Bereits 1935 wurden Überlegungen angestellt, wie man sehr stark befestigte Bunkerbauten und Festungen, wie sie an der Maginot-Linie zu finden waren zerstören kann. Man beschloß dazu Artillerie mit besonders großem Kaliber zu entwickeln, die mit roher Gewalt den Bunkerbauten zu Leibe rücken sollten. Dazu legte Krupp Entwürfe für Kaliber 70, 80, 85 und 100 cm vor. Nach Hitlers Besuch 1936 bei Krupp wurde 1937 vom Waffenamt ein Auftrag über 3 Geschütze 80cm erteilt.
Abschließend noch ein paar technische Details:
Die deutschen Techniker haben zwar mit diesem Geschütz eine hoch zu bewertende Konstruktionsleistung erbracht, ein taktischer Erfolg mußte aber einer solchen Entwicklung versagt bleiben!
Es gibt sogar Videoclips von diesem Monster: Clip #1 zeigt Dora bei einer Präsentation, wo man anhand der "kleinen" Menschen die gigantischen Dimensionen erahnen kann!
Erst am 10.September 1941 konnte auf dem Schießplatz Hillersleben der erste Probeschuß aus einer Behelfslafette abgegeben werden. Im November 1941 wurde das Rohr auf die Eisenbahnlafette montiert, und nach Rügenwalde gebracht. Anfang Dezember 1941 wurden 8 weitere Probeschüsse mit der 7100kg schweren Pz.-Granate gemacht. Dabei wurde eine Schußweite von 37210 Meter erreicht! In Feuerstellung ruhte das Geschütz auf einem Schußgestell, das wiederum auf zwei Spezialgestellen mit je 20 Achsen, auf 2 Doppelgleisen, ruhte. Das Geschütz erhielt von Krupp den Namen "Schwerer Gustav", nach dem Senior Chef des Unternehmens.
Im Januar 1942 wurde die schwere Artillerie-Abteilung(E)672 aufgestellt, welche im April 1942 in den Raum Sewastopol verlegt wurde. Für diese Verlegung wurden fünf Züge mit insgesamt 1653m Länge benötigt!
Am 5.Juni 1942 war es soweit, es wurde der erste Schuß aus dem 80cm Geschütz, das mittlerweile von den Truppen den Namen "Dora" erhalten hatte, in Richtung Sewastopol abgefeuert. Es folgten bis zum 17.Juni noch 47 weitere Schüsse, womit der Munitionsvorrat erschöpft war. Rechts sieht man eine Aufnahme vom Eisenbahngeschütz "Dora" vor Sewastopol bei einer Schußabgabe. Von den 48 abgefeuerten Schüssen trafen nur 10 Stück näher als 60 Meter an den Zielpunkt. Die größte Trefferablage betrug 740 Meter. Dennoch waren die Verwüstungen enorm. Nach Abschluß der Kämpfe von Sewastopol wurden noch fünf Schuß Exerziermunition verfeuert, und dann das Geschütz wieder abgebaut.
Nachdem der im September 1942 bei Leningrad geplante Einsatz nicht stattfand, weil die Russen den Belagerungsring zerschlagen konnten, wurde das Geschütz zur Überholung nach Rügenwalde verlegt. Dort wurde ein neues Rohr eingebaut und im März 1943 vier Schüsse abgefeuert. Dabei hatte Hitler am 19.März 1943 das Abfeuern von zwei Granaten beobachtet. Er war völlig begeistert, zumal mit der zweiten Sprenggranate eine Schußweite von über 47km erreicht wurde! Auch der General der Panzertruppen Guderian war anwesend. Dr.Müller von der Firma Krupp wollte Hitler bei der Vorführung weismachen, daß man mit diesem Geschütz auch auf Panzer schießen könnte! Hitler war fasziniert und befragte Guderian bezüglich dieser Behauptung. Guderian meinte nur: "Schießen wohl, aber treffen nie!", wogegen Dr.Müller protestierte, aber Guderians Frage nach der kürzesten Schußentfernung brachte auch Dr.Müller auf die Unmöglichkeit seiner Behauptung, wenn man dazu noch in Betracht zieht, daß allein das Laden etwa 45 Minuten dauerte!
Das zweite Geschütz "Dora" war fast fertiggestellt, es wurde aber nie eine Bedienungsmannschaft dafür aufgestellt. Im April 1945 wurden beide Geschütze gesprengt bzw. abgewrackt, wobei die Überreste in Sachsen und auf Spezialwaggons in Bayern aufgefunden wurden.
Das dritte georderte Geschütz sollte auf Hitlers Befehl auch noch fertiggestellt werden. Jedoch sollte hier ein 52cm Rohr, mit 48 Metern Länge, zum Einsatz kommen (dieses Geschütz sollte den Namen "Langer Gustav" tragen), das Treibspiegelgranaten mit Raketenzusatzantrieb verschießen konnte. Solche Geschosse waren auch für das 80cm Rohr geplant, die dann Reichweiten bis 160km erreichen sollte.
Hier links sieht man eine der üblichen 7,1 Tonnen schweren Panzergranaten für das 80cm Geschütz. Die Granate war 3,6m lang und trug 250kg Sprengstoff. Bei einer V0 von 720m/s wurden damit Schußweiten von etwa 37km erreicht. Außerdem gab es noch eine 4,8 Tonnen schwere Sprenggranate, die 700kg Sprengstoff enthielt. Hier konnten bei einer V0 von 820m/s Schußweiten von 48km erzielt werden!
Das Gesamtgewicht des Geschützes in Feuerstellung betrug 1350 Tonnen. Das Rohr mit Verschluß wog 400 Tonnen, wovon der Verschluß allein 110 Tonnen wog! Die Rohrachse befand sich 8,6m über dem Erdboden. Das Rohr hatte eine Länge von 32,48 Metern (L/40,6). Die größte Rohrerhöhung betrug 53°. Für das Verschießen der 7,1 Tonnen schweren Panzergranate wurde eine 1850kg schwere Treibladung von 4m Länge benutzt!! Die Ladezeit pro Schuß betrug etwa 45 Minuten.
Für den Aufbau des Geschützes wurden zwei Aufbaukrane und 250 Mann benötigt. Für die Erdarbeiten, die vor dem Aufbau notwendig waren, und weitere Hilfsarbeiten war eine Mannschaft von 4120 Mann notwendig!
Clip #2 zeigt "Dora" im Einsatz, wie das Geschütz geladen und schließlich abgefeuert wird!
Wenn ihr an mehr Info's oder Fotos darüber interessiert seid, dann lest bitte in den erwähnten Büchern nach.
Literatur:
- Waffen und Geheimwaffen des deutschen Heeres 1933-1945, Hahn, Bernard & Graefe Verlag, 1998
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