2cm FlaK auf Panzer I Ausf.A

Schon im Krieg gegen Frankreich 1940 zeigte sich, daß die bestehende motorisierte FlaK auf Sd.Kfz.10/4 wegen fehlender Panzerung unzureichend war. Daher wurden im Jahr 1941 Überlegungen angestellt, wie man eine FlaK unter Panzerschutz motorisieren könnte. Die Wahl fiel ausgerechnet auf das älteste und schwächste Modell, das verfügbar war ... den Panzer I Ausf.A. Der Hintergrund dieser Entscheidung war jedoch einleuchtend, da man "höherwertige" Fahrgestelle lieber für schlagkräftige Panzer gebrauchen wollte, und so konnten vorhandene, veraltete Panzer I noch einen Beitrag zur Luftabwehr leisten. Für die Besatzung eines solchen Flakpanzers war dies natürlich fatal, da sie mit einem überlasteten, störanfälligen und schwach gepanzerten Fahrzeug als Zielscheibe dienten.
Den Panzer I mit einer schlagkräftigeren Kanone auszustatten war jedoch keine neue Idee, denn schon Anfang 1937 wurden zumindest sechs Panzer I mit der italienischen 20mm L/65 Breda Model 1935 Flak ausgestattet. Eingesetzt wurden diese im spanischen Bürgerkrieg hauptsächlich zur Bekämpfung von Bodenzielen, speziell gegen die auftretenden T-26. Ein Einsatz dieser Fahrzeuge im 2.Weltkrieg ist jedoch unwahrscheinlich.
Zurück zum Panzer I Ausf.A mit deutscher 2cm FlaK: Obwohl vom Heerenwaffenamt/Wa.Prüf.6 eine Weisung an Alkett und Daimler-Benz für den Umbau der Fahrgestelle erging, wurde von Angehörigen der Flakpanzereinheit versichert, daß der Umbau bei Stoewer in Stettin erfolgt ist. Denkbar wäre hier, daß Alkett und Daimler-Benz die Vorarbeiten am Fahrgestell geleistet haben und bei Stoewer der endgültige Zusammenbau vonstatten ging. In einen modifizierten Panzer I Aufbau wurde die 2cm Flak38 eingesetzt, die Standard Flugabwehrwaffe der Deutschen.
Es wurden 24 Flakpanzer I umgebaut und das Fla.-Btl.(mot) 614, das im Mai 1941 in Altwarp aufgestellt wurde, war das einzige, das mit diesem Panzer ausgerüstet wurde. Es wurden in 3 Kompanien jeweils der 1. und 2.Zug mit jeweils 4 Flakpanzern ausgerüstet. Dazu kamen pro Zug 4 Munitionspanzer I und pro Kompanie im 3.Zug je zwei 2cm Flakvierlinge auf Sonderanhänger.
Bis August 1941 erfolgte die praktische und theoretische Ausbildung, bis zum Bahntransport nach Rumänien in den Raum Jassy. Von dort wurde der mindestens 600km lange Landweg in das Einsatzgebiet, den Südabschnitt der Ostfront, begonnen. Dort wurde die Einheit aber hauptsächlich zu Erdkampfeinsätzen herangezogen und einzelne Kompanien anderen Einheiten unterstellt. Daher gibt es auch nur sehr wenig Aufzeichnungen über Einsätze der Flakpanzer I. 1943 ging das komplette Fla-Bataillon bei Stalingrad unter.
Kommen wir nun zu den Details des Flakpanzer I: Das Basisfahrgestell des Panzer I Ausf.A war für 2 Mann Besatzung ausgelegt, das Getriebe und der 57 PS Krupp-Boxermotor waren viel zu schwach, der Motor wurde schnell zu heiß und das ebenerdig angeordnete Leitrad führte oft dazu, daß bei schnellen Wenden die Ketten abgeworfen wurden, was natürlich im Erdkampf fatale Folgen haben konnte. Auf diesem schwächlichen Fahrgestell wurde nun der Umbau für die Flak durchgeführt und sollte im Luftkampf bis zu 8 Männern Platz bieten!
Beim Umbau wurde ein Teil des Frontaufbaus und das komplette Motordeck entfernt. Um eine günstige Schwerpunktlage für die FlaK zu erreichen wurde die Frontpanzerung des Aufbaus um etwa 18cm nach vorne verschoben, wodurch eine Lücke zwischen Aufbau und Wannenpanzer entstand. Diese wurde verschlossen, was eine deutliche Stufe auf dem Frontblech ergab, die förmlich eine Geschoßfangstelle darstellte. Daher wurde diese oft mit Reservekettengliedern verdeckt. Um dem Fahrer den Einstieg etwas zu erleichtern wurde die Flak von der Fahrzeugachse etwas nach rechts versetzt. Die Motorraumabdeckung wurde nun waagerecht ausgebildet und wahrscheinlich aus dünnererm Blech, um die Kühlung für den Motor etwas zu verbessern, dazu trugen auch je fünf große Lüftungslöcher an den beiden Seiten des Motorraums bei. Das Funkgerät wurde entfernt, um Platz zu schaffen, und das Loch für die Antenne mit einem Stück Panzerblech verschweisst. Die Verständigung erfolgte nun nur noch per Handzeichen.
Die seitlichen Klappen bestanden aus einfachem Blech und boten somit keinen wirklichen Schutz, vielmehr konnten diese zur Vergrößerung der Standfläche heruntergeklappt werden. Diese Seitenklappen wurden von schmalen, dreieckigen klappbaren Halterungen gehalten, die an der heckwärtigen Seite der Klappen angebracht waren und die Seitenklappen per Steckbolzen hielten (gut zu sehen auf dem Bild rechts). Die Heckklappe war zwar auch klappbar, diente aber eher als Befestigung für Ausrüstungsgegenstände. Die Muntion für die FlaK war größtenteils im Panzerinnenraum hinter den Sitzen für Fahrer und Ladeschütze verstaut, wieviel Munition nun letztendlich auf dem Flakpanzer I vorrätig war ist leider nicht bekannt. Da die Platzverhältnisse im Flakpanzer I schon sehr beengt waren, erhielt er eine modifizierte Anhängerkupplung, um den Sd.Ah.51 zu ziehen, in dessen großer Box Munition und andere Ausrüstungsgegenstände transportiert wurden. Oft wurden dort auch die Ersatzrohre untergebracht.
Im Einsatz zeigte sich, daß der Flakpanzer I bei der Luftabwehr durchaus erfolgreich war und einige Abschüsse erzielen konnte, jedoch forderte der vermehrte Einsatz der Flakpanzer I bei Erdkampfeinsätzen hohe Verluste, denn die Besatzung war feindlichem Flankenfeuer schutzlos ausgeliefert und auch die Panzerung war oft unzureichend, vor allem gegen die russichen 14,5mm PTRS Panzerbüchsen, die die 13mm Panzerung des Flakpanzers I auf über 500m durschlagen konnte.
Zwar wurde oft ein Kampf durch die Feuerkraft der 2cm FlaK38 entschieden, aber zu oft war der Preis dafür der Tod oder Verwundung einer erfahrenen Crew.
Das Fla.-Btl.(mot) 614 führte die Landknechtstrommel als Einheitsabzeichen, deren verschiedene Farben für die einzelnen Kompanien standen. Danach stand weiß für die 1.Kompanie, rot für die 2., und gelb für die 3.Kompanie. Der Stab erhielt grün als Kennung.
Da es nur wenig Aufzeichnungen über den Flakpanzer I gibt und auch nur wenige Überlebende sich an Details erinnern können, ist es schwierig technische Daten, Bilder und Einsatzberichte zu bekommen. Folgend habe ich die technischen Daten für den Flakpanzer I aufgelistet, die soweit bekannt sind:
Das Fahrgestell bleib im großen und ganzen das gleiche des Panzers I Ausf.A mit 13mm Panzerschutz rundherum, 28cm breiten Ketten, dem 57PS Motor und einer Breite von 2,06m. Aufgrund der veränderten Anhängevorrichtung ist die Länge nun 4,38m und mit der aufgesetzten FlaK wird ein Höhe von ungefähr 2,05m ereicht. Das Gesamtgewicht des Flakpanzers I ist unbekannt, dürfte aber nach Schätzungen etwa um die 5,5 Tonnen gelegen haben, was in etwas auch gleiche Fahrleistungen (wie Panzer I Ausf.A) wie Reichweite und Höchstgeschwindigkeit mit sich bringen würde. Über die Lagerung und Anzahl der Munition, die auf dem Flakpanzer I zur Verfügung stand ist nahezu nichts bekannt, nichtmal Experten trauen sich hier eine Schätzung zu. Neben der 2cm FlaK 38 L/55 standen noch Karabiner 98K zur Infanteriebekämpfung zur Verfügung.
Sollte irgendjemand noch ergänzende oder zusätzliche Informationen oder Bilder zu diesem Panzer besitzen, dann BITTE eine email an mich!
Wenn ihr an mehr Info's oder Fotos darüber interessiert seid, dann lest bitte in den erwähnten Büchern nach.
Literatur:
- Panzerkampfwagen I und seine Abarten, Fleischer, Podzun-Pallas, 1997
- The Military Machine #1
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