Heinz Gröschl O.U., den 25. Juli 1943
Fpnr. 25 056
Herrn Prof. Porsche u. Herrn Porsche jun.
Stuttgart-Zuffenhausen
Unsere Fahrzeuge befinden sich nun 3 Wochen im Einsatz und haben mit den vorher gefahrenen km insgesamt durchschnittlich 500 km zurückgelegt. Ich habe genügend Erfahrungen gesammelt, daß ich Ihnen ein Bild entwerfen kann über die Bewährung bzw. die Fehler unserer Fahrzeuge. In Übereinstimmung mit den maßgebenden Herren der Abteilung kann ich sagen, daß die Waffe Erfolg hatte und es wurde allgemein bedauert, daß nur die geringe Anzahl zur Verfügung stand. Bei einer durchschnittlichen Abschußzahl von 15 pro Fahrzeug darf man wohl von Erfolg sprechen. Es muß allerdings hervorgehoben werden, daß die genannte Zahl heute weit höher liegen könnte. Leider liegt fast immer der größte Teil aller Fahrzeuge in Reparatur. Dieser Zustand verschlechtert sich zudem von Tag zu Tag, weil, bei zunehmendem Verschleiß aller Teile, der ohnedies viel zu knapp bemessene Ersatzteilvorrat aufgebraucht ist. Ein Ersatzteilnachschub ist bis heute praktisch überhaupt nicht zu verzeichnen. - Von dem ursprünglichen Bestand von 44 Fahrzeugen fehlen bis heute 17. Davon sind 7 auf Befehl des Regiments an die andere Abteilung abgegeben worden, die restlichen 10 mußten als Totalausfälle abgebucht werden. - Nachstehend berichte ich Ihnen über die häufigsten Schäden und Störungen.
Laufwerk (Rollenwagen)
Durch Überbelastung sind wider Erwarten keine Schäden eingetreten. Der weiche Boden dürfte eine bedeutende Rolle gespielt haben. Der Verbrauch an Gummipuffern (besonders an den beiden hinteren Rollenwagen und an Gummiringen, meistens in der 5. unter dem Auspuff gelegenen Laufrolle) war sehr groß. Nutmuttern haben sich nicht gelöst, trotzdem ein großer Teil der Fahrzeuge mit der alten Blechsicherung läuft. Wechseln von eingerollten Laufringen muß jetzt in größeren Massen durchgeführt werden. Federstäbe sind seit Neusiedl nicht mehr gebrochen. Gelenkstützen halten einwandfrei. Durch Feindeinwirkung sind bis jetzt etwa 20 Rollenwagen (Schwingarm mit Federgehäuse) und eine größere Anzahl Rollen unbrauchbar geworden. Verwundene Schwingarme, geborstene Federgehäuse, samt der Nutmutter herunter gerissene, oft deformierte Rollen, waren die hauptsächlichsten, meist durch Minen verursachten Beschädigungen. Die 5. Laufrolle hält infolge der hohen Erwärmung kein Fett. Tragzapfenlager-Brüche beim vorderen Rollenwagen sind wahrscheinlich auch auf Minen zurückzuführen. Leider war und ist Ersatz nicht in ausreichendem Maße vorhanden. Nach Möglichkeit wurden Teile von ausgefallenen Fahrzeugen verwendet.
Antriebs-Vorgelege
Außer einem Falle in Neusiedl, der von Herrn Zadnik sicher besprochen wurde, bis jetzt anstandslos. Verriebene Kettenrad-Befestigungsschrauben sind Ihnen ja genügend bekannt.
Leitwerk mit Bremse
Einige Fälle von Bremsschäden in Neusiedl sind Herrn Zadnik bekannt. Seither keine Schwierigkeiten. Bei 2 Fahrzeugen, die aber mit Beschädigung noch einen bzw. 2 Tage im Einsatz blieben, wurde je eine Bremstrommel durchschossen. Die inneren Teile waren natürlich vollkommen zerstört.
Wanne
Hat sich als fast beschußsicher erwiesen. Ein Durchschuß (7,62 Kaliber) seitlich in der Gegend der hinteren Lüfterantriebswellen ist, abgesehen von vielen Narben alles geblieben. Auch dieser Durchschuß blieb zufällig ohne nachteilige Folgen. Die Praxis hat gezeigt, daß die Grätings eine verwundbare Stelle sind, denn außer Brandflaschen setzt ein Artillerie- oder Bombentreffer auf oder in der Nähe der Grätings das Fahrzeug in Brand. Die Splitter dringen in den Brennstoffbehälter ein oder beschädigen andere wichtige Teile, z. B. Wasserrohrleitungen. Die Temperatur im Motorraum ist so hoch, daß in einigen Fällen der Brennstoff in den Leitungen zu kochen begann. Das Anbringen von Winden, Werkzeugen und Seilen außerhalb der Wanne war verkehrt. Es war vorauszusehen, daß diese Gegenstände in kurzer Zeit demoliert sind.
Aufbau
Wurde in gewissen Fällen ebenfalls seitlich durchschlagen. Die Abdichtung des Aufbaus bzw. der Grätings auf der Wanne ist äußerst mangelhaft oder fehlt ganz. Durch die Kugelblende des Geschützrohres dringen feine aber nicht ungefährliche Splitter ein. Es gab Verwundungen unter der Besatzung. Die Temperatur im Kampfraum ist noch zu hoch. Es ist vorgekommen, daß sich die Munition für Leuchtpistole selbst entzündete. Nach Angaben der Kommandanten und Richtschützen führt die Erwärmung der am Boden gelagerten Granaten zu Weitschüssen.
Otto-Motoren
Ausfälle an Motoren sind in letzter Zeit besonders zahlreich. Es treten folgende Schäden auf: Verbogene oder abgerissene Ventile, als Folge davon zertrümmerte Kolben, verbogene oder abgerissene Pleuelstangen, gerissene Zylinderköpfe. Ich bin der Ansicht, daß eine knapp bemessene Leistung die Hauptursache dieser Erscheinungen ist. Risse und undichte Zylinderlaufbüchsen sind sicher eine Folge von Überhitzung. Ein Wasserverlust von 10 Liter ist erfahrungsgemäß nicht tragbar. Die Dichtungen am Auspuff-Sammelrohr halten nur kurze Zeit. Dies ist eine ständige Brandgefahr. Der Einbau der Dichtungen ist bei der bekannten Unzugänglichkeit eine äußerst schwierige und zeitraubende Arbeit. Zur Zeit ist es unmöglich, defekte Motoren auszuwechseln, weil Ersatzmotoren fehlen.
Kühlung
Undichte Kühler und ausgeschlagene Lüfter haben schon sehr viel Arbeit verursacht. Die Kühler rinnen meistens in der Lötung des unteren Stutzens. Ich nehme an, daß die kurze, starre Rohrverbindung zwischen den unteren Stutzen beider Kühler die Ursache ist. Bei ausgeschlagenen Lüftern wurde der Abtriebsflansch mit der Lüfterwelle verschweißt. Ersatzteile dafür fehlen.
Generatoren, E-Motoren
In Neusiedel hatten wir die letzte Störung mit einem Generator. Es war wieder der bekannte Schluß in dem noch unten angeordneten Messerkontakt. Seitdem laufen die Anlagen fehlerfrei. Es muß allerdings betont werden, daß wir bis jetzt überwiegend trockenes Wetter hatten, und daß die Fahrzeuge selten ganz erkalten. Dagegen ist die Staubansammlung besonders in den Generatoren sehr beachtlich, obzwar die Betriebssicherheit nicht zu leiden scheint.
Fahrschalter
Ist ebenfalls ohne nennenswerte Störungen geblieben. Bei 3 Fahrzeugen wurde bisher je ein Umkehrfeldregler erneuert. Auch hier läßt die Staubdichtheit sehr zu wünschen übrig.
Lichtmaschinen, Sammler
Die Lichtmaschine mit umgekehrter Drehrichtung hat zu größten Komplikationen Anlaß gegeben. Der Totalausfall eines Fahrzeuges ist auch darauf zurückzuführen. Es gab täglich mehrere Fahrzeuge mit durchgebrannten Sicherungen und daher entladenden Batterien.
Telekinzüge, Tachometer
An Telekinzügen treten auch Störungen auf, die nur mit großen Schwierigkeiten behoben werden können, denn es ist nicht das kleinste Ersatzteil in unsere Hände gelangt. Tachometer sind an vielen Fahrzeugen ausgefallen. Diese Fahrzeuge laufen ohne Tacho. Derartige, zudem so schwer zugängliche Instrumente müßten mit größter Sicherheit funktionieren, denn im Einsatz bleibt keine Zeit zur Instandsetzung derselben.
Geschütz
Die Kanone ist in ihrer Wirkung sehr gut, ist aber fast ständig reparaturbedürftig. Im Rohr brechen aus noch nicht geklärten Gründen die Felder aus und der Kartuschenauswurf funktioniert nicht. Mit Hammer und Meißel müssen oft die Kartuschen entfernt werden. Durchfahrten im Gefecht mit ungezurrtem Rohr schlagen Höhen- und Seitenrichtmaschine aus, so daß an der Rohrmündung ein Totgang bis zu 20cm festgestellt wurde. Durch die Erwärmung des ganzen Fahrzeuges verklemmen sich oft die Richtmaschinen. Die Justierung muß nach kurzer Einsatzzeit wieder vorgenommen werden. Die vordere Rohrstütze wurde in einigen Fällen weggeschossen. Ein genauer Bericht ist von Stabsfeldwebel Br. An den Kommandeur der Abteilung 653 zur Weiterleitung übergeben worden.
Herr Zadnik wird Ihnen bereits darüber berichtet haben. Wir sind jetzt dazu übergegangen, die Lichtmaschinen mit ihrer früheren Drehrichtung einzubauen und haben diese Arbeit schon an 9 Fahrzeugen durchgeführt. Die Beanstandungen haben damit aufgehört. Herr Scharpf von der Firma Bosch, der uns in dieser Angelegenheit beratend zur Seite stand, ist leider dabei gefallen. Die Befestigung der Sammler ist schlecht. Allein der erste Angriffstag hat uns über 30 Sammler gekostet. Jeder Minenläufer hat mindestens einen und nicht selten sämtliche Sammler eingebüßt. In allen Fällen waren die Gehäuse geplatzt oder ganz zertrümmert. Beschuß hat mitunter die gleiche Wirkung. Die beiden Funksammler sind sehr stark beansprucht und müssen daher oft außerhalb des Fahrzeuges nachgeladen werden.
Literatur:
- Schwere Jagdpanzer, Spielberger, Doyle, Jentz, 1996, Motorbuch
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