Kampferfahrungsbericht von Uffz.Böhm an General Hartmann

Uffz. Boehm                                     Osten, den 19. Juli 1943
Feldpost-Nr. 25056 F

Sehr geehrter Herr General Hartmann!
Ich gestatte mir, Ihnen kurz einiges über den Einsatz unseres »Ferd.« zu berichten.
Am ersten Einsatztage wurden Bunker, Infanterie, Artl. und Pakstellungen erfolgreich bekämpft. Drei Stunden waren unsere Gesch. im Trommelfeuer und erwiesen ihre Schußfestigkeit! Erst am Abend des ersten Tages wurden einige Panzer erledigt, die andern flüchteten. Die Besatzg. der Artl. und Pak flüchteten vor unserem Geschütz nach wiederholtem vergeblichen Beschuß. Nebst vielen Batterien und Pak und Bunkem wurden im ersten Einsatz 120 Panzer von unserer Abt. abgeschossen. In den ersten Tagen betrugen unsere Ausfälle 60 v.H., meist durch Minen, es war weit und breit alles vermint, die Minenhunde unzureichend. Auch ein eigenes Minenfeld wurde bedauerlicherweise angefahren! Wir hatten voll zu tun, schafften es aber doch!
Herr Gen.lnsp. Gen. Guderian war auch bei uns. Der Russe hat seine Waffen sehr verbessert und vermehrt! Artillerie wie noch nie hat er hier, schießt auf einzelne Landser! Auch die Pak ist zahlreich und die Leistung seiner Panzerbüchse sehr gut (bis an Geschoßende maß ich bei einem Ferd. 55 mal).
Im ersten Eins. hatten wir 6 Totalausfälle, einer davon bekam in Ruhestellung Zufallstreffer in offene Fahrerluke, 1 Toter, 3 Verw. - ausgebrannt, einer brannte aus unbekannter Ursache (verm. Auspuff undicht), einer brannte aus (Generator), da er sich durch Sumpf wühlen mußte. 3 Stück mußten, da minenlahm in feindl. Gegenstoß, gesprengt werden. Einer hatte Pech, stand am Bahndamm, da flog ein Pz.Kpfw.III auf der anderen Seite infolge Volltreffer in die Luft und der Aufbau unserem Ferd. vorne drauf, Geschützrohr kaputt, Richtmasch. und auch Gräting. Bei der anderen Abt. wurde durch eine schwere Granate das Dach durchschlagen.
Im zweiten Einsatz in der Abwehr östl. O... hatten wir bessere Erfolge bei nur zwei Totalausfällen (einer gesprengt). Ein Gesch. schoß auf einmal 22 Panzer ab, auch ist die allgem. Abschußzahl ziemlich hoch und trugen d. Ferd. wesentlich zur Abwehr bei, wie vordem beim Durchbruch. Ein Geschf. schoß von 9 aufgeg. amerik. Panzern 7 ab. Die Kanone ist sehr gut, jeder Panzer, auch KW II und der gerollten amerik. sind mit einem oder zwei Schüssen erledigt. Nur treten bei Sprenggranaten häufig Ladehemmungen auf, die Kart. bleibt stecken, was manchmal sehr peinlich war. Ein Rohr wurde angeschossen, eins hatte schon Riß, eins eine Aufbauchung, wurden mit Rohren aus Ausfällen ausgetauscht, auch Teile ausgeschlachtet, da von uns bis jetzt alle Kaputten zurückgebracht wurden. Nun macht man über den Gräting ein Schutzblech, was ich schon vorschlug, da der Russe mit Phosphorgranaten schießt und die Flieger abwerfen.
Der »Ferdinand« hat sich bewährt, er war entscheidend hier und kann man heute ohne eine derartige Waffe gegen die feindl. Panzermassen nicht aufkommen, Sturmgesch. unzureichend. Der elektr. Antrieb hat sich voll bewährt, die Fahrer und Besatzungen waren angenehm überrascht. Motor und elektr. Ausfälle gering. Motor ist als schwach bekannt für die Tonnage, Ketten etwas schmal. Wenn er nach den Erfahrungen des Eínsatzes verbessert wird, wäre er, »prima«!
Einem Ferd. wurde ein Aufbau - irrtümlicherweise - von einem Pz.Kpfw.IV durchschossen, Geschf. entzwei, eine Pak zerschoß Leitrad. Eine Wanne wurde unten von einem T34 auf 400 m (7 T34 umkreisten ihn) durchschossen, die Vollgranate fiel hinein ohne Schaden. Ein Ferd., der Nachts auf Vorposten stand, wurde durch Nahkampfmittel lahm und blind gemacht und stürzte schließlich in einen Graben. Für solche Zwecke fehlt ihm vorne ein M.G. Die Luken seitlich sind zu klein, man sieht das Korn nicht.
Ein großer Fehler von uns ist, daß die feindl. Geschütze und Panzer stehen gelassen werden, anstatt daß ev. ein besonders dafür eingesetzter Berge- oder Vernichtungstrupp sie in Sicherheit bringt oder ganz zerstört. Wenn z. B. abends 45 Panzer im Niemandsland stehen, fehlen morgens vielleicht 20, nachts hat sie der Russe mit seinen Zugmaschinen geholt. Die Panzer, die vorigen Sommer abgeschossen waren und standen, fielen ihm im Winter wieder in die Hand! In einigen Wochen laufen vielleicht 50 v.H. davon wieder und wir wundern uns, woher die vielen kommen, das kostet Arbeit und Blut. Bei unserem ersten Einsatz z. B. blieben abgeschossene Panzer der Russen stehen, auch die Geschütze und Paks, teils intakt und mit Munition, die Minen lagen aufgeschichtet. Die Front mußte wieder zurückgenommen werden und ihm fiel wieder alles in die Hand. Auch hier war es ebenso, die amerik. Panzer blieben alle liegen. Da sollte getrachtet werden, die Sachen als Rohmaterial zu bergen, die neuen Waffen schaffen auf diese Weise wieder als Rohstoffe (die ja bei uns oft schwer ankommen) und gute Rohstoffe für die Neufertigung schwerer Waffen, tausende Tonnen könnten so eingebracht werden und dem Feinde wäre die Gelegenheit genommen, seine Ausfälle durch Reparaturen bzw. Ausschlachtungen wieder in kürzester Zeit wohlzumachen. Es gibt ja schon Schrottsammelstellen, aber es könnte intensiver betrieben werden, leere Waggons stehen manchmal länger in Stationen, die inzwischen beladen werden könnten. Wie ich hörte, sollen von unserer Abt. sämtl. kaputten Ferd. geborgen worden sein. Sie kamen etwas spät und sind zu wenig, je mal mehr davon brauchten wir, dann kämen wir voran, hoffentlich ist der neue Typ bald serienreif. Mir ist es leider nicht gelungen, einen Platz zu finden.
Ansonsten bin ich wohlauf und hoffe, daß auch Herr General wieder gesund sind.

gez. Uffz. Boehm

Wenn ihr an mehr Info's oder Fotos darüber interessiert seid, dann lest bitte in den erwähnten Büchern nach.

Literatur:
- Schwere Jagdpanzer, Spielberger, Doyle, Jentz, 1996, Motorbuch



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