Am 29.November 1941 wies Hitler in einer Besprechung Prof.Porsche an, einen überschweren Panzer zu entwickeln, wobei Krupp zur Lösung dieser Aufgabe herangezogen werden sollte. Die ersten Probefahrzeuge sollten vor Frühjahr 1943 fertig sein. Im April 1942 wurde festgelegt, daß das 100t Fahrzeug mindestens 100 Schuß Munition mitzuführen hatte. Wenn ihr an mehr Info's oder Fotos darüber interessiert seid, dann lest bitte in den erwähnten Büchern nach.
Im Mai 1942 bestand Hitler auf der Entwicklung des überschweren Panzers und hielt eine Begrenzung des Gewichts auf 100 Tonnen falsch. Es kam ihm in erster Linie auf stärkste Panzerung in Verbindung mit einer Höchstleistungskanone an, auch wenn das Gewicht dadurch weit über 100 Tonnen liegen würde.
Im Juni 1942 erklärte Hitler sich einverstanden, daß der Panzer als langsam fahrendes Fahrzeug konzipiert wurde. Im gleichen Monat wurden Hitler die ersten Zeichnungen der Porsche Konstruktion vorgelegt, mit der er grundsätzlich einverstanden war. Er forderte jedoch eine Erhöhung der Panzerstärke am Wannenboden auf 100mm und als Hauptbewaffnung entweder eine 15cm L/37 oder eine 10,5cm L/70 Kanone. Professor Porsche sagte die Auslieferung des ersten Fahrzeuges zum 12.Mai 1943 zu.
Im Oktober 1942 zeigte eine Aufstellung der Firma Porsche zwei Versionen der "Maus" aufgeteilt in Fahrzeug A und B. Hauptbewaffnung war eine 15cm L/37 und als weiteres eine 7,5cm L/24. Für die 15cm Kanone sollten 42 Schuß, für die 7,5cm Kanone 95 Schuß mitgeführt werden. Es wurde ein Gesamtgewicht von 150 Tonnen erwartet. Vorgesehen waren 2 Ketten mit je 50cm Breite und einer Kettenauflagelänge von 4,6m was in einen Bodendruck von 1,54 kp/cm2 resultierte. Das Laufwerk sollte aus 24 Doppelrollen an Federstäben bestehen. Der Antrieb sollte elektrisch über einen Generator und zwei Elektomotoren erfolgen. Der Durchmesser des Antriebsrades sollte 91,8cm betragen. Die Höchstgeschwindigkeit wurde mit 20km/h erwartet, die größte Steigfähigkeit mit 47%. Die Bremsen waren hinten in den Antriebsrädern untergebracht und waren Scheibenbremsen der Firma Argus (Typ 5B).
Als Antrieb für Fahrzeug A war ein Daimler-Benz Dieselmotor vorgesehen. Dieser hatte 12 Zylinder, eine Bohrung von 162mm und einen Hub von 180mm. Das ergab einen Hubraum von 44,5 Litern. Man erwartete bei 2400 U/min eine Leistung von 1000 PS, womit man ein Leistungsgewicht von 6PS/t erreichte. Beim Fahrzeug B sollte dann ein luftgekühlter Porsche Dieselmotor eingebaut werden. Dieser hatte mit 18 Zylinder, 135mm Bohrung und 160mm Hub einen Hubraum von 41,5l. Bei 2000 U/min sollten 780PS erreicht werden, was einem Leistungsgewicht von 4,7PS/t entsprach. Nach weiteren Besprechungen wurde der »MB 507« Motor mit direkt angebautem Elektrogenerator mit 900 PS Leistung.
Im November 1942 trat eine grundsätzliche Änderung des Kampfwagenprojektes 205 ein, wodurch ein erheblich größerer Kraftbedarf gefordert wurde. Daimler Benz schlug daraufhin den Flugmotor »DB 603« vor, der eine Dauerleistung von 1375 PS bei 2300 U/min leistete. Durch den den Panzertruppen zur Verfügung stehenden Treibstoff mit 74 OZ mußte der Flugmotor mit neuen Kolben und geänderten Kompressionsverhältnissen versehen werden. Dieser wurde dann als »MB 509« bezeichnet.
Im Dezember 1942 berichteten Professor Porsche und Dr.Müller von Krupp über die Vorarbeiten für die Produktion des Fahrzeugs "Mäuschen". Die ersten Versuchsfahrzeuge sollten Mitte Sommer 1943 fertig sein.
Am 4.Januar 1943 wurde Dr.Porsche nach Berlin gebeten, wo das Modell der Maus vorgestellt wurde. Hitler war begeistert und verlangte keinerlei Änderungen. Damit war der Startschuß zur Produktion der "Maus" gefallen. Als Endziel wurden 10 Fahrzeuge pro Monat festgelegt. Der Anlauf der Serie wurde für Ende 1943 erwartet. Bei der Wahl der Bewaffnung legte man sich im Februar 1943 auf die 12,8cm Kanone fest.
Ende Januar 1943 erteilte das HWA die Aufträge an folgende Firmen für die Maus-Komponenten: Krupp für Rumpf und Turm, Siemens-Schuckert für die Elektrik, Daimler-Benz für den Motor, Skoda für Fahrwerk, Ketten und Getriebe, sowie Alkett für die Montage.
Am 2.Februar 1943 wurde Dr.Porsche wieder nach Berlin beordert, wo ihm der Beschluß vorgelegt wurde, daß in der "Maus" ein Flammenwerfer mit 1000 Liter Flammöl mit einzubauen sei. Dr.Porsche protestierte, da ihm dies unmöglich erschien. Jedoch verhallte sein Protest ungehört, denn für Hitler hatte diese Flammanlage nun Prorität. Die Entscheidung für den Flammenwerfer zog große Umkonstruktionen nach sich, vor allem mußte zusammen mit Skoda eine neue Federung entworfen werden, da die Flammanlage ein Mehrgewicht von etwa 4,9 Tonnen brachte. (Letzendlich wurde der Flammenwerfer aber doch fallengelassen.)
Am 14.Mai 1943 wurde Hitler das Holzmodell des Panzerkampfwagens "Maus" in Rasteburg vorgeführt. Hitler gab Anweisung, daß der Turm so auszubilden sei, daß Geschosse, die unterhalb der Kanone auftreffen nicht auf das Wannendach gelenkt werden. Ausserdem war zu klären, ob die "Maus" mit einer direkten Flak-abwehr zu versehen sei, oder ob Flakpanzer zum Schutz eingesetzt werden sollten. Der Munitionsvorrat für die 12,8cm Kanone sollte von 50 auf 80 Schuß erhöht, die der Zweitbewaffnung (7,5cm Kanone) von 200 auf 100 reduziert werden.
Am 23.Juli 1943 wurde in einer Besprechung seitens des Waffenamtes geäußert, daß der »MB 509« nur eine Übergangslösung darstellte und als Endlösung nur ein Dieselmotor in Frage komme. Es sei dazu eine Leistung von 1500-1800 PS notwendig. In der Zwischenzeit waren 202 Motoren des Typs »MB 509«, die nun etwa 1200-1250 PS leisteten, bei Daimler Benz bestellt worden. Weiterhin wurde von der Daimler-Benz AG ein weitere Motoren Projekt verfolgt: Der Dieselmotor »MB 517«, von welchen 2 Stück bestellt wurden.
Der Zusammenbau des ersten Prototyps begann bei Alkett am 1.August 1943, wobei der Rumpf von Krupp erst Mitte September geliefert wurde (Beginn vom zweiten Prototypen: 22.2.1944). Die ersten Fahrversuche begannen am 23.Dezember 1943, wobei Rüstungsminister Albert Speer sich ausdrücklich die Genehmigung für die erste Probefahrt vorbehalten hatte. Die Monteure konnten ihre Neugier aber nicht zähmen, und so fuhr der Fahrer Karl Gensberger ohne Genehmigung auf dem Alkett-Werksgelände umher. Das Bild zeigt die "Maus" am Ende dieser Versuchsfahrt bei der Einfahrt in die Werkshalle. Während der Versuchsfahrt wurde die "Maus" auch gewendet. Der Wendekreis betrug dabei 8 Meter. Alle waren so begeistert, daß man Professor Porsche sofort telefonisch Bericht, über die geglückte Fahrt, erstattete. Dieser jedoch war verärgert darüber, daß die "Maus" nicht auf der Stelle gewendet ist. Daraufhin wurde der erkrankte
Dipl.Ing. Zadnik (siehe Foto: Dort sitzt Zadnik in der Fahrerluke der "Maus"), der für den elektrischen Antrieb verantwortlich war, aus dem Bett geholt, der tatsächlich einen Startfehler fand, nach dessen Behebung die "Maus" tatsächlich auf der Stelle drehen konnte!. Weitere Fahrversuche sind bis Mai 1944 in Böblingen durchgeführt wurden. Während der Fahrversuche befahl Hitler, daß die erste komplette "Maus" bis Juni 1944 fertiggestellt sein sollte.
Am 20.3.1944 traf die zweite "Maus" in Böblingen ein, wo sie zunächst beiseite gestellt wurde, bis der vorgesehene Dieselmotor eintreffen würde. Die erste Maus wurde am 9.Juni 1944, mit dem ersten von Krupp am 3.Mai 1944 gelieferten Turm, komplett fertiggestellt.
Tatsächlich produziert wurden nur 2 Panzerkampfwagen "Maus", jedoch waren bereits Produktionsvorbereitungen für eine Serienproduktion von 150 Stück eingeleitet worden.
Es wurde dabei größter Wert auf besten Panzerschutz gelegt. Die Bugplatte war 200 mm stark, und durch die Neigung von 55° ergab sich eine tatsächliche Plattenstärke von 350 mm! Die untere Bugplatte war bei gleicher Stärke um 60° geneigt. Die Wanne bestand aus inneren und äußeren Seitenblechen, wobei die inneren 180mm, die äußeren 100mm stark waren. Das Wannendach und Wannenboden waren vorn 100mm dick, im hinteren Teil nur 50mm. Die Bugplatte des Turms war 240mm, die seitlichen und hinteren Bleche 200mm stark, wobei die seitlichen 30°, die hintere Wand 15° geneigt war. Der Turm allein wog 51,7 Tonnen.
Die Federung für dieses Fahrzeug wurde von Krupp entwickelt und bestand aus 24 Laufwerken mit insgesamt 48 Rollen. Der Raddurchmesser betrug 550mm und der Radstand 530mm. Die Laufrollen waren Stahllaufrollen mit eingelegten Gummiringen. Die Kette wurde von Alkett entwickelt, hatte eine Breite von 110cm und wog 6,25 Tonnen pro Kette. Bei einer Kettenauflagelänge von 5,88m und einem Gesamtgewicht von 187998 kg ergibt sich ein spezifischer Bodendruck von 1,31 kg/cm2, was sich im schweren Gelände nachteilig auswirkte. (Siehe Foto rechts. Dort ist eine "Maus" im sumpfigen Gelände eingesunken. Sie ist später jedoch aus eigener Kraft freigekommen). Trotz des enormen Gewichts konnte die "Maus" etwa 20km/h auf ebener Straße erreichen. Die Steigfähigkeit betrug 30° und die Kletterfähigkeit immerhin 76cm.
Das enorme Gewicht machte auch das Benutzen von Brücken unmöglich, weshalb die Fahrzeuge tiefwatfähig gemacht werden mußten. Um den Entwicklungsaufwand niedrig zu halten, wurde beschlossen die tauchende "Maus" mittels Kabel von einer, am Ufer stehenden, zweiten "Maus" mit Strom für den Elektromotor zu versorgen. Die "normale" Wattiefe der Maus betrug ganze 2 Meter.
Als Zweitbewaffnung wurde eine Neuentwicklung der Firma Krupp verwendet. Es war die 7,5cm KwK L/36,5, die rechts neben der Hauptbewaffnung eingebaut war. Zusätzlich wurde ein MG34 links von der Rohrwiege in einem Rahmen aufgehängt. In der Turmdecke war außerdem eine Nahverteidigungswaffe eingebaut mit der Schnellnebelkerzen 39, Wurfgranaten, Rauchsichtzeichen orange 160 und Leuchtgeschosse R abgefeuert werden konnten. Im hinteren Teil des Turmes wurden 24 Schuß Kartuschenmunition für die 12,8cm Kanone mitgeführt. Insgesamt sollten 68 Schuß für die 12,8cm Kanone und 200 Schuß für die 7,5cm Kanone in der "Maus" mitgeführt werden.
Da der Aktionsradius mit den internen Treibstofftanks im Gelände nur 42km betrug, wurde am hinteren Abschlußblech ein abwerfbarer Zusatzbehälter für 1000 Liter Kraftstoff angebracht. Dieser konnte vom Kampfraum aus mittels Bowdenzug abgeworfen werden.
Im Oktober des Jahres 1944 wurde die erste "Maus" zur weiteren Erprobung an die Heeresversuchsstelle für Panzer und Motorisierung in Kummersdorf geschickt, während dieser Zeit traf auch der Dieselmotor für Maus Nummer 2 in Böblingen ein, wo dieser eingebaut wurde und ohne weitere Versuche die zweite "Maus" auch nach Kummersdorf geschickt wurde. Zur Fahrerprobung wurden mehrere Kraftfahrer, wie Behnisch, Hantschik und Zebitz, verpflichtet. Beim ersten Versuch den Motor von Maus 2 zu starten, wurde die Kurbelwelle, die falsch zwischen Motor und Generator eingebaut worden war, zerstört. Erst Mitte März 1945 kam ein neuer Motor nach Kummersdorf, der auch umgehend eingebaut wurde. Als 1945 das Kriegsgeschen näher an Kummersdorf heranrückte, ließ man die beiden "Maus"-Panzer zum Einsatz vorbereiten, vermutlich wollte man die zweite "Maus", die wohl noch nicht über einen Turm mit Bewaffnung verfügte, in Sicherheit bringen, und dies mit der kampfbereiten, ersten "Maus" durchsetzen. Beide fuhren in Richtung Wünsdorf, als an der Kreuzung der heutigen Bundesstraße 96, in Richtung Töpchin, eine "Maus" mit einem Antriebsschaden liegen blieb. Kurze Zeit später wurde diese "Maus" von der Roten Armee unzerstört erbeutet. Vermutlich war dies "Maus" Nummer 2. Die andere "Maus" fuhr noch einige Kilometer weiter, wurde aber dann von ihrer Besatzung gesprengt (Siehe Bild links). Da im Militärmuseum Kubinka (in der Nähe von Moskau) eine vollständige "Maus" zu sehen ist, liegt die Vermutung nahe, daß die Russen den Rumpf der unzerstört erbeuteten "Maus" Nummer 2 mit dem relativ intakten Turm (gut im Bild zu sehen) der gesprengten "Maus" Nummer 1 zu einer kompletten "Maus" zusammenbastelten.
Bei Ende des Krieges waren drei weitere "Maus" in Bau, deren Teile bei Krupp vorgefunden wurden.
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