Fast täglich berichtet uns das Fernsehen von neuen, brutalen Vorfällen des Nahostkonflikts: Juden und Palästinenser bekämpfen sich auf aggressivste Art und Weise. Es kommt zu Terroranschlägen und blutigen Auseinandersetzungen, Tote und Schwerverletzte bleiben nicht aus. Doch warum herrscht ein solcher Hass zwischen Juden und Palästinensern ? Wie konnte es zu solch einer Eskalation führen ?
Um das zu verstehen müssen wir uns mit der Geschichte des Nahostkonfliktes befassen, mit der Auseinandersetzung zwischen Israel einerseits und seinen arabischen Nachbarstaaten, und der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) andererseits um die staatliche Gestaltung des früheren Mandatsgebietes Palästina und den damit eng verbundenen regionalen und weltpolitischen Interessenverflechtungen. Mit unterschiedlicher Intensität sind alle arabischen Staaten im Nahostkonflikt engagiert.
Alles begann damit, dass die arabischen Gebiete des ehemaligen Osmanischen Reiches von den Mandatsmächten England und Frankreich verwaltet wurden. Zwar herrschte 1945 Einigkeit darüber, dass Libanon, Syrien, Palästina und Jordanien in die Unabhängigkeit entlassen werden sollten, doch das britische Einschwenken auf die Idee einer jüdischen Heimstätte sorgte für Zündstoff.
Historischer Hintergrund war die Zerstörung des Tempels in Jerusalem durch die Römer im Jahre 70 n. Chr. und der fortlaufenden Diaspora der Juden. Sie lebten über die Jahrhunderte hinweg staatenlos auf der ganzen Welt verstreut und waren in ihren Gastländern immer wieder massiven Verfolgungen ausgesetzt. Theodor Herzel, der geistige Vater der zionistischen Bewegung, erklärte Ende des 19. Jahrhunderts Palästina als neue ‚Nationale Heimstätte’ für die verfolgten europäischen Juden. Er löste damit eine lebhafte Auswanderungsbewegung nach Palästina aus. Die Juden kauften Grundstücke der dort lebenden Araber und gründeten Kollektive (die Kibbuze). 1911 entstand die erste jüdische Stadt: Tel Aviv. Spannungen mit der einheimischen arabischen Bevölkerung, die sich zunehmend von den jüdischen Siedlern bedroht fühlte, blieben nicht aus. 1917 besetzte Großbritannien Palästina und sicherte den Juden die Schaffung einer neuen Heimat zu. Bedingung war, dass die arabischen Einwohner des Landes in ihren Rechten nicht beeinträchtigt werden dürften. Die Zionisten betrachteten diese Erklärung als Garantie der Mandatsmacht zur Gründung des jüdischen Staates. 1936 kam es zu einem Aufstand der Palästinenser gegen die zunehmende Inbesitznahme von Land durch die Juden, der von den Briten gewaltsam niedergeschlagen wurde. Von den Engländern angeordnete Einwanderungsbegrenzungen fruchteten nicht, sondern wurden von der jüdischen Bewegung mit Terroranschlägen beantwortet. 1947 gab die UN-Vollversammlung unter dem Eindruck des Holocaust einem Teilungsplan mit Jerusalem als neutraler Zone ihren Segen. Die Araber waren empört, weil die Juden sofort den unabhängigen, souveränen Staat Israel ausriefen. Tags darauf brachen offene Kampfhandlungen aus! Die Araber versuchten vergeblich die Juden zurückzudrängen, Israel behauptete sich. Die Frontlinien wurden als provisorische Grenzen festgeschrieben. Über eine halbe Mio. Palästinenser verloren ihr Heim.
In Anbetracht dessen verstärkte sich der Hass zwischen Juden und Palästinensern so sehr, dass es noch zu etlichen blutigen Auseinandersetzungen kam, von denen ich in der nächsten Mittelpunkt berichten werde.
Dominique Nothnagel