Copyright: Al Treacher, 17 November 1999
Die Entwicklung dessen, was als "Schmalturm" für den Panzer V "Panther" bekannt wurde, ist verknüpft mit der des Panther II, des Panther Ausf.F und des E-50 und zu einem gewissen Grad auch des Tiger II. Aufgrund von Problemen, die sich beim Design des Original Panther Turms zeigten, wurden Verbesserungen angestrebt. Benötigte Vorraussetzungen beeinflussten das Design, wie die Beibehaltung von so vielen Komponenten, wie möglich, der Wunsch die Größe des bestehenden Turm-Drehkranzes beizubehalten, sowie die Kosten und Produktionszeit auf ein Minimum zu reduzieren.
Es gibt Beweise, daß es schon Anfang November 1943 Bestrebungen gab den Turm des Panthers wesentlich umzuändern. Der Hauptgrund dafür war das Design der Kanonenblende zu verbessern, um zu vermeiden, daß Treffer im unteren Teil der Kanonenblende nach unten durch das relativ dünne Dach gelenkt wurden und außerdem die Gesamtfläche der Turm Front zu verkleinern.
Erste Untersuchungen für den neuen Turm wurden von Rheinmetall-Borsig unternommen, mit der zusätzlichen Aufgabe einen Entfernungsmesser mit in den Turm zu implementieren. Im März 1944 waren die ersten Pläne fertiggezeichnet, die die Forderungen erfüllten, wobei die meisten Turm Einrichtungen unverändert vom Turm des Panther A übernommen wurden. Dieser Entwurf wurde bezeichnet als "Turm Panther 2 (schmale Blendenausführung)" und auch als "Turm - Panther (schmale Blende)".
Während des Frühjahrs 1944 wurde vom Waffen Prüfungsamt 6 die Verantwortung für weitere Entwicklung des neuen Turmes auf Daimler-Benz übertragen. Warum dies geschah ist bis heute nicht bekannt. Zu diesem Zeitpunkt wurden neue Voraussetzungen festgesetzt, wie ein koaxiales MG-42 anstatt des (nicht mehr produzierten) MG34, sowie die Möglichkeit im Feld ein Infrarot Suchscheinwerfer und ein Sichtgerät für Nachtkämpfe zu installieren, oder auch Kommando Ausrüstung (zusätzliche Funkgeräte, usw.) um einen daraus einen Befehlspanzer zu machen.
Der Entwurf von Daimler-Benz, welcher vermutlich der Ursprung für die (inoffizielle) "Schmalturm"-Bezeichnung war, erfüllte die Entwurfsbedingungen vortrefflich. Die offizielle Bezeichnung, die in einem Dokument vom 20.November 1944 vermerkt war, war "Panther-Turm Ausf.F". Dieser Turm war stärker gepanzert als das vorherige Modell und dazu noch etwas leichter. Die Frontfläche des Turms wurde verkleinert, so daß es schwieriger wurde den Turm von vorn zu treffen. Die breite, gebogene Kanonenblende des früheren Turms wurde durch die konisch geformte "Saukopfblende" ersetzt, genau wie die, die im Tiger II Verwendung fand. Eine erniedrigte (und so weniger verwundbare) Kommandantenkuppel wurde aufgesetzt. Weniger auffallende Neuerungen waren der Einbau einer Luke und eines Pistolenpfropfens auf der Rückseite des Turms. Die Produktionszeit für den Turm ohne Kanone wurde um 30-40% (in Arbeitstunden) reduziert. Auch der Materialverbrauch wurde gesenkt, was für Deutschland zu diesem Zeitpunkt eine wichtige Rolle spielte. Z.B. wurden die Luken aus dem Material gemacht, das bei der Produktion des Turms ausgeschnitten wurde.
Die 7,5cm KwK42 L/70, die im bisherigen Panther Turm war, wurde beibehalten, nach ein paar kleinen Änderungen durch die Skodawerke, wie z.B. Modifizierung der Kanonenwiege und des Rohrrückholsystems. Die neue Bezeichnung der Kanone war nun 7,5cm KwK44/1 L/70. Obwohl Fotos des Versuchs-Schmalturms eine Mündungsbremse zeigen, war nie geplant bei den Produktionsmodellen eine Mündungsbremse zu installieren, da die Bremszylinder in der Lage waren, den kompletten Rückstoß aufzufangen.
Eine Weiterentwicklung der Kanone, die 7,5cm KwK44/2 L/70 bekam einen Schnelllade Mechanismus am Verschluß. Dabei warf der Rückstoß die leere Hülse aus und lud beim Zurückgleiten eine neue Patrone aus einer Viererreihe von Patronen. Die erreichbare Feuergeschwindigkeit war damit theoretisch bei 40 Schuß pro Minute. Drei dieser Kanonen wurden gebaut und zu Testzwecken in einen Panzer eingebaut.
Zusätzlich zum konventionellen teleskopischen Zielgerät wurde ein stereoskopischer Entfernungsmesser in den Turm eingebaut. Die effektive Reichweite der Panzerkanonen stieg allmählich was dazu führte, daß man zuverlässige Entfernungsmesser für größere Entfernungen benötigte, um die benötigte Rohrerhöhung zu bestimmen. Für geringere Entfernungen (bis etwa 2000m) war weniger Präzison erforderlich, da das Projektil eine nur wenig gekrümmte Schußbahn besaß. Bestrebungen einen Entfernungsmesser mit der Zieloptik zu verbinden waren gescheitert, da die Voraussetzngen unvereinbar waren. Also sollte in der Entwicklung ein stereoskopischer Entfernungsmesser mit intergriert werden (der noch bei Zeiss in der Entwicklung, aber nahezu fertig war), wobei die ermittelte Entfernung automatisch an die Zieloptik übertragen werden sollte. Der Entfernungmesser sollte in stoßfesten Halterungen montiert werden, so daß die Optik nicht durch die Panzerbewegung oder Treffer beschädigt werden konnte.
Es wurde beabsichtigt eine stabilisierte Zieloptik zu installieren, wenn die Produktion begonnen hatte, was dem Richtschützen erlaubt hätte auch während der Bewegung des Panzers zu zielen und nötigenfalls auch zu schiessen. Diese Zieloptik wurde getestet, aber die Tests kamen nie ins Endstadium, so daß die Optik auch nie wirklich eingebaut wurde.
Anfang 1945 schritt die Entwicklung rasch voran, obwohl Deutschland nun schon schnell an Boden verlor. Bei Treffen im Januar und Februar wurde beschlossen den Einbau einer 8,8cm Kanone in den Panther Schmalturm zu untersuchen. Nachdem über die Anfangsmöglichkeiten nachgedacht wurde, wurde beschlossen die 8,8cm KwK43 L/71, die im Tiger II verwendet wurde, einzubauen, obwohl noch einige Änderungen notwendig waren. Der stereoskopische Entfernungsmesser sollte beibehalten werden und auch die stabilisierte Zieloptik sollte, wenn möglich, eingebaut werden. Um die Kanone einzubauen und die Funktion zu gewährleisten, musste der Turmdrehkranz um 100mm Durchmesser vergrössert werden. Der Panzer hätte dann etwa 65-70 Schuß 8,8cm Munition mitführen können, von denen 15 im Turm untergebracht wären. Dieses Projekt kam lediglich nur bis zum hölzernen Versuchsturm bis zum Ende des Krieges. Es wurde erwartet, daß wenn alles glatt verlaufen wäre die Produktion im letzten Quartal 1945 hätte beginnen können.
Zwei Prototypen vom "Schmalturm" mit 7,5cm KwK44/1 L/70 wurden zu Testzwecken auf Fahrgestelle des Panther G aufgesetzt. Diese Konfiguration führte zum Panther F zusammen mit der Verstärkung der Panzerung des Wannendaches (von 40-16mm zu 40-25mm), sowie weiterer relativ geringer Änderungen der Konstruktion und der Systeme. Die Serienproduktion des Panther F sollte im März 1945 bei den Daimler-Benz-Werken beginnen, und dann im April 1945 auf die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN), Krupp und Nibelungenwerke ausgedehnt werden. Es scheint so, daß in keinem der Werke, bis zum Ende des Krieges, die Produktion vom Panther F angelaufen war, obwohl das nicht ganz klar bestätigt werden kann.
Zum Ende des Krieges war dem Heereswaffenamt schon bewusst, daß sich das Einsparen von Materialien und Ausrüstung lohnen würde, wie auch die logistischen Probleme, die mit der Produktion, Versorgung und Wartung von einer Vielzahl verschiedener Fahrzeuge zusammenhing. Damit begann der langsame Prozess der Standardisierung. Ein Teil dieses Prozesses war, daß der Panther II und Tiger II möglichst viele gleiche Komponenten aufweisen sollten.
Desweiteren sollte die E-Serie die Panzer des deutschen Heeres so weit wie möglich standardisieren. Der E-50 und der E-75 waren als Ersatz für den Panther und Tiger II gedacht, und waren ihrerseits auch sehr ähnlich aufgebaut, wobei die Unterschiede lediglich bei der Panzerung und der Anzahl der Räder liegen; der E-75 sollte wahrscheinlich auch noch eine stärkere Kanone, als die 8,8cm KwK vom E-50, bekommen. Der Schmalturm war als Basis für die E-50 Turm-Entwicklung gedacht.
Mindestens zwei Exemplare des Schmalturms wurden zu Erprobungszwecken von den Alliierten vom Daimler-Benz Werk in Berlin-Marienfelde mitgenommen. Einer wurde zum Aberdeen Testgelände in Maryland, USA, transportiert, der andere zum Royal Armored Corps' Bovington Camp, Dorset, England.
Der Turm in England ist nun im Panzermuseum in Bovington zu sehen, ist aber leider als Zielobjekt auf der Larkhill Schießbahn benutzt worden und weist entsprechende Schäden auf. Er wurde Mitte der 80er Jahre "gerettet". Die Hälfte der rechten Seite und nahezu alles der linken Seite fehlt. Die Frontplatte und das Dach weisen große Risse auf. Für eine Restauration ist es zu spät aber im Moment werden die Überreste in der museumseigenen Werkstatt auf Vordermann gebracht, so daß in naher Zukunft mit einer Ausstellung zu rechnen ist. Der Turm, der nach Aberdeen gelangte, scheint spurlos verschwunden zu sein. Zur Zeit scheinen die einzigen Dokumente dieses Turms einige, früher geschossene, Aufnahmen zu sein.
Nach landläufiger Meinung war der "Panther" der beste Panzer des Zweiten Weltkrieges, und darüber anders zu denken kann zu mißbilligenden Antworten führen! Die Zuverlässigkeit des Panthers, vor allem in der Anfangsphase seines Einsatzes, sind wohl bekannt. Unabhänging von individueller Meinung über die Souveränität des Panthers, hätte die Einführung des "Schmalturm" (entweder auf dem Panther F oder Panther II) ein noch gefährlicheren Panzer auf das Schlachtfeld gebracht; so hätten dann die 88mm oder die halbautomatische 75mm Kanone ihre Verwirklichung gefunden. Trotzdem ist zu bezweifeln, ob während der letzten Monate des Krieges, in denen es Deutschland an Material, Arbeitskraft und Produktionskapazitäten fehlte, die technischen Vorteile der Neuentwicklungen überhaupt einen Unterschied gebracht hätten. man muß sich vor Augen halten ,daß die Produktionszahlen des wesentlich besser gepanzerten und bewaffneten russischen IS-2 bereits zwei drittel der des Panthers erreicht hatte und stetig anwuchs, während die Produktionszahlen der Deutschen sanken.
Schmalturm Panzerungen:
Turmdach 40mm @ 90°
Kanonenblende 150mm
Turmvorderseite 120mm @ 20°
Turmseite 60mm @ 25°
Turmrückseite 60mm @ 25°
Zur weiteren Beachtung:
Dieser Artikel wurde geschrieben, um einen Überblick über die Entwicklung des Turmes zu geben. Die Entwicklung des Fahrgestells des Panther F, Panther II und E-50 wurde kurz angesprochen, wo es vonnöten war. Ein großer Teil an Informationen bezüglich dieses Themas wurden bereits geschrieben und für weiterführende, detailliertere Einsichten werden die ersten beiden Bücher, die weiter unten erwähnt werden, empfohlen. Eine besondere Erwähnung sollte Thomas Jentz erfahren, der mit seiner sorgfältigen Nachforschung viele Mißverständnisse zu diesem Thema ausgeräumt hat.
Germany's Panther Tank. , Thomas L. Jentz, Schiffer 1995
Panther and Its Variants. , Walter J. Spielberger. Schiffer 1993
Armoured Firepower. , Peter Gudgin. , Sutton 1997.
BAOR Technical Intelligence Report No. 27. , 27 August 1945.
The Other Panthers. , Vasko Barbic. , Article, Army and Navy Modelworld, April 1984.
David Fletcher, Curator, Tank Museum Bovington.
Red Army Handbook 1939-1945. , Steven J. Zaloga & Leland S. Ness. , Sutton 1998.