In letzter Zeit wundere ich mich,
wieviele Menschen ohne zu fragen über meine Grenzen gehen.
Ständig fühle ich mich in mir selbst eingeengt,
weil andere mir zu nahe kommen.
Mein Gott, was soll das?
Habe ich so enge Grenzen, dass mich jeder verletzen kann?
Wieso schützt du mich nicht vor den Menschen?
Mein Kind, weißt du nicht, dass ich deine Grenzen baue?
Weißt du nicht, dass ich selbst in deinen Grenzen wache,
um dich zu schützen?
Früher kanntest du das Gefühl der Enge nicht,
wenn jemand dir unaufgefordert zu nahe kam.
Denn du hattest keine Grenzen.
Es konnte jeder mit dir tun und lassen, was er wollte –
du merktest es gar nicht.
Du spürtest erst, dass etwas falsch läuft,
als derjenige schon alles in dir eingenommen hatte.
Da gab es kein Zurück mehr.
Es blieb dir nur noch übrig zu warten, bis er wieder geht.
Doch jetzt fängt eine neue Zeit an.
Sie scheint dir fremd und bedrohlich zu sein,
aber es ist eine bessere, sicherere Zeit als früher.
Denn ich baue nun deine Grenze.
Ich baue Stück für Stück, darum ist sie noch niedrig.
Man kann noch drüberspringen –
das ist es, was dich in letzter Zeit so stört.
Aber sieh mal: was für ein gutes Zeichen,
dass es dich nun stört! Du merkst es jetzt!
Ja, jetzt, wo du weißt, wo deine Grenzen sind,
wo du sie sehen und fühlen kannst,
erst jetzt spürst du, wenn jemand darüber steigt.
Ich habe dir gesagt, dass jeder an mir vorbei muss,
der in deine Grenzen eindringt.
Und darum schenke ich dir dieses unangenehme Gefühl,
das dir sagt, wer gerade über deine Grenzen springt.
Du musst nun nicht mehr warten,
bis er alles in dir eingenommen hat.
Du kannst ihn an die Hand nehmen
und ihn freundlich wieder herausführen.
Wenn er nicht gehen will, dann trete ihn heraus –
ich erlaube es dir, denn deine Grenzen sind mir wichtig!
Und hab Geduld mit dir!
Du weißt noch nicht, wie man anderen seine Grenzen deutlich macht.
Darum werden sie ärgerlich sein, verletzt oder verwirrt.
Trotzdem spreche ich dir den Mut zu, einfach loszugehen.
Probier es aus und geh in kleinen Schritten vorwärts.
Die Fehler, die du machen wirst, habe ich schon auf mich genommen.
Und mach dir keine Sorgen um die Menschen,
die deine Grenze zu spüren bekommen:
ich sorge für sie!
Mein liebes Kind, lass mich deine Grenze sein
und schau nicht sehnsüchtig auf das, was außerhalb liegt.
Ich allein schaffe Frieden in deinen Grenzen.
Deshalb schau einfach drinnen nach,
mit welchem Reichtum ich sie gefüllt habe.
Und sei dankbar.
Denn erst dann wirst du meine ganze Fülle genießen können!
Wie ernst ich deine Grenzen nehme,
erkennst du an dem, was ich dir immer wieder sage:
„Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an;
wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet,
zu dem werde ich hineingehen und mit ihm essen, und er mit mir.“ (Offb.3,20)
Daran sollst du auch die Menschen erkennen,
die deine Grenze nicht ausnutzen werden –
sondern die sogar eine Bereicherung in diesen Grenzen sind.
Sie werden – wie ich – leise klopfen und fragen, ob sie hereinkommen dürfen.
Diese Menschen haben es nicht im Sinn, sich selbst an dir zu bereichern.
Sondern sie suchen dein Bestes und möchten es zusammen mit dir genießen.
Hab also keine Angst, sie herein zu lassen.
Ich schicke sie dir, weil du sie brauchst und sie dich brauchen.
Beschenke sie mit der Liebe und Geborgenheit,
die ich in deine Grenzen gelegt habe.
Erst dann werde ich dich mit deinen Gaben und Fähigkeiten zur vollen Entfaltung bringen können!