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Berlin/Magdeburg - Die SPD will nach ihrem Debakel bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt den Bundestagswahlkampf zu einem Duell zwischen Kanzler Gerhard Schröder und Unions-Herausforderer Edmund Stoiber zuspitzen. Unions-Vertreter betonten dagegen, am 22. September werde es um die Kompetenz der Kandidaten und nicht um ihre Sympathiewerte gehen. Hier liege Stoiber vorn. Die Grünen forderten ihren Koalitionspartner in Berlin nach dem dramatischen Absturz beider Parteien zum Schulterschluss auf. Die FDP sieht ihr zweistelliges Wahlresultat als Bestätigung für den Kurs, ohne Koalitionsaussage in die Bundestagswahl zu gehen.
"Negative Stimmungslage in Deutschland"
Schröder sagte am Montag in Berlin, in der heißen Phase
des Bundestagswahlkampfes würden die Wähler vor die
Frage gestellt: "Wollt ihr weiter den Bundeskanzler Schröder
oder wollt ihr den Stoiber?" Der Kanzler räumte eine
"bittere Niederlage meiner Partei in Sachsen-Anhalt"
ein. Die Gründe dafür seien in der Landespolitik zu
suchen. Auf Bundesebene werde die Koalition noch enger zusammenrücken,
sagte er. Bis zum Beginn der heißen Phase im Wahlkampf werde
die rot-grüne Koalition "solide durchregieren".
Stoiber wandte sich hingegen gegen direkte Vergleiche zwischen
ihm und Schröder: "Das ist kein Wettbewerb zwischen
den besten Entertainern". Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
habe auch die "negative Stimmungslage in Deutschland"
mitgespielt.
Wahlbeteiligung bei nur noch 56,5 Prozent
Dem vorläufigen amtlichen Endergebnis zufolge hat die CDU
bei der Landtagswahl am Sonntag um 15,3 Prozentpunkte auf 37,3
Prozent zugelegt. Sie könnte mit der FDP eine neue Regierung
bilden, die sich von 4,2 Prozent auf 13,3 Prozent verbesserte.
Die SPD unter dem bisherigen Ministerpräsidenten Reinhard
Höppner sackte um 15,9 Prozentpunkte auf 20 Prozent ab. Die
PDS, die Höppners Minderheitsregierung toleriert hatte, bekam
20,4 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag nur noch bei 56,5 Prozent.
Höppner kündigte noch am Wahlabend seinen Rückzug
aus der Politik an.
"Und deshalb haben wir gute Chancen"
Unions-Fraktionschef Friedrich Merz sagte, der Wahlsieg in Sachsen-Anhalt
bedeute zwar nicht automatisch auch ein gutes Wahlergebnis der
Union bei der Bundestagswahl. Es gebe aber "ein gewisses
Vorzeichen für die Bundestagswahl". Stoiber habe "viel
bessere Kompetenzwerte" als Schröder, betonte März.
Bundestagswahlen würden nicht über Sympathiewerte bei
den Spitzenkandidaten entschieden, sondern seien Parteiwahlen.
"Und deshalb haben wir gute Chancen."
Ohne Koalitionsaussage in Bundestagswahl
FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt wertete das Wahlergebnis als
Bestätigung für den Kurs der FDP, ohne Koalitionsaussage
in die Bundestagswahl zu gehen. Dem Inforadio sagt er, die FDP
müsse entweder die CDU/CSU oder die SPD zu einem Kurswechsel
in der Wirtschafts- und Sozialpolitik zwingen können.
"Entweder konservativ und FDP oder Rot-Grün"
Grünen-Geschäftsführer Bütikofer hielt dagegen:
"Es gibt eine klare Lagerentscheidung. Entweder konservativ
und FDP oder Rot-Grün." Außenminister Joschka
Fischer sagte, man werde nun alle Kräfte für den Bundestagswahlkampf
mobilisieren: "Der Herbstweizen wird sich vom Frühjahrsweizen
unterscheiden." Auch Fraktionschef Rezzo Schlauch sagte,
die Landtagswahl sei keine Vorentscheidung für die Bundestagswahl
gewesen.
Böhmer will Kontakt mit FDP aufnehmen
Der Wahlsieger von Sachsen-Anhalt und voraussichtlich neue Ministerpräsident
Wolfgang Böhmer wollte noch am Montag Kontakt mit der FDP
aufnehmen. Bereits am Dienstag oder Mittwoch wolle er erste Gespräche
führen, sagte er dem NDR. Mit einer CDU/FDP-Koalition würden
sich auch die Mehrheiten im Bundesrat zu Gunsten der CDU-geführten
Länder ändern. Selbst bei einem Wahlsieg im Herbst würde
Schröder bei geplanten Gesetzen wie der Gesundheitsreform
oder der Reform von Arbeitslosen- und Sozialhilfe in der Länderkammer
auf Widerstand stoßen.
Berlin - Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber hat für den Fall eines Siegs bei den deutschen Bundestagswahlen am 22. September weit reichende Maßnahmen zum Abbau der Arbeitslosenzahl angekündigt. Er wolle "mindestens 700.000 bis 800.000 Menschen aus der Arbeitslosigkeit herausführen", sagte der CSU-Chef der "Welt am Sonntag". In der "Bild"-Zeitung am Samstag kritisierte Stoiber seinen Kontrahenten Gerhard Schröder als "Show-Kanzler".
Einstimmig nominiert
Stoiber wurde am Samstag in München fast einstimmig zum Spitzenkandidaten
der CSU bei den Bundestagswahlen in Bayern nominiert. Im "Spiegel"
stellte er die zentralen wirtschafts- und sozialpolitischen Vorhaben
des Wahlprogramms unter einen Finanzierungsvorbehalt. Das gelte
etwa für das Familiengeld von 600 Euro für Kinder unter
drei Jahren und für die angekündigten Steuerentlastungen.
"Ich kann das alles nur machen, wenn wir wieder ein ordentliches
wirtschaftliches Wachstum hinbekommen", sagte Stoiber.
"Große Zahl kleiner Nebenjobs"
Der Unionskanzlerkandidat kündigte auch an, das Gesetz gegen
die Scheinselbstständigkeit abzuschaffen. Außerdem
werde eine unionsgeführte Regierung die früheren 630-Mark-Jobs
als 400-Euro-Jobs wieder einführen. Zudem sollten Bezieher
von Arbeitslosengeld bis zu gewissen Grenzen Geld hinzu verdienen
können. Damit solle "eine große Zahl kleiner Nebenjobs"
ermöglicht werden.
"Natürlicher Koalitionspartner" FDP
Stoiber kritisierte in der "Bild"-Zeitung den Regierungsstil
von Bundeskanzler Gerhard Schröder: "Die Menschen wollen
keinen Show-Kanzler. Da könnte die SPD auch Günther
Jauch oder Verona Feldbusch aufstellen." Als "natürlichen
Koalitionspartner" für den Fall eines Wahlsiegs im September
bezeichnete er die FDP. Eine große Koalition mit der SPD
schloss Stoiber dagegen aus.
"Kreide gefressen"
Grünen-Chefin Claudia Roth attackierte Stoiber beim Parteitag
in Rendsberg scharf. Er sei ein Heuchler, der "Kreide gefressen"
habe, "rührselig in die Mitte dränge" und
den Europäer mime. Sie plädierte für eine Fortsetzung
der Koalition mit der SPD und erteilte einer Ampel-Koalition,
also einem Regierungseintritt der FDP, ebenso eine Absage wie
einer Regierungsbeteiligung der PDS.
PDS erwägt Wahlhilfe für Schröder
Nach einem Bericht des "Spiegel" kann Schröder
auch auf eine Wiederwahl zum Bundeskanzler hoffen, sollte sich
eine rot-grüne Mehrheit im Parlament nicht ausgehen. Sollten
Schröder "vier, fünf oder sechs Stimmen fehlen",
könne die PDS-Fraktion "Leute finden, die den Kanzler
wählen", berichtet das Magazin unter Berufung auf einen
führenden PDS-Politiker. Im Gegenzug erwartet die Partei
demnach das Amt eines Ost-Beauftragten. Die SPD schließt
eine Koalition mit der PDS auf Bundesebene kategorisch aus.