Am 18.Juni 1999 war es soweit ... in Elsenfeld sollte es eine Open Air Party mit Gig von den Broilers geben, und da folgten Armin und ich der Einladung doch gerne!
Freitag Mittag ging es von Bremen aus los, gut gelaunt mit einigen Beck's Bier Vorräten starteten wir den Trip nach Süden, um dann nach 7 Stunden Fahrt erschreckt festzustellen, daß wir uns offensichtlich in Bayern befanden ... Nun ja, was soll. Nach Fressalienkauf ging es denn daran Lisa, die uns freundlicherweise eingeladen hatte, zu informieren, daß wir nun bald bei ihr in Weilbach aufschlagen würden, wobei Armin den Fehler machte Lisa bei "Marienhof" zu stören ...
In Weilbach angekommen fanden wir uns in einem kleinen, idyllischen Dorf umringt von Weinbergen, an sich ganz nett. Nachdem wir Lisa dann dort aufgelesen hatten ging es daran noch Schmitti und Jan mitzunehmen, um dann Aschaffenburg (dort besser als Ascheberg bekannt) unsicher zu machen. Schon während der Fahrt mußten einige Dosen Beck's dran glauben, und so zogen wir
feuchtfröhlich durch Aschaffenburg, und feierten in einer Kneipe ab, in der dann Schlager und ähnliches gespielt wurden ... wenigstens war das Bier günstig, und ich entzog mich der musikalischen Quälerei durch Wanderung zum nächstgelegenen Dönerladen.
Später des Abends gings in Aschaffenburg noch auf'n Jahrmarkt, wo Lisa sich durch Aktionen wie "Pinkeln an ungewöhnlichen Orten" ins Rampenlicht rückte. Zu diesem Zeitpunkt war unser Alkoholspiegel schon in höhere Bereiche vorgedrungen wobei Armin, Schmitti und ich uns dann an einer Schießbude dazu hinreißen ließen dem Song "Renee, ich schieß Dir eine Rose" nachzukommen .. nunja, ich will nicht protzen, aber bei dem Pegel und den allgemein bekannten krummen Gewehren habe ich mit 6 Schuß 6 Rosen geschossen, wobei Armin, glaube ich, als unser Vaterlandsverteidiger immerhin drei Rosen getroffen hat ...
Was auch komisch war, war daß Jan und ich versuchten auf dem Jahrmarkt ein Handy aufzutreiben, und von über 100 angesprochenen nur EINER ein Handy hatte und uns für 10,-DM telefonieren lassen wollte .. Fuck you! Irgendwann haben wir uns dann den Spaß gemacht, die Leute nur noch auf englisch vollzuquatschen!
Den Aschaffenburg Abschluß brachte dann eine Kneipe, in der wir uns noch ein Guinness genehmigten bzw. Armin lieber eine heiße Milch trank, da er ja gleich noch wieder Autofahren sollte! Bleibt zu sagen, daß die Bedienung in jener Kneipe ziemlich unfreundlich war. Auf dem Rückweg kam Lisa noch auf die wahnwitzige Idee in's "Filou", einer Disco zu fahren ... nun, in dem Aufzug war mir klar, daß das wohl nix werden würde und so kam es auch, daß der türkische Türsteher uns weismachen wollte, daß heute nur für Stammgäste ist .. naja, egal! Also auf zu dem Platz, wo Samstag die Party stattfinden sollte und das Zelt aufbauen. Schon auf der Fahrt dahin im dunkeln kam es mir wie ein Platz am Ar... der Welt vor, mitten im Niemandsland. Das tollste war dann, als Armin Jan und Schmitti nach Hause gefahren hat und Lisa auch noch mitgekommen ist, hatte ich mich bereiterklärt in der Zwischenzeit die Luftmatratze (2 mal 2 Meter) aufzublasen ... abgesehen davon, daß es stockdunkel war und das aufpusten ziemlich anstrengend war, tauchten nach einiger Zeit Wildschweine auf, und ich war drauf und dran den nächsten Baum zu erklimmen, wo mir allerdings meterhohe Brennesseln im Weg standen, die ich zuvor im Scheinwerferlicht gesichtet hatte. Glücklicherweise kam Armin ja nach 40 Minuten schon wieder und wir konnten es uns endlich im Zelt bequem machen, was so gegen 3 Uhr gewesen sein dürfte. Lisa erfreute uns dann noch mit ihrer Kunst anderen Leuten Wasser in den Schlafsack zu kippen und irgendwann schliefen wir auch ein.
Um kurz nach 6 zeigte sich dann, daß unser Zelt etwa 5 Meter von einem Bahndamm entfernt stand, und die Züge extrem laut waren, daß an schlafen nicht im geringsten zu denken war, also eine sehr kurze Nacht, die zudem mit trommelndem Regen uns auf die Nerven ging. Zum Glück hörte es gegen 9 Uhr auf, und wir machten uns auf den Weg um bei Lisa zu Hause zu duschen, bzw., zu baden. Das Haus ist ein wahrer Traum, und von der Wanne war ich dermaßen begeistert, daß ich sofort ein Vollbad nehmen mußte, ach das war schöööön! Armin hingegen begnügte sich mit der Dusche. Sauber und frisch gestärkt ging es dann gegen Mittag wieder zurück zum Zelt, wo bereits die ersten Leute warteten. Der Generator für die Band wurde hochoffiziell mit einem Feurwehrwagen gebracht und da saßen wir nun mit 6 Leuten und während ich den Grill anfeuerte gingen die anderen den Vorbereitungen für den Abend nach wie mit der Band zu telefonieren, Getränke kaufen, usw. Währenddessen kam auch Schmitti durch den Wald gestapft und leistete mir noch Gesellschaft bis die anderen zum Essen wieder auftauchten, mit Kistenweise Oettinger Pils. Sehnsüchtig warteten alle auf Jan, der sich um Instrumente und PA kümmern wollte, doch wer nicht da war, war er. Derweil floß das Bier schon wieder in Strömen und unser Beck's Vorrat schmolz langsam aber sicher dahin ...
Armin mußte auch noch einige Fahrten unternehmen, um z.B. nochmal 10 Kisten Bier zu holen, usw. und immer noch wurde auf Jan gewartet, denn es ging schon auf Nachmittag zu und zu der Zeit war unser Zelt das einzige was stand, kein Hinweis, daß hier Abends eine Band spielen sollte, und keiner der wußte was nun mit der Band, der PA und dem Schlagzeug war. Glücklicherweise tauchte Jan dann mit zwei seiner Kollegen auf, die schon die PA im Gepäck hatten und diese auch aufbauten .. puuuh, die erste Hürde war genommen. Das Wetter sah auch sehr vielversprechend aus und alle hofften, daß es nicht anfangen würde zu regnen. Auf den Bierkästen ließ es sich wunderbar sitzen, da es ansonsten an Sitzgelegenheiten mangelte und wir hatten viel Spaß, vor allem als es dann anfing, daß sich manche Leute mit Bier besprühten und durch die Gegend jagten, ein herrlicher Anblick. Dummerweise hatten wir bis zu diesem Zeitpunkt noch immer keinen Kontakt zur Band, die von Aschaffenburg aus mit dem Zug kommen wollte und am Bahnhof abgeholt werden mußte.
Auch wußte noch keiner woher das Schlagzeug zu holen war und etwas Unglaube machte sich breit, daß das mit dem Konzert noch klappen würde ... es sah ja auch unglaublich aus, die PA mitten auf der freien Wiese ... Auch wurde daran gezweifelt, ob überhaupt jemand an diesen abgelegenen Ort finden würde.
Irgendwann am frühen Abend trafen dann doch die ersten Leute ein, zwei Skater aus München, die doch etwas aufgrund ihrer Hosen auffielen, aber dennoch sehr nette Leute sind, vor allem wenn man sich stundenlang über Whisky unterhalten kann. Mit der Zeit trudelten immer mehr Leute ein und endlich kamen auch die Marburger an, allen voran Kim, die wir zwei Wochen vorher in Marburg kennengelernt hatten ... die Freude war groß und mittlerweile war auch das erste mitgebrachte Fäßchen Beck's alle. Unser Lieblings Skin aus Aschaffenburg, Bruno, tauchte auch bald auf und die Wiese füllte sich mit biertrinkenden Skins und Punx,
die in kleinen Grüppchen zusammenstanden und sich angeregt unterhielten, wo ich dann froh war, daß Kim auch schon da war, mit der man sich prima unterhalten und Bier trinken konnte. Armin schwirrte auch schon mit leichter Schlagseite durch die Reihen und unterhielt sich mit vielen Leuten, wobei er sich heute kaum noch an die Leute und/oder Gespräche erinnern kann.
In der Zwischenzeit waren dann auch die Broilers, die Hauptakteure des Abends sicher angekommen und in letzter Sekunde tauchte dann auch noch das sehnsüchtig erwartete Schlagzeug auf ... es konnte also losgehen.
Bis aber alles aufgebaut, verkabelt und gecheckt war vergingen noch diverse Stunden und die Anzahl der Leute nahm zu ... viele interessante Leute dabei, mit denen man sich prima unterhalten konnte. Dummerweise machten sich die diversen Liter Beck's, sowie Jägermeister bemerkbar und meine Erinnerungen, als die Broilers dann endlich gespielt haben, sind nur noch lückenhaft, aber es wurde gut Pogo getanzt! Leider gab es noch eine kleine Zwangspause,
als plötzlich zwei Herren in grün auftauchten und sich erkundigten, was hier wohl abging. Nun nach einigen Erklärungsversuchen und dem Hinweis etwas leiser zu drehen konnte es weitergehen, es wurde heftig getanzt und die Stimmung war wirklich optimal. Dazu kam noch ein Kleingärtnerhaus, das etwa 20 Meter von der Party stand, wo einige Türken auch eine kleine Party veranstalteten. Als Armin und ich dort zufällig vorbeigingen wurden wir auf's herzlichste eingeladen uns mit dazuzusetzen und noch ein' zu trinken. Solch ein freundliches Angebot konnten wir wahrlich nicht ausschlagen, und von dieser Gastfreundlichkeit und positiven Offenheit könnten sich viele Ausländer hier in Norddeutschland eine Scheibe abschneiden, die sonst immer nur Faschos in den Skinheads sehen. Daß dem eben nicht so ist zeigte sich hervorragend an dem Abend ...
die herzlichen Gespräche und
gemeinsames Trinken zwischen Skins und Türken war wirklich phänomenal, und ich habe mich wirklich die halbe Nacht dort aufgehalten, zumal man von dort das ganze Geschehen gut überblicken konnte. Von meinem mitgebrachten Mackenstedter Sauerkirsch Schnaps waren alle hell begeistert und Armin verabschiedete sich aus der Welt des Bewußtseins, indem er dort auf dem Stuhl einschlief und auch weitere Stunden dort verbrachte.
Ich habe dann dort noch die nette Nadine kennengelernt, und das nur aufgrund der unermüdlichen Verkupplungsversuche eines der Türken (danke nochmal an dieser Stelle!) und mir den Abend wahrlich versüßt haben ... leider kann ich mich an keine Details erinnern, doch das geht Nadine nicht anders. Glücklicherweise fand ich am Morgen noch ihre Telefonnummer auf meinem Arm (Hier geht der Dank an Jessica!), und wir konnten mittlerweile den Abend teilweise rekonstruieren ...
Spät in der Nacht löste sich langsam die Party auf, und die fröhlichen, verschwitzten Leute verlagerten sich zu irgendeiner Kneipe (die nach Nadine's vager Erinnerung irgendwie "grün" war) und ich war auf der Suche nach Kim, der ich versprochen hatte die Nacht in unserem Zelt auf der komfortablen Luftmatratze zu verbringen. Doch man sagte mir, daß sie mit zur Kneipe ist. Ich hatte dann nur noch die Hoffnung, daß sie so schlau ist, dann einfach unser Zelt aufzusuchen, wenn sie wieder auftaucht. In der Zwischenzeit hatten sich Tobi und Lisa getrennt, die schon diverse Streitereien den Tag über hatten. So gewährten Armin und ich dem Tobi Asyl, damit er wenigstens halbwegs angenehm die Nacht verbringen kann, da er ja mit seinem kaputten Knie schon ziemlich übel bestraft war. Das nächste Problem zeigt sich, als ich Armin endlich aus dem Land der Träume aus dem Stuhl bei den Türken holen wollte um ihn ins Zelt zu bringen. Armin wehrte sich heftig gegen diese Umlagerung und es war etwas problematisch ... mehr schleifend als gehend kamen wir dann auf endlich am Zelt angetorkelt, wo ich ihn ablud und er ins Zelt stürzte .. mitten auf den armen Tobi und seinem kaputten Bein, dazu kam noch daß Armin ihm seinen Kopf in die Nüsse gehauen und sich dann auf der Matratze ziemlich breit gemacht hat. Während ich dann vor dem Zelt noch mit ein paar Leuten geschnackt habe erhob sich eine Gestalt aus der Wiese und kam auf das Zelt zu, wo ich dann aber erfreut feststellen mußte, daß es Kim war, die erst vor hatte auf der Wiese zu pennen, wo es ihr aber doch zu kalt wurde. Nun waren wir also vier Leute im Zelt, die auch alle bequem auf die Matratze paßten, wenn Armin sich nicht noch breiter gemacht hätte, so daß Tobi letztendlich neben der Matratze lag, und auch ich teilweise daneben lag, um nicht Kim zwischen Armin und mir zu zerquetschen. Überflüssig zu erwähnen, daß es eine etwas stressige Nacht war, nachdem dann Armin und Tobi mit ihrem Schnarch-Duett begannen. Wenigstens konnte ich noch ein paar Stunden schlafen, bevor wieder die ersten Züge uns aus dem Schlaf rissen.
Also wieder eine Nacht mit nur 4 Stunden Schlaf oder weniger. Zudem wurde es durch das schönste Wetter der Welt irre warm im Zelt und es wurde Zeit für uns das Zelt zu verlassen. Draußen standen wir im Trümmerfeld von hunderten von wild herumliegenden und zerschlagenen Bierflaschen und anderem Müll, das war wirklich ein Anblick ... die einzigen die auch noch da waren, waren Lisa, Celina und die beiden Münchener Skater. Die Sonne lachte vom Himmel und luftige Kleidung war angesagt, wo sich für den frühen Morgen schon unheimlich schöne Aussichten entwickelten *grins*. Während wir dann wieder auf den Bierkisten in fröhlicher Runde saßen und das erste Bier wieder geöffnet wurde ließen wir den Abend Revue passieren, mit dem Ergebnis daß es eine gelungene Party war, auch wenn Armin noch immer versucht seine Erinnerung
zurückzugewinnen, und den Jägermeister zu verteufeln, der ihn wieder mal hat abstürzen lassen! Bis 12 Uhr ließen wir uns noch etwas von der Sonne und einige Würstchen vom Grill bruzzeln, um dann festzustellen, daß die Batterie vom Auto leer war, weil wir den ganzen Abend und diesen Morgen Musik gehört hatten. Und weit und breit natürlich kein Auto mit Starterkabel. Da half nur schieben, was zum Glück auch zum Erfolg führte. Dann hieß es nur noch Sachen verstauen und Rückreiseroute planen, die wir ohne große Umwege so legen konnten um Kim und Tobi mit nach Marburg zu nehmen. So verabschiedeten wir uns von den Verbliebenen, die zum Aufräumen verdammt waren und machten uns also auf den Weg von Elsenfeld zurück nach Bremen. Die Rückfahrt verlief ziemlich ereignislos, und ich hatte arg mit der Müdigkeit zu kämpfen, offenbar zur Belustigung der anderen Insassen. In Marburg verabschiedeten wir uns dann von Kim und Tobi und wollten noch kurz bei Claudia, einer guten Bekannten von mir, vorbeischauen. So gurkten wir noch etwas durch Marburg, bis ich das Wohnheim wiederentdeckte. Leider war sie nicht da, und so zogen wir weiter, der Heimat entgegen, die wir dann im strömenden Regen nach 7 Stunden Fahrt erreichten. Matschig setzte ich mich dann für die Schlußetappe in den Zug zu mir nach Hause wo ich dann kurz vor 21 Uhr ankam.
Tja, nun sitz ich hier und lasse das Wochenende an mir vorbeilaufen und muß sagen, daß sich trotz aller Strapazen der weite Weg nach Bayern gelohnt hat um eine rauschende Party zu feiern und vor allem nette Leute kennenzulernen ... An dieser Stelle also herzliche Grüße an alle, die sich an mich erinnern können ... schreibt mir doch mal eine email, oder ruft mal an (0421/665088) und ich hoffe wir sehen uns bald mal wieder!!