Große Legenden werfen ihren Schatten weit voraus, heisst es, und so war es auch bei den Skatalites, wo schon Wochen vor dem Konzert meine Planung auf diesen Tag hinlief, bzw. das Wochenende, da an sich einen Tag später die SpringtOifel in Verden spielen sollten, was dann aber aufgrund verängstigter Sozialarbeiter abgesagt werden musste!!! (Ein echtes Armutszeugnis für's JUZ Verden!)
Zurück zum Thema: Da die Skatalites zweifelsohne eine der SKA-Legenden sind, die seit den 60er Jahren aktiv sind und ich noch nicht in den Genuß gekommen war, sie live zu hören, musste ich diese einmalige Gelegenheit wahrnehmen, da es ja schon selten genug ist, irgendwelche SKA-Größen in Bremen begrüssen zu dürfen!
So war es dann an jenem Abend so, daß man sich frohgemutes zum Schlachthof aufmachte, um dort einen Haufen bestiefelter, kurz und langhaariger Leute, sowie einige Alt-68er anzutreffen. Leute, die man lange nicht gesehen hatte liefen einem über den Weg und man verbrachte so einige Zeit damit, sich mit allen zu unterhalten und das ein oder andere Bier zu sich zu nehmen, während drinnen schon die Vorbands die Stimmung anheizten. Der Eintrittspreis betrug stattliche 30,-DM und so beschloss ich, noch etwas draussen zu bleiben, da dort genug Leute waren, um sich zu unterhalten, und sogar Erik und Esther (die zu jenem Zeitpunkt 3 Wochen vor Entbindung stand) waren da. So verbrachten wir noch diverse Zeit in der Schlachthofkneipe, führten uns einige Beck's ein, und warteten auf 0.00Uhr, da dann Esther Geburtstag hatte ... also noch munter angestoßen und dann Richtung Konzert bewegt. Skatalites hatten schon angefangen und ein paar Songs gespielt, dafür war der Eintritt jetzt aber frei, was mir natürlich extrem gut gefiel! Also nix wie rein (nach einer mehr als gründlichen Leibesvisitation) und die Kesselhalle war brechenvoll mit Leuten. Also erstmal durchgekämpft und versucht auf der Tanzfläche etwas zu skanken, aber irgendwelche durchgeknallten Hippies sprangen armwedelnd wie Irre durch die Gegend, daß man sich schon fast wie auf einem Punkkonzert im Pogorausch fühlte ... war nix mit gemütlich abtanzen, was angesichts der wirklich Klasse Musik ärgerlich war, daß so ein paar Entsprungene einem diese Freude nehmen konnten. Ich habe mich dann weiter nach oben auf die Ränge gekämpft und mir das Spektakel von oben angesehen ... die drei übriggebliebenen Original-Musiker aus den 60ern waren wirklich das, was man sich unter alten Jamaikanern vorstellt ... den SKA-Rhythmus im Blut und mit einer Leidenschaft wurden den Instrumenten die feinsten SKA und Reaggae-Stücke entlockt, und ich konnte nicht verstehen, wie viele Leute da einfach sitzenbleiben konnten, obwohl nach gewisser Zeit es sich vor allem bei ruhigeren Stücken gezeigt hat, daß man dabei ganz wunderbar entspannen kann, dazu noch mit 'ner dicken Tüte, die noch mehr gute Laune verbreitet!
Die übrigen Musiker der Skatalites wurde von etwas jüngeren Loiten ergänzt, die zwar optisch nicht ins Gesamtbild passten, aber rein akustisch ihre Instrumente beherrschten! Viele bekannte Stücke wurden gespielt, wie "Rock Fort Rock", "Liberation Ska" oder natürlich auch die "Guns of Navarone". Einige Stücke wurden dann noch von Doreen Shaffer intoniert und es war wirklich eine Freude die alten Herren an ihren Instrumenten zu sehen, und sich vorzustellen, daß sie schon vor 30 Jahren diesen tollen Sound gespielt haben und bis heute dem treu geblieben sind! Daß die Skatalites vorwiegend Instrumentalstücke spielen, störte keineswegs, denn die Variationen des Stils brachten nie Langeweile und immer versuchte man, das gerade gespielte Stück mit einem Songtitel in Verbindung zu bringen, was angesichts der großen Anzahl an Instrumentalstücken sich als äußerst schwierig zeigte.
Das Konzert ging über 2 Stunden und ich war wirklich froh, diese Ska-Legende noch gesehen zu haben, bevor sich die Reihen der Original Musiker noch weiter lichten, also alles in allem ein Erlebnis, das man mitgemacht haben muß! Auch brachte dieses Konzert einige positive Erscheinungen mit sich, daß man beschwingt nach Hause ging, ohne taube Ohren zu haben, oder völlig verdreckte Stiefel und Hose, wie auf vielen anderen Konzerten.
Fazit: Wer die Skatalites noch nicht gesehen hat, sollte das nachholen!