Von „hautnah“ zu „nass bis auf die Haut“!

Von Michaela Schmidt

 

Bei dem Wort Latein fallen einem vor allem Namen wie Caesar oder Cicero ein. Man denkt an das alte Rom und so manch einer wohl auch, das Fach sei etwas „verstaubt“ – sprich: der Unterrichtsstoff habe mit dem Hier und Heute nichts mehr zu tun; alles sei antik, sehr weit weg ...

Dass dem nicht (ganz) so ist, zeigt die Schrift „Translatio et Miracula Sanctorum Marcellini et Petri“ oder einfach: Wie kamen zwei Heilige in den Odenwald. In diesem kleinen Bericht von Einhard, der den meisten als Biograph Karls des Großen bekannt sein dürfte, zeigt sich nicht nur, dass Latein selbst noch im Mittelalter gesprochen wurde (und noch weit darüber hinaus), sondern dass es auch hier, vor unserer Haustür, historische (=lateinische) Zeugnisse gibt.

Is locus est in saltu Germaniae, qui inter Neccrum et Moenum fluvios interiacet ac moderno tempore ab incolis Odanowald appellatur. In quo ... basilicam aedificavi ... – Germanien .... zwischen Neckar und Main ... Odenwald ... Basilika – hier kann nur und ist von der Basilika in Steinbach die Rede. Sie wurde 827 von Einhard als Altersruhesitz gebaut, wobei er sich für deren Einweihung auf nicht ganz einwandfreiem Wege Reliquien aus Rom „besorgte“, die dann in Steinbach (allerdings nur) für kurze Zeit ihre Ruhe fanden.

Mit den Geschichten, welche mit der Basilika verbunden sind und Einhard in seiner „Translatio“ in einer recht kurzweiligen und spannenden Erzählung dargestellt hat, haben sich die  Lateinschüler der Klasse 10a des Gymnasiums Michelstadt auseinander gesetzt. Sie haben dabei unter anderem die Reisewege im Mittelalter und das Bestattungswesen in Rom untersucht; die Stunden wurden dadurch bereichert, dass z.B. der Einbruch in die Katakombe in einem szenischen Spiel „stilecht“ mit einer Alditüte nachgestellt wurde. Außerdem wurden Dialoge zwischen Einhard und Deusdona entworfen, die in einer konspirativen Sitzung über den Raub der Reliquien verhandeln; da sich solche Verhandlungen oft als langwierig gestalteten, wurde natürlich zwischendurch zur Erfrischung ein „guter“ Wein gereicht: Hic est vinum! – Mhhh, bonum vinum.

Natürlich mussten dann auch die basilicae in Steinbach und Seligenstadt – hier fanden die Reliquien ihre letzte Ruhe, nachdem sie sich in Steinbach (unverständlicherweise) nicht „wohlgefühlt“ hatten – besucht werden. Beim Besuch in Steinbach schlossen sich uns die Austauschschüler aus unserer Partnerschule aus Olevano Romano an. Bei den vielen Heiligen in Rom sahen sie allerdings die Entwendung von Marcellinus und Petrus als nicht so tragisch an ...    

Während der Wanderwoche radelte die Schülergruppe mit ihren Lehrern auf den möglichst originalen Spuren nach Seligenstadt, um dort den Heiligen ihre Reverenz zu erweisen: Erat caelum grave sordidis nubibus – den Himmel verdüsterten schmutziggraue Wolken. Dieses Schicksal Einhards durften auch wir teilen, aber trotz Regenschauer (wobei alle bis auf die Haut nass wurden), plattem Reifen und einen „Lenkradakrobaten“ erreichten wir schließlich gegen Abend unser Ziel. Ein Besuch in der Basilika und dem angrenzenden Kloster rundete am nächsten Morgen das Bild über die „Überführung der Gebeine“ ab. Wir sahen nicht nur den Einhard-Sarkophag, sondern auch die beiden Heiligen Marcellinus und Petrus, die für kurze Zeit nicht weit von uns in Steinbach ruhten und die man heute vor der Einhardbasilika in Seligenstadt „bewundern“ kann.

 

 

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