Das Bewerbungsgespräch

 
Wenn man von einer Firma zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wird, hat man schon sehr gute Chancen, den Job oder den Praktikumsplatz zu bekommen. Man sollte sich bei diesem Gespräch in jeder Hinsicht von seiner besten Seite zeigen. Dazu muß man sich gut vorbereiten. Das wichtigste dabei ist, sich über die Firma oder das Unternehmen informieren und sich auch über die eigene mögliche Tätigkeit Gedanken zu machen.

Wenn Sie eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch erhalten, zählen Sie zu den Glücklichen, denen eine weitere Chance gewährt wird. Es ist wichtig, sich intensiv auf das Gespräch vorzubereiten. Dadurch verfügen Sie im Gespräch auch bei schwierigen Fragen über eine größere innere Sicherheit. Rechnen Sie nicht unbedingt damit, dass das erste Gespräch gleich erfolgreich verläuft. Meist bedarf es dazu wie in vielen anderen Dingen einiger Übung.
 
 

Informationen zum Unternehmen

Zunächst informieren Sie sich ausführlich über das Unternehmen.

Größere Unternehmen unterhalten oft eine Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit. Hier sind z.B über das Internet oder bei den Firmen direkt Geschäftsberichte und andere Materialien erhältlich.

Informationen können auch bei den Verbänden der Branchen sowie den Kammern von Industrie, Handel und Handwerk eingeholt werden.

Vielleicht lassen sich über Ihren Bekanntenkreis einige zusätzliche Informationen über das Unternehmen oder das Aufgabengebiet in Erfahrung bringen. Nutzen Sie alle Quellen, die Ihnen einfallen, um eine bessere Vorstellung zu erhalten, was Sie in dem Praktikum erwartet.

Gesprächsverlauf

Der Verlauf eines Bewerbungsgesprächs ist ebenso wie die schriftliche Bewerbung oft von gewissen Standards geprägt. Er ist häufig in etwa wie folgt strukturiert: Je nach Unternehmen und der Ranghöhe der zu besetzenden Position sind ein oder mehrere Personen (z. B. Personalleiter und Praktikumsbetreuer oder Geschäftsführer und jemand, der das Aufgabengebiet genau kennt) an dem Gespräch beteiligt.

Verhaltensregeln

Häufig liest man in Ratgebern, dass die Gestik sehr viel über einen Menschen verraten kann und man daher auf seine Gesten achten sollte. Dies soll aber nicht heißen, daß man sich bewußt irgendwelche Gesten "verbieten" sollte. Wer sich beispielsweise häufig unbewußt ins Haar faßt oder die Nasen reibt, wird damit nicht einfach aufhören, nur weil er es sich vorgenommen hat. Sinnvoller ist es,  beispielsweise die Hände in dieser und jener Position zu halten, zu der sie, sollten sie den alten Gewohnheiten folgen, jederzeit wieder zurückgeführt werden können (vielleicht einfach vor sich auf den Tisch legen).

Ihre Kleidung wählen Sie der Position und Branche entsprechend aus, eher etwas konservativer, als es von Ihnen erwartet wird. Entscheiden Sie sich für dezente Farbtöne, kleiden Sie sich niemals "schrill". Eine Notwendigkeit ist, dass man sich in seiner Kleidung wohl fühlt. Tragen Sie doch einfach das eine oder andere Stück zuvor ein wenig, wenn die Zeit bis zum Termin noch ausreicht. Vermeiden Sie es, mit brandneu gekauften Sachen zu erscheinen.

Schätzen Sie die Anfahrtszeit richtig ein. Seien Sie am besten 15 Minuten früher am Ort. Dann können Sie einen abgelegenen Raum noch rechtzeitig auffinden, die Gedanken sammeln oder das Gebäude, in dem Sie vielleicht Ihr Praktikum machen werden, ein wenig genauer betrachten. Vielleicht fällt Ihnen dabei etwas passendes für die Einleitungsphase des Vorstellungsgesprächs ein.

Der erste und der letzte Eindruck bleiben besonders gut im Gedächtnis haften. Achten Sie auf die Körpersprache. Nehmen Sie auf dem Ihnen angebotenen Stuhl die ganze Sitzfläche ein. Sitzen Sie aufrecht aber bequem und behalten Sie mit beiden Füßen Bodenkontakt. Blicken Sie Ihrem jeweiligen Gesprächspartner offen in die Augen.

Seien Sie während des Gesprächs selbstsicher und bleiben Sie stets sachlich. Wenn Sie unsicher werden, versuchen Sie nicht, es zu überspielen. Sagen Sie ruhig, was Sie empfinden, Ihr Gesprächspartner hat vermutlich einmal ganz ähnliche Erfahrungen gemacht und kann Sie sehr gut verstehen. Ihnen hilft das, wieder sicherer zu werden. Seien Sie Sie selbst. Offenheit, Echtheit und Glaubwürdigkeit zahlen sich im Vorstellungsgespräch aus. Einfluß gewinnen Sie am besten, wenn es Ihnen gelingt, eine menschliche Beziehung zu Ihrem Gesprächspartner aufzubauen. Spielen Sie jedoch ihre Unsicherheit nicht zu hoch, sondern bemühen Sie sich immer, wieder sicher zu werden.
Führen Sie keine langen Monologe, sondern fassen Sie sich kurz.

Inhaltliche Gesprächsvorbereitung

Im Bewerbungsgespräch müssen Sie vor allen Dingen Überzeugungsarbeit leisten.

Eine erste Kurzdarstellung, die Zusammenfassung Ihres Lebenslaufs, sollte nicht länger als ein/einhalb Minuten dauern. Sie ist flüssig und interessant vorzutragen. Auf jeden Fall müssen Sie einen zusammenhängenden, klar verständlichen, widerspruchsfreien Bericht über den bisherigen Verlauf Ihres Studiums geben können.

Sprechen Sie Ihre Gedanken vor dem Gespräch laut vor sich hin, dann merken Sie am besten, bei welchen Punkten Sie stocken, welche Formulierungen ungekonnt und wenig überzeugend klingen oder wo Sie sich möglicherweise widersprechen. Inszenieren Sie die mögliche Gesprächssituation zusätzlich mit vertrauten Freunden.
 

Ganz wichtig: In einem Vorstellungsgespräch sollten Sie möglichst keine Werturteile äußern. Falls es unumgänglich ist, prüfen Sie zunächst die Bedingungen, unter denen solche Urteile gerechtfertigt erscheinen. Beschreiben Sie Bedingungen und Urteil, in Formulierungen wie "einerseits ... andererseits ..." (siehe unten: Fragen, mit denen sie rechnen müssen). Urteilen Sie nicht negativ über Professoren und Studiengänge! Sie sind Studierende/r und müssen sich erst noch die Qualifikationen verschaffen, die Ihnen eine Kritikbefähigung verschaffen.

Bereiten Sie sich ebenso gut auf Fragen vor, die SIE von Ihrem Gegenüber beantwortet wissen möchten. Zeigen Sie durch konkrete Fragen zu einzelnen Geschäftsbereichen oder künftigen Entwicklungen des Unternehmens, dass Sie über die Firma, in der Sie arbeiten möchten, informiert sind.

Fragen, auf die Sie sich einstellen sollten

Mit einigen typischen Fragen neben denen, die sich aus der Ausschreibung ergeben, können Sie rechnen und sich daher schon vor dem Gespräch auf die Antworten einstellen.

In einem gut vorbereiteten Vorstellungsgespräch werden sie zunächst gefragt werden, ob sie eine Tasse Kaffee oder ein Glas Wasser trinken möchten. Nehmen sie es auf jeden Fall aus Höflichkeit an, auch wenn Sie im Moment überhaupt keinen Durst haben.

Zu Beginn eines Interviews gibt es immer einen small-talk, um einen ersten Kontakt zu Ihnen aufzubauen. Es wird also um Ihre Anreise oder um das Wetter gehen. Überlegen Sie sich einen kurzen Satz darüber, wie die Reise war (Sie sollen hier natürlich keine lange Rede halten, aber ein oder zwei Sätze dürfen es schon sein). Vielleicht fällt Ihnen mehr ein, als nur: „Ja, ich hatte eine gute Fahrt!" Sind Sie nicht durch besonders schöne Landschaften gefahren, oder ist das Zugfahren nicht sehr viel angenehmer als Autofahren??

„Ja, die Fahrt war sehr angenehm, besonders weil man so wunderschöne Aussichten auf die Berge (das Meer, die Seen, die Wälder....)hatte." ... „Ja, vor allem war es sehr entspannend, so gemütlich im Zug zu sitzen, ich habe viele Staus gesehen!" ...wären mögliche Antworten.

Nach dem warming-up werden Sie gebeten werden, eine kurze Zusammenfassung Ihrer bisherigen Studien oder Ihres Lebenslaufes zu geben. Überlegen Sie sich vorher gut, wie sie diese Aufgabe meistern wollen. Sie sollen auch hier keinen Vortrag halten, sondern kurz das Wesentliche, das, was für die Praktikumsstelle relevant sein könnte, darstellen.

Sie werden auch danach gefragt werden, warum Sie sich gerade bei diesem Unternehmen um einen Praktikumsplatz beworben haben und was sie bereits über das Unternehmen wissen und wo Berührungspunkte ihrer Interessen mit dem Unternehmen sind. Erzählen Sie nun nicht, bei wie vielen anderen Unternehmen sie sich noch beworben haben, sondern legen Sie sich eine Antwort zurecht, in der Sie genau beschreiben, was Sie an diesem Unternehmen besonders reizt.

"Welche Fachzeitschriften lesen Sie?" Auf eine solche Frage können Sie ruhig warten, wenn Sie sich vorher zwei oder drei Titel eingeprägt haben.

Auch mit konkreten Fragen über Ihr Studium müssen Sie rechnen. „Fassen Sie kurz ihre letzte Hausarbeit, Forschungsarbeit zusammen."Bei einer solchen Frage geht es weniger um die konkrete Arbeit als vielmehr darum, wie sie komplexe Zusammenhänge darstellen können und ob sie selber einen roten Faden in ihrer Arbeit haben.

„Welche Schwierigkeiten haben Sie dabei gehabt, wie haben Sie Probleme mit Professoren oder Mitstudierenden gelöst?" Hier wird gefragt, wie Sie arbeiten und wie Sie mitarbeiten!

„Wie gehen Sie bei der Planung einer Hausarbeit vor?" Hier wird nach Ihrem Überblick und ihrer Arbeitsweise gefragt.

Eine weitere Frage wäre, was Sie sich von einem Praktikum in genau diesem Unternehmen versprechen. Auch für eine Antwort auf diese Frage ist eine sehr gute Vorbereitung nötig, in der Sie sich möglichst viele Informationen über das Unternehmen besorgt haben.  Machen Sie sich auch Gedanken darüber, wie Sie sich Ihre Arbeit vorstellen, erkundigen Sie sich, was zu tun sein könnte. Sollten Sie die Möglichkeit haben, selber Vorschläge für Ihre Arbeit zu machen, ist es sehr gut, sich einige realistische Vorschläge auszudenken.

Bei einer Bewerbung für eine studentische Hilfskraftstelle wurde auch die Frage gestellt: Wo sehen Sie sich in fünf Jahren? Die Frage könnte auch heißen: Was haben Sie sich für die nächsten fünf Jahre (oder: nach ihrem Examen) vorgenommen?
Bereiten Sie sich auf eine solche Frage vor!
 
 
 

Sie sollten auf jeden Fall versuchen, mit einer/m PartnerIn ein Bewerbungsgesprächsrollenspiel durchzuführen, oder sich im Monolog mögliche Antworten auf mögliche Fragen selbst laut vorzusprechen. Nutzen Sie alle Informationsmöglichkeiten für aussagekräftige Antworten.

Wenn Sie gut vorbereitet in das Gespräch gehen, sind sie sicherer, wirken offener und ermöglichen so von Ihrer Seite ein erfreuliches und erfolgreiches Interview.
 


 

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