, nicht standhalten .
Das ursprünglich neutral klingende Wort "Asylant" nahm im Laufe der Zeit nicht zuletzt durch andere Wortverbindungen wie "Asylantenflut", "Scheinasylant", "Asylbetrug" eine pejorative Färbung auf. Es kommt öfter als Worte "Asylbewerber" oder "Flüchtling" in Verbindung mit der sog. "Wassermetaphorik" vor also: "Asylantenflut", "- strom","- schwemme", "-eindämmen", "-einschleusen". Die psychologische Wirkung der "Wassermetaphorik" auf den potentiellen Leser wir von Predelli folgendermaßen beschrieben:
"den Ausländern wird damit der Charakter einer Naturgewalt zugeschrieben, gegen die es keine Gegenwehr gibt. Durch die damit unterschwellig erzeugte Panik suggerieren die Zeitungen, daß die Regierung handlungsunfähig ist und jeder einzelne das Gewaltmonopol für sich beanspruchen darf".
Während die Wassermetaphorik und andere wertende Ausdrücke bei manchen der Zeitungen oft vorkamen, schienen die anderen, vor allem die Qualitätszeitungen diese zu vermeiden und bei der Wortwahl sehr bedächtig vorzugehen. Diese Tatsachen bestätigten Predellis Vermutung, daß "die Wahl der Metaphern kein Zufall und keine Unachtsamkeit der Schreiber ist. Die Symbole werden benutzt, um Einstellungen zu erzeugen oder zu stärken."
Über die macht der Begriffe klären Ergebnisse eines Experiments auf, das von Klaus Hildebrand, 1985 in verschiedenen Klassen durchgeführt wurde. Zwei Gruppen von Schülern bekamen die gleichen Arbeitsblätter auf den Blättern wurden Wesensmerkmale, wie etwa: laut, rückständig, dunkel, sauber, aggressiv, arbeitsam, städtisch, ordentlich, stark, erfreulich, angesehen aufgeführt. Ohne es zu wissen bearbeitete die eine Gruppe den Bogen zum Begriff "Politischer Flüchtling", die andere zum Begriff "Asylant".
Das Experiment zeigte, wie unterschiedlich die Bewertung in den beiden Fällen war. "Politischer Flüchtling" war: nicht so laut, nicht rückständig, eher sauber, wenig aggressiv, arbeitsam, städtisch, ordentlich, erfreulich und angesehen, und auch nicht in Überzahl vertreten.
"Asylant" war dagegen . jedenfalls lauter, rückständig, durchschnittlich sauber, durchschnittlich aggressiv, nicht besonders arbeitsam, eher ländlich, genauso erfreulich wie der politische Flüchtling und wenig angesehen.
Die Rolle der Medien, und insbesondere die Macht der Bilder und Begriffe, deren Wirkung auf Menschen z.B. im bekannten Fall Werbung seit langem kritisiert und heutzutage von niemandem mehr in Frage gestellt wird, wird im Prozeß der Vermittlung und Verfestigung von Ausländerbildern und Wahrnehmungsschemata oft übersehen.
Ähnlich wie jeder Durchschnittsbürger sind auch "Fremde" sind ganz auf die Redlichkeit und Objektivität der Medien angewiesen, die, was hier von einer außerordentlichen Bedeutung ist, an ihnen selbst, also ihrer Kultur, ihrem Herkunftsland, ihren Probleme aber auch ihren Erfolgen, und nicht nur am Sensationellen, was sie betrifft, interessiert sind.
Ähnlich wie in der Medizin, sollte im guten Journalismus neben Sachlichkeit, Zuverlässigkeit, Vollständigkeit und Objektivität noch eine goldene Regel als Gebot dazu gelten: "In erster Linie nicht schaden! Denn den Medien fällt im Prozeß einer fairen Gestaltung eines Bildes der Ausländer, zumal sie alle Mittel haben, so wie zur Verbesserung des inneren und europäischen sozialen Klimas, eine besondere Rolle zu.
"Die Vorurteile von gestern sind die Nachteile von heute" lautet der kluge Gedanke von Klaus Bernhardt und erinnert gleich an ein anderes altes, aussagekräftiges Sprichwort "Wie man sich bettet, so schläft man..."
Europa steht vor neuen Aufgaben, deren Erfolg im größten Maße von der Konsequenz in der praktischen Umsetzung des "Gemeinsames Europa" Gedanken abhängt. Denn das wahre gemeinsame Europa setzt das voraus, worüber schon seit Jahrzehnten gesprochen wird, und was trotzdem immer noch nicht so leicht zu erreichen ist: Bereitschaft miteinander zu leben, zu reden und dabei einander zuzuhören.
Die deutsche Gesellschaft vor der nächsten Jahrhundertwende.... Solche Momente brachten schon seit eh und je die Menschen dazu, über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft nachzudenken.
Das gefeierte "Ja" zum g e m e i n s a m e n Europa in Maastricht 1992 war ein "Ja" zum gemeinsamen Europa der Staaten und Völker.
An Basis der ökonomisch orientierten Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft entstand die Europäische Union - das Nebeneinander und, wie erhofft, auch das Miteinander der Bürger - der gebürtigen und derjenigen, für die Europa eine neue Heimat geworden ist.
Für viele wurde jedoch die neue Heimat zugleich eine neue Fremde.
"Überwiegend positiv werden nur Ausländer im Heimatland bewertet" trübt Wissenschaft die Stimmung.
Gemeinsames Europa nicht für alle...?
Es gibt ein Wort, das die Menschheit, trotz bitterer Erfahrung zahlreicher Tiefen ihrer langen Geschichte anscheinend nie richtig beherrschte und es deshalb immer wieder lernen muß - Und die Rede ist hier (wieder...?) von der Toleranz.
Erstaunlich daß gerade sie und ein vorurteilfreies Denken am Ende des Jahrhunderts der Kriege immer noch g e f o r d e r t werden müssen
. Es würde nur ungut um die Zukunft jenes Europa stehen, in dem Toleranz und Menschenrechte den einen vorenthalten werden und den anderen als Privileg gegönnt wird. Demokratie ohne Toleranz ist kaum vorstellbar. Und Toleranz nur für Auserwählte ist keine.Weniger über, mehr miteinander reden! Diese Forderung nach einem kommunikativen Multikulturalismus richtet sich nicht nur an die Deutschen, sondern an alle gebürtigen und nicht gebürtigen Europäer. Denn die Welt ist klein und irgendwann und irgendwo ist man mal plötzlich selbst ein Ausländer.
"Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: sie muß zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen". Dieser Geistesblitz von Johann Wolfgang von Goethe bleibt auch heute noch aktuell.
Mit der Reform des Staatsbürgerschaftsrechtes wurde zweifellos ein wichtiger Schritt nach vorn im Kontext der Integration der in Deutschland lebenden ausländischen Bevölkerung getan. Ob die Reform im Bereich zwischenmenschlicher Kontakte tatsächlich etwas bewirken wird, bleibt offen. Aber eins steht fest: die Reform selbst, ohne Bereitschaft etwas zu verändern, und wohlgemerkt - auf den beiden Seiten, nutzt nicht viel.
"Man soll die Toleranz nie so weit treiben, daß die Intoleranten daraus Vorteil ziehen können". (Erich Limpach). Es wäre äußerst gefährlich und verantwortungslos, die Entwicklung rechtsextremer Tendenzen, sowohl jetzt als auch in der Zukunft als ungefährlich abzutun, selbst wenn manche die Stimmzettel für DVU nur als "Denkzettel" für die Regierung sehen wollen.
"Die Pfalz ist meine Heimat, Deutschland ist mein Vaterland, Europa ist meine Zukunft" der ehemalige deutsche Bundeskanzler könnte von vielen weniger "zukunftsfähigen" jungen Menschen, in deren Händen die Zukunft der "Berliner Republik" liegt, um seinen Optimismus und vor allem seine Zukunftsorientierung beneidet werden. "Nie gab es eine solche Vielfalt an Chancen!"... "Packt an, ..., Traut euch was zu, das ist Euer Jahrhundert!" lautet sein Aufruf an die junge Generation. Im "Gemeinsamen Europa ohne Grenzen" sind noch viele Grenzen aufzuheben und viele Mauer zu brechen...
Die Zeiten ändern sich und wir mit ihnen und dieses Sprichwort gibt Hoffnung.
Vielleicht haben die Europäer diesmal miteinander doch mehr Glück, als die sprichwörtlichen Berg und Tal...
Agnieszka Naremska
Doktorandin im Institut für Germanistik der Universität Wroclaw (Polen)
Studentin des 8 Semesters Niederlandistik
Stipendiatin von KAAD
Jahrgang 1973